ChessBase 15: Die gläserne Schachpartie

von André Schulz
23.11.2018 – In der Mega Database und in anderen Partiensammlungen befinden sich fantastische Lehrbeispiele für alle Motive, die im Schach eine Rolle spielen. Doch oft bleiben sie unentdeckt. Mit der erweiterten Suchmaske und der neuen ChessBase Motivsuche werden diese Schätze nun zutage gefördert. Eine Funktion, die einfach nur Spaß macht!

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Neue Motivsuchen in ChessBase 15

Die Suchmaske ist eine der dienstältesten Funktion in ChessBase, sie war von Anfang an dabei, sie ist eine der "Veteranen" der ChessBase-Funktionen, aber immer noch quicklebendig und voller Tatendrang, wenn man sie loslässt.

Die ChessBase Anwender der ersten Stunde werden sich vielleicht noch an die Zeit erinnern, als eine Datenbank von 40.000 Partien als gewaltige Sammlung angesehen wurde. Die konnte man vielleicht sogar noch mit etwas Zeitaufwand bildschirmweise durchblättern. Inzwischen sind wir bei etwa 7 Mio. Partien angelangt, die gespielt, erfasst und zugänglich sind, vor allem natürlich in der Mega Database. Jede Woche kommen Tausende neue Partien hinzu.

Das ChessBase Datenformat wurde im Laufe der Zeit um einige smarte Funktionen erweitert, wie Spielerindex, Turnierindex oder dergleichen, die das Auffinden von Partien von bestimmten Spielern, aus bestimmten Turnieren oder einer bestimmten Zeit sehr vereinfacht haben. Für das Studium von Eröffnungen ist zum Beispiel die Funktion Referenz eine unentbehrliche Hilfe geworden. Sie zeigt einem beim Nachspielen relevante Vergleichspartien mit aussagekräftigen Statistiken.

Doch manchmal hilft nur die gute alte Suchmaske, besonders wenn es um das geht, was uns am meisten interessiert, nämlich Schachpartien und lehrreiche interessante Motive in ihnen zu finden, Spaß zu haben, und daraus zu lernen, indem man sich die Tricks der großen Spieler anschaut.

Und hier wurde die Suchmaske für das neue Programm ChessBase 15 um einige wirklich spannende Abfragen erweitert.

Es gibt einige wenige Tastatur-Befehle in ChessBase, die man sich merken sollte. STRG+F gehört unbedingt dazu. STRG+F ruft nämlich die Suchmaske auf. Das F steht übrigens für Filter. Technisch gesehen wird die Gesamtliste der Datenbank nach bestimmten Kriterien gefiltert. Natürlich kann man die Funktion auch genauso gut per Mausklick über das Menü aufrufen. Im Datenbankfenster klickt man dazu mit der rechten Maustaste auf ein Datenbanksymbol.

Der zweite Eintrag (von oben) ist die Suche. Im Listenfenster einer Datenbank, nachdem man diese durch zum Beispiel durch Doppelklick geöffnet hat, findet man die Funktion Suchmaske im Menü Start und dort ziemlich in der Mitte als "Liste filtern".

 

Altanwender, die die neue Suchmaske in ChessBase 15 aufrufen, werden sich vielleicht beim ersten Mal erschrecken und denken:  "Huch, wo ist sie denn?" Denn als erstes sieht man dieses hier:

Keine Angst, dass ist nicht die ganze Suchmaske. Neuanwender werden sich freuen: "Oh prima, das kenne ich von Google!"

In ChessBase 15 wird nämlich beim Aufruf der Suchmaske zunächst eine starke vereinfachte Maske angezeigt. "Einfach" meint vor allem: Einfach zu bedienen! Es gibt eine einzige Eingabezeile. Und dann ist es in der Tat so wie bei Google. Geben Sie dort ein, wonach Sie suchen.

Einige Beispiele:

"Kasparov" findet alle Partien mit Kasparov

"Kasparov 1-0" findet die Partien von Kasparov, die Weiß gewonnen hat (das wird er nicht immer gewesen sein, aber sehr oft)

"Kasparov 0-1" findet also Partien mit Kasparov, die Schwarz gewonnen hat.

"Carlsen Dortmund" findet alle Partien, die Magnus Carlsen in Dortmund gespielt hat. "Carlsen Dort" würde das gleiche finden.

"Bxh7" (B für Bishop, für die Figuren muss man die englischen Kürzel verwenden) findet Partien, in den ein Läufer auf h7 etwas schlägt.

