Das Leid des Leiters

21.11.2007 – Für einen Geschäftsführer der Deutschen Schachjugend hält das Leben schwere Prüfungen bereit. So muss er in regelmäßigen Abständen bei internationalen Wettkämpfen die Aufgaben eines Delegationsleiters übernehmen, gerade jetzt z.B. bei der Jugendweltmeisterschaft in Anatalya. Die Delegationen wurden über verschiedene Hotels verteilt, alles 5-Sterne, all inclusive. Aber manche Sterne leuchten einfach heller als andere. Während man im Limra schon am Abend weiß, wie die Paarungen der nächsten Runde aussehen, erfährt man es im Alinda (Bild) oder Sailor Beach erst tags darauf. Von Bedeutung wäre dies kaum, da im Hotel des deutschen Teams eine drahtlose Internetverbindung besteht. So versammeln sich hier Spieler und Trainer auch anderer Delegationen, formen die größte Notebook-Dichte Klein-Asiens und warten, dass das Internet verbindet. Macht es aber nicht: "Kaputt, aber Techniker am Montag!" Jörg Schulz berichtet aus Antalya.Turnierseite der Jugend-WM...Bericht und Bilder, Partien...

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Das Zweiklassensystem der WM

Die Partien der ersten beiden Runden...

(editiert von Reinhold Goldau)


Hotel Alinda (Fotos: Thomas Pähtz)

Die WM findet mindestens in zwei 5-Sterne-Hotelkomplexen statt. So steht es in der Ausschreibung, so steht es an den Hotels, so sind die Preise für die Teilnehmer und Betreuer gestaltet. 5-Sterne, all inclusive. Gut  - die Dusche duscht nicht. Bei meiner Nachfrage nach der Klimaanlage an der Rezeption hieß es, „Klima kaputt, sechs Uhr.“

Dafür hat dieser 5-Sternekomplex natürlich einen drahtlosen Internetanschluss in der Hotellobby. Und tatsächlich, jeder kennt einen, der einen kennt, der schon mal eine Verbindung gehabt haben soll. Nachts soll es gehen, oder früh am Morgen, aber auch zwischendurch. Nur weiß keiner wann, warum und bei wem mit welchem Rechner. Da ist hier nun in Kemer die größte Laptopdichte der Türkei, und es nützt nichts! Die Leute können einem leid tun , wenn man ihnen zuschaut, wie sie verzweifelt eine Verbindung herzustellen versuchen. Das Hotel wusste Rat. Am Sonntag hieß es, „kaputt, aber Techniker am Montag.“ Am Montag also alle mit ihren Laptops in die Lobby, doch wieder das gleiche Bild.


Auch hier kein Internet, aber schön

Was macht man also? Man ruft zu Hause an, bittet dort einen Freund oder ein Familienmitglied ins Internet zu gehen, um zum Beispiel die Auslosung zu erfahren, die dann wiederum per Telefon ins 5-Sterne-Hotel übermittelt wird. Geschehen heute Nacht in der deutschen Delegation. Eigentlich soll die Auslosung ja eine Stunde – fest versprochen – nach Rundenschluss in allen Hotels aushängen. Tut sie auch, sie steht sogar im Internet, wie wir durch die Telefonaktion erfahren haben. Jedoch eben nicht im Alinda, oder im Sailors Beach oder den anderen Hotels.

Warum abends noch die Fahrt machen, von Hotel zu Hotel, mit der Auslosung, nach einem langen Arbeitstag, das reicht doch auch am nächsten Morgen... Im Limra Hotel, das ist da, wo die Bosse wohnen, die Schiedsrichter und Offiziellen, auch das Schiedsgericht, das mit Hochkarätern wie Campomanes und Co. besetzt ist. Dort hing gestern die Auslosung um 21.30 Uhr. Bei uns um 07.00 am nächsten Tag.

Das soll jetzt alles anders werden, hat man mir gesagt, als ich mich beschwerte und darauf hinwies, das man ins Limra ja nicht hinein kommt, wenn man dort nicht wohnt. Der Leser erinnert sich? „Sie Hotel hier?“ „Nein“ „Dann nichts Losung.“ Ich habe mir übrigens sagen lassen von Frau Graf, dass sie es mit einem gewinnbringenden Lächeln gegenüber der Wache schafft, ins Hotel zu kommen. Da habe ich es natürlich in der Türkei als Mann mit einem gewinnbringenden Lächeln gegenüber männlichem Wachpersonal schwer! In Kreuzberg oder Köln ginge das! Aber hier?!

