Chess: "The greatest mental game ever invented"

von André Schulz
24.07.2019 – Boris Johnson ist der Aufsteiger in der englischen Politik. Nach dem Rücktritt von Theresa May versucht nun Boris Johnson den gordischen Knoten des so genannten "Brexit" zu entwirren. 2014 war er Gast der London Chess Classic und äußerte gescheite Dinge über das Schachspiel.

ChessBase 15 - Megapaket ChessBase 15 - Megapaket

Kombinieren Sie richtig! ChessBase 15 Programm + neue Mega Database 2019 mit 7,4 Mio. Partien und über 70.000 Meisteranalysen. Dazu ChessBase Magazin (DVD + Heft) und CB Premium Mitgliedschaft für ein Jahr!

Mehr...

Boris Johnson, als aktionsfreudiger Bürgermeister von London bekannt geworden, ist der neue Premierminister von Groß Britannien, nachdem Theresa May an der Durchführung des Brexit scheiterte und als britische Premierministerin und Vorsitzende der Konservativen Partie zurücktrat. 

In den deutschen "Leitmedien" wird Johnson gerne als eine Art "Mister Bean" der englischen Politik vorgeführt. Mit markigen Statements zu vielerlei Themen polarisiert Johnson in England ebenso wie Donald Trump in den USA, ließ dabei kaum ein Fettnäpfchen aus und erschreckte damit alle Freunde der "political correctness". Auf der anderen Seite  scharte er unzählige Anhänger um sich, die des ewigen langweiligen Aufsagens von auswendig gelernten inhaltslosen Sprechblasen der Berufspolitiker müde sind. 

Die Europäische Gemeinschaft hält Johnson für einen gescheiterten Versuch, das Römische Reich noch einmal aufleben zu lassen und ist deshalb einer der energischsten Fürsprecher eines raschen Austritts von Groß Britannien aus der EU, notfalls auch ohne jede Vereinbarung mit dieser über die Austrittsbedingungen. Bis Oktober will er die englische Kuh vom europäischen Eis haben.

Boris Johnson, mit vollständigen Namen Alexander Boris de Pfeffel Johnson, wurde 1964 in New York geboren. Sein Urgroßvater war Ali Kemal, 1919 kurz Außenminister des Osmanischen Reiches und 1922 auf Geheiß von Nureddin Pascha ermordet. Johnsons Großvater wanderte nach England aus und nahm den Namen "Wilfried Johnson" an. In anderer Linie gehören die deutschen Adeligen Adelheid Pauline Karoline von Rottenburg, uneheliche Tochter des Prinzen Paul von Württemberg, und Karl Maximilian Freiherr von Pfeffel zu Boris Johnsons Vorfahren. Über diese ist Johnson sogar weitläufig mit dem britischen Königshaus verwandt. 

Von 1999 bis 2005 war Boris Johnson Herausgeber des Nachrichtenmagazins Spectator. Seit 2001 ist er Abgeordneter im britischen Unterhaus. Von 2008 bis 2016 war er Bürgermeister von London. 2016 wurde er Außenminister (bis 2018). Jetzt ist er als neuer Vorsitzender der Konservativen Partie automatisch auch Pemierminister, in der Nachfolge der zurückgetretenen Theresa May.

2014, damals noch als Londoner Bürgermeister, besuchte Boris Johnson die London Chess Classic und äußerte sich sehr wohlwollend über die Rolle des Schachs.

"Schach ist ein fantastisches Spiel. Es lehrt Regeln und Disziplin. Es ist ein sehr logisches Spiel. Es lenkt die Energie von Kindern in eine bestimmte Richtung, sonst würden sie vielleicht damit Unfug anfangen. Es macht viel Sinn, sie dazu zu ermutigen, sich mit Schach zu beschäftigen. Es ist das größte Denkspiel, das jemals erfunden wurde."

 

 

Als Tweet bei Twitter

 

 




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


tierparktoni tierparktoni 25.07.2019 04:09
Dieser Artikel ist in der Tat misslungen. Man fragt sich, warum über ein Statement berichtet wird, das inhaltlich einem Grußwort gleicht, das bei Schachveranstaltungen regelmäßig gehalten wird. Das fünf Jahre Zitat ist selbst für schachaffine Leser uninteressant. Wollte Herr Schulz - ein kenntnisreicher und erfahrener Schachberichterstatter - nur seine Verehrung gegenüber dem neuen britischen Premierminister zum Ausdruck bringen? Auch dies wäre auf einer Schachseite verfehlt.
Viel schlimmer ist, dass sich der Artikel einer Rhetorik bedient, die vorwiegend in rechtspopulistischen Kreisen verbreitet ist. Die Begriffe Leitmedien und political correctness werden dadurch abgewertet, dass sie in Anführungszeichen gesetzt werden. Im selben Atemzug ist - hier ohne Anführungszeichen und somit vermeintlich völlig objektiv - von Berufspolitikern die Rede, die "auswendig gelernte inhaltslose Sprechblasen" von sich geben und dadurch verdientermaßen "Anhänger" um sich scharen.
Wie verschiedene Studien zeigen, handelt es sich hierbei um typisch rechtspopulistische Argumentationsmuster. Der jeweilige Autor nimmt eine Anti-Establishment-Haltung ein, um zu suggerieren, als gebe es eine homogene Volksmeinung, die es zu artikulieren gilt. Es wird mit dem Narrativ gearbeitet, dass die Leitmedien vom politisch korrekten Establishment gesteuert und deshalb nicht vertrauenswürdig sind. Im nächsten Atemzug werden dann alternative Fakten (das Bild des Berufspolitikers mit den inhaltslosen Sprechblasen) präsentiert, denen der jeweilige Autor eine Stimme gibt. Welche Parteien bzw. welche Parteivertreter diese Rhetorik am besten beherrschen, mag jeder für sich selbst beurteilen.
Dass der Beitrag genau jene niederen Instinkte bestens zu bedienen versteht, zeigt der Beitrag von "Germinator389", der jeden als "Dummie" bezeichnet, der deutschen Medien Vertrauen schenkt.
Herzlichen Glückwunsch, dass nunmehr auch die Chessbase-Seite als Plattform für derartige Hetzrhetorik höffähig gemacht wird!
kumagoro kumagoro 25.07.2019 11:38
Bis auf Optimismus versprüht der Mann bisher nur Misserfolge und Lügen. Gewählt zum PM haben ihn übrigens 0,2% der britischen Bevölkerung - nämlich seine Parteikollegen. Vielleicht sollte man den Briten wünschen, dass die Queen bald durchgreift.
Germinator389 Germinator389 25.07.2019 02:06
Der Mann ist nicht zu unrecht sehr beliebt in Großbritannien. Unsere Presse zieht natürlich ihre Diffamierungskampagne durch, weil er neo-konservativ ist. Aber nur Dummies glauben ungeprüft, was in deutschen Medien steht.
rollinghills rollinghills 24.07.2019 03:42
So, er hat also verstanden, dass Schach ein wertvolles Spiel ist. Macht ihn das jetzt zu einem besseren Menschen? Chessbase sollte sich lieber von politischen Debatten fern halten.
1