Die Champions in der Blockchain

von Matthias Wüllenweber
11.12.2021 – Heute wurde die erste autorisierte NFT-Serie der Schachweltmeister geprägt! Schachweltmeister, NFT und Blockchain? Was soll man sich darunter vorstellen? Vielleicht haben Sie schon gehört, dass NFTs das Eigentum an digitaler Kunst festlegen können: Im März 2021 erzielte ein NFT des Digitalkünstlers Beeple bei Christie's den Auktionswert von 69 Millionen Dollar. Bei den NFTs der Schachweltmeister geht es nicht um solche verrückten Auktionen, sondern um die Würdigung herausragender schachlicher Leistung durch künstlerische Umsetzung. In einer zunächst 14 Ausgaben umfassenden Serie werden jetzt die klassischen Weltmeister mit ausgewählten Partien verewigt. Das Einzigartige daran: Die Spieler wirken durch ihre Autorisierung mit.

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NFTs und Blockchain

NFTs sind mehr als nur eine technisch spannende Umwälzung der Kunstmärkte. Ihre Bedeutung ist viel fundamentaler. NFTs sind dabei, die wesentliche Form von Eigentum in der digitalen Welt zu werden. Es gibt Leute, die sagen, die explosive Entwicklung von NFTs werde womöglich bedeutender als das Internet. Die Abkürzung NFT steht für „Non Fungible Token“. Das bedeutet in etwa „Nicht austauschbare Wertmarke“ oder „Nicht austauschbares Zeichen.“. NFTs können die Eigentumsrechte an so verschiedenen Dingen wie Kunstwerken, Immobilien, Musik oder auch Gebrauchtwagen auf immer verankern. Sie werden in einer Blockchain gespeichert.

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Warum spielt die sogenannte „Blockchain“ dabei die entscheidende Rolle? Die Blockchain ist eine der größten technischen Innovationen unserer Zeit, weil sie eine unzerstörbare und unfälschbare Buchhaltung ermöglicht. Urkunden kann man stehlen, verlieren oder verbrennen. Datenbanken auf Servern können Hacker angreifen und manipulieren. Eine Blockchain ist dagegen weltweit auf Tausenden von sich gegenseitig überwachenden Rechnern verteilt und damit die sicherste Speicherung von Information überhaupt. Man kann getrost sagen: Was einmal in einer anerkannten Blockchain wie „Ethereum“ steht, wird für die Ewigkeit gelten.

Heute ist ein Hauptzweck von NFTs tatsächlich noch das Eigentum an digitaler Kunst. NFTs haben in diesem Jahr einen gewaltigen Schub von Kreativität ausgelöst und einen kommerziellen Hype gestartet, von dem man mit Sicherheit zwei Dinge sagen kann: Die Milliardenwerte, die aktuell umgesetzt werden, sind übertrieben. Doch die Kunstwelt wird dadurch auf immer verändert. Einige Künstler werden enorm populär, weil ihre Werke ohne Qualitätsverlust 1 : 1 vervielfältigbar, d.h. als Dateien kopierbar sind. Dennoch kann man ein Werk eindeutig besitzen oder mit wenigen Klicks weiterverkaufen.

Finden Sie es verrückt, dass jemand dafür bezahlt, exklusive Eigentumsrechte an einem frei kopierbaren Bild zu besitzen? Bestimmt, doch stellen Sie sich folgende Analogie vor: Sie sind Fußballfan, und die FIFA überträgt Ihnen per NFT das Eigentum am WM-Finale 2014 zwischen Deutschland und Argentinien. Jeder kennt das Spiel, doch Sie sind die einzige Person auf der Welt, die sagen kann: „Meins!“.

Die Schachweltmeister als Künstler

Und hier kommen die klassischen Weltmeister ins Spiel. Sie sind die herausragenden Protagonisten unserer Schachkultur, die jeder für sich eine Epoche geprägt haben. Ihre Partien sind nicht nur großartige sportliche Erfolge, sondern vielfach von einer Schönheit, die wir alle als Kunst empfinden. Deswegen hat ChessBase eine Serie von NFTs für diese Spieler auf den Weg gebracht. Zwei Dinge waren dabei wichtig: Erstens sollten möglichst viele Spieler „ihr“ NFT persönlich autorisieren und ihm so Substanz und Exklusivität verleihen. Zweitens sollte die Serie künstlerisch wertvoll und schön sein. Zur schöpferischen Leistung der Spieler kommt eine visuelle Ästhetik, die deren schachlicher Bedeutung gerecht wird.