"Bxh7 Kxh7" findet diese Zugfolge und es könnte das berühmte Läuferopfer sein.

"Caruana Carlsen" findet Partien mit den beiden Spielern.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Nicht alles wird zu Suchergebnissen führen, aber alles ist ein Versuch wert. Ein Mausklick auf den Knopf "Beispiele" zeigt, welche Art Suchen möglich sind. Per Mausklick kann man eines auswählen und dann wird die entsprechende Definition übernommen.

Und dann gibt es ja auch noch den "Expert Modus". Diesen erreicht man durch einen Mausklick auf den Knopf "Erweitert". (Ein Haken an der Zeile "Immer erweiterter Modus" wird die einfache Suchmaske in Zukunft überspringen, wenn Sie nur noch als Experte unterwegs sein möchten.

Die Ansicht der Suchmaske im Expertenmodus wird den alten Hasen unter den Anwendern vertraut sein, doch es gibt einige sehr spannende Neuerungen. Am oberen Rand konnte man bisher sechs verschiedene Seiten (oder Karteikarten) der Suchmaske aufrufen. Nun sind es sieben. Neu ist ganz rechts der Reiter "Angriffe". Es gibt aber auch neue Möglichkeiten auf der Seite "Manöver", einen Reiter weiter links. Werfen wir zunächst einen Blick darauf.

Die Definition von bestimmten Manövern in der Suchmaske ist technisch eindrucksvoll, liefert mitunter verblüffende Beispielpartien, erfordert vom Anwender aber etwas Ausdauer beim Erlernen der Eingabebefehle. Wer das Prinzip einmal begriffen hat, dem fällt die Definition von Manövern leicht. Da diese Maske schon von Anfang an in allen ChessBase-Programmen integriert war, wollen wir uns hier nicht lange damit aufhalten.

Ein Beispiel, um das Prinzip zu erläutern: Das berühmte Läuferopfer würde man hier mit wB??-h7xP+ ("weißer Läufer kommt von irgendwoher, zieht nach h7, schlägt dort einen Bauern mit Schach) und bKg8-h7xB (Schwarzer König von g8 zieht nach h7, schlägt dort einen Läufer) definieren. Man sieht, in der neuen einfachen Suchmaske ist die Definition leichter, aber hier hat man eine bessere Übersicht über zusätzliche Parameter und kann exakter definieren.

Wir sollten zum Beispiel vielleicht die Option "Reihenfolge beachten" aktivieren. Mit der Optionen "Spiegelung" werden auch Partien mit dem gleichen Manöver, aber vertauschten Farben gefunden.

In ChessBase 15 kann man nun zusätzlich in einer ganz neuen Funktion nach komplexen Motiven suchen. Diese sind als Liste in der Mitte des Eingabedialogs aufgeführt. Wie man sieht, handelt es sich dabei um ganz typische Motive im Schach, die in verschiedenen Erscheinungsformen in Partien auftreten und sich nicht so einfach allgemein gültig definieren lassen. Für ChessBase 15 wurden diese Motive bei der Suchabfrage intern nun so definiert, dass Beispiele für das jeweilige Motiv gefunden werden. Dies ist nicht nur für Trainer, die ihren Schülern diese Motive anhand von Partiebeispielen zeigen wollen, eine sehr ergiebige Funktion.

Der Suchprozess über die ganze Mega Database nimmt etwas Zeit in Anspruch, aber die ersten Suchergebnisse liegen schon recht schnell vor, so das man nicht auf den Abschluss eines Suchprozesse warten muss. Das Suchen nach diesen Motiven macht großen Spaß, weil die Suche stets verblüffende und ungeahnte Beispiele für die betreffenden Motive zu Tage fördert.

Zur Illustration hier ein paar Motive und Beispielpartien an, die bei der Schacholympiade in Batumi gespielt wurden.

Die Motive:

"Fesselung": Eine Stein kann nicht gut wegziehen, weil hinter ihm eine wertvollere Figur steht, oder sogar der König.

Bei der Suche "Fesselung" fand sich durch Zufall auf die Schnelle dieses hübsche Beispiel:

 

Ich weiß, es gibt noch vermutlich Tausende brillantere Beispiele, aber allein dieses hier hat mit schon Spaß gemacht. Ohne die Fesselungs-Suche hätte ich es nicht entdeckt.

Weiß spielte 22. Txc6. Nach 22... Sxc6 23. Txd8 Txd8 24. Lxc6 Txd7 und nach 25. Lxd7 Kxd7 26. Sac5 Kc6 27. De4 Kb5 28. a4 bxa3 29. Da4+ Kb6 30.Da4 war Schwarz matt.

