Championnat de France féminin des Clubs

21.02.2005 – Obwohl es in in der französischen (Männer)-Liga sogar in jeder Mannschaft ein obligatorisches Frauenbrett gibt, wurde dennoch nach dem Vorbild der deutschen Frauenbundesliga eine richtige Frauenliga eingeführt, die demnächst sogar um eine zweite Liga erweitert werden soll. In Deutschland hat die Einführung der Frauenligen zu einem deutlich größeren Interesse von Mädchen und Frauen am Schach geführt und ähnliche Effekte erhofft man sich auch in unserem Nachbarland. Zur Zeit spielen dort 10 Mannschaften in der ersten Liga und bieten ein breites Leistungsspektrum an den Brettern, das von der Weltmeisterin Antoaneta Stefanova bis zur sechsjährigen (!) Marie Marie Rouffignac reicht. Meister wurde Clichy 92 (Foto). Eva Maria Zickelbein berichtet aus Paris. Mehr...

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Échecs aux Dames ou Championnat de France féminin des Clubs 2005
Von Eva Maria Zickelbein

Vom 11. bis 13. Februar fand in Paris die Französische Frauenmannschaftsmeisterschaft statt. In der höchsten französischen Liga, der Top16, gibt es seit vielen Jahren ein obligatorisches Frauenbrett, doch seit zehn Jahren wird zur verstärkten Förderung des Frauenschachs auch eine eigene Mannschaftsmeisterschaft ausgerichtet.

Jocelyne Wolfangel, die in der Fédération Française des Échecs für Frauenschach zuständig ist, möchte dieses Turnier nach dem Vorbild der Männerligen aufwerten und in absehbarer Zeit auch eine 2. Liga einrichten. Vorbild ist hier die Frauen-Bundesliga, die ja 1991 auch aus einem Wochenend-Vereinsturnier mit Vierer-Teams hervorgegangen ist und sich inzwischen so fest etabliert hat, dass es mit 2. Liga, Regionalliga und Landesliga einen richtigen eigenen Frauen-Spielbetrieb gibt.

Über Sinn und Unsinn eines solchen separaten Spielbetriebes kann man(n) sich natürlich vortrefflich streiten, aber Fakt ist, dass seit Gründung der Frauen-Bundesliga mehr Frauen und Mädchen beim Schach geblieben sind und die Mitgliederzahlen der Frauen in den Schachklubs stetig steigen. Passend dazu die Grußworte von Philippe Poulain, Präsident des ausrichtenden Klubs Clichy Echecs 92:
„Le monde des Echecs Féminins est en pleine mutation.
Les anciennes images des joueuses dont la féminité se serait perdue au contact des 64 cases sont désormais révolues. A l’image de notre equipe, elles allient de nos jours le charme au talent et c’est à Clichy cette année qu’elles nous enchanterons dans le cadre des 10ème Championnats de France, pour notre plus grand plaisir!” Diese Sätze sind natürlich nur auf Französisch so richtig schön – hier aber trotzdem ein Übersetzungsversuch: “Die Welt des Frauenschachs verändert sich rasant. Die alten Vorstellungen über Spielerinnen, deren Weiblichkeit sich mit dem Kontakt der 64 Felder auslöscht, wird es nicht mehr geben. Wie in unserem Team vereinen die Spielerinnen heutzutage Charme und Talent, und in Clichy werden sie uns in diesem Jahr bei den 10. Französischen Meisterschaften zu unserem großen Vergnügen entzücken!“


Familie Armas mit Zickelbein: Jules, Rike, Evi, Lara und Lena

Zehn Teams qualifizieren sich regional für die Endrunde, die an einem Wochenende ausgetragen wird. Mein französischer Klub, L’Échiquier Naujacais, war mangels Konkurrenz im Raum Auquitaine direkt für die Endrunde spielberechtigt und ich zögerte keine Sekunde, als mich Rike Wohlers-Armas fragte, ob ich Lust hätte, im Februar ein nettes Wochenende in Paris zu verbringen und nebenbei ein bisschen Schach zu spielen. Dass es umgekehrt werden würde, hätte ich natürlich vorher wissen können, aber das trübt nicht die Freude eines solchen Erlebnisses! So durfte ich also das Familien-Team aus Naujac unterstützen, das aus Rike Wohlers-Armas, ihren Töchtern Lara und Lena und ihrem Mann Jules Armas, der zugleich als Teamchef fungierte, bestand.


David gegen Goliat in Runde 1: Naujac gegen Clichy und...