Einen Vorteil hat das Alinda übrigens gegenüber dem Limra. Hier kostet das türkische Glas Bier 2,- Euro, im Limra 4,- Euro. Auch Thomas Pähtz lernte heute zu schätzen, was die Limra-Offiziellen der WM von den anderen Hotels und den Delegationen halten, die dort wohnen. Sein Koffer ist nämlich wieder da. Und wo war er? Im Pressezentrum des Limrahotels. Da stand er einfach rum und keiner kümmerte sich um ihn. Der Flughafen hatte ihn natürlich nicht im angegebenen Hotel Alinda abgegeben, sondern bei der WM-Organisation im Limra. Durch Zufall kam Thomas an sein Eigentum. ChessBase sei Dank! Denn Frederik Friedel – auch er natürlich als Promi im Limra - nahm Thomas großzügig zu einem Kaffee (wie gesagt all inclusive) ins Pressezentrum ins Limra mit und dort standen einige Koffer unbeachtet rum. „Das ist ja meiner“ rief Thomas aus und durfte sich einen aussuchen und ungeprüft mitnehmen!

Die hier genannten Bierpreise sind natürlich für eine WM nicht ohne Bedeutung, denn abends wird die Runde noch einmal nachgespielt. Und da merkt man erst, wie schwer so ein Trainerleben ist. „Denn hätte sogar mein Hund gezogen“ entfuhr es einem unserer Trainer, er konnte sich immer noch nicht beruhigen, dass der einzügige Gewinn ausgelassen wurde und stattdessen die Partie verloren ging. Der nächste klagt, „meine Spielerin kommt immer in Zeitnot, eine Katastrophe!“ „Viel zu schnell zieht sie“, sagt ein anderer, „dabei lässt sie einfache Gewinnwege aus“. “

Die richtigen Züge in der richtigen Zeit hat heute Anna Endress gefunden, die nach einer sehr spannenden Partie eine Georgierin bezwang und unter unseren 26 Startern die einzige ist, die mit einer sauberen weißen Weste und Einhundertprozent in die vierte Runde einsteigt.

Die anderen Hundertprozenter mussten entweder die Waffen strecken wie Ekaterina Jussupow und Hagen Poetsch, oder ins Remis einwillige wie Elena Winkelmann und Sebastian Kaphle. Dafür konnte Judith Fuchs mit einem Sieg zu den 2,5ern aufsteigen wie auch Filiz Osmanodja, die trotz ihrer Zeitnotpartien noch gut im Rennen ist. Auch Patrick Zelbel ist mit einem Sieg in diese Regionen vorgestoßen.


Bogner

Ein schöner Aufbausieg gelang Christoph Peil, womit alle deutschen Starter jetzt mindestens einen ganzen Punkt haben. Zum Glück! Weitere Siege gab es heute für Anja Schulz, Sonja Maria Bluhm, Ilja Brener, Sebastian Bogner, Aleksyi Savchenko und Philipp Kyas. Die Punkte teilen mussten zusätzlich Ferdinand Xiong,


Savchenko, Jorczyk

Dennis Wagner (beide nach umkämpften Endspielen), Alexander Jussupow und Julian Jorczik nach einer klassischen Partie: „Erst stand ich gut, dann total schei... und hab remis gespielt.“ Remis auch nach einer guten Partie gegen eine starke Russin für Daniela Schäfer mit der interessanten Materialverteilung Dame plus zwei Bauern gegen Turm, Springer und zwei Bauern, alles am gleichen Flügel. Insgesamt kamen die Jungs und Mädchen heute auf 14,5 Punkte. Weniger dazu beisteuern konnten heuer Jakob Schumacher, Dominik Nöttling, Hans Möhn, Felix Graf, Hanna Maria Klek und Paula Wiesner.

Das Licht ging heute übrigens im Spielsaal nicht aus. Es machte zwei Versuche in Richtung Verdunkelung, doch es blieb bei zwei kurzen Halbverdunkelungen.

Jörg Schulz

 

 


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