Dem Protest eine Stimme geben

von André Schulz
20.09.2021 – Matthias Deutschmann war einst ein talentierter Schachspieler. Dann geriet er auf die schiefe Bahn und driftete ins politische Kabarett ab. In jüngster Zeit ist er mit seinen Schach-Wochenrückblicken auf einem guten Weg zurück. Aber ganz kann er nicht von der Politik lassen. Nun steht die Bundestagswahl an und Deutschmann fragte sich: "Wie kann ich meinem Protest eine Stimme geben?"

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Als Kasparov seinerzeit noch in der russischen Politik aktiv war, formulierte er die Unterschiede zwischen Schach und (russischer) Politik so:

"Im Schach stehen die Regeln fest und der Ausgang ist offen. Bei Wahlen in Russland ist es genau umgekehrt."

Bei Wahlen in Deutschland gilt dieser Satz aber natürlich nicht. Und ganz besonders nicht bei dieser Wahl. Nach 16 Jahren Amtszeit will Angela Merkel nun  ihr Amt als Bundeskanzlerin niederlegen. Deutschland bekommt einen neuen Kanzler oder eine neue Kanzlerin.

Am kommenden Sonntag wird zunächst die Zusammensetzung des Bundestages gewählt. Die Anzahl der Partien, die im Bundestag vertreten sind, werden immer größer. Als die CDU 2005 knapp die stärkste Partei wurde und in einer großen Koalition mit der SPD Angela Merkel zu Kanzlerin wählte, waren noch fünf Parteien im Bundestag vertreten. Nach der letzten Bundestagswahl waren es schon sechs. Und auch die Stimmenverteilung hat sich geändert. 2005 waren CDU und SPD mit jeweils über 30% Stimmenanteil beide noch als "Volksparteien" gut erkennbar. 2017 hatte nur noch die CDU über 30% Stimmen. Die "kleinen" Partien legen immer weiter zu.

Dies führt auch dazu, dass die Anzahl der Volksvertreter im Bundestag immer weiter wächst. Die Kandidaten der "Volkpartien" setzten sich zumeist in ihren Wahlkreisen durch, aber die Partien selbst erhalten nicht mehr genügend Zweitstimmen. So entstehen immer mehr "Überhangsmandate", denn wer direkt gewählt ist, zieht auch in den Bundestag ein. 2005 hatte der Bundestag 614 Abgeordnete, 2017 waren es schon 709. Kritiker des Wahlsystems befürchten schon bald 1000 Abgeordnete im Bundestag.

Matthias Deutschmann, Schachenthusiast mit Kabaretthintergrund, hat noch ein ganz anderes Manko beim Wahlsystem entdeckt. 

"Man kann immer nur für eine Partei stimmen. Wie kann ich zum Ausdruck bringen, dass ich gegen eine Partei bin?"

Gesagt, getan. Matthias Deutschmann hat das passende Wahlsystem entwickelt, den Contra-Test.

Pro und Contra – Sie haben zwei Stimmen!

Viele Menschen wählen seit Jahren immer wieder das kleinere Übel, weil sie keine andere Wahl haben. Jetzt haben Sie die Möglichkeit etwas gegen das größere Übel zu unternehmen. Contra-Test gibt Ihrem Protest eine Stimme.

Es ist ganz einfach!

Mit Ihrer ersten Stimme wählen Sie - wie gewohnt - die von Ihnen favorisierte Partei. Mit Ihrer zweiten Stimme nehmen Sie einer Partei eine Stimme weg. Auf geht‘s: Suchen Sie sich Ihr Pro und das Contra und klicken Sie auf die Urne mit dem Adler um die Wahl abzuschließen!


Zum Contratest - dem Protest eine Stimme geben...
 


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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schachkwak schachkwak 21.09.2021 01:58
Eine Konkurrenzwahl, die noch konsequenter ist:
Nur noch wenig Zeit, dann ist die Wahl abgeschlossen ;-)
https://www.der-postillon.com/2021/09/sonntagsfrage-abwahl.html

Was würde passieren? Der Mob (und damit die jetzt schon mächtige Boulevardpresse) hätte dann noch mehr Macht. Minderheiten würden noch weniger geschützt. FDP und Grüne würden zu Splitterparteien. OK - die AFD würde wahrscheinlich ganz verschwinden. Besonders bei unserer Altersstruktur in Deutschland würden CDU und SPD danach fast alleine im Parlament sitzen. Der Klimawandel ist für diese Bevölkerungsgruppe irrelevant. Niemand will da noch Stress. Also ein paar Nette Worte in die Kamera und dann die alten Seilschaften bedienen. Und wenn es keine Seilschaften wären, dann sind die Politiker eben auch alte Leute, die soziale Dinge und den Klimawandel nicht verstehen und dazu noch bequeme Zahlenlegastheniker sind (aber das ist eine viel zu freundliche Vermutung).

Du hast sicherlich komplett andere Ergebnisse bei deinem Experiment, aber ich denke, so würde es kommen.

Nochmal der Link zu Rezo:
https://www.youtube.com/watch?v=3Ya7pEDndgE&t=2394s

Nochmal die Anstalt - da gibt es auch andere Quellen, aber das würde Zeit kosten, das rauszusuchen. Trotzdem werden da nicht alle Dinge zu der Thematik angesprochen.
https://www.youtube.com/watch?v=yduqBkbroL4

Weitere Themen, die alte bequeme Leute nicht interessieren.
- Verteidigung Demokratie: Meinungsfreiheit -> Uploadfilter (das versteht fast niemand im fortgeschrittenen Alter und wie Deutschland das durch die EU-Gremien gepeitscht hat und dabei gelogen hat)
- Informatik allgemein -> Zukunftsfähigkeit des Landes. Da gibt es viele Themen abseits des Breitbandausbaus.
- Korruption passt praktisch nie zu sozialen Dingen

Alles Themen, die es jetzt schon unter dem Radar bleiben.

Und wenn dann noch die Minderheiten im Parlament plattgemacht würden ... naja.
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