Deutschland im Sommerschachfieber

15.08.2004 – Mit Dortmund und Mainz bietet der deutsche Schachsommer zwei große internationale Turniere, die jeden sofort ins Schachfieber versetzten. Wenn man anfangs noch etwas träge von der sommerlichen Hitze im Dortmunder Opernhaus den Spitzenspielern zuschaut, packt es einen bald und man möchte sofort wieder beim Schach dabei sein. Das kann man auch nach längerer Pause im Anschluss sehr gut in Mainz beim Chess960-Open. Theoriedefizite können nicht entstehen, denn es gibt ja keine Theorie. Aber warum sind am Ende wieder die gleichen Spieler oben. Das fragt sich Anna Dergatschowa, die in Dortmund und Mainz viele fröhliche Menschen getroffen hat (Foto: Ruslan Ponomariov, von der Last des Titels befreit) und meint: Schach ist das Leben! Von Dortmund nach Mainz...

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Von Dortmund nach Mainz
Von Anna Dergatschowa

Schach ist ein unglaubliches Spiel. Nicht einfach zu erlernen und unmöglich zu vergessen.


Locker: Ruslan Ponomariov auf Mainzer Schaukel

In meinem bisherigen Leben gab es schon Perioden, wo ich kaum gespielt habe, da ich dachte, dass es wichtigeres als Schach gibt. Wie zum Beispiel das Studium, die Arbeit, Freunde, Reisen und Familie. Jedoch auch nach den längeren Pausen kehrte ich immer wieder zurück in die Zauberwelt des Schachs. Und stellte immer wieder fest, dass gerade Schachspielen dies alles Obengenannte in sich einschließt und noch viel mehr. Warum also Schach von allen anderen Dingen trennen? Schach ist das Leben!


Papa, ich, Mama und die Journalistin Marina Makarycheva

Vielleicht ist es bei mir so extrem, da ich von Kindheit an mit dem Schachspielen aufgewachsen war. Schachbücher und Schachmagazine, lagen überall in unserem Haus herum. Mein Vater, Abram Khasin, verbrachte mit seinen Schülern oder allein Stunden am Brett.


Abram Khasim, Schachtrainer

Es war ihm nie langweilig seine Fernschachpartien zu analysieren oder die Partien der anderen Spieler zu studieren, Ideen zu sammeln und schöne Kombinationen zu lösen. In dieser Hinsicht hat sich für ihn nichts geändert. Auch mit 81 Jahren ist er genauso lebenshungrig und am Schach interessiert, wie in seiner Jugend. Deshalb ist für ihn, wie für jeden Schachspieler, das Turnier in Dortmund ein richtiges Fest.


Konzentration


Theorie vergessen?


Ein paar Plätze sind noch frei

Natürlich bin ich auch dieses Jahr von seiner Begeisterung mitgerissen worden und wir fuhren dorthin. Auch meine Freundin und Mannschaftskollegin Ljudmila Didenko mit ihrem 6 jährigen und selbstverständlich Schach spielenden Sohn Valentin waren mit dabei.


Papa, Ludmilla, Valentin


Es ist jedes Jahr schön nach Dortmund zu kommen. Die Atmosphäre dort ist fast familiär. Dort sieht man dieselben Gesichter wie jedes Jahr draußen, auf der Bühne und im Pressezentrum. Alle Menschen hier haben etwas Gemeinsames: sind hoffnungslos vom Schach infiziert worden. Nicht nur die Großmeister auf der Bühne, sondern auch hinter der Bühne, vor der Tür oder im Cafe, überall wird Schach gespielt. Oder es wird darüber gesprochen. Im Pressezentrum wird jeden Tag unter den Journalisten gewettet, wie die Partien wohl ausgehen werden. (Um dies noch spannender zu machen, schmeißt jeder etwas Geld in den Korb und derjenige, der die Ergebnisse richtig erraten hat, nimmt den Einsatz nach Hause mit).

Im Pressezentrum hat sich in den letzten 2 Jahren, wo ich noch mitgeholfen habe, nicht viel geändert.


Aruna Anand hat gut Lachen: Ihr Mann gewann das Turnier

Die Monitore laufen einwandfrei (dafür sorgten auch dieses Jahr Jürgen Daniel und sein Team von Chessgate),


Übertragungsrechner in Dortmund


Hinter den Kulissen


Kommentator Klaus Bischoff

...die Großmeister analysieren nach der Runde ihre Partien live mit dem Gegner oder ganz allein mit Hilfe der Schachprogramme.

Unerwartet kommen aus der ganzen Welt Gäste, wie Seirawan oder Silvio Danailov, diesmal ohne seine Schützlinge.


