Chess Classic Mainz: Clash of the Legends

02.06.2005 – Vom 9.-14.August ist Mainz die Schachhauptstadt Deutschlands, denn dann werden dort in der Rheingoldhalle die Chess Classic 2005 veranstaltet. Als Headliner verteidigt Vishy Anand seinen Schnellschachtitel in einem Wettkampf gegen den jungen Russen Alexander Grischuk. Das gleiche versucht Titelverteidiger Peter Svidler im Chess960 gegen Zoltan Almasi. Anlässlich des 80sten Geburtstages von Wolfgang Unzicker wird es außerdem ein Aufeinandertreffen der vier Schachlegenden Wolfgang Unzicker, Viktor Kortschnoj, Boris Spasski und Anatoly Karpov geben. Organisator Hans-Walter Schmitt erläuterte im Interview sein Konzept. Interview mit Hans-Walter Schmitt...

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Unzicker-Gala ein „Meisterstück“
Grischuk fordert Anand / Interview mit Hans-Walter Schmitt: Chess Classic Mainz als „Olympische Spiele des Schnellschachs“

Die Teilnehmerfelder für die Top-Wettbewerbe bei den Chess Classic Mainz (9.-14. August) sind komplett. Alexander Grischuk (Russland) wird nach seinem zweifachen Open-Triumph in der Rheingoldhalle Seriensieger Viswanathan Anand (Indien) im Kampf um die Schnellschach-WM herausfordern. Im Chess960 trifft Weltmeister Peter Swidler (Russland) auf Zoltan Almasi (Ungarn). Vier Schach-Legenden treffen sich, um den 80. Geburtstag von Wolfgang Unzicker zu feiern: Neben dem Jubilar aus München treten Anatoli Karpow (Russland), Viktor Kortschnoi (Schweiz) und Boris Spasski (Frankreich) an! Hartmut Metz unterhielt sich mit dem 53-jährigen Organisator Hans-Walter Schmitt über den Höhepunkt des Schach-Sommers.

Frage: Herr Schmitt, weshalb erhält Alexander Grischuk die Chance, Viswanathan Anand im Kampf um die Schnellschach-Weltmeisterschaft zu fordern?

Schmitt: Alle Welt weiß, dass wir immer nach der besten Lösung für Zuschauer und Sponsoren suchen. Für mich war letztes Jahr nach Grischuks zweitem Triumph im ORDIX Open klar, dass er die größte Herausforderung für den besten Schnellschachspieler der Welt, den siebenfachen Chess-Classic-Champion Viswanathan Anand, darstellt. Solch ein hochkarätiges Mammutturnier wie das ORDIX Open gewinnt man nicht zufällig zweimal hintereinander. Außerdem ist dieser junge Mann noch nicht so verheizt und bekommt bisher trotz des zwischenzeitlichen Weltranglistenplatzes sechs kaum Einladungen zu Topturnieren wie Linares, Sofia oder Dortmund. Hinzu gesellt sich unsere Simultan-Tradition an 40 Brettern. Grischuk gibt nun erstmals in  Deutschland eines. Mein Respekt und meine Bevorzugung fußt aber hauptsächlich darauf, dass er freiwillig die Qualifikations-Tortur im härtesten Schnellschach-Open der Welt durchlaufen hat. Das kann ansonsten nur Alexander Morosewitsch behaupten, der 2004 Grischuk hauchdünn den Vortritt lassen musste. Der Einsatz der vielen Weltklasse-Kollegen der beiden konzentriert sich dagegen lediglich darauf, Anfragen zu stellen, ob sie direkt die höchste Weihe im Schnellschach erfahren – sprich das Match gegen die Nummer eins der Welt, Viswanathan Anand, bestreiten dürfen.

Frage: Garri Kasparow soll auch angeklopft haben.

Schmitt: Das stimmt. Er kam, das gebe ich ehrlich zu, bis zu der Verkündigung seines Rücktritts im März stark in Frage. Aber vielleicht gelingt es uns ja, ihn zur 13. Ausgabe – schließlich seine Lieblingszahl - wieder zu aktivieren! Allerdings sollte das dann keine pure Gaudi sein, sondern ein echter Kampf um die regelmäßig stattfindende Schnellschach-Weltmeisterschaft werden! Gut hätte sich Kasparow auch als Teilnehmer in der Gala zum 80. Geburtstag von Wolfgang Unzicker gemacht – aber leider waren wir da schon komplett.

Frage: Wäre Wesselin Topalow als neuer Weltranglistenzweiter hinter Anand die attraktivere Wahl für die WM gewesen?

