Der Weltmeister als Organisator: Das Magnus Carlsen Invitational

von André Schulz
17.04.2020 – Da wegen der Corona-Krise alle zuhause bleiben müssen, ist Magnus Carlsen unter die Organisatoren gegangen und lädt auf seiner eigenen Plattform chess24 zu einem Internet-Turnier ein (vom 18.April bis 3. Mai). Acht Spieler nehmen teil. Preisfonds 250.000 Dollar.

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Erst Rundenturnier, dann K.o

Es ist sehr schade, dass eine Reihe starker Schachturniere aufgrund der Corona-Epidemie abgesagt oder verschoben werden mussten. Alle, auch die Schachspieler, sollten am besten zuhause bleiben. Die Schachspieler haben den Vorteil, dass sie sich auch im Internet zum Schach treffen können, zum Spielen oder Zuschauen. 

Viele Blitzturniere finden derzeit auf den verschiedenen Internetplattformen statt und die weltbesten Spieler treffen sich zumeist zu freien Partien. Es gibt aber auch noch richtige Wettbewerbe, auch für Profis. Die PRO Chess League läuft weiter, und in Deutschland und Österreich werden neue offizielle Landesmeisterschaften im Internet-Blitz ausgespielt, mit Großmeisterbeteiligung.

Magnus Carlsen ist nun auch unter die Organisatoren gegangen und lädt zum "Magnus Carlsen Invitational" ein. Er spielt selber natürlich auch mit. Das Turnier wird mit Schnellschachpartien mit der Bedenkzeit von 15'+10'' gespielt. Bekanntlich ist Magnus Carlsen ein großer Anhänger von Partien mit kürzeren Bedenkzeiten und hätte nicht dagegen, wenn selbst die Weltmeisterschaften in einem solchen Format ausgetragen würden.

Magnus CarlsenFoto: Alina l'Ami

Jetzt, in dieser besonderen Situation, sieht sich der Weltmeister auch in der Verantwortung:

"Dies ist ein historischer Moment für das Schachspiel, und da es möglich ist, weiterhin professionelles Spitzenschach in einer Online-Umgebung zu spielen, haben wir nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Verantwortung gegenüber Spielern und Fans auf der ganzen Welt, um ihnen und uns eine Ablenkung zu bieten, da ja sonst keine Turniere stattfinden."

Magnus Carlsen ließ Taten sprechen und lobte ein Turnier mit acht Topspielern aus. Als Preisfonds stellt er 250.000 Dollar zur Verfügung. Der Sieger erhält 70.000 USD, der Achte noch 15.000 Dollar.

Die Spieler werden während der Partien von Kameras beobachtet, um damit die Möglichkeit zum Cheating einzuschränken, wobei wohl keiner der Teilnehmer auch nur im entferntesten jemals unter Verdacht geraten würde.  Aber, um allen Vorwürfen vorzubeugen, ist dies sicher eine gute Maßnahme.

Die Teilnehmer

Kürzlich lieferte sich Magnus Carlsen mit dem 16-jährigen Shooting Star Alireza Firouzja ein Online-Bullet-Duell und unterlag. Und gestern verlor Carlsen auch im "Banterblitz"-Finale bei chess24. Da wächst jemand heran. Aber Carlsen wäre nicht Carlsen, wenn er die Herausforderung nicht annehmen würde. Firouzja gehört also zu den eingeladenen Spielern. Bei einer Plauderei erklärte Carlsen kürzlich, dass der Weg zur Weltmeisterschaft für Firouzja nur über ihn führen wird. 

Neben dem iranischen Ausnahmetalent spielen die fünf Besten der Weltrangliste mit: Magnus Carlsen, Fabiano Caruana, Ding Liren, Ian Nepomniachtchi und Maxime Vachier-Lagrave. Außerdem spielen Anish Giri und Hikaru Nakamura.

