Der Scarborough Whitsun Congress 1926

von André Schulz
23.05.2026 – In den 1920er Jahren gab es in Scarborough (England) eine Tradition von Schachchfestivals über Pfingsten. Das Turnier von 1926 war bemerkenswert, weil Alexander Aljechin gewann. Allerdings hatten die Organisatoren mit ganz besonderen Schwierigkeiten zu kämpfen. Und der große englische Schauspieler Charles Laughton spielt auch eine Rolle, wenn auch nur eine Nebenrolle. | Foto: Aljechin und Colle, 1925

Ihr persönlicher Schachtrainer. Ihr härtester Gegner. Ihr stärkster Verbündeter.
FRITZ 20: Ihr persönlicher Schachtrainer. Ihr härtester Gegner. Ihr stärkster Verbündeter. FRITZ 20 ist mehr als nur eine Schach-Engine – es ist eine Trainingsrevolution für ambitionierte Spieler und Profis. Egal, ob Sie Ihre ersten Schritte in die Welt des ernsthaften Schachtrainings machen oder bereits auf Turnierniveau spielen: Mit FRITZ 20 trainieren Sie effizienter, intelligenter und individueller als je zuvor.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden als Werbemaßnahme und zur Unterhaltung der Gäste in englischen Seebädern durchgeführt, vor allem im Süden, eine Reihe von Schachturnieren durchgeführt. 

Der Chess Club von Scarborough, in Yorkshire an der Ostküste gelegen, übernahm das Konzept und führte 1909 die Britischen Meisterschaften durch, eine offene Meisterschaft und eine Meisterschaft für Frauen.

In den folgenden Jahren veranstaltete der Club einige einwöchige Schachkongresse, die meist in mehreren Gruppen durchgeführt wurden. Eine der führenden Figuren dabei war Gerald Mutrie Reid (1896-1958)

1925 und 1926 organsierte der Scarborough Chess Club über Pfingsten zwei internationale Premier Turniere, von denen das Turnier von 1926 (22. bis 27. Mai)  besonderen Nachklang fand, da hier mit Alexander Aljechin einer der besten Spieler seiner Zeit teilnahm.

Phantastische Taktik und glasklare Technik. Das waren die Markenzeichen auf Aljechins Weg zum WM-Titel 1927. Das Team Rogozenco, Marin, Reeh und Müller stellt Ihnen den 4. Weltmeister und sein Schaffen vor. Inkl. interaktivem Test zum Mitkombinieren!

Austragungsort der Turniere war das örtliche Pavillon Hotel im Zentrum von Scarborough, gleich neben dem Bahnhof. 

Das Hotel gehörte seit 1908 dem Ehepaar Laughton, dessen Sohn Charles Laughton (1899-1962) später einer der berühmtesten Schauspieler Englands und Hollywoods wurde. Charles Laughton arbeitete noch eine Zeitlang im Hotel seiner Eltern mit, bevor er sich ganz der Schauspielerei zuwandte. Als das Scarborough Pfingstturnier 1926 gespielt wurde, hatte Charles Laughton wohl gerade seine ersten Bühnenaufritte im Londoner Barnes Theatre. Nach dem Tod seiner Eltern ging das Hotel in seinen Besitz über. 1961 verkaufte Laughton das Hotel, vereinbarte aber mit dem Käufer, dass es noch 10 Jahre bestehen bleiben musste und die Angestellten dort solange weiter arbeiten durften. So kam es. 1971 wurde das Hotel dann geschlossen und 1973 abgerissen.

Bei den Vorbereitungen für das Pfingstturnier von 1926 waren die Organisatoren mit ganz besonderen Problemen konfrontiert. Als eine der wirtschaftlichen Folgen des Ersten Weltkrieges hatten die Besitzer der englischen Kohleminen Absatzprobleme auf dem Kontinent. Sie versuchten deshalb die Löhne für die Bergarbeiter zu drücken, worauf diese im April 1926 in den Streik traten.

