Die bunteste Truppe siegt

von Stefan Löffler
02.09.2020 – Was machen ein Ungar, ein Armenier, ein Kubaner und ein Spanier in Portugal? Sie gewinnen die portugiesische Schachliga. Die besten portugiesischen Spieler ihres Klubs Dias Ferreira arbeiten an einer US-Universität bzw. einer Schweizer Bank und waren nicht verfügbar. Dafür trug auch noch unser deutscher Korrespondent in Lissabon Stefan Löffler sein Scherflein bei. | Fotos: Dominic Cross (FPX)

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Re-Boot des Schachlebens in Portugal

Seit vergangener Woche wird auch in Portugal wieder Schach gespielt. Das erste Turnier nach dem Lockdown war die Mannschaftsmeisterschaft. Obwohl es ein umfassendes Sicherheitskonzept gab, hat AXL, die größte Schachvereinigung in Lissabon, lautstark abgesagt. Die Sicherheit seiner Spieler sei ihm wichtiger, polterte Teamchef Carlos Carneiro und widersprach der Rechtmäßigkeit des Wettbewerbs. Nun prüft ein Schiedsgericht, ob die gerade beendete Liga annulliert werden muss. Und soll gleich entscheiden, ob AXL trotz Nichtantreten nächste Saison wieder oben mitspielen darf.

Wie waren die Sicherheitsvorkehrungen, die Carneiro nicht reichten? In einer Sporthalle in Penafiel, einer Kleinstadt dreißig Kilometer östlich von Porto, betrug der Mindestabstand zwischen den Tischen vier Meter. Der Portugiesische Schachverband hatte außerdem eigens 3000 Euro für breitere Tische investiert, damit sich die Spieler auch am Brett nicht zu nahe kamen. Wer seine Partie beendet hatte, musste den Saal verlassen. Tische zum Analysieren oder Blitzen gab es nicht.

Penafiel

Vorm Eintreten wurden frische Masken und Handgel gereicht. Ein Schiedsrichter maß jedem die Temperatur. Am Platz hatte jeder sein persönliches Desinfektionsmittel. Selbst dass es keinen Kaffee gab - eigentlich ein Unding in Portugal, wo der kleine Schwarze als Grundnahrungsmittel gilt - lag am Sicherheitskonzept. Es hätte allerdings eigens jemand gebraucht, um die Espressomaschine nach jeder Tasse zu desinfizieren. Dann halt nur Mineralwasser.

Spielsaal

Die beiden Favoriten lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zur allerletzten Partie. Dias Ferreira ist im direkt an Porto grenzenden Matozinhos zuhause und kombiniert Schach und Tischfußball! Über 1000 Titel hat der Klub nach eigener Aussage in vier Jahrzehnten schon gesammelt. Die besten Eigengewächse sind inzwischen in den USA und der Schweiz. Also ließ das Team aus Spanien Carlos Suarez, den Kubaner Arian Gonzalez und den Armenier Karen Grigorian sowie aus Ungarn Gábor Nagy anreisen. AXAT Montemor o Novo trat mit drei jungen Portugiesen und zwei spanischen Großmeistern an, die auch beim spanischen Partnerklub Magic Extremadura zusammenspielen.

Der direkte Vergleich endete 2:2. Weil Montemor o Novo gegen das drittstärkste Team Figueirense gewann, während Dias Ferreira ein 2:2 abgab, was vor allem Karen Grigorians Weißniederlage gegen Luis Galego geschuldet war, sah es bis zwei Runden vor Schluss nach einem erneuten Sieg des Vorjahresmeisters aus. Dann kam mein Klub ins Spiel: AX Amadora.

Dass die meisten portugiesischen Klubs so ein X im Namen haben, liegt daran, dass Schach auf portugiesisch xadrez (sprich: schadräsch) heißt. Voriges Jahr hatte Amadora Montemor o Novo geschlagen. Zum Titel reichte es ihnen damals trotzdem. Dieses Mal spielten wir 2:2, weil Kiko Veiga gegen mich zu viel opferte.

Stefan Löffler, maskiert

Das kostete den talentierten Jungen eine mögliche IM-Norm und sein Team am Ende den Titel. Selbst wenn Montemor o Novo am letzten Tag 4:0 gewonnen hätte, wären sie zwar nach Matchpunkten, Brettpunkten und direktem Vergleich gleichauf geendet, doch nach Sonneborn-Berger wäre Dias Ferreira auch dann knapp vorne gewesen. So entschied ein halber Brettpunkt.