Yasser Seirawan


Immer gut gelaunt: Silvio Danailov


Organisatoren aus Mallorca und Monaco


Frederic Friedel, Vlastimil Hort und Dirk Jan van Geuzendamm


Wer steckt im Werbebauern für die Olympiade Calvia

Auch Joel Lautier, Präsident der neuen Schachorganisation – ACP, gab dort eine Pressekonferenz. Wie immer wirkte er in seiner Rede souverän, beantwortete fachmännisch und lebendig alle von den Teilnehmern der Konferenz kommenden Fragen.

Natürlich war seine Rede auf Englisch synchron übersetzt, jedoch für die spätere Fragen stand er jedem zu Verfügung – und zwar antwortete er prompt und in allen Sprachen (die häufigsten waren wie immer Russisch, Deutsch und Englisch). Ich habe natürlich sofort meine Mitgliedschaft in die Organisation angekündigt (Hättet ihr Joel live erlebt, hättet ihr auch keinen Augenblick gezögert! Ich möchte gern wissen, was passiert, wenn Joel eine seiner Muttersprachen – Japanisch oder Französisch benutzt – vermutlich kann er dann sogar Berge überzeugen, sich von ihrem Platz zu bewegen).

Na ja, aber um nicht zu vergessen, wofür ich überhaupt dort war – das Turnier selbst. Und dieses mal habe ich ziemlich viel Zeit im Saal verbracht, mit meinem Vater als Kommentator von der rechten oder linken Seite, je nachdem, wo gerade ein freier Platz war.


GM-Kiebitze am Rand


Turniersieger: Anand


Titelverteidiger: Bologan

Zum Glück sind wir immer rechtzeitig zum Partienbeginn eingetroffen, sonst hätten wir um einen Platz vorne kämpfen müssen. Wie immer war das Turnier gut besucht von den Zuschauern und Open-Spielern. So, dass selbst die Teilnehmer der Dortmunder Schachtage sich an der Tür aufstellten, um das Endspiel Kramnik gegen Anand live zu erleben.


Weltmeister Kramnik


Das Finale: Anand gegen Kramnik

Die Folge war, dass ich nach 5 Tagen ununterbrochenem Zuschauen der Großmeisterpartien - wobei ich das eine oder anderes Mal deren Züge richtig erraten konnte - entschloss ich mich es wieder selbst wieder einmal auszuprobieren. Und natürlich in wie jedes Jahr in Mainz.


Rheingoldhalle und Hilton am Rhein in Mainz


Carmen Kass und Hans-Walter Schmitt


Turnier mit Oberbügermeister: OB Jens Beutel

 

Ich bin wie viele andere Schachspieler auch vom Fischerschach fasziniert. Und natürlich hoffe insgeheim, dass ich dort gegen die starken Schachspieler habe bessere Chancen habe als beim normalen Schach. Hier spielt die Kreativität eine größere Rolle. Außerdem gibt es noch keine Theorie, die man vorher erlernen muss, Theoriedefizite machen sich also nicht bemerkbar. Dabei muss ich anmerken, dass sich auch dieses Jahr am Ende die Besten des Normalschachs durchsetzten und die Ergebnisstabelle war wie immer von den Großmeistern angeführt.


Duell der Weltmeister: Anand gegen Shirov


960-WM: Aronian gegen Svidler


Levon Aronian und Ruslan Ponomariov


Ponomariov hat Kontakt nach Wijk

Nach dem bescheidenden 5,5 aus 11 im Fischerschach (wobei ich gegen 7 GMs und IMs spielen musste, den Oberbürgermeister nicht zu vergessen) setzte ich am Samstag auf das Schnellschach.


In der Nähe der Spitzenspieler

Und es lief nicht Mal sooo schlecht. Mit 5,5 aus 8 gestartet, befand ich mich plötzlich in guter Gesellschaft. Doch da ich auf Dauer nicht ernst genug bleiben kann (vielleicht fehlt auch die Spielpraxis ein wenig), blieb der gewünschte Erfolg aus. Aber wie es der Slogan der Olympischen Spiele besagt – dabei sein ist alles.


Am Tisch mit zwei Herren.


Ehrengast: Weltmeisterin Antoaneta Stefanova


Ein nettes Paar: Yannick Pelletier und Elisabeth Pähtz


Bergit Brendel und Natalia Kiseleva


Bergit Brendel gegen Alexander Morozevich: Ich habe es auch nicht besser gemacht


Kehrseite des Berühmtseins Interviews. Interviews...


Politik am Rand: Free Fischer

Und ich habe viel Spaß im Mainz gehabt. Hoffentlich kann ich etwas von der Atmosphäre dort mit meinen Bildern übermitteln. Vielleicht wollt ihr dann dies alles mit eigenen Augen sehen.
Dann treffen wir uns nächstes Jahr dort.


Papa und Sohn Jussupov


Ekatarina und Nadja Jussupov


Preise für alle


Antoaneta Stefanova und Natalia Zhukova

Bis zum nächsten Mal auf der Seite von ChessBase,
Anna Dergatschova-Daus



 

 

 

 

 

 

 


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