ChessBase Magazin 195 - eine Rezension

19.06.2020 – Das ChessBase Magazin ist das Schach-Trainingsmagazin für den ambitionierten Klub- und Turnierspieler. Auch die Ausgabe 195 bietet neben Turnierberichten inklusive der Partien eine Fülle an neuen Eröffnungsideen. Lukas Köpls Lieblingsrubrik ist jedoch der Endspielfeinschliff von Karsten Müller.

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Von Lukas Köpl

ChessBase Magazin 195 - Viele Ideen für den nächsten Mannschaftskampf

ChessBase Magazin 195

Kandidatenturnier 2020 mit Analysen von Giri, Gelfand u.a. Firouzja, Vidit, Vitiugov, Duda und Navara kommentieren ihre Partien aus Prag. 11 Artikeln mit Repertoireideen. Videos von Werle, King und Marin. Training pur: Taktik, Strategie und Endspiel!

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In der heutigen Rezension nehme ich das ChessBase Magazin 195 unter die Lupe. Dabei werde ich mich auf die allgemeine Struktur, sowie die verschiedenen Inhalte der aktuellen Ausgabe konzentrieren. Wie jedes ChessBase Magazin (kurz: CBM) deckt es alle relevanten Bereiche des Schachspiels ab. So findet man hier Rubriken zu Taktik, Mittelspiel, Endspiel, Eröffnungen sowie aktuellen Turnieren.

Gelegentlich finden sich aber auch aktuelle Neuigkeiten, die die Schachwelt bewegen. So beginnt dieses CBM mit einem Special, in dem bislang unbekannte Partien vorgestellt werden, die erst kürzlich durch ein Buch veröffentlicht worden waren. GM Dorian Rogozenco präsentiert hier auf Deutsch die Partie Timoscenko – Kasparov, 1983.

Als nächstes folgt die Eröffnungsrubrik, in der verschiedene Eröffnungsartikel präsentiert werden, die ich hier gerne kurz vorstellen möchte. Wie so oft beginnt die Eröffnungsrubrik mit einigen Eröffnungsvideos, in denen die Autoren im Videoformat verschiedene aktuelle Trends und Ideen demonstrieren. So findet man im CBM 195 einen Beitrag von Jan Werle, der eine Eröffnungsserie gegen Slawisch vorstellt. Dabei gründet er die Varianten auf der in den letzten Jahren populären Variante 1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.e3, welche unter Anderem in Boris Avrukhs Werken zu 1.d4 empfohlen wurden. Hierbei dürfte die Empfehlung von Werle eine nützliche Erweiterung darstellen.

Als nächstes folgt ein Beitrag von Daniel King, welcher eine Schwarzempfehlung gegen Katalanisch basierend auf 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.g3 dxc4 5.Lg2 a6 6.0-0 Sc6 präsentiert und hier die aktuellen Entwicklungen aufzeigt, mit der diese Variante wieder in den Fokus der Theoretiker gerückt ist.

Mihail Marin greift in seinem Video auf zwei Schwarzpartien von Fabiano Caruana aus dem Kandidatenturnier auf und stellt neue Ideen in der Neo-Arkhangelsk-Variante der Spanischen Partie dar, die sich insbesondere um den Zug 10.a5 dreht. Hierbei geht es um den Versuch, das moderne weiße 10.a5 und traditionelle 10.axb5 kritisch zu untersuchen und eventuell neu zu bewerten.

Die restlichen Eröffnungsbeiträge liegen im Textformat vor. So untersucht Adrien Demuth eine brachiale Variante gegen Reti, basierend auf dem Vorstoß 1.Sf3 Sf6 2.g3 b5!?. Die Idee dahinter ist simpel. Schwarz will ein eigenes Fianchetto aufbauen, aber zugleich ein weißes c2-c4 unterbinden.

Wer gegen die Englische Eröffnung noch keine Waffe hat, der sollte sich Petra Papps Beitrag ansehen. Hier wird in der symmetrischen Variante (1.c4 c5) eine Empfehlung mit 6…Db6 präsentiert. Dabei nimmt man als Ausgangspunkt das:  1.c4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e6 6.g3, was für jene, die 3…e6 in der symmetrischen Variante spielen wollen, höchst interessant sein dürfte.