Tabelle:

Rk. Team  TB1 
1 GD DIAS FERREIRA_A 25
2 A.XAT - Montemor o Novo_A 25
3 ASSEMBLEIA FIGUEIRENSE_A 23
4 AMADORA XADREZ_A 19
5 AX GAIA_A 19
6 O AMANHÃ DA CRIANÇA_A 18
7 CX MONTEMOR-O-VELHO/CTGA_A 15
8 PROFIGAIA/ ESCOLA PROFISS_A 14
9 GX PORTO_A 13
10 SANTOANTONIENSE FC_A 9


Aufstellung GD DIAS Ferreira

 1. GD DIAS FERREIRA_A (RtgAvg:2568, TB1: 25 / TB2: 1)
Bo.   Name RtgI FED 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Pts. Games RtgAvg n w
5 IM NAGY Gábor 2478 HUN ½ ½ 1 1 1 ½ ½ 1 ½ 6,5 9 2425 9 6,5
6 GM GRIGORYAN Karen H. 2665 ARM ½ 0 1   1 ½ 1 1 1 6,0 8 2264 8 6
8 GM GONZALEZ PEREZ Arian 2472 FID 1 ½ 1 1 1 ½ 1 1 1 8,0 9 2215 9 8
10 IM SUAREZ GARCIA Carlos 2441 ESP 1 1   + 0 ½ 1 ½ 1 6,0 8 2203 7 5
14   TADEVOSYAN ASATRYAN Aspet 2195 ESP     1 +           2,0 2 1817 1 1

 

Zweiter Sieger AXA

A propos halber Punkt. Der Reiz der portugiesischen Liga liegt für einige der angereisten Spieler in der Chance auf eine Großmeisternorm. Das galt für Gabor Nagy und den erst 14 Jahre alten Belgier Daniel Dharda, die sich in der ersten Runde eine abgedrehte Partie lieferten, die remis endete.

 

Dharda fehlte später ein halber Punkt zur Norm. Dagegen reichte es Nagy, der wegen der besseren Normchancen bei Dias Ferreira an Brett eins spielen durfte, am Ende zur dritten GM-Norm. Vorausgesetzt, dass die Liga nicht doch noch annulliert wird, wenn Carneiros Protest das Schachgeschehen zum Erliegen bringt.

Tabelle

Rk. Team  TB1 
1 GD DIAS FERREIRA_A 25
2 A.XAT - Montemor o Novo_A 25
3 ASSEMBLEIA FIGUEIRENSE_A 23
4 AMADORA XADREZ_A 19
5 AX GAIA_A 19
6 O AMANHÃ DA CRIANÇA_A 18
7 CX MONTEMOR-O-VELHO/CTGA_A 15
8 PROFIGAIA/ ESCOLA PROFISS_A 14
9 GX PORTO_A 13
10 SANTOANTONIENSE FC_A 9

Alle Partien

 

Da stehen jetzt in dichter Folge an: die Jugendmeisterschaften in Pombal, die dieses Jahr zur Begrenzung der Spieler im Saal über zwei Termine verteilt sind. Die Einzelmeisterschaft der Männer in Odivelas. Und an gleicher Stelle die Frauenmeisterschaft. Im Oktober folgen zwei kleine Open in Pombal und Figueira da Foz.

Open Pombal...

Wie viel von der Portugal Chess Tour 2020/21 sonst stattfinden kann, steht laut Dominic Cross, dem geschäftsführenden Präsidenten des Portugiesischen Schachverbands, noch in den Sternen.

Seite des portugiesischen Verbandes...

Ergebnisse bei Chess-results...

 




Stefan Löffler ist Journalist und Internationaler Meister in Wien und Lissabon. Er ist Redakteur von ChessTech.org, Mitarbeiter von ChessPlus Ltd., Programmdirektor der London Chess Conference, www.londonchessconference.com, und Mitglied der FIDE Education Commission.
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Arelius Arelius 02.09.2020 10:59
Das hat mit einer portugiesischen Schachliga nichts mehr zu tun.
Das trifft aber auch auf alle anderen Länder, Vereine und die anderen Mannschaftssportarten zu.
Das sind alles nur noch zusammengewürfelte Mannschaften mit Leuten der verschiedensten Nationalitäten.
Eigentlich ist das dann auch Wettbewerbsverzerrung.
Ich finde so etwas jedenfalls nicht gut.
Wie immer geht es aber nur ums Geld.
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