Carol Jarecki verstorben

von André Schulz
14.06.2021 – Am 13. Juni verstarb Carol Jarecki. Die in den USA lebende gebürtige Deutsche kam über ihren Sohn zum Schach, förderte und organisierte Schachturniere und leitete als Schiedsrichterin viele hochklassige Turniere und Wettkämpfe, unter anderem den WM-Kampf Kasparov gegen Anand 1995 und das Match Kasparov gegen Deep Blue 1997. Sie wurde 86 Jahre alt. | Foto: David Llada

ChessBase 16 - Megapaket Edition 2021 ChessBase 16 - Megapaket Edition 2021

Dein Schlüssel zu frischen Ideen, präzisen Analysen und zielgenauem Training!
ChessBase ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

Mehr...

Carol Jarecki, 1935 geboren, kam über ihren Sohn John zum Schach. In den USA liegen die Turnierorte oft weit auseinander und Jarecki, im Besitz eines Flugscheines, brachte ihren Sohn bisweilen per Flugzeug zum Turnierort. 1981 war John Jarecki mit 12 Jahren, der jüngste US-Nachwuchsspieler mit Meisterstärke. Carol Jarecki ist in New Jersey geboren und lebte mit ihrem Mann eine Zeit lang in Heidelberg. Dort hatte sie ihren Pilotenschein gemacht.

Jarecki begann schließlich, selber Turniere zu organisieren und absolvierte zudem eine Ausbildung als Internationale Schiedsrichterin. Sie blieb Schiedsrichterin, auch nachdem ihr Sohn mit dem Schach aufgehört hatte. Sie leitete mehrere U.S. Chess Championships, SuperNational Scholastic Championships, National Elementary Championships und World Opens in Philadelphia. Sie war über 20 Jahre lang Hauptschiedsrichterin bei den Bermuda International Open und den damit verbundenen Einladungsturnieren.

1995 war Carol Jarecki die Chef-Schiedsrichterin beim WM-Kampf zwischen Garry Kasparov gegen Viswanathan Anand in New York. Zwei Jahre später, 1997 war sie zudem die Schiedsrichterin beim Wettkampf Kasparov gegen Deep Blue. Darüber hinaus leitete sie mehrere Frauen-Weltmeisterschaftskämpfe.

Jarecki lebte in New York, war aber auch lange die FIDE-Delegierte für die British Virgin Islands. Neben ihren Tätigkeiten als Schiedsrichterin und Funktionärin war Carol Jarecki eine große Förderin des Schachs.

Auch außerhalb der Schachszene erlangte der Namen Name Jarecki Berühmtheit. Anfang der 1970er Jahren hatte Carol Jarecki zusammen mit ihrem Mann, dem Heidelberger Arzt Dr. Richard Jarecki, ein System für das Roulettespiel entwickelt und damit in den Spielbanken von Monte Carlo und San Remo große Gewinne erzielt oder die Bank gesprengt. Das Casino von San Remo musste mehrfach deswegen geschlossen werden. Der Gesamtgewinn soll über 1,25 Mio. Dollar betragen haben. Das System basierte auf fehlerhaften Rouletterädern, die verzerrte Ergebnisse lieferten.

Jarecki verstarb im am 13. Juni 2021 im Alter von 86 Jahren im Schlaf.

 

 