Yago Santiago diskutiert ein Abspiel aus der Pirc Verteidigung, in der Weiß sich aggressiv im Stile des Englischen Angriffs/Sämisch-Angriffs aufstellt (f3, Le3, Dd2). In diesem Beitrag wird der frühe schwarze Gegenschlag 6…b5 untersucht, mit dem Schwarz den König vorerst im Zentrum lässt, um dem thematischen weißen Angriff nicht in die Arme zu laufen. Dies dürfte für jene interessant sein, die gegen das schablonenhafte Spiel von Weiß Probleme haben.

Gegen Caro-Kann wird Weiß eine eher seltene Idee an die Hand gegeben. So untersucht Imre Hera die Variante 7.Lc4 im klassischen Caro-Kann, nach den Zügen 1.e4 c6 2.d4 d5 3.Sc3(oder Sd2) dxe4 4.Sxe4 Lf6 5.Sg3 Lg6 6.Sf3 Sd7 7.Lc4!?. Diese Variante ist nicht oft anzutreffen, weil der Läufer generell als „schlecht“ gilt, da er gegen die Struktur mit e6 auf Granit beißt. Jedoch zeigt Hera auf, dass die Dinge hier nicht ganz so simpel sind (für beide Seiten).

Der Eröffnungsexperte Robert Ris untersucht ein scharfes Abspiel der Sveshnikov-Variante der Sizilianischen Verteidigung. Das Abspiel entsteht nach den Zügen 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e5 6.Sdb5 d6 7.Lg5 a6 8.Sa3 b5 9.Lxf6 gxf6 10.Sd5 Lg7. Hier werden aktuelle Entwicklungen näher analysiert. Obwohl es sich aktuell nicht um die populärste Variante handelt, bleibt sie dennoch ein wichtiger und kritischer Teil der gesamten Sveshnikov-Variante und beide Seiten sollten stets mit aktuellen Entwicklungen vertraut sein.

Krisztian Szabo analysiert ein tiefgehendes Abspiel des Sizilianischen Vierspringerspiels nach den Zügen 1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Sxc6 bxc6 7.e5 Sd5 8.Se4 Dc7 9.f4 Db6 10.c4 Lb4+ 11.Ke2 f5 und jetzt 12.Sf2. Dies dürfte eher für jene von Relevanz sein, die bereits das Sizilianische Vierspringerspiel spielen, da speziell auf diese eine Variante eingegangen.

Ein weiterer Beitrag zur Sizilianische Verteidigung (von Rainer Knaak) befasst sich mit einer Idee in der Ungarischen Variante (1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Dxd4 Sc6 5.De3). Hierbei handelt es sich tatsächlich um einen interessanten Aufbau für Weiß, der für eine ordentliche Überraschung sorgen dürfte. Die schwarzen Pläne sind zwar relativ simpel, aber es kann hier aufgrund des Nachdrucks entlang der e-Linie schnell zu konkretem Spiel kommen. Definitiv eine sehr interessante Wahl und eine mögliche Überraschungswaffe für Weiß gegen den d6-Sizilianer.

ChessBase Magazin 195

Kandidatenturnier 2020 mit Analysen von Giri, Gelfand u.a. Firouzja, Vidit, Vitiugov, Duda und Navara kommentieren ihre Partien aus Prag. 11 Artikeln mit Repertoireideen. Videos von Werle, King und Marin. Training pur: Taktik, Strategie und Endspiel!

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Viktor Moskalenko überprüft einen mutigen Ansatz für Schwarz in der Französischen Verteidigung nach den Zügen 1.e4 e6 2.d4 d5 2.Sc3 Sf6 4.e5 Sfd7 5.f4 c5 6.Sf3 Sc6 7.Le3 h6!?, mit der Idee eines schnellen …g5 und Gegenspiel am Königsflügel. Diese Variante ist im Grunde sehr jung, da sie erst in den letzten Jahren wirklich praktiziert wird und somit besteht die Wahrscheinlichkeit, den Gegner in ihm unbekannten und unvertrauten Gewässern zu erwischen.

