Die Seidenstraße ist der uralte Handelsweg, der die Städte am östlichen Mittelmeer über Zentralasien mit Indien und China verband. Es handelte sich um ein ganzes Straßennetz, auf dem Karawanen über eine Vielzahl von Zwischenstationen Seide, Pelze, Porzellan, Kunst- und Kulturgegenstände oder Gewürze nach Westen brachten und Gold, Silber, Edelsteine und Glas nach Osten. Viele weitere Waren ebenfalls transportiert, bisweilen aber auch Krankheiten, im 14. Jahrhundert beispielweise die Pest. Als Blütezeit des Handelsweges sehen Historiker die Zeit zwischen dem 2. Jahrhundert vor Chr. und dem 14. Jahrhundert n. Chr. an. Aber natürlich wurde die Route schon weit vorher und auch danach noch zum Handel genutzt.
Die Stadt Samarkand war eine wichtige Zwischenstation auf diesem Weg. Das heutige Samarkand wurde erst im 14. Jahrhundert in der Nähe einer älteren Stadt errichtet, die Afrasiab hieß. Diese uralte Stadt war schon um 750 v. Chr. an einer Oase des Flusses Serafschan gegründet worden. Im altpersischen Großreich der Achämeniden (6. bis 4. Jahrhundert. V. Chr.) war Afrasiab die Hauptstadt der Provinz Sogdien. Da die Stadt an einer günstigen Stelle an der Seidenstraße lag und als Zwischenstation für die Händler diente, wurde sie im Laufe der Zeit zu einer sehr wohlhabenden Stadt. Den Griechen war die Stadt unter dem Namen Marakanda bekannt und 329 v. Chr. eroberte Alexander der Große auf seinen Kriegszügen diesen Handelsplatz. In den folgenden Jahrhunderten stand Afrasiab unter wechselnder Herrschaft. 712 n. Chr. wurde sie von den Arabern erobert. 1220 wurde Afrasiab von den Mongolen unter Dschingis Khan völlig zerstört.
Im 14. Jahrhundert wurde dann etwas weiter südlich des alten Siedlungshügels von Afrasiab eine neue Stadt gebaut – Samarkand. Der mongolische Herrscher Timur Lenk machte Samarkand 1369 zur Hauptstadt seines Großreichs und baute sie mit vielen prächtigen Gebäuden zu einer der bedeutendsten Metropolen seiner Zeit aus. Etwa 150.000 Menschen lebten hier. Neben Handel und Wirtschaft wurden auch die Wissenschaften und Künste gefördert.
Im Jahr 1500 eroberten, benannt nach seinem Anführer Usbek Khan, Samarkand. Nach wechselvoller Geschichte gerieten die Usbeken, deren Siedlungsgebiete in verschiedene Khanate und Emirate aufgeteilt waren, in den Interessenskonflikt zwischen den Kolonialmächten Russland und Groß Britannien. Das russische Zarenreich wollte sein Herrschaftsgebiet nach Süden ausweiten, die Engländer ihr Kolonialreich Indien im Norden sichern. Das russische Zarenreich gewann in Zentralasien die Oberhand und eroberte die dortigen Khanate und Emirate oder machte sie abhängig. Schließlich errichtete das Russische Reich das "Generalgouvernement Turkestan".
Nach der Russischen Revolution setzten die Bolschewiki die Kolonialpolitik des Zaren fort und vergrößerten in Kämpfen gegen die Völker Zentralasiens das russische Herrschaftsgebiet. Die Bolschewiki stürzten die lokalen Herrscher und gründeten Republiken nach sowjetischem Vorbild, wie die "Volksrepublik Choresmien" oder die die "Volksrepublik Buchara". 1925 wurden die Sowjetrepubliken Zentralasiens neu gegliedert und unter anderem die "Usbekische Sozialistische Sowjetrepublik (Usbekische SSR)" gebildet.
Im Jahr 1977 führte der Archäologe Jurij Burjakow im Rahmen eines großen Ausgrabungsprojekts der Usbekischen Akademie für Archäologie in dem riesigen Erdhügel des zerstörten alten Afrasiab nahe Samarkand Grabungen durch und fand unter anderem sieben kleine Figuren aus Elfenbein - einen Herrscher auf einem Streitwagen, Reiter, einen Elefanten mit einem Soldaten und Fußsoldaten. Da die Oberflächen der zusammengehörenden Figuren sehr abgenutzt waren, also oft in die Hand genommen worden waren, lag es nahe, dass es sich bei dem Satz um Schachfiguren handelte. Dafür sprach auch die Art der Darstellung, die der Aufteilung des indischen Chaturanga entsprach.
Die Figuren wurden in einer Schicht gefunden, in der sich unter anderem eine Münze aus dem Jahr 712 befand, was die Datierung der Figuren erleichterte. Die Figuren wurden auf die Zeit zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert datiert. Da nach der islamischen Ausbreitung in Persien figürliche Darstellungen nicht mehr opportun waren, mussten die Schachfiguren in der Spätphase des Sassanidenreiches, also spätestens in der Mitte des 7. Jahrhunderts entstanden sein.
Die Afrasiab-Schachfiguren sind damit der älteste bekannte Satz von Schachfiguren. Sie werden heute im Staatlichen Museum von Samarkand aufbewahrt.