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren

flachspieler flachspieler 16.06.2021 08:20
@Frawi : Schreib bitte eine kurze Lockmail an
ingo.althoeferCAROLuni-jena.de
CAROL steht für das Zauberzeichen.
Danke, Ingo.
Frawi Frawi 15.06.2021 07:59
@flachspieler
Wow, danke für die Ausführungen, Ingo!
GM Jussupow zu schlagen ist ja eine sehr beachtliche Leistung! Anno 1987 war das 3-Hirn meines Wissens noch mit einer INGO-Zahl von 80 gelistet, was damals ELO 2200 entsprach. Vermutlich wurde in den zehn Jahren bis '97 auch die Hardware des 3-Hirn kräftig aufgerüstet und der 3-Hirn-Verbund damit deutlich stärker.
'97 war ja auch das Jahr, wo Deep Blue gegen Garry knapp gewann.
GM Jussupow hat übrigens etliche Perlen der Schachkunst kreiert. Erst kürzlich habe ich die Schnell-Partie gegen Ivanchuk (Jussupow mit S) aus Brüssel von 1991 noch einmal nachgespielt, kommentiert von Hort/Pfleger auf der "Moderne Klassiker 2" - DVD.
Eine der schönsten Partien der Schachgeschichte und eine wahre Freude, zumal man auch von Hort und Pfleger einiges über die Menschen hinter dem Brett erfährt.
flachspieler flachspieler 15.06.2021 05:00
@Frawi
3-Hirn war bis 1997 toll, da schlug "ich" im September als Listen-3-Hirn GM Jussupow mit 5:3. Danach gab es etliche Enttäuschungen: * Es fanden sich keine Sponsoren zum für 1999 angedachten Wettkampf gegen Kasparow. * Trotz intensiver Kontaktversuche von mir fanden sich keine Mediziner, um das 3-Hirn-Prinzip bei der Diagnose-Stellung zu erproben. * 2015 hatte ein 3-Hirn erste Achtungserfolge im Go-Spiel (mit Prof. Manja Marz als Auswählerin). Aber Anfang 2016 tauchte Googles Alpha-Go auf, und damit hatte sich das 3-Hirn beim Go erledigt.
***** Ich bin nach wie vor überzeugt, dass der 3-Hirn-Ansatz in ganz verschiedenen Bereichen viel Potenzial hat ...
Frawi Frawi 15.06.2021 02:18
@flachspieler: Nein ich habe nicht geheiratet, sondern heiße immernoch Witthus mit Nachnamen. Mein CB-Account setzt sich ganz phantasielos aus jeweils stark verkürztem Vor- und Nachnamen zusammen.
Vom Dreihirn war ja ab und zu noch mal was zu lesen z.B. im Schmagazin 64. Lief es dann in den 90er Jahren aus, weil die Schach-Computer und Programme immer stärker wurden und quasi für Menschen nicht mehr zu schlagen waren?
Gab es wissenschaftliche oder spieltheoretische Erkenntnisse durch das Dreihirn-Prokjekt?
flachspieler flachspieler 15.06.2021 02:10
@Frawi
<<< Im Jahre 1987 beim Alligator-Open in Spenge (6.Runde, am 29.12.) habe ich übrigens mal gegen Dein Dreihirn spielen und siegen dürfen. >>>
Oh ja, am Ende mit einem Matt in 6. Das war heftig.
Frawi Frawi 15.06.2021 12:43
Das ist wirklich ein sehr interessanter Beitrag über eine schillernde Persönlichkeit mit sehr guten und erhellenden Anmerkungen vom Flachspieler.
Danke dafür!
@flachspieler: Im Jahre 1987 beim Alligator-Open in Spenge (6.Runde, am 29.12.) habe ich übrigens mal gegen Dein Dreihirn spielen und siegen dürfen.
flachspieler flachspieler 15.06.2021 12:29
Im Heft 4 / 2016 von KARL gab es einen zweieinhalb-Seiten-Artikel über Carol Jarecki.
André André 15.06.2021 10:30
@flachspieler Besten Dank für die Korrektur und die Ergänzungen! Die Angaben zum Geburtsort habe ich im Text korriogiert.
flachspieler flachspieler 14.06.2021 08:52
Einige Ergänzungen und eine Korrektur: Carol Jarecki war in den USA geboren. Sie kam als Kinder-Krankenschwester nach Heidelberg. Dort lernte sie den Arzt Dr. Richard Jarecki kennen und heiratete ihn. Dr. Jarecki war nicht nur Arzt, sondern auch ein sehr versierter Roulette-Spieler, vor allem mit Kesselfehlerspiel. Als Richard in den frühen 1970er Jahren in immer mehr Casinos gesperrt wurde, setzte Carol statt seiner die Chips. Von den erspielten Millionen machte sie einen Flugschein und kaufte sich eine eigene Cessna.

In Italien gab sie Kesselfehlerkurse. Manche der "Schüler" achteten nicht genau auf die Sigmas und setzten zu früh auf vermeintliche Favoriten. In einem Fall behauptete einer der Naivlinge, sie als Lehrerin sei Schuld an seinen "verpulverten" Einsätzen. Er verfolgte sie bis auf den Flughafen, wo sie ihm mit ihrer Cessna vor der Nase wegflog. In einem Teil der Roulette-Szene hatte sie den Spitznamen "Golden Girl". Sie war auch optisch ein richtiger Hingucker - zum Beispiel in einem Foto in einer Heidelberger Tageszeitung aus 1969, was sie mit Ihrem Mann und dem Herzchirugen Christian Barnard zusammen zeigte. Carol Jarecki war ein wirklich bemerkenswerter Mensch.

2013 habe ich in Paderborn im Nixdorf-Forum mal über erfolgreiche Roulette-Millionäe vorgetragen, auch über Carol Jarecki. "Denn sie wussten, was sie tun."
https://www.hnf.de/das-hnf/presse/pressemitteilungen/ansicht/artikel/denn-sie-wussten-was-sie-tun-schillernde-roulette-millionaere.html

Ingo Althöfer.
Nefumanto Nefumanto 14.06.2021 07:34
Ein schöner Beitrag. Kompliment an André Schulz.
1