Der Streik breitete sich aus, immer mehr Arbeiter schlossen sich an, besonders aus der Schwerindustrie und dem Transportwesen. Schließlich rief der Trades Union Congress (Gewerkschaftsverband) einen Generalstreik aus. Am 3. Mai kam es zu einer Großkundgebung, für die eine halbe Million Arbeiter auf die Straße gingen. Die Regierung hielt restriktiv dagegen, setzte sogar Panzerwagen ein und versuchte den Streik mit Freiwilligen zu brechen. Am 12. Mai beendete der Gewerkschaftsverband den Streik, doch es dauerte noch einige Zeit, bis sich sich das Leben in England wieder normalisiert hatte.

Zu jener Zeit war die Kommunikation noch deutlich umständlicher als heute und der Chef-Organisator des Schachturniers, Gerald Mutrie Reid, war bei der Vorbereitung eigens noch bis nach Paris gereist, um Spieler für sein Turnier anzuwerben und einzuladen. Ursprünglich war ein Kongress mit etwa 100 Spielern geplant, mit mehreren Turnieren. Wegen der widrigen Umständen fanden am Ende aber nur gut die Hälfte den Weg nach Scarborough.

Auch das Premier Turnier war von Absagen betroffen. Ursprünglich sollte dieses in zwei Gruppen zu acht Spielern durchgeführt werden, aber nachdem einige der dafür vorgesehenen Spieler abgesagt hatten, musste G.M. Reid improvisieren. Er bildete zwei Gruppe zu sieben Spielern und spielte selber mit, um eine gleiche Anzahl von Spielern in jeder Gruppe zu erhalten. Das Format sah dann so aus, dass die beiden Ersten jeder Gruppe ein Match über drei Partien um den 1. und 2. Platz spielen sollten, die Zweitplatzierten um die Plätze 3 und 4. 

In der Gruppe A des Premier Turniers war Alexander Aljechin der klare Favorit auf den Sieg. In Gruppe B waren der Belgier Edgar Colle und der russische Exilant Eugene Znosko-Borovsky, zu dieser Zeit schon in Paris zu Hause, die Top-Favoriten. Auch Jakob Adolf Seitz, der 1920 beim London Chess Congress als erster Deutscher nach dem Ersten Weltkrieg wieder an einem Turnier in England teilnahm, wurden Chancen eingeräumt. Seitz war der Organisator der Turnier von 1924 und 1926 in Meran. 1925 hatte er Efim Bogoljubow als Sekundant zum Turnier nach Moskau begleitet. Einer der englischen Teilnehmer war Harold Saunders, nicht verwandt mit dem bekannten englischen Schachpublizisten John Saunders.

Alexander Aljechin wurde schließlich mit 5,5 Punkten aus 6 Partien klarere Sieger der Gruppe A. Er gab nur gegen Gorge Alan Thomas einen halben Punkt ab. Thomas wurde mit einem halben Punkt Rückstand auf Aljechin Zweiter. 

In Gruppe B lagen Edgard Colle und Harold Saunders am Ende mit 4 Punkten an der Spitze. Da Colle den direkten Vergleich gewonnen hatte, wurde er zum Gruppensieger erklärt.

Bei den folgenden Platzierungswettkämpfen gewann Aljechin schon die ersten beiden Partien gegen Colle, was eine dritte Partie unnötig machte. Thomas gewann das Match um Platz drei gegen Saunders. 

Die Turnierreihe in Scarborough wurde bis 1930 fortgesetzt. Edgard Colle gewann das Turnier von 1928 und auch das besonders stark besetzte Turnier von 1930. Der spielstarke belgische Meister litt jedoch jahrelang unter Magengeschwüren und starb 1932 an einer Operation im Alter von nur 35 Jahren.

In 21 Videos erläutert Breutigam die Grundkenntnisse des Colle- Systems, des Colle-Zukertort-Systems sowie diverser Anti-Colle-Eröffnungen – auf dass Anziehende auch gegen Slawisch, Holländisch und andere Verteidigungen gute Antworten parat haben.

In jüngerer Zeit wurde in Scarborough die Tradition der Schachturniere wieder aufgenommen und einige Open veranstaltet, die sich aber eher an Hobby- und Vereinsspieler wandten.

Scarborough Chess Club...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
Diskussion und Feedback Senden Sie Ihr Feedback an die Redakteure