Schmitt: Die Nummer eins gegen die Nummer zwei der Weltrangliste ist auf dem Papier sicher immer ein Super-Highlight. Aber bei uns geht es um Schnellschach, 25 Minuten plus zehn Sekunden pro Zug – und dabei gehört Topalow, bei allem Respekt vor seinem Kampfgeist und seinen tollen Partien, wirklich noch nicht zur ersten Wahl. In Sofia räumte Topalow selbst ein, dass er „im Schnellschach keine Chance gegen Anand“ habe. Deswegen wollte der Bulgare dort unbedingt ein Tiebreak-Match, das bei Punktgleichheit angestanden hätte, vermeiden. Seine Aussage bestätigt auch Topalows schlechte Endplatzierung in Monaco. Das direkte Duell gegen Anand endete dort 0:2. Dies als Grundlage genommen, ließe sich kaum Spannung prognostizieren. Alexander Grischuk ist dagegen meines Erachtens der stärkere Herausforderer für den Superstar der Chess Classic. Diese Ansicht teilt im Übrigen selbst Vishy!

Frage: Nach der GrenkeLeasing AG scheint auch die FiNet AG ganz groß einzusteigen. Das Unternehmen übernimmt nach dem Chess960 Open auch die Chess960-Weltmeisterschaft.

Schmitt: Am 27. April ereilte mich eine schockierende Nachricht: sofortiger Ausstieg der Gerling AG, bedingt durch den Übernahmeversuch eines Investors aus Übersee. Das damit verbundene Finanzloch hat die FiNet AG umgehend gestopft! Der FiNet-Vorstandsvorsitzende Peter Kunath hat sich als wahrer Freund des neuen Schachs erwiesen. Ihm liegt Chess960 und das Organisationsteam der Chess Tigers sehr am Herzen. Ich hatte auch das Gefühl, dass er mir persönlich aus der Patsche helfen wollte, genauso wie der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel und der Vorstandsvorsitzende der Baden-Badener GrenkeLeasing, Wolfgang Grenke. In Not tut es verdammt gut, wenn gute Freunde beziehungsweise Geschäftspartner einem zur Seite springen. Dank dieser können wir unseren ursprünglichen Event-Plan ohne allzu große Abstriche realisieren.

Frage: Sie sind ja selbst ein großer Fan der alten Recken. Wie werten Sie das Feld bei der Unzicker-Gala zum 80. Geburtstag des Münchners?

Schmitt: Ich betrachte es als mein diesjähriges „Meisterstück“. Meine Hochachtung galt schon lange Zeit dem deutschen „Freizeit“-Großmeister Wolfgang Unzicker, der eine normale berufliche Karriere als Jurist eingeschlagen hatte. Mein Respekt vor seinem Lebenswerk stieg jetzt nochmals enorm, als ich miterleben durfte, wie Schachgrößen eines Kalibers von Boris Spasski, Anatoli Karpow und Viktor Kortschnoi der Einladung umgehend und gerne folgten. Die Chess Tigers sind stolz darauf, die Unzicker-Gala organisieren zu dürfen. Wir hatten nur ein wenig Angst, dass uns andere Veranstalter wie der Deutsche Schachbund (DSB) die Idee oder gar die Ausführung wegschnappen könnte.

Frage: Sie scherzen. Der DSB übte sich einmal mehr in Untätigkeit für einen verdienten Nationalspieler.

Schmitt (grinst): Jedenfalls haben die Karjakins, Carlsens und Nakamuras ein bisschen Pause. Statt auf Wunderkinder setzen wir auf Legenden.

Frage: Sehen Sie aber nicht die Gefahr, dass dieses fantastische Feld die Hauptwettbewerbe in den Schatten stellt?

Schmitt: Nein. Wir streben bei den Chess Classic immer in allen Wettbewerben das Maximum an. Diese Nonplusultra-Besetzung hatte ich mir bereits im Oktober gewünscht. Dass sie in die Tat umgesetzt werden konnte, verdanken wir auch der rührigen Mithilfe von Unzickers Sohn Ferdinand. Und was heißt in den Schatten stellen? Die regelmäßigen Frager vergessen einfach die Chess-Classic-Fakten: Seit Jahren präsentieren wir den absolut besten Schnellschachspieler der Welt, Vishy Anand, in elektrisierenden Zweikämpfen. Sei es gegen Wladimir Kramnik, Ruslan Ponomarjow oder die herausragende Frau, Judit Polgar, Alexej Schirow und jetzt Alexander Grischuk. Wir haben zudem das neue Schach, Chess960, nach Fischers Ideen aus der Taufe gehoben und führen Weltmeisterschaften durch. Schon vergessen? Wer Hauptakteure – vergleichbar zu Tiger Woods (Golf), Lance Armstrong (Rad) oder Michael Schuhmacher (Formal 1) - zu Gast hat, braucht doch selbst keine „Monumente des Schachspiels“ zu fürchten. Das gehört doch auf dem Niveau dazu. Auch unsere Open und Veranstaltungen strotzen vor hochklassigen Teilnehmern. Ein kleiner Wettbewerb würde gar nicht ins Konzept passen. Wir möchten in die Rolle der Olympischen Spiele für das Schnellschach schlüpfen.