Offiziell waren wir von zehn Teams an neun gesetzt, doch vor der ersten Runde stellte sich heraus, dass wir plötzlich auf den sechsten Platz vorgerückt waren und es somit in der ersten Runde mit der favorisierten Heimmannschaft aus Clichy zu tun haben würden, die mit Weltmeisterin Antoaneta Stefanova, WGM Silvia Collas, WIM Marina Martsynovskya und Sophie Bujisho an allen Brettern mindestens 200 Elopunkte mehr aufzubieten hatten als unser Team aus Naujac-sur-Mer. Der Wettkampfverlauf war allerdings nicht so eindeutig wie das klare Endergebnis: Lara und Lena wehrten sich lange gegen ihre starken Gegnerinnen, Lara stand sogar lange Zeit deutlich besser, und ich verpasste nur knapp den richtigen Zeitpunkt zu einem gewinnbringenden Opfer am Königsflügel.


...das Endergebnis.

Auch die anderen Favoriten gaben sich in der ersten Runde noch keine Blöße: Besonders Evry Grand Roque mit GM Pia Cramling und WGM Marie Sebag  und Bischwiller mit WGM Ketino Kachiani-Gersinska und WGM Sopie Milliet hatten ebenfalls Ambitionen auf den Titel. Bischwiller schlug Bois-Colombes überzeugend mit 4:0 und Evry Mulhouse Philidor mit 2:1. Da in Frankreich nur die entschiedenen Partien gezählt werden, fällt das hart erkämpfte Remis der aus dem Frauen-Bundesliga-Team von Karlsruhe bestens bekannten Anne Muller gegen die Weltklassespielerin Pia Cramling etwas unter den Tisch.



In der zweiten Runde, die aufgrund der zu absolvierenden Doppelrunde schon am Samstag um 9 Uhr begann, schlug Evry Bischwiller mit 3:0, so dass das Team um Ketino Kachiani-Gersinska bei nur vier zu spielenden Runden praktisch schon aus dem Titelrennen war. Parallel hatte Clichy keine Probleme mit dem jungen Team aus Vandoevre und die Naujacaises gerieten am 3. Tisch gegen die Hamburger Partnerstadt Marseille, die mit  einem reinen Jugendteam antraten, mit 1:3 unter die Räder. Nachdem unsere Küken Lena und Lara die Mittagspause zu einem Schwimmbadbesuch nutzen konnten, während die älteren Semester – Rike und ich – uns noch am Brett quälen mussten, wurden wir in der dritten Runde zum zweiten Mal hintereinander hoch gelost (!) und mussten gegen Mulhouse ran.


Mulhouse gegen Naujac I: Anne Muller – Eva Maria Zickelbein


Mulhouse gegen Naujac II: Rike, Lara und Lena unter „strenger“ Beobachtung des Familienoberhauptes, IM Jules Armas!

Aus Formgründen wechselten Rike und ich die Bretter ab Runde 3 und nach gelungener Vorbereitung gelang es mir, WIM Anne Muller zu schlagen. Leider reichte es ansonsten nur zu einem Remis von Rike, so dass wir zum dritten Mal unter die Räder gerieten – nun mussten wir am Sonntag doch noch gegen den Abstieg spielen! An den vorderen Tischen landeten die beiden Favoriten Evry und Clichy Pflichtsiege gegen Marseille und Bois-Colombes, wobei Antoaneta Stevanova aber mit einer Punkteteilung gegen die starke französische Nachwuchsspielerin Pauline Guichard ihre weiße Weste verlor.

Nach der dritten Runde gab es in einem Saal der Mairie von Clichy ein Diner für alle Teams, Gäste und die Organisatoren. Die stellvertretende Bürgermeisterin, der neue Präsident der Fédération Française des Échecs Jean-Claude Moingt und die Beauftragte für Frauenschach Jocelyne Wolfangel begrüßten die Spielerinnen und eröffneten das Buffet – und dann bestand die Gelegenheit, viele neue Bekanntschaften zu schließen und interessante Gespräche zu führen:


Jocelyne Wolfangel, Jean-Claude Loubatière und die Bürgermeisterin begrüßen die Gäste.


Gemeinsames Diner am Samstag Abend.
 

Für die letzte und entscheidende Runde am Sonntagmorgen hatte sich das Auslosungsprogramm dann die Paarung aufgespart, die über die Meisterschaft entscheiden sollte: Die Gastgeberinnen aus Clichy gegen Evry, d.h. an den Spitzenbrettern die interessanten Paarungen GM Antoaneta Stevanova gegen GM Pia Cramling und WGM Silvia Collas gegen WGM Marie Sebag.


Hier geht’s um die Französische Meisterschaft: GM Stevanova gegen GM Cramling, Clichy gegen Evry.

