Chess Classic Mainz: Interview mit Hans-Walter Schmitt

21.06.2004 – Vom 4.-8. August finden in Mainz die Chess Classic statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung in der Mainzer Rheingoldhalle steht ein Schnellschachwettkampf zwischen Vishy Anand und Alexei Shirov. Weiter Höhepunkte bilden das Ordix-Open und die "Chess960"- Weltmeisterschaft, bei der die Partien nicht mit der im Schach üblichen Ausgangsposition gestartet werden, sondern diese vor der Partie nach bestimmten Regeln ausgelost wird, wodurch sich 960 verschiedene Positionen ergeben können. Zu den beiden Turnieren werden 500 Teilnehmer erwartet, die um einen Gesamtpreisfonds von 35.000 Euro spielen werden. Dr. René Gralla führte ein Interview mit Organisator Hans Walter Schmitt, das im Neuen Deutschland veröffentlicht wurde. Interview mit Hans-Walter Schmitt...Infos zu den CCM 2004...

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Feuer in Mainz
Beutel-Wunschspieler Schirow fordert Titelverteidiger Anand
Von Hartmut Metz


Die Chess Classic Mainz (CCM) versprechen vom 4. bis 8. August erneut ein hochkarätiges Programm. In der Rheingoldhalle trifft Titelverteidiger Viswanathan Anand auf Alexej Schirow. In der Schach-Bundesliga sitzen der Inder und der Rigaer mit spanischem Pass beim deutschen Vizemeister SC Baden-Oos Brett an Brett – bei den CCM werden sich der Weltranglistenzweite und der auf Platz 14 notierte Herausforderer aber nicht schonen. Zumal sich Schirow nach seinem grandiosen Turniersieg in Sarajevo auf dem Weg zurück in die Top Ten befindet.

Schirow ist der Wunschkandidat des Mainzer Oberbürgermeisters Jens Beutel: Der ehemalige Oberligaspieler bewundert die tollkühne Partieanlage des 31-Jährigen. Kaum ein Großmeister wagt solch riskante Opfer. Nicht umsonst ist seine englische Autobiographie mit dem zweideutigen Titel, der an ein brennendes Schiff (Feuer an Bord) erinnert, „Fire on board“ (Feuer auf dem Brett), bereits ein Klassiker geworden! Mittlerweile arbeitet Schirow an einem zweiten Band mit neuen fantastischen Duellen.

Favorit in den acht Schnellschach-Partien ist der ehemalige Vizeweltmeister dennoch nicht. Schließlich unterlag der Wahl-Spanier dem Weltmeister von 2001 nicht nur deutlich im WM-Finale. Anand ist bei den Chess Classic kaum zu bremsen. Die vier letzten Auflagen gewann der „Tiger von Madras“ ausnahmslos! 2000 vor dem Weltranglistenersten Garri Kasparow, 2001 im „Duell der Weltmeister“ gegen Wladimir Kramnik, 2002 schlug Anand seinen Nachfolger als Weltmeister des Weltschachverbandes FIDE, Ruslan Ponomarjow, und im Vorjahr behielt der 34-Jährige die Oberhand über Judit Polgar, die weltbeste Schachspielerin.

Mit all diesen Erfolgen zementierte der Inder seinen Ruf als weltbester Schnellschachspieler. Momentan hält ihn Weltmeister Wladimir Kramnik für den stärksten Großmeister überhaupt. Anand liegt zwar in der Weltrangliste noch hinter Kasparow, im Gegensatz zu dem Russen beweist der Baden-Ooser Bundesligaspieler jedoch regelmäßig in Turnieren seine Klasse. Kasparow spielt selten und wurde zuletzt im spanischen Linares nur Dritter hinter Kramnik und dem Ungarn Peter Leko.

Der mehrfache indische Sportler des Jahres hatte einen Monat zuvor beim Topturnier in Wijk aan Zee (Niederlande) einen weiteren Triumph gefeiert. CCM-Organisator Hans-Walter Schmitt vertraut daher fest darauf, dass sein inzwischen deutsch sprechender Ziehsohn gegen Schirow seinen fünften CCM-Sieg in Folge feiert. „Tolle und spannende Partien“, da ist sich Schmitt ganz sicher, „wird es so oder so geben.“ Immerhin kann Schirow in die Waagschale werfen, dass er neben dem sechsfachen Seriensieger Anand (1997, 1998 sowie von 2000 bis 2003) und Kasparow (1999) der einzige Chess-Classic-Gewinner in den vergangenen acht Jahren war. 1996 hatte sich der Spanier vor Kramnik, Leko und Robert Hübner durchgesetzt.

