Der olympische Traum

von Conrad Schormann
13.02.2019 – Wenn nicht jetzt, wann dann? Die FIDE bemüht sich erneut um Aufnahme ins Olympische Programm. 1924 wurde die FIDE am Rande der Olympischen Spiele gegründet. 2024 finden die Olympischen Spiele erneut in Paris statt. Die FIDE möchte mit Schach dabei sein.

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Der olympische Traum lebt

Schach könnte zum Teil der Olympischen Spiele 2024 in Paris werden. Am gestrigen Dienstag in Paris haben FIDE-Präsident Arkadi Dworkowitsch und sein französischer Kollege Bachar Kouatly eine Kampagne begonnen, an deren Ende  die Aufnahme des königlichen Spiels (Schnell- und Blitzschach für den Anfang) ins olympische Programm stehen soll. Diese Initiative repräsentiert nicht den ersten derartigen Versuch, aber es scheint, als habe Schach dieses Mal tatsächlich eine Chance.

Den olympischen Traum träumen Schachspieler, seitdem das Internationale Olympische Komitee (IOC) 1999 Schach als potenzielle Olympia-Sportart anerkannt hat. Um die vage Olympia-Hoffnung zu erhalten, fügt sich seitdem das Schach den IOC-Regeln, sogar wenn die beim Denksport überhaupt keinen Sinn ergeben. Seit 2001 gelten bei Schachturnieren dieselben Dopingbestimmungen wie bei anderen Sportarten, was dem Schach nicht mehr Fairness, aber manche Anekdote beschert hat.

Dass Anabolika oder Amphetamine denkbar ungeeignet sind, den Elowert zu steigern, hat nie dazu geführt, dass ein FIDE-Vertreter beim IOC vorstellig wurde, um den Olympia-Entscheidern die spezifische Betrugsproblematik beim Schach zu vermitteln. Ein Dopingproblem hat das Schach sehr wohl, nur eben keines, dass sich per Pillen- oder Spritzenverbot in den Griff bekommen ließe. Für Schach wäre (unter anderem) ein Handyverbot vonnöten. Aber ob sich das IOC ein solches in seine Statuten schreiben würde? Olympia sponsernde Handy-Hersteller wären nicht begeistert.

Warum Schach bei Paris 2024 eine Chance hat

Bislang waren solche konkreten Probleme nie relevant, eben weil die Olympia-Hoffnung des Schachs so vage war. Noch Mitte 2018 standen die Zeichen sogar auf Trennung: Das IOC hatte dem Weltschachbund gedroht, ihn fallen zu lassen, als sich am Ende der Iljumzhinov-Regentschaft die FIDE als nicht mehr handlungsfähige Organisation ohne Bankkonto präsentierte.

Nun gibt es gleich eine Reihe von Faktoren, die Paris 2024 als reale Chance erscheinen lassen. Ein Jubiläum zum Beispiel. Nicht nur richtet Paris 100 Jahre nach Olympia 1924 wieder die Spiele aus, auch der 1924 in Paris gegründete Weltschachbund feiert 100. Geburtstag. Obendrein wurde 1924 die Schach-Mannschafts-WM in Paris ausgespielt, ein Vorläufer der Schacholympiade.

 

 

Show-Match zwischen Arkadi Dworkowitsch und Sophie Milliet, als die FIDE jetzt in Paris begann, für „Schach bei Olympia“ zu trommeln. Der Weltschachbund plant eine lange und intensive Kampagne, um den Schachsport 2024 in Paris ins olympische Programm zu hieven.

Personell hat das Schach anno 2019 erstmals jemanden an der Spitze, der in Zirkeln internationaler (Sport-) Politik ernst genommen wird. Nach den Präsidenten Campomanes und Iljumzhinov vertritt seit Oktober 2018 Arkadi Dworkowitsch die Anliegen des Schachsports, ein Pfund. Dvorkovich präsentiert sich als Organisationschef der Fußball-WM 2018 auch beim Schach als international bestens vernetzter, zupackender Macher.

Dazu kommt eine potenzielle Allianz, die Betonfunktionären im deutschen Schach wie im nationalen olympischen Komitee unheimlich sein dürfte: Schach und eSport. Während der noch junge elektronische Sport in Deutschland um Anerkennung kämpft, gilt er im Olympia-Kontext am ehesten als Favorit, zum Teil der Spiele 2024 zu werden, sei es als Demonstration oder gleich als fester Teil des Programms. 

„68 Prozent der Schachspieler sind unter 20“

Anders als gängige eSport-Titel hat Schach Tradition und Geschichte vorzuweisen – und ist doch perfekt für Bildschirmwettkämpfe geeignet. Außerdem trifft es den Nerv der jungen Zuschauer. Längst schauen auf Twitch oft mehr Leute Schach als Counterstrike.