Renato Quintiliano komplettiert seine Serie zum Zweispringerspiel der Italienische Eröffnung. Dabei geht es im dritten Teil um die puren Hauptvarianten in der Stellung nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Sf6 4.Sg5 d5! 5.exd5 Sa5 6.Lb5+ c6 7.dxc6 bxc6. Der Beitrag gliedert sich in die beiden Abspiele A) 8.Le2 sowie B) 8.Ld3

Die Offene Variante der Spanischen Partie bekommt einen Beitrag von Evgeny Postny, der das Abspiel 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Sxe4 6.d4 Le7 untersucht, in der Schwarz nach dem Läuferpaar trachtet. Dieses Abspiel dürfte für jene von Interesse sein, die sonst mit 6…b5 7.b3 d5 8.dxe5 Le6 in typischer Manier des Offenen Spaniers spielen.

Zu guter Letzt liegt ein Beitrag von Alexey Kuzmin vor, welcher eine scharfe Idee gegen Nimzoindisch untersucht, die nach den Zügen 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.f3 c5 5.d5!? entsteht. Dabei dient die Partie Aronian – Carlsen, FIDE Chess.com Grand Swiss Douglas, 2019 als Grundlage genommen und anhand ihr eine Empfehlung für Weiß geschmiedet.

Damit bietet das CBM erneut eine Fülle an Eröffnungsideen für ein breites Publikum. Sowohl die Repertoiervorschläge als auch die Repertoireerweiterungen dürften eine breite Masse ansprechen. Neben der Eröffnungsrubrik liegen Turnierberichte zum Kandidatenturnier 2020, den Prag Masters 2020 sowie dem FIDE Grand-Prix der Frauen in Lausanne vor. In der Rubrik „Training von Experten“ untersuchen Martin Breutigam und Simon Williams verschiedene Partien und bereiten diese im Trainingsformat „Move by Move“ bzw. „Zug für Zug“ auf, wonach es am Leser/Zuschauer liegt, die richtigen Züge zu finden und die Partie gemäß der Meister fortzusetzen. Mihail Marin präsentiert in der Rubrik zur Strategie das „Angreifen mit Schwerfiguren und ungleichfarbigen Läufern“. Diese Sektion wird von Dorian Rogozenco mit einem weiteren „Klassiker“ abgeschlossen, nämlich der Partie Zuckertort – Blackburne (London 1883). Oliver Reeh präsentiert in „Taktik total“ zahlreiche Stellungen aus der aktuellen Praxis.

In meiner persönlichen Lieblingsrubrik, dem Endspielfeinschliff, behandelt Endspielexperte Karsten Müller aktuelle Turm- und Doppelturmendspiele, die für jeden, der seine Endspielserie kennt, als gute Auffrischung und Ergänzung dienen sollte. Dabei gibt es sowohl einen Textbeitrag als auch ein Video, in der die verschiedenen Stellungen besprochen werden. Wie gewohnt folgt dem theoretischen Beitrag eine Reihe Videos zu spezifischen Endspielthemen, wie beispielsweise dem Grünfeld-Endspiel, in denen es weniger um theoretische Endspiele, als vielmehr um praktische Endspiele geht. Die Endspielsektion wird erneut mit Leserbriefen komplettiert, in denen sich Karsten Müller verschiedenen Beiträgen der Zuschauer widmet. Das CBM 195 endet mit dem üblichen Test mit über 50 Trainingsaufgaben, in denen verschiedene Bereiche des Spiels auf die Probe gestellt werden und reichlich Trainingspotential bieten.

Fazit

Wie bereits in meiner letzten Rezension zum CBM 194 bietet auch der Nachfolger, das CBM 195 ebenfalls genügend Inhalt, um auch bei geschlossenen Vereinen die eigene, häusliche Trainingszeit ausreichend füllen zu können. Die Eröffnungsideen bieten Spielern aller Spielstärken ausreichend Material, um das eigene Repertoire bis zum nächsten Mannschaftskampf aufzurüsten.

ChessBase Magazin 195

Kandidatenturnier 2020 mit Analysen von Giri, Gelfand u.a. Firouzja, Vidit, Vitiugov, Duda und Navara kommentieren ihre Partien aus Prag. 11 Artikeln mit Repertoireideen. Videos von Werle, King und Marin. Training pur: Taktik, Strategie und Endspiel!

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