Spieß: Zwei Figuren werden hintereinander angegriffen. Zieht die vordere Figur weg, fällt die hintere.

Ein paar zufällige antike Spieße aus dem Suchergebnis:

 

Anderssen spielte 20...c5 . Der Springer kann wegen Matt nicht ziehen. Auf 20... bxc5 folgte der Spieß: 21.La5

 

Schon wieder Anderssen: 38. Tb8 Ke7 39. d6 Kf7 40 .Tf8 (Spieß) usw.

 

20.Sf6 gxf6 21. Tg3 Kf8 22.La3 Te7 23 Dxh7 Ke8 40.Tg8 (Spieß) usw.

In der Mega Database sind vermutlich mehr Spieße als in allen Rüstkammern der Welt, auch in den Partien weniger bekannter Spieler.

Wenn man die Suche einfach in der Mega Datenbank startet, fängt sie natürlich immer in der Steinzeit an. Vielleicht will man aber mal nur aktuelle Partien sehen. In solchen kombinierten Abfragen entfaltet die Suchmaske ihre ganze Kraft, wobei dies noch eine einfach Anforderung ist. In diesem Fall würde man unter der Karteikarte Partiedaten einfach einen bestimmten Zeitraum festlegen, also 2018. 

Gefangene Figur: Ein besonders schönes Motiv. Ein Stein verläuft sich, wird umzingelt und findet kein sicheres Feld mehr

Besonders verblüffend ist, auf wie viele Weisen Figuren gefangen werden können. Diese Suche macht besonders viel Spaß. Ein paar Bilder aus dem Gibraltar Open 2018

 

Wohin Th8?

 

Hier hat es den Td8 erwischt.

 

Ein Turmfang auf c6 ist allerdings ungewöhnlich.

 

Hier geht der Ta7 verloren. 

Türme sind offenbar die häufigsten Opfer beim Thema "Gefangene Figur". Aber auch andere Steine können eingefangen werden:

 

Hier trifft es den Springer.

Weitere Motive: 

Abzugsangriff: Ein Stein zieht weg und öffnet damit eine Angriffslinie für eine andere Figur der eigenen Mannschaft

Ablenkung: Ein gegnerischer Stein wird zu einer Reaktion gezwungen und dadurch eine Angrifflinie geöffnet oder eine Deckung beseitigt.

Grundreihe: Motive auf der letzten Reihe

Umwandlung: Partien, in denen Bauer umgewandelt wird

Doppelangriff: Angriff auf zwei Figuren

Überlastung: Ein Verteidiger ist mit seinen Deckungsaufgaben überfordert.

Verteidiger eliminieren: Der Klassiker: Eine Seite greift etwas an. Die andere Seite verteidigt den angegriffenen Stein. Dann wird der Verteidiger angegriffen

Hinlenkung: Ein gegnerischer Stein wird weggelockt und ermöglicht dadurch einen Angriff.

Zwischenzug: Ein unerwartete Zug, der den geplanten Ablauf einer Zugfolge stört.

Räumung: Ein Feld wird frei geräumt.

Zerstörung: Der Begriff der Zerstörung meint die Zertrümmerung des Bauernschildes vor dem König

Einige Suchabfragen in ChessBase wurden übrigens nicht so programmiert, dass alle diese Motive in den Partien der Datenbank gefunden werden, sondern so, dass die Suche einigermaßen schnell vonstatten geht und genügend Beispiele gefunden werden. In großen Datenbanken werden immer genügend Beispiele gefunden.

Angriffssuche

Wie man gesehen hat, braucht man für die neue Motivsuche keine besonderen Kenntnisse in der Bedienung des Programms. Suchmaske aufrufen, Motivsuche aufrufen, Motiv anklicken - das ist es im Prinzip.

Für seine Kreativität ausleben will, wird Gefallen an der neuen "Angriffssuche" finden. Hier lässt sich ganz exakt definieren, welche Figur angegriffen wird, von welcher Figur, auf welchem Feld und welche Verteidiger es gibt. Kurzum: Die ganze Angriffssituation kann exakt definiert werden.

Da ChessBase 15 die beschriebenen Motive nun kennt, kann das Programm sie nun auch bei der automatischen Analyse, de Technical Analysis (TA) berücksichtigen und im Kommentar vermerke, ob eines dieser Motive in der betrachteten Partie eine Rolle gespielt hat.

Erklärendes Video unseres Chefprogrammiers, Matthias Wüllenweber

 

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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