Nachdem sich die Großmeisterinnen am Spitzenbrett nach circa zwei Stunden friedlich getrennt hatten und am vierten Brett Sophie Bujisho ihren wichtigsten Punkt in diesem Turnier gemacht hatte, hing der Titel des Französischen Mannschaftsmeisters an den Partien von Marie Sebag und Marina Roumegous am dritten Brett. Dann aber spielten sich wahre Dramen ab: Marie Sebag, schon das gesamte Turnier von einer sehr starken Erkältung geplagt, lehnte zuerst ein Remisangebot von Silvia Collas ab, um dann in deutlich besserer Stellung mit Mehrbauern einen weiteren Bauern zu fressen – allein dies wurde ihr dann leider zum Verhängnis und Silvia Collas konnte die Partie mit einem sehenswerten, wenn auch nicht ganz wasserdichten Damenopfer beenden (siehe Stellung). Und auch am dritten Brett war Evry im Pech: WIM Marina Roumegous musste sich lange mit Figur gegen zwei Bauern verteidigen, doch als sie gerade die Abwicklung in ein völlig gewonnenes Damenendspiel geschafft hatte, dabei noch einige taktische Gewinnwege ausgelassen hatte, lief sie, trotz inzwischen verwandeltem Bauern, also mit einer glatten Dame mehr, ins Dauerschach.

Ein höchst unglücklicher Wettkampfverlauf für Evry also, doch um so größer natürlich die Freude bei GM Manuel Apicella und seinem Team - Herzlichen Glückwunsch auch an dieser Stelle!

Für Naujac endete das Turnier, wie es begonnen hatte, mit einem 4:0 - diesmal allerdings für uns! Gegen Chalons gelang uns endlich der erste Sieg und damit das Erreichen des rettenden 8. Platzes – im nächsten Jahr dürfen wir also wieder mitspielen!

Championnat de France féminin des Clubs

1 Clichy 92        12 4 11 12 1
2 Vandoeuvre       10 4 6 10 4
3 Evry Grand Roque 10 4 4 8 4
4 Bischwiller       8 4 2 8 6
5 Mulhouse Philidor 8 4 2 7 5
6 Marseille Duchamp 8 4 -1 7 8
7 Bois-Colombes     8 4 -3 5 8
8 Naujac-Sur-Mer    6 4 -3 6 9
9 Paris Jeen        6 4 -5 4 9
10 Chalons-En-Champagne 4 4 -13 0 13

Fotos:


Französischer Meister: Clichy Echecs 92…


…auch GM Apicella freut sich.                                     


Vizemeister Vandoevre…


…und ein undankbarer 3. Platz für Evry!


Jüngste Teilnehmerin Marie Rouffignac (6 Jahre)...
 


...und ihr Partieformular!
 


Professionelle Unterhaltung bei unserem Lieblingschinesen in der Mittagspause: Der kleine Mann hat sich die Tricks aus Zeichentrickserien abgeguckt und genoss die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums!

Paris:

Wieder mal Brett vor’m Kopf gehabt und nichts von Paris gesehen? Natürlich! Aufgrund des straffen Zeitplans war so gut wie keine Zeit zum Sightseeing und Auffrischen schöner Erinnerungen an die schönste Stadt der Welt…

Nach der „Remise des Prix“ allerdings hatte Jules Armas die Idee, seinen Töchtern doch noch einen Eindruck von der „Capitale“ zu vermitteln und wir unternahmen eine kleine Stadtrundfahrt im Regen:
 

Oh Champs Élysées: J’aime balader sur l’Avenue le coeur ouvert à l’inconnu, il y a tous que vous voulez, aux Champs Élysées… schmetterten Lena, Lara und ich im Fonds des Armasschen Mercedes, als wir den Prachtboulevard hinunterfuhren… Wie es sich gehört, hatten die Mädels den gesamten Text in der Schule auswendig gelernt!


Blick vom Pont de la Concorde Richtung Ile de la Cité und Notre Dame


Paris kämpft gegen London, Tokio, New York für die Ausrichtung der Olympischen Spiele, Hamburg ist ja bekanntlich schon gegen Leipzig ausgeschieden…


Gekonnt das Alte mit dem Neuen vereint im futuristischen Viertel La Défense: Die majestätische Achse Louvre, Champs Élysées, Arc de Triomphe wird bis zur Défense und der „Grande Arche“ (deren Namen bei Deutschen und natürlich auch kleinen Französinnen wie Lena und Lara immer Lacher produziert) verlängert.


Weitere Fotos:


Das Team aus Bischwiller erreichte den vierten Platz,


Mulhouse wurde Fünfter.


Sechster Platz für das junge Team aus Marseille.


Bois-Colombes wurde Siebter, erhielt aber viel Applaus, weil es das einzige Team mit weiblichem Teamchef (versteckt sich links hinten) war!


Achter Platz, aber ein Foto mit Monsieur le Président: Naujac!


Paris J.E.E.N auf dem neunten Platz


...
und auf dem zehnten Chalons mit der sechsjährigen Marie:

 


GM Pia Cramling gegen WGM Keti Kachiani-Gersinska am ersten Brett und


WGM Marie Sebag gegen WGM Sophie Milliet.


Lena und Lara Armas…hätten wir auch gern bei uns in Hamburg im Klub!


Lules und Lena Armas mit Mathilde, dreijährige Tochter vom Président.


Mme Wolfangel im Gespräch mit Christine Flear.

 


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