Der neue Königsweg zu den Endspielen

19.01.2007 – Sagt Ihnen der Name "André Chéron" noch etwas? "Der Chéron" - vier Bände mit ca. 1500 Seiten Endspielstudien - galt jahrzehntelang als das Standardwerk der Endspieltheorie. Ein großartiges Werk und eine wunderbare Sache, die heutzutage aber vor allem stolze Regale ziert. Durch die Entwicklung von Programmen und Endspieldatenbanken sind mittlerweile nicht nur viele Bewertungen sondern auch die Vermittlung des Endspielwissens überholt. Heutzutage muss sich niemand mehr mit schwergewichtigen und staubtrockenen Lehrbüchern herumschlagen. Mit seiner Trainingsreihe im Videoformat setzte der Hamburger Endspielexperte Dr. Karsten Müller neue Maßstäbe in Sachen Endspieltraining und schafft es, die aktuelle Theorie systematisch, instruktiv und zugleich unterhaltsam zu präsentieren. Karsten Müllers Endspielschule im Shop kaufen...Rezension lesen...

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Dr. Karsten Müllers „Schachendspiele 3 – Schwerfiguren“
Rezension von Marcus Wegener

"Schachkennern ist Karsten Müller als Endspielkolumnist des ChessBase Magazins, spätestens aber seit seinem zusammen mit Frank Lamprecht veröffentlichtem „Secret of Pawn Endings“ ein Begriff. Das zur Jahrtausendwende im englischen Everyman Chess Verlag erschienene Werk erhielt, ebenso wie das nachfolgende „Fundamental Chess Endings“ beim Gambit-Verlag, höchste Weihen der Kritik. Als Endspielautor steht Karsten Müller seitdem auf einer Stufe mit John Nunn, der in den 90er Jahren mit seiner „Secrets“-Reihe im Batsford Verlag das Revival der Endspielliteratur einleitete, sowie dem Trainer-Guru Mark Dworetzki und dessen Kompendium „Die Endspiel-Universität“.

Mancher wird sich fragen, was denn aus dem Awerbach und dem Chéron geworden ist? Nun, wie sich schlicht und ergreifend in den letzten Jahrzehnten herausgestellt hat, sind diese ehemals so epochalen Werke in so vielen Punkten falsch oder zumindest unvollständig gewesen, dass die Zeit einfach reif für neue Endspielbücher war. Dies hat vor allem mit dem Ding zu tun, auf dessen Bildschirm Sie vermutlich gerade starren: Durch den Einsatz von Computern konnten viele Endspielstellungen komplett ausanalysiert werden. Momentan sind alle Endspiele mit 2 Königen und höchsten 4 anderen Figuren auf dem Brett, die sogenannten 6-Steiner, vollständig gelöst. Als Ergebnis hieraus verfügt man nun über riesige Datenbanken, sogenannte Tablebases, die in jeder beliebigen Stellung mit 3-6 Steinen auf dem Brett angeben können, wie diese Position bei beiderseits bestem Spiel endet und welches dabei die besten Züge für die jeweilige Partei sind. Wie sich zeigte, entsprach in den alten Büchern schon bei einigen simplen theoretischen Positionen die Darstellung nicht mehr den harten Fakten.

Abgesehen von den Funden der Tablebases haben aber natürlich auch Schachprogramme wie FRITZ ihren Anteil an zahlreichen Neubewertungen, weil sie in vielen Positionen fehlerhafte Lösungen oder bessere Gewinnwege aufzeigten. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis die neue Endspielliteratur das Licht der Welt erblickte. Die aktuellen Endspielwerke, namentlich die von Karsten Müller und Mark Dworetzki, sind Gott sei Dank nicht mehr so dröge wie zu früheren Zeiten. [...] Wie aus dem bisher Gesagten deutlich wird, liegen mit den Büchern von Müller und Dworetzki solche Endspiellehren als Printmedium bereits vor. Was kann in diesem Zusammenhang nun noch eine DVD, was das Buch nicht kann? Um es kurz zu sagen: Sehr viel!

Grundsätzlich ist bei Schach auf Video meines Erachtens Skepsis geboten. Sicher ist es für manche eine schöne Sache, wenn sie z.B. Großmeistern live dabei zusehen können, wie diese ihre Partien besprechen. Doch dass durch das passive Rezipieren eines Films ein ähnlich großer Lerneffekt entsteht wie beim selbstständigen Studium einer kommentierten Partie, wag(t)e ich zu bezweifeln.