Magnus Carlsen Invitational

 

Player Classical World # Rapid World # Blitz World #
Magnus Carlsen 2863 1 2881 1 2887 2
Fabiano Caruana 2835 2 2773 11 2711 35
Ding Liren 2791 3 2836 3 2788 8
Ian Nepomniachtchi 2784 4 2778 9 2785 9
Maxime Vachier-Lagrave 2778 5 2860 2 2822 3
Anish Giri 2764 10 2731 24 2752 22
Hikaru Nakamura 2736 18 2829 4 2900 1
Alireza Firouzja 2728 21 2703 37 2750 24

Format und Zeitplan

 

Format and schedule

Das Turnier besteht aus zwei Phasen. Zuerst wird eine Vorrunde im Modus jeder gegen jeden gespielt. Dann folgt eine k.o.-Runde mit den besten vier der Vorrunde. 

In der Vorrunde werden bei jeder Paarung vier Schnellschachpartien (15''+10') ausgetragen. Bei Gleichstand folgt eine Entscheidungspartie (5 gegen 4 Minuten, Weiß mit 5 Minuten muss gewinnen). Wenn ein Spieler eine Begegnung ohne Entscheidungspartie gewinnt, erhält er 3 Punkte. Kommt es zu einer Armageddonpartie, wird die Begegnung mit 2:1 gewertet.

In der K.o.-Runde werden bei Gleichstand erst maximal zwei Runden mit Blitzpartien (3'+2'') gespielt, bevor es zu einer Armagedoonpartie kommt.

Die Paarungen werden nicht gleichzeitig gespielt (außer Runde sieben). Es finden täglich zwei Paarungen statt. Auch die Halbfinals werden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gespielt.

Rundenbeginn ist täglich um 16 Uhr MESZ.

 

Day Date Runde  
Samstag April 18 Runde 1 Matches 1-2
Sonntag April 19   Matches 3-4
Montag April 20 Runde 2 Matches 1-2
Dienstag April 21   Matches 3-4
Mittwoch April 22 Runde 3 Matches 1-2
Donnerstag April 23   Matches 3-4
Freitag April 24 Runde 4 Matches 1-2
Samstag April 25   Matches 3-4
Sonntag April 26 Runde 5 Matches 1-2
Montag April 27   Matches 3-4
Dienstag April 28 Runde 6 Matches 1-2
Mittwoch April 29   Matches 3-4
Donnerstag April 30 Runde 7 Matches 1-4

Die Auslosung wurde bereits vorgenommen. So geht es los.
 

Runde Eins 
Samstag Magnus Carlsen v Hikaru Nakamura
  Ding Liren v Alireza Firouzja
Sonntag Fabiano Caruana v Ian Nepomniachtchi
  Maxime Vachier-Lagrave v Anish Giri

Offizielle Seite...


Wer sich auf die spannungsgeladenen Begegnungen zwischen Carlsen und Firouzja vorbereiten möchte, findet hier im Banterblitz-Finale einen Vorgeschmack.

In einem spannungsgeladenen Finale beendete der 16-jährige Firouzja die letzte Partie, indem er den norwegischen Champion schachmatt setzte und insgesamt mit 8,5-7,5 knapp gewann.

Das Banterblitzfinale aus Carlsens Sicht:

 

Und aus Firozjas Sicht:

 

Carlsen zollte der Leistung seines Gegners Tribut: "Gutes Spiel Alireza. Ich war völlig außer Form, aber ihm gebührt die volle Anerkennung. Ich muss einfach besser werden, aber er ist erstaunlich stark. Volle Anerkennung."

Der Banter Blitz Cup ist ein K.o.-Turnier mit 128 Spielern, bei dem die Spieler ihre eigenen Spiele live kommentieren müssen. Es wird live auf chess24.com übertragen. Firouzja sagte im Nachhinein, er habe sich vor dem Banter Blitz Cup enorm auf den Wettbewerb vorbereitet. 

Auf die Frage, wie viele Stunden er trainiere, verriet der Teenager: "Das Einzige, woran ich den ganzen Tag denke, ist das Schachspiel, also vielleicht den ganzen Tag!"

Die Partien

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.