Deutscher Schachbund mit neuem Webauftritt

von André Schulz
27.08.2020 – Eine der großen Konstanten des Deutschen Schachbundes war sein Webauftritt, bei dem alle Schachfreunde das Gefühl hatten, er böte noch "Luft nach oben." Auf nichts ist mehr Verlass: Vor zwei Wochen hat der DSB seine Traditionsbaustelle geschlossen. Und das sehr überzeugend.

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Eigentlich müssten die Schachspieler dem Internet unendlich dankbar sein, denn kein Medium hat der Verbreitung des Schachs so sehr geholfen wie dieses. Das Schach hat auf unendlich große Weise vom Internet profitiert. Leider hat sich die Schachwelt gegenüber dem Internet sehr undankbar gezeigt. Wahrscheinlich gibt es nämlich keine andere Interessensgruppe, die so viele so schlecht gestaltete Webseiten ins Internet gestellt hat, wie die Schachspieler. Ganze Nationen, ja ganze Kontinente befanden und befinden sich immer noch auf Kriegsfuß mit den von der englischen Sprache dominierten Gestaltungsmöglichkeiten im Internet.

Wer einmal regelmäßig Turnierwebseiten in verschiedenen Ländern besucht, wird überrascht sein, welche Design- und Usability-Massaker alle möglich sind. Schachspieler gucken eben auf das Wesentliche, die inneren Werte des Schachs, und halten sich nicht lange mit gestalterischen "Nebensächlichkeiten" auf. Allerdings gibt es ja auch noch ein paar Nichtschachspieler in der Welt...

Im Ranking der gelungensten Schachverbandswebseiten stand die Seite des Deutschen Schachbundes nicht im Verdacht, ganz oben zu stehen, war aber sicher auch nicht das schlechteste Beispiel für eine Webseite eines Schachverbandes. Allerdings befindet sich der Deutsche Schachbund in der Außendarstellung eher im Wettbewerb mit anderen deutschen Sportverbänden, nämlich im Bemühen um Sponsorengelder. Und da Schach keine Action-Sportart ist, muss der Schachverband sich besonders anstrengen

Die Webseite ist die Visitenkarte des Verbandes. Jeder potenzielle Sponsor wird sich natürlich zunächst die Webseite eines Verbandes anschauen und sich dann überlegen, ob er sich hier mit seinem Logo gut aufgehoben fühlt. Aber auch kommende Schachfreunde, die mit dem Spiel gerade begonnen haben, möchten sich von "ihrer" neuen Verbandswebseite eingeladen fühlen.

Die ewige Baustelle

Alle, die im Deutschen Schachbund in den letzten Jahren Aufgaben oder Verantwortung übernommen haben, waren sich darüber im Klaren, dass an der Baustelle "Webseite des Deutschen Schachbundes" dringend gearbeitet werden muss.

Als Ullrich Krause sich für das Amt des Präsidenten bewarb, stand die Neugestaltung der Webseite als wichtiger Punkt auf seiner Agenda. Und als Marcus Fenner die Aufgabe des Geschäftsführers beim Deutschen Schachbund übernahm, sah er dies ebenfalls als eine der dringlichsten Aufgaben an. Auch bei Boris Bruhn stand nach seiner Wahl zum Vizepräsidenten Verbandsentwicklung die Neugestaltung der Verbandswebseite in der Prioritätenliste ganz oben.

Ein Problem zu erkennen und es zu lösen, sind allerdings zwei paar Schuhe. Jeder, der einmal mit der Gestaltung von schon vorhandenen großen Webseiten zu tun hatte weiß, dass die Umgestaltung einer schon vorhandenen und großen Webseite keine triviale Angelegenheit ist. So hat es auch einige Monate gedauert, bis der avisierte Relaunch real wurde. Am 13. August vermeldete die Geschäftsstelle des Deutschen Schachbundes dann aber stolz auf der neuen Webseite: "Neues Logo, neue Webseite".

Gelungener neuer Webauftritt

Man muss niemanden davon überzeugen, dass der neue Webauftritt gelungen ist. Das kann jeder sofort sehen.

