Die Ergebnisse des FIDE-Kongresses

07.01.2022 – Parallel zu Rapid- und Blitzweltmeisterschaft in Warschau führte die FIDE ihren jährlichen Kongress durch. Die Delegierten nahmen größtenteils online teil. Trotz der Corona-Pandemie ist die FIDE solide finanziert, inzwischen zum größten Teil aus Sponsoring, Spenden und Übertragungsrechten, weniger durch die Mitgliedbeiträge. Die Rechte an den Weltmeisterschaften hat der Weltschachbund zurückerworben.

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Die 92. FIDE-Generalversammlung fand am 28. Dezember statt und wurde zum ersten Mal in einem Hybridformat organisiert. Während die meisten Delegierten per Videokonferenz teilnahmen und die Stimmen online abgegeben wurden, waren der FIDE-Präsident, der Vorstand und mehrere Mitglieder des Rates in Warschau anwesend, wo die Schnell- und Blitzweltmeisterschaft stattfindet.

Traditionell begann die Sitzung mit einem Video zum Gedenken an die Mitglieder der Schachfamilie, die im Laufe des Jahres verstorben sind. Der Präsident fasste die Höhepunkte des Jahres zusammen, darunter alle wichtigen FIDE-Wettbewerbe und die sozialen Initiativen der FIDE, einer der Bereiche, in denen unsere Organisation in den letzten Monaten größere Fortschritte gemacht hat.

Der Bericht des Schatzmeisters Zhu Chen und die Diskussionen über die finanziellen Angelegenheiten zeigten, dass die FIDE in guter finanzieller Verfassung ist. Der Ansatz zur Darstellung des FIDE-Budgets wurde auf die Darstellung der Bruttoeinnahmen und -ausgaben umgestellt, was eine größere Transparenz ermöglicht und der bewährten Praxis unserer internationalen Sportverbände entspricht.

Diese Veränderung ist eine Folge der Änderung des Geschäftsmodells. In der Vergangenheit lagerte die FIDE die Organisation der meisten Veranstaltungen, einschließlich der Weltmeisterschaftsspiele, an Dritte aus. Doch kurz nach dem Amtsantritt des neuen Führungsteams im Oktober 2018 hat die FIDE Kapazitäten für die Organisation von Veranstaltungen aufgebaut und das Recht auf die Ausrichtung der  Weltmeisterschaftswettkämpfe zurück erworben.

"Das ist eine große Veränderung des Geschäftsmodells für die FIDE, die uns dazu zwingt, unsere Finanzberichterstattung und unseren Budgetierungsprozess zu überprüfen", erklärt Chen. "Die Pandemie hat uns zwar gezwungen, die Umsetzung unseres neuen Geschäftsmodells um fast zwei Jahre zu verschieben, aber die jüngste Weltmeisterschaft hat gezeigt, dass die FIDE auf dem richtigen Weg ist." 

Das Budget für 2022 ist ausgeglichen und mit Gesamteinnahmen und -ausgaben von 12,84 Mio. EUR festgelegt. "Der Entwicklungsfonds wurde verdoppelