Chess is coming home

13.02.2002 – Mit der Machtübernahme des lebensverneinenden Taliban-Regimes wurde in Afghanistan alles verboten, was Menschen Spaß machen könnte, auch das Schachspiel. Dabei war es doch durch die Moslems von Indien über Persien nach Europa gelangt und gehörte über Jahrhunderte wie selbstverständlich zum islamischen Kulturleben. Auch nach der Vertreibung der Koran-Extremisten ist das Leben in Kabul heute jenseits aller Normalität, aber es normalisiert sich. Nun wurde ein erstes Schachturnier veranstaltet. Mehr...

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Das Schachspiel kehrt zurück nach Kabul


Blick auf Kabul


Afghanistan hebt das Schach-Verbot auf und organisiert ein Turnier mit 138 Spielern

Artikel von LEONTXO GARCÍA aus El País Digital.

Das Schachspiel ist eine der Aktivitäten, die unter der Herrschaft der Taliban verboten gewesen war und jetzt ist es in die Straßen von Kabul zurückkehrt. Nach fünf Jahren heimlicher Partien, die immer unter hohem Risiko stattfanden, haben letzte Woche 138 Spieler das erste Turnier in vollkommener Freiheit gespielt. Das Schwierigste dabei war, genügend Bretter und Figuren zusammen zu bekommen, die größtenteils von der Polizei oder von terroristischen Mitbürgern zerstört worden waren.

Das Einladungsschreiben wurde zufällig von Patrick Cockburn, einem Korrespondenten der englischen Tageszeitung The Independent entdeckt, als er ein Brett ohne Figuren für seinen Sohn kaufte. Der Ladenbesitzer erklärte ihm: "Die Figuren habe ich aus Angst vor der Polizei nämlich so gut versteckt, dass ich sie jetzt selbst nicht mehr wiederfinden kann." Das Schachspiel wurde zu Zeiten der sowjetischen Besatzung, seit 1987 in den Schulen Afghanistans gelehrt. Aber als 1994 die Taliban die Macht ergriffen, wurde es komplett abgeschafft: Die radikalste Auslegung des Korans und der islamischen Gesetzte untersagt die Abbildung von Menschen und Tieren in Form von Figuren und bringt die Praktik des Schachspiels mit Wettspielen, Alkohol und der Aufgabe des Gebetes in Zusammenhang. 

Trotzdem spielten die Moslems eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung des Schachspiels von Indien und Persien aus. Sie brachten es im VIII Jahrhundert nach Spanien, von wo aus es sich über ganz Europa bis nach Amerika verbreitete.

Die Aussage Cockburns stimmt exakt mit dem überein, was der afghanische Generalsekretär Ajmal Jamshidi vor einem Jahr von seinem Exil in Amsterdam aus gegenüber EL PAÍS verlauten lies: "1994 gab es ungefähr 20.000 aktive Schachspieler in Afghanistan. Viele von ihnen flüchteten. Von denen, die blieben, wurden mehr als 1.900 wegen ihrer politischen Aktivitäten oder einfach bei einem der heimlichen Schachturniere festgenommen. Unter ihnen herausragende Intellektuelle, Anführer von Vereinigungen und frühere Offiziere des Armee. Es ist uns bekannt, dass sie in der Mehrheit wild gefoltert wurden, und das mehr als zwölf während der Haft starben. Es wurden alle Schachclubs zerstört. Die Bretter, Figuren und Uhren wurden nach Pakistan verkauft und die Schachbücher verbrannt".

Das Turnier von letzter Woche war ein echtes Ereignis obwohl viele Partien auf dem Fußboden gespielt werden mussten, weil es nicht genügend Tische und Stühle gab. Der Organisator Mohamed Akbar Salam, Professor an der Universität von Kabul, erklärte gegenüber The Independent die drastischen Veränderungen der Umstände: "Als ich mit meinen Freunden unter der jetzt abgeschafften Herrschaft der Taliban spielte, musste jedes Mal einer von uns an der Tür Wache stehen, für den Fall, dass irgend ein Taliban im Anmarsch war."

Beinahe hätte das Turnier wegen des Mangels an Schachmaterial nicht statt können, aber Salam tat ein paar Schachspieler auf, wie z. B. den oben zitierten Ladenbesitzer, die ihre Bretter und Figuren versteckt hatten, anstatt sie zu verbrennen oder zu verkaufen: "Da ich auf den Basaren nur ein ganz paar Spiele hatte bekommen können, die zudem alle sehr teuer waren, bat ich die für das Turnier angemeldeten Spieler, ihre eigenen mitzubringen". 

Während der Schach Olympiade 1996 in Eriwan (Armenien), präsentierte der afghanische Schachverband eine Auswahl seiner im Exil lebenden Spieler. In ihrem Gepäck hatten sie damals einige Teppiche, durch deren Verkauf unter den Teilnehmern sie sich diese Odyssee von Reise finanzierten. Afghanistan war das einzige Land der Welt, in dem das Schachspiel verboten gewesen war.

Übersetzung: Nadja Woisin


Afghanische Briefmarkenserie mit Schachthemen aus dem Jahr 1989

 



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