Frage: Im FiNet Open erhalten neben dem Sieger, der 2006 gegen den Gewinner von Swidler - Almasi um die Chess960-WM spielen wird, vier weitere Gruppen die Gelegenheit, ab 2006 um eine Weltmeisterschaft zu spielen.

Schmitt: Wir haben das Interesse an Chess960 entfacht. Jetzt gilt es, diese Entwicklung zu verbreitern und die Qualifikation im FiNet Open durchzuziehen, um nächstes Jahr nach dem Vorbild des WM-Duells zwischen Swidler und Almasi auch die Kategorien Frauen und Senioren, Jugend U20 und U14 vorzubereiten. Die Hilfsmittel, Programme und Datenbanken (Onlineerfassung, Kommentierung, Systematisierung, Lehren&Lernen) rollen ja schon. Mit der diesjährigen Qualifikation und den kommenden Weltmeisterschaften 2006 versuchen wir den Markt weiter für Fischers Idee Chess960 zu öffnen. Mit dem FiNet Open und der Weltmeisterschaft haben wir einen komplett offenen Zyklus für jeden Teilnehmer etabliert. Die gleiche Architektur wählen wir auch für die Livingston Chess960-Computer-WM. Hinzu kommt ein Match zwischen Mensch und Programm.

Frage: Sie sehen die Chess Classic auch immer besonders dem Service verpflichtet – sowohl den Zuschauern wie den Sponsoren gegenüber. Vom 9. bis 14. August haben Sie einige zusätzliche Angebote wie Kinderbetreuung geplant.

Schmitt: Auch hier machen wir Ernst mit dem Angebot für „Wenigzeitinhaber“. Wir werden während der Open einen Kinder-Club etablieren, in dem professionelle Erzieherinnen die Kinder betreuen. Den Kleinen stehen neben Malen und Basteln auch kurzweilige Schach-Angebote zur Verfügung,  etwa der Schach-Kinderfilm „Lang lebe die Königin“ oder Spiele mit Fritz&Fertig. Während der Abendstunden wird in einem der Goldsäle der Gourmet Club eingerichtet. Hier wird alles geboten, was mit dem „Genießen“ des Schachs zusammenhängt: Kommentieren, diskutieren, wetten, essen und trinken in lockerer Atmosphäre. Das Motto lautet „Chess meets Business“ oder „Chess needs Business“. Wir werden diesbezüglich erst Ende Mai mit dem Hilton den Fahrplan genau festlegen. Außerdem haben wir mit Livingston, Europas größter Vermietungsagentur für Computer-Messeausstattung, einen erstklassigen Partner für die Präsentation von Schach gefunden, dazu mit Schach Niggemann den größten Anbieter für Schachartikel im messeähnlichen Forum. Wir geben also noch einmal richtig Gas, was den Zuschauerservice angeht.

Frage: Wie hoch gewinnt Ihr Ziehsohn Anand heuer die Chess Classic?

Schmitt: Die Frage ist arrogant, dazu gebe ich keinen Tipp ab. Dazu nur so viel: Mein Freund Anand ist nicht unschlagbar – auch wenn er in Schnellschach-Zweikämpfen nahe an dieses Prädikat herankommt! Man hat aber trotzdem in den Duellen bei den Chess Classic in der Vergangenheit beobachten können, wie hart er kämpfen musste, um Kramnik, Judit Polgar und Ruslan Ponomarjow letztendlich in die Schranken zu weisen. Dieses Mal trifft er auf den einzigen Doppel-Sieger des ORDIX Open und einen vor Ehrgeiz sprühenden Herausforderer, was die Sache nicht gerade leichter macht. Kasparow, Kramnik, Peter Leko und Wesselin Topalow wären aus meiner Sicht leichter für ihn zu spielen und zu besiegen gewesen. Hauptsache aber ist, dass es ein spannendes Match wird, die Jungs kämpfen und die Fetzen fliegen. Am Schluss soll der Bessere gewinnen.

Frage: Und bleibt Peter Swidler Chess960-Weltmeister?

Schmitt: Herausforderer Zoltan Almasi wird sicher ehrgeizig ans Werk gehen. Ich traue jedoch Peter Swidler zu, dass er den Titel verteidigen wird.

 

 

 

 



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