Die Seite ist aufgeräumt und modern und freundlich designed und sieht so aus, wie man sich die Webseite eines großen Sportverbandes vorstellt. In Bezug auf die Mitgliedszahlen nimmt der Deutsche Schachbund übrigens mit gut 90.000 Mitgliedern Platz 27 unter den 66 Sportverbänden im DSOB ein, befindet sich also in der oberen Tabellenhälfte. 

"Die Neugestaltung der Webseite war mir nach meinem Dienstantritt eines der wichtigsten Anliegen. Wenn wir in der Vergangenheit mit möglichen Sponsoren sprachen, habe ich bei der Übergabe unserer Visitenkarte immer ein etwas ungutes Gefühl gehabt, weil dort ja auch unsere Webadresse aufgedruckt war. Der Webauftritt war aber bislang wenig einladend", sagte Marcus Fenner. 

Für die Umsetzung der vielen neuen Ideen war vor allem Arne Jachmann verantwortlich. Er ist seit einiger Zeit in der Geschäftsstelle des Deutschen Schachbundes für Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising zuständig und steht als Ansprechpartner für Medienanfragen zur Verfügung. 

"Wir haben die vielen Schwächen der alten Seite analysiert und sie größtenteils beseitigt. Natürlich wird es noch viele Stellen geben, wo in den nächsten Wochen und Monaten noch im Detail nachgebessert werden muss", erklärt Arne Jachmann. 

Schlanker und schneller

Die neue Seite ist nun erheblich übersichtlicher geworden, wirkt schlanker, obwohl die alten Inhalte zu fast 100% immer noch aufrufbar sind. 

"Ein wichtiges Anliegen war uns auch die Aufrufgeschwindigkeit", erzählt Arne Jachmann. "Die alte Seite war sehr langsam im Aufruf, was mehrer Ursachen hatte. Wir haben sie alle nach und nach beseitigt. Wir sind auf einen neuen Server umgezogen, der deutlich schneller ist. Auch die Werbeeinblendungen unseres früheren Werbepartner haben die Seite verlangsamt. Die neue Seite ist nun ohne externe Werbung mehr. Es werden nur die Logos unserer Partner an geeigneter Stelle abgebildet."

Das Content Management System, kurz CMS, basiert wie bisher auf dem CMS-System Contao, nach Wordpress das am meisten verbreitete System. "Manche waren der Meinung, dass man mit Contao keine große und schnelle Seite aufbauen kann, aber wie man sieht, stimmt das nicht", berichtet Arne Jachmann.

Eine neue Idee wurde mit einem Turnierkalender verwirklicht. Organisatoren können hier ihre Turnier und Termine eintragen.

Derzeit gibt es wegen den Corona-Auflagen noch nicht so viele wie früher, aber irgendwann wird sich die Turnierlandschaft auch wieder normalisieren. Auf der alten Seite brachte vor allem die DWZ-Abfrage einiges an Traffic ein. Mit dem Turnierkalender erhofft man sich eine weitere Erhöhung der Besucherzahlen. 

Wer öfters im Internet auf Schachseiten surft, dem wird auffallen, dass die neue Schachbundseite sich optisch etwas an die FIDE-Seite anlehnt.

"Ja, das stimmt," sagt Marcus Fenner. "Uns gefiel das Konzept der FIDE, die Topspieler prominent vorzustellen. Das haben wir übernommen. Die National- und Kaderspieler sind das Aushängeschild unseres Sports und unseres Verbands und müssen deshalb in den Vordergrund gestellt werden."

Um die deutschen Spitzenspieler gut ins Bild zu setzten, wurden sie alle professionell abgelichtet und werben nun mit ihren Konterfeis für das Schach.

Auch für das Design und die technische Architektur der Schachbundseite hat man sich professionelle Hilfe geholt. Als Partner wurde die Agentur redmind beauftragt, Spezialist für Webseiten mit dem CMS-System Contao.

Last, but not least. Auch das Schachbundlogo wurde neu gestaltet. Das neue Design des Logos ist moderner mit einer klaren Trennung von Bild und Wort, im Quer- und alternativ im Hochformat. Dadurch ist es flexibler einsetzbar. 

Mit der neuen Webseite hat der Deutsche Schachbund nach vielen Jahren des Experimentierens nun einen großen und wichtigen Schritt nach vorne getan. Die Sponsoren können kommen.

Zur neuen Schachbundseite...

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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