Apropos „jung“: Das IOC hat schon verlauten lassen, dass eine Sportart insbesondere junge Leute ansprechen muss, um ins Programm von Paris 2024 aufgenommen zu werden.  Bachar Kouatly hat das mit Freude vernommen. Von wegen Spiel für alte Leute: „68 Prozent der Schachspieler in Frankreich sind unter 20“, erklärte Kouatly der Sport-Tageszeitung L’Équipe.

Die FIDE hat eine intensive Kampagne angekündigt, um für Schach bei Olympia 2024 zu werben. Die Begegnung Dworkowitschs und Kouatlys mit französischen Medienvertretern soll der Auftakt gewesen sein.

 

Der Artikel erschien im Original bei "Perlen vom Bodensee". Leicht gekürzter Nachdruck mit freundlicher Genehmigung...

 

Presseerklärung der FIDE


Die FIDE hat offiziell seine Kampagne gestartet, um bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris als Sportart aufgenommen zu werden. Die offizielle Eröffnung der Kampagne fand am Dienstag, dem 12. Februar, in Paris in Anwesenheit des Präsidenten der FIDE Arkady Dvorkovich statt.

Führende Mitglieder der internationalen und der französischen Schachföderation trafen sich mit der französischen Presse, um die Berücksichtigung des Schachs zu fördern, weltweit eine der populärsten Sportarten überhaupt. 

Die FIDE zählt 189 nationale Verbände und weltweit 600 Millionen Menschen, die Schach spielen. Arkady Dvorkovich (Weltschachbund) Bachar Kouatly (Französischer Schachverband) und Sophie Milliet (Sechsfache französische Meisterin und Internationaler Meister) sind fest entschlossen, Schach in den Kreis der Olympischen Sportarten zu bringen. 

Schach ist ein Wettstreit auf einem Brett und ist besonders in den Disziplinen Schnellschach und Blitzschach bestens geeignet, auch ein breiteres Publikum am Fernsehen anzulocken. Schnellschach und Blitzschach wären deshalb die geeigneten Diszipline für die Olympischen Spiele 2024.

Schach wird auf der ganzen Welt immer populärer. 600 Millionen Menschen können Schach spielen und mehrer Millionen spielen täglich Schachpartien auf Schachservern im Internet. In Frankreich sind 67% der Mitglieder des Französischen Schachverbandes jünger als 18 Jahre.

Wenn Schach in die Olympischen Spiele 2024 aufgenommen wird, kann Frankreich auf Maxime Vachier-Lagrave zählen, Nummer zwei der Blitzweltrangliste. 

 




Conrad Schormann, gelernter Tageszeitungsredakteur, betreibt in Überlingen am Bodensee ein Büro für Redaktion und Kommunikation. Fürs Schachspielen hat er zu wenig Zeit, was auch daran liegt, dass er so gerne darüber schreibt, sei es für Chessbase, im Reddit-Schachforum oder für sein Schach-Lehrblog Perlen vom Bodensee...

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oegenix oegenix 14.02.2019 10:04
Zu Don Claudio: Zustimmung. Beim Schach kommt aber ein weiteres Problem hinzu: Es gibt auch die Möglichkeit, durch Stellungswiederholung/Dauerschach ein Remis zu erzielen. Es gibt genug Beispiele, in denen die Spieler eine theoretische Variant wählen, die dieses Ergebnis hat. Böse Absicht lässt sich kaum nachweisen. Die von Don Claudio vorgeschlagene Beurteilung durch einen Schiedsrichter ist auch nicht unangreifbar. Bei Mannschaftskämpfen, in denen der Gastgeber den Schiedsrichter stellt, wird das ohnehin nichts nützen. Aber auch bei Rundenturnieren könnte man die Entscheidung nur bei einfachen Stellungen dem Schiedsrichter überlassen.
Einzige Lösung, die ich sehe: Es gibt keine unentschiedenen Spielergebnisse mehr, der Sieger wird in einer oder mehreren Blitzpartien ermittelt.
Vielleicht kann chessbase zu diesem uralten Thema mit Eingangsstatements pro und contra ein Diskussionsforum eröffnen?
Don Claudio Don Claudio 13.02.2019 03:22
Um Schach als Sport zu erklären müßte zuerst eine vereinbarte Remiserklärung abgeschafft werden. Es gibt keine Sportart, in der die Sportler vereinbaren, dass sie sich unentschieden trennen. Für mich ist dies die absurdeste Regel im Schach. Wenn man schon eine Partie früher benden will, sollte dies ausschließlich der Beurteilung eines Schiedsrichters unterliegen und an bestimmte Bedingungen geknüpft sein. Auch wenn bei bestimmten Eröffnungen meistens Remis herauskommt, so sollten die Spieler dies auch beweisen müssen. Man denke an 2 Boxer, die nach 3 Runden glauben, dass sie gleichwertig sind und den Kampf unentschieden beenden. Vergleiche hinken, haben aber auch einen Kern Sinn.
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