Das Schicksal der Zwillinge Käthe und Wally Henschel

von ChessBase
27.04.2023 – In der NS-Zeit wurden viele jüdische Hamburger Sportler verfolgt und vertrieben, darunter auch viele Schachspieler. Zu den Verfolgten gehörten auch die Zwillinge Wally und Käthe Henschel. Die Historikerin Frauke Steinhäuser (Foto) hält am 7. Mai im Rahmen der Initiative "Denk Mal am Ort" einen Vortrag zu den beiden Hamburger Schachspielerinnen.

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Von Frauke Steinhäuser
 

KÄTHE HENSCHEL

09.09.1893 Hamburg – 16.05.1991 Miami/USA

WALLY HENSCHEL

09.09.1893 Hamburg – 13.12.1988 Miami/USA

Die Zwillingsschwestern Käthe und Wally Henschel waren beide außergewöhnlich begabte Schachspielerinnen. Schon ihr Vater gehörte seit 1881 dem Hamburger Schachklub (HSK) an und galt als einer seiner besten Spieler – offenbar lag das Talent in der Familie. Für eine Sensation sorgte Wally Henschel bei den Schachweltmeisterschaften der Frauen im Rahmen der Schacholympiade 1930 in Hamburg. Sie besiegte die amtierende Weltmeisterin Vera Menchik und war damit die einzige, die jemals gegen diese in einem WM-Turnier gewann.

1931 wurde Wally Henschel vor ihrer Schwester Käthe auch Schachmeisterin von Groß-Hamburg. Mit Beginn der NS-Diktatur 1933 mussten beide den Hamburger Schachklub verlassen. Im März 1939 flohen sie gemeinsam aus Deutschland in die USA. Auch dort beteiligten sie sich an Schachturnieren, doch das Leben im Exil erwies sich als sehr schwierig und war zudem von gesundheitlichen Problemen überschattet…

Am 7. Mai, ab 14 Uhr, werde ich im Rahmen der bundesweiten Initiative "Denk Mal am Ort" (s.u.) zu Wally und Käthe Henschel und ihrer Schachkarriere einen Vortrag im Klubhaus des Hamburger Schachklubs halten und lade alle Hamburger und Nicht-Hamburger Schachfreunde dazu herzlich ein. 
 

Wally und Käthe Henschel teilten auch das Schicksal vieler jüdischer Sportler:innen in Hamburg, darunter eine Reihe weiterer Schachspieler.

Wer sich für das Thema interessiert, findet weitere Portraits und Biographien in meinem Buch "...bis zu seinem freiwilligen Ausscheiden im April 1933.": Jüdische und als jüdisch verfolgte Sportler:innen im Nationalsozialismus in Hamburg", erschienen im Mai 2022. (ISBN 978-3-000-71750-5 in jeder Buchhandlung zu bestellen oder direkt beim Stadtteilarchiv Eppendorf, Martinistraße 44a, 20251 Hamburg, Tel. 040 – 780 50 40 30 oder Email kontakt@geschichtswerkstatt-eppendorf.de. 10 Euro.

Einladung beim Hamburger SK...


Pressemitteilung "Denk Mal am Ort"


Denk Mal Am Ort (DMAO) ein Projekt von KUBIN e.V.
www.denkmalamort.de

Jedes Haus hat eine Geschichte zu erzählen
Denk Mal Am Ort in Hamburg am 6. und 7. Mai 2023 

16 Erinnerungen an in der NS-Zeit verfolgte Hamburger*innen

Am 3. Mai jährt sich die Befreiung Hamburgs vom Nationalsozialismus zum 78. Mal. Am auf den Jahrestag folgenden Wochenende, am Samstag, den 6. und Sonntag, den 7. Mai 2023 erinnern engagierte Hamburger*innen im Rahmen des deutschlandweiten Projektes „Denk Mal Am Ort“ an sechzehn Orten in Hamburg an Menschen, die dort gelebt oder gewirkt haben und von den Nationalsozialisten wegen ihrer politischen Überzeugungen und Aktivitäten, ihrer religiösen Zugehörigkeit oder einer Behinderung entrechtet und verfolgt wurden.

Arie Goral ist vielen seit der Benennung eines Platzes im Grindelviertel im Jahr 2019 ein Begriff. Im Kulturladen Hamm zeigt ein Wegbegleiter Gorals am Sonntag um 11 Uhr Fotos aus dem Leben des Mannes, der Deutschland 1933 verließ und nach seiner Rückkehr als Maler, Lyriker und Aktivist bekannt wurde. Andreas Lübbers liest Texte Gorals.

Vor ihrem einstigen Haus in der Blankeneser Hauptstraße 56 erinnert Prof. Friedemann Hellwig am Samstag um 15 Uhr an Sophie Jansen, eine Pionierin des Armenwesens und Schriftstellerin, die den Freitod wählte, als sie mit 80 Jahren deportiert werden sollte.

Der Sprachwissenschaftler Salomo A. Birnbaum hatte an der Hamburger Universität den ersten Lehrauftrag für Jiddistik in Westeuropa inne. Mitglieder der Salomo-Birnbaum-Gesellschaft für Jiddisch e. V. stellen Leben und Wirken Birnbaums am Samstag, von 14 bis 15 sowie 16 bis 17 Uhr im Foyer der Universität Hamburg in der Edmund-Siemers-Allee 1 in Kooperation mit der Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte der Universität Hamburg vor.

Neben einer Lesung und einer Ausstellung über das einstige jüdische Leben im Grindelviertel gibt es einen kurzen, spielerischen Einblick in die Sprache Jiddisch.

Irma Sperling wurde 1933 wegen einer geistigen Behinderung gegen den Willen der Eltern in die Alsterdorfer Anstalten eingewiesen, im Rahmen des sogenannten Euthanasie-Programms nach Wien verschleppt und dort im Alter von 14 Jahren umgebracht. Antje Kosemund erinnert am Samstag um 14 Uhr im Restaurant Tunici in der Adolph-Schönfelder-Straße 49 an ihre Schwester. Sie hat deren Geschichte über Jahrzehnte recherchiert und im Buch „Sperlingskinder“ festgehalten.

Historisch ungewöhnliche Perspektiven auf den zweiten Weltkrieg finden sich auch in dem Buch „Was macht die Welt in der wir Zuhause sind?“, dem Briefwechsel der Familie Lüders: Walther Lüders war als Widerstandskämpfer im Konzentrationslager, seine Frau Lina wohnte in Hamburg, ihr Sohn Axel befand sich an der Front. Doch die Drei standen per Post in ständigem Austausch. Am Sonntag lesen der Autor Andreas Münzer, die Schauspielerin Iris Bettina Kaiser sowie der Schauspieler Tom Keidel um 15 Uhr in der Geschichtswerkstatt
Eimsbüttel „Galerie Morgenland“ im Beisein des Sohns und Enkels Marc Lüders
Passagen aus dem Briefwechsel. Der Historiker Herbert Diercks kommentiert.

Die Zwillinge Käthe und Wally Henschel belegten noch 1931 für den Hamburger Schachklub Platz eins und zwei bei den Groß-Hamburger Schachmeisterschaften und lagen so vor der männlichen Konkurrenz. Nach der Machtübergabe mussten sie den Verein verlassen. Ihre Großnichte erzählt am Sonntag um 14 Uhr im Hamburger Schachklub in der Schellingstraße 41 die Geschichte der zwei Talente. Die Historikerin Frauke Steinhäuser stellt ihre Lebensgeschichten vor.

Das ganze Programm: www.denkmalamort.de/Hamburg
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