Um den Topwettbewerb hat Schmitt ein erstklassiges Rahmenprogramm gebaut – wobei ihn der Begriff „Rahmenprogramm“ leicht erzürnt. „Wir organisieren hier die Chess960-Weltmeisterschaften!“, betont der 52-Jährige und verweist auf das WM-Duell in der Schachvariante, bei der die Grundstellung der Figuren vor Partiebeginn ausgelost wird. Da es 960 verschiedene Startpositionen gibt, entfällt die Eröffnungstheorie.

Um diese Art von Auswendiglernen und Partievorbereitung auszuschalten, puscht Schmitt Chess960. Im Vorjahr bei der ersten offiziellen Schnellschach-WM bezwang Peter Swidler Kontrahent Leko, WM-Herausforderer Kramniks im herkömmlichen Schach, nach zähem Ringen. Swidler muss nun seinen Titel gegen Levon Aronjan verteidigen, der 2003 das Chess960-Open in der Rheingoldhalle gewann und sich so für das Match qualifizierte.

Der ehemalige Junioren-Weltmeister aus Armenien ist für die hiesigen Fans äußerst interessant: Der künftige Kreuzberger Bundesliga-Spitzenspieler lebt in Berlin und spielte kurzzeitig unter schwarz-rot-goldener Flagge. Mit einer Elo-Zahl von 2645 lag Aronjan in der deutschen Rangliste auf Platz zwei. In der Weltrangliste steht der 21-Jährige auf Position 51. Aronjan kommt es entgegen, dass im Chess960 die Eröffnungstheorie entfällt, weil er sich selbst für „zu faul“ hält, an seinem Eröffnungsrepertoire zu feilen. Auch wenn dieser Vorteil für den „fleißigeren“ Swidler entfällt, gilt der 27-Jährige dennoch in der Chess960-WM als Favorit. Die Klasse des Russen dokumentiert Platz sechs in der Weltrangliste im „normalen“ Schach. Dass Aronjan jedoch ein gefährlicher Kontrahent ist, bewies er bei der vor kurzem zu Ende gegangenen Europameisterschaft. Dort gewann er Bronze. Im Schnellschach-Stechen um den dritten Platz war das „schlampige“ Talent eine Klasse für sich. Die Zeiteinteilung bei den CCM kommt ihm daher entgegen.

Etwa 500 Spieler werden wohl erneut nach Mainz pilgern, um selbst die Figuren auf den 64 Feldern zu bewegen. Der etwas kleinere Teil – vor allem die etwa 50 Großmeister aus dem Profilager – wird alles daran setzen, sich als nächster Herausforderer des Chess960-Weltmeisters zu qualifizieren. Auf das zweitägige FiNet Open im Chess960 am 5. und 6. August folgt am Samstag und Sonntag (7. und 8. August) das Ordix Open.

Der Preisfonds im berühmtesten Schnellschach-Open der Welt, an dem über 100 Titelträger teilnehmen, wurde weiter aufgestockt. Insgesamt gibt es so in den beiden offenen Wettbewerben 35.000 Euro zu verdienen. Die Preisverteilung erfolgt prozentual nach der Anzahl der Teilnehmer im Ordix und im Chess960 Open. Vermutlich dürften etwa zwei Drittel bis drei Viertel im Ordix-Schnellschach-Wettbewerb ausgelobt werden, der Rest im Chess960-Turnier. Voranmeldung empfiehlt sich vor allem für das stark frequentierte Ordix Open, um einen Startplatz sicher zu haben. Das fünftägige Schach-Festival runden Simultans von Schirow (an 40 Brettern) und Swidler (Chess960 an 20 Brettern) sowie zwei Schaukämpfe von Anand und Aronjan am 4. August ab.

Aktuelle Infos finden sich in den nächsten Wochen auf der Webseite www.chesstigers.de.



 

 

 



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