Im Fall von Karsten Müllers DVD ist jedoch alles anders! Ich würde in diesem Fall sogar so weit gehen, dass ich zum Training der Endspiele PRIMÄR das Studium der DVD empfehlen würde, um erst zur weiteren Intensivierung auf die Literatur zuzugreifen. Das hat folgende Gründe:

  • Die Gesamtspielzeit der DVD beträgt ca. 7 Stunden. Dies ist zum einen ein vernünftiger Gegenwert für den Kaufpreis, zum anderen aber bedeutet dies eine weitere Reduktion der Lehrbuchinhalte auf das Wesentliche. Denn die Laufzeitlänge entsteht ja durch die intensive Besprechung der einzelnen Stellungen durch GM Karsten Müller. Die Anzahl der besprochenen Endspiele ist demzufolge deutlich kleiner. Man erhält also wirklich die absoluten Endspiel-„Basics“ und kann dann auf diesen aufbauend weitere Beispiele aus der Literatur hinzunehmen – wenn man will.
  • Selbst wenn der Anwender es beim eben kritisierten „passiven Betrachten“ dieser DVD belässt: Wir haben ja alle so einen inneren Schweinhund zu überwinden und ich weiß nicht nur aus eigener Erfahrung, dass wenige das Endspielstudium mit Lust und Feuereifer betreiben. Ein gründliches, aber ungelesenes Endspielbuch wird jedoch sicher einen geringeren Lernzuwachs erzielen können, als man ihn bereits durch das einmalige Anschauen dieser DVD erreicht. Denn:
  • Karsten Müller präsentiert die Inhalte so einprägsam und logisch aufeinander aufbauend, dass unbedingt etwas hängen bleibt. Ich habe vor dieser DVD gewiss schon einige Male etwas darüber gelesen, wie man bei der Materialverteilung K+T vs. K+S einen vom König getrennten Springer einfangen kann (gelingt dies nicht, wird die Partie remis). Ich bezweifle allerdings, dass ich es während einer Partie hätte rekapitulieren können. Wenn man aber einmal gesehen hat, wie Karsten Müller das Prinzip der Dominanz erklärt und dabei nach jedem präzisen Turmzug „Dominanz! Dominanz!“ schreit, prägt sich dies so gut ein, dass man förmlich darauf brennt, es in der Praxis selbst demonstrieren zu können.
  • Vor allem aber ist man im Unterschied zum Selbststudium der früheren „guten alten Zeiten“ mit dieser DVD beim Training nicht mehr alleingelassen. Denn diese DVD wird mit FRITZ geöffnet. Das bedeutet, dass man alles, was zuvor erklärt wurde, SOFORT in der Praxis gegen FRITZ anwenden kann. Somit erhält man augenblicklich eine Rückmeldung, ob der selbst gewählte Zug einfach nur einer der vielen Wege nach Rom ist (deren es im Endspiel gewöhnlich eine ganze Menge gibt) oder ob man damit vom richtigen Weg abkommt. Die enge Verzahnung zwischen Lehrvortrag und anschließender aktiver Umsetzung macht in meinen Augen dieses Trainingskonzept unschlagbar.


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Auch sehr Gutes kann noch verbessert werden, weshalb ich im Folgenden noch einige Kritikpunkte loswerden möchte. Zum einen bezieht sich diese Kritik auf die Machart der Videos, die man vorsichtig umschrieben als recht spartanisch bezeichnen darf. Bei einem ziemlich eintönigen Hintergrundbild, einer einzigen Kameraeinstellung und einem schnittlosen Endprodukt sind kleine Zooms der Kamera schon das höchste der Gefühle. Auf die Dauer wirkt dies recht eintönig und die Konzentration des Betrachters geht in den Keller. Gott sei Dank kommt von selbst immer dann wieder etwas mehr Fahrt in die Sache, wenn Karsten Müller sich warmgeredet hat und dann durch seinen lebendigen Vortrag den Zuschauer wieder „aufweckt“. Vorstellbar wäre aber, durch wechselnde Kameraeinstellungen, wechselnde Hintergrundbilder oder einen Co-Kommentator von vornherein für eine lebendigere Atmosphäre zu sorgen. Manche werden dies vielleicht als belanglosen Schnickschnack abtun, meines Erachtens wären diese „Kleinigkeiten“ gerade für ein Aufrechterhalten der Konzentration wesentlich. Enttäuschend außerdem das Inhaltsverzeichnis: Die wenig aufschlussreiche Betitelung (Festungen/Brechen von Festungen I, Festungen/Brechen von Festungen II, Festungen/Brechen von Festungen III usw. bis Festungen/Brechen von Festungen X [!]) lässt den Anwender ratlos, von wo er herkam und wo er hin will.

Fazit: Wer im Endspielbereich noch einmal aufrüsten will, dem sei diese DVD dringendst empfohlen. Für mich ist die ganze Reihe von Karsten Müller der neue Königsweg zu den Endspielen."

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