Diese ”Chess World Champions” NFT Serie steht nun auf der Plattform Opensea.io zur Auktion. Sie ist die erste Serie über die Schachweltmeister, die überwiegend von den Spielern selbst autorisiert wurde. Das wird sie für alle Zeiten bleiben, egal wer was in der Zukunft zu diesem Thema produziert. Denn sie ist ja schon entsprechend früh in der Blockchain eingetragen. Die "Blaue Mauritius" der Schach NFTs sozusagen. Doch das steht hier nicht im Vordergrund. Es gibt sicher Leute, die den NFT-Markt vorrangig als Wertanlage und Sammelziel sehen und auf Weiterverkauf spekulieren. Die technischen Hürden zur Teilnahme an einer Auktion sind allerdings nicht trivial, man muss mit Kryptowährungen und Wallets umgehen können. Für alle, die glauben, dass die Chancen eines solchen Pioniermarktes den Aufwand lohnen, werden wir an späterer Stelle eine detaillierte Anleitung schreiben. Die Auktion läuft bis zum 11. Januar, so dass genügend Zeit besteht, das in Ruhe kennenzulernen.

Hier geht es jetzt einfach um die Weltmeisterserie als Würdigung der kreativen Leistung der Spieler und des Künstlers Carl Eriksson. Sie gehört uns allen. Jeder kann die Auktion besuchen, sich die Animationen der NFTs ansehen und mit einem Rechtsklick herunterladen. Das ist das spannende an NFTs: Die Eigentumsrechte werden gehandelt, doch kann man die eigentlichen Werke als JPG oder z.B. GIF praktisch in Originalform für sich selbst wertschätzen.

Carl Erikssons Umsetzung

Autorisiert von Miyoko Watai, der Witwe Bobby Fischers.

Die Umsetzung des schwedischen Künstlers Carl Eriksson setzt auf vier Elemente. Das Format ist selbstverständlich quadratisch und lässt damit die Geometrie eines Schachbretts oder Feldes anklingen. Im Vordergrund steht die Notation der Partie als fragmentierte Gestaltungsebene. Sie schwebt plastisch über einer kraftvoll vibrierenden roten Textur. Auf der Notation wechselt sich das Porträt des Spielers mit einem Ray-Tracing-Blick auf die kritische Stellung der Partie ab. So kann man sich entweder die Sicht auf den Spieler oder die Stellung ausdrucken und an die Wand hängen. Beide Bilder stehen für sich. Oder man erlebt das NFT im GIF-Format als prägnante Animation. In diesem Text finden Sie nur statische Bilder, die Auktion bei Opensea zeigt die vollständigen animierten NFTs.

Die Partien

Für Kenner ist es reizvoll, anhand der Notation die ausgewählten Partien zu identifizieren. Oder gar das abgebildete Stellungsfragment zu benennen. Bei Fischer schaffen Sie das sicher, Schwarz hat gerade 17… Le6! gezogen und der weiße Läufer auf c5 wird nun die schwarze Dame schlagen.

Auf der Seite nft.chessbase.com wird die gesamte Serie auf Englisch vorgestellt. Zu den Kurzporträts der Weltmeister finden Sie dort jeweils die ausgewählte Partie zum Nachspielen.

Wer macht mit?

Zum Start umfasst die Serie 14 Titel. Die NFTs von Spassky, Fischer, Karpov, Anand und Kramnik sind persönlich autorisiert, und die Erlöse fließen in einem wesentlichen Teil den Spielern oder Angehörigen zu. Wir hoffen, die Serie zu einem späteren Zeitpunkt mit Kasparov und Carlsen zu vervollständigen. 

Bei werthaltigen NFTs müssen alle Rechte und Autorisierungen auf festem juristischen Boden stehen. Der „Unlockable Content“ der Auktion enthält entsprechende Zertifikate. Zur Freude, die es bereitet hat, ein solches Projekt in die Welt zu bringen, gehörte die spannende Recherche der Fotografen zur Vereinbarung und Honorierung der tangierten Bildrechte. Auch der verwendete Zeichensatz ist eine Eigenentwicklung des Künstlers.

 

Links

Dokumentation bei nft.chessbase.com

Auktion bei Opensea

Über Kryptowährungen und Blockchain

 

Disclaimer: Auch wenn der Autor selbst echt gerne Capablanca besitzen würde, stellt dieser Text keine Anlage- oder Steuerberatung da.


Matthias Wüllenweber, Gesellschafter und Geschäftsführer von ChessBase

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