Dennis Wagner wird Großmeister

von Johannes Fischer
09.01.2015 – Ende 2014 wurde Dennis Wagner Großmeister. Der 17-jährige gewann das Open in Vandoeuvre, holte dabei seine dritte GM-Norm und verbesserte seine Elo-Zahl auf 2501 Punkte. Er begann das Open mit 5,5 Punkten aus 6 Partien, doch warum es am Ende doch nicht ganz so einfach war, die letzten Punkte zur Norm zu machen, verrät er in einem Interview. Mehr...

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Das erklärte Ziel von Dennis Wagner

Dennis Wagner ist eine der größten deutschen Nachwuchshoffnungen. Nach schnellem Abitur - er übersprang eine Klasse - konzentriert er sich im so genannten "Schachjahr" seit einem halben Jahr ganz aufs Schach. Mit Erfolg, wie der Großmeistertitel zeigt. In einem Interview berichtet Wagner über den Verlauf des Turniers in Vandoeuvre, seinen Weg zur GM-Norm und seine Pläne und Ziele für die zweite Hälfte des Schachjahres.

Dennis Wagner (Foto: Bernd Vökler)

Herzlichen Glückwunsch zum GM-Titel und zum Turniersieg in Vandoeuvre! Zwischen Weihnachten und Neujahr konnte man in vielen offenen Turnieren spielen. Warum bist Du gerade nach Vandoeuvre gefahren?

Ich habe bereits zwei Mal an diesem Turnier teilgenommen. Es ist immer stark besetzt und für Normen gut geeignet, da das Feld sehr kompakt ist. Außerdem stand ich schon bei meiner letzten Teilnahme im Januar 2013 kurz vor einer GM-Norm.

Und wie war das Turnier organisiert?

Die Organisation war gut, der Spielsaal geräumig, der Zeitmodus allerdings sehr kurz (1:30h +30sec Inkrement für die gesamte Partie), was für sehr spannende Partien sorgte; verstärkt wurde dies noch durch das generelle Remisangebotsverbot, das sehr strikt überwacht wurde.

Hast Du nach dem guten Start von 5,5 aus 6 bewusst die Norm angesteuert oder wolltest Du "einfach nur spielen"?

Nach meinem hervorragenden Start war die Norm ja bereits in Reichweite, und da dies meine letzte GM-Norm war, wollte ich sie unbedingt schaffen. Aber die letzten Runden sind immer schwer, wenn man bei einem Open vorne steht. Ich brauchte einen Punkt aus den letzten drei Partien, aber den zu holen, war nicht gerade einfach.

Entschlossen: Dennis Wagner auf dem Weg zum Großmeistertitel

In der siebten Runde gab es dann einen Rückschlag, als Du gegen Sergey Fedorchuk verloren hast. Wie hast Du diese Niederlage verdaut und das Turnier am Ende doch noch gewonnen?

Natürlich habe ich mich über die Niederlage gegen Fedorchuk geärgert, da ich eine gute Stellung nach der Eröffnung hatte. Aber danach hat er die Partie sehr stark gespielt, sodass ich mir keine zu großen Vorwürfe gemacht habe, zumal ich ja in der nächsten Partie wieder die Chance hatte, den Punkt zu holen.

 

 

Aber mit jeder vergebenen Chance wuchs natürlich die Anspannung. In der achten Runde hatte ich eine bessere Stellung gegen WGM Savina, aber es war nicht leicht, Fortschritte zu erzielen, sodass die Stellung langsam verflachte.

Anastasia Savina wurde Siebte

In der entscheidenden letzten Runde benötigte ich deshalb einen halben Punkt für die Norm und wurde mit Schwarz gegen den sehr kämpferisch gestimmten IM Battaglini gelost. Nach chaotischem Verlauf konnte ich in einer dramatischen Zeitnotschlacht am Ende etwas glücklich sogar noch gewinnen und holte GM Fedorchuk, der in den letzten beiden Runden zwei Remis gespielt hatte  noch ein. Dank besserer Zweitwertung erreichte ich nicht nur die GM-Norm, sondern gewann auch noch das Turnier.

 

Welche Deiner Partien in Vandoeuvre hat Dir besonders gut gefallen?

Besonders mochte ich die Partie gegen GM Wirig, den ich in einem ausgeglichenen Endspiel immer stärker unter Druck setzte. So kam ich in Vorteil und er machte schließlich einen entscheidenden Fehler.

 

Am überzeugendsten war aber mein Sieg gegen IM Bailet.

 

Der GM-Titel war ein erklärtes Ziel des "Schachjahres". Wie geht es jetzt weiter? Neue Ziele, neue Pläne?

Nachdem die erste Etappe geschafft ist, wird nun die 2600er-Marke anvisiert. Dabei versuche ich, möglichst viele starke internationale Turniere (wie Gibraltar) zu spielen.

Wann geht das Schachjahr denn offiziell zuende?

Offiziell endet das Schachjahr am 30. Juni 2015.

Das Jahresende war für die deutschen Spieler ja sehr erfolgreich. Alexander Donchenko gewinnt in Groningen und wird in Basel Zweiter, Arkadij Naiditsch in Zürich und in Basel, Du in Vandoeuvre. Zufall?

Zu einem Turniersieg gehört immer ein Quäntchen Glück. Ende 2014 lief bei den deutschen Spielern einfach alles perfekt zusammen.

Endstand

Pl   Name Elo Pts Ka. Perf
1 m WAGNER Dennis 2488 F 7 26 2678
2 g FEDORCHUK Sergey A. 2669 F 7 24 2706
3 g GHARAMIAN Tigran 2658 F 21 2640
4 m BAILET Pierre 2484 F 6 22 2542
5 g CORNETTE Matthieu 2571 F 6 20 2551
6 m SAVINA Anastasia 2397 F 6 20 2533
7 g WIRIG Anthony 2483 F 6 20 2521
8 m BATTAGLINI Gabriel 2451 F 21 2471
9 m DOURERASSOU Jonathan 2469 F 21 2376
10 m DAULYTE Deimante 2376 F 21 2357
11 f DI NICOLANTONIO Lucas 2345 F 19 2485
12 g NARCISO DUBLAN Marc 2515 F 19 2479
13   BURILLE Matthieu 2067 F 19 2401
14 f KAMBRATH Yannick 2310 F 19 2327
15 m BATSIASHVILI Nino 2442 F 17 2498
16 g GULIYEV Namig 2557 F 17 2434
17 g SKEMBRIS Spyridon 2420 F 17 2431
18 f GODART Francois 2370 F 17 2323
19 g VOVK Yuri 2592 F 5 16 2414
20 gf DOLUHANOVA Evgeniya 2279 F 5 16 2383
21 f TADDEI Benoit 2340 F 5 16 2368
22   DUTREUIL Raphael 2080 F 5 16 2275
23   IGLESIAS Joachim 2288 F 5 16 2244
24 gf AMBARTSUMOVA Karina 2321 F 17 2324
25   THOMAS Anysia 1991 F 17 2163
26 m HAUB Thorsten Michael 2429 F 15 2312
27   YANKELEVICH Lev 2343 F 15 2302
28 f FANTINEL Thibault 2322 F 15 2296
29 f JOIE Sebastien 2389 F 15 2288
30   MICOTTIS Dorian 2191 F 15 2221

...

Impressionen

Blick in den Spielsaal

Technik

Küche

Le Maitre

Erinnerungen...

...an ein schönes Turnier.

Fotos: Turnierseite...



Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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