CBM Jubiläum: Updates für Ihr Repertoire

19.03.2021 – Anfang gut, alles gut! Die Verbesserung des eigenen Eröffnungsrepertoires steht für viele Schachfreunde an erster Stelle. Das ChessBase Magazin trägt dem natürlich Rechnung und liefert mit jeder Ausgabe über zehn Eröffnungsartikel und drei Videos – sprich jede Menge neue Ideen für die Anfangsphase der Partie, die nur darauf warten, von Ihnen in der Praxis getestet (und hoffentlich in volle Punkte umgemünzt!) zu werden. Im Rahmen des CBM-Jubiläums haben wir für Sie heute eine kleine Auswahl von Eröffnungsartikeln zusammengestellt. Zum Reinschnuppern und Downloaden!

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Ausgewählte Eröffnungsartikel aus ChessBase Magazin

66 Eröffnungsartikel mit neuen Ideen für Ihr Repertoire liefert das CBM im Laufe eines Jahres. Im Rahmen unseres Jubiläums bieten wir Ihnen fünf aktuelle Beiträge zum Download für Ihr ChessBase-Programm!

Ein strenges Nebenabspiel (CBM #200)

Spyridon Kapnisis mag 7.Lb5!? im Richter-Rauser

Sizilianisch Richter-Rauser 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Lg5 e6 7.Lb5

 

Nach einer langen Periode mit sinkender Popularität ist die Richter-Rauser-Variante in den letzten 3-4 Jahren wieder in Mode gekommen. Dabei hat sich das seltene 7.Lb5!? in jüngster Zeit als heißes Nebenabspiel entpuppt, in dem Weiß einen gewaltigen Haufen Theorie vermeidet und die Partie in weniger erforschte Territorien lenkt. Seine Hauptidee lautet, den weißfeldrigen Läufer für den schwarzen Springer zu tauschen, was es ihm leichter macht, an späterer Stelle mit e4-e5 loszuschlagen.

Bevor wir zu der schwarzen Hauptoption kommen, möchte ich einen Blick auf das seltene 7...Db6 werfen,

 

was durchaus einige Aufmerksamkeit verdient. In der Fernpartie Hauser,S - Pheby,I 1/2 versuchte Weiß darauf das ziemlich seltsame 8.Lxf6 gxf6 9.Sa4!? nebst 10.0-0, was zu einem komplizierten Mittelspiel mit entgegengesetzten Rochaden führte. Alternativ kann er 8.Dd3 testen, was die moderne Herangehensweise gegen 7...Ld7 ist, oder auch 8.Le3 Dc7 9.g4. In beiden Fällen gibt es nur begrenzte praktische Erfahrung, und den weißen Vorteil nachzuweisen ist nicht so leicht.

Nach dem schwarzen Hauptzug, 7...Ld7, hat Weiß zwei Möglichkeiten.

A) 8.Lxc6

 

Das alte Hauptabspiel, was nicht ad acta gelegt wurde, aber auf jeden Fall weniger populär ist als 8.Dd3. Nach 8...bxc6 setzt Weiß 9.Df3 fort, was die Drohung e5 aufstellt. In der Partie Morgunov,D - Shengelia,D 0-1 behielt Schwarz in einer komplizierten Schlacht die Oberhand, aber das Spiel von Weiß lässt sich verbessern. Die beste Wahl für Schwarz lautet wahrscheinlich 9...e5 (mit oder ohne ...h6) 10.Sf5 Lxf5 11.Dxf5 Dd7, wonach die Stellung mehr oder weniger ausgeglichen, aber dennoch recht interessant ist.

B) 8.Dd3

 

Weiß entwickelt seine Dame nach d3 und bereitet die lange Rochade vor, wobei er sich die Optionen für seinen weißfeldrigen Läufer offenhält. Die normale Reaktion lautet 8...h6 9.Lh4, und hier hat Schwarz eine Reihe von Zügen erprobt.

B1) 9...Db6

 

In der Partie Ragger,M - Sanal,V 1-0 versuchte Schwarz seine Probleme im Endspiel (damenloses Mittelspiel trifft es vielleicht eher) zu lösen, indem er nach 10.0-0-0 auf d4 nahm. Meines Erachtens behält Weiß die besseren Chancen, bei praktisch geringem Risiko, und Großmeister Ragger fuhr einen makellosen Sieg ein.

B2) 9...g5!?

 

Dieses bekannte Konzept ist in meinen Augen eine der besten Möglichkeiten für Schwarz. In der Partie Sychev,K - Soumya,S 1-0 ging es weiter mit 10.Lg3 Sh5. In der anschließenden Schlacht hatte Schwarz über weite Strecken die besseren Chancen, konnte diese aber nicht nutzen und verlor sogar. Ich denke, 10.Lxc6, um Schwarz an Se5 zu hindern, ist eine bessere Option für Weiß. Für eine reelle Einschätzung der Variante mit 9...g5 sind weitere Tests erforderlich.

B3) 9...Se5

 

Dieser Zug wurde von Anton Guijarro in seiner kürzlichen Bundesligapartie Dragnev,V - Anton Guijarro,D 1-0 erprobt. Schwarz vermeidet Lxc6 und bereitet den Tausch der weißfeldrigen Läufer vor. Das Stärkste ist nun 10.Dh3!, was jegliche Ideen mit ...g5 durchkreuzt. Die Partie war mehr oder weniger ausgeglichen, mit Chancen für beide Seiten. Meines Erachtens ist dies die beste Option für Schwarz gegen 8.Dd3.

B4) 9...Le7

 

Dies, gefolgt von ...0-0, ist die schwarze Hauptfortsetzung. Meines Erachtens erhält Weiß in der Stellung nach 10.0-0-0 0-0 11.Lxc6 bxc6 12.Sb3 bequemen Vorteil. In der Partie Lagarde,M - Nevednichy,V 1-0 konterte Schwarz die Drohung e5 jetzt mit 12...d5. Nach 13.e5 Sh7 (13...Se8 ist einen Hauch besser, aber Weiß behauptet dennoch ein solides Plus) 14.Lxe7 Dxe7 15.De3

 

hat Weiß die dunklen Felder fest im Griff und dürfte, solange Schwarz nicht zu ...c5 kommt, besser stehen.

In der letzten Partie dieser Übersicht, Grobler,D - Schlenther,M 1/2, vermied Schwarz die Einschaltung von ...h6/Lh4 und zog sofort 8...Le7, wonach 9.0-0-0 0-0 10.Sxc6 bxc6 11.Sb3 a5 folgte.

 

Hier opferte Weiß eine Qualität: 12.Lxf6 (12.e5!? Sd5 12.Sxe7 Dxe7 13.exd6 Dxd6 14.Dc4 wirkt ebenfalls angenehm für Weiß) gxf6 13.Dg3+ Kh8 14.Txd6!?.

 

Weiß erhält ausgezeichnete Kompensation, und seine Stellung ist vorzuziehen.

Fazit: 7.Lb5 ist ein interessantes Nebenabspiel, das, vermute ich, an Popularität sogar noch zulegen wird. In der alten Hauptvariante mit 8.Lxc6 bxc6 9.Df3 kämpft Weiß um einen kleinen Vorteil. Im modernen Abspiel mit 8.Dd3 stellt er mehr Probleme, und Schwarz muss gut darauf vorbereitet sein. In den meisten Varianten hat Weiß für mein Gefühl das Heft in der Hand, und ich habe für Schwarz keinen Pfad zum Ausgleich gefunden. Letzterer kann zwar mit 9...Se5 (Dragnev,V - Anton Guijarro,D 1-0) oder 9...g5 (Sychev,K - Soumya,S 1-0) gute Kampfchancen bekommen, aber dennoch bleibt der Anziehende offenbar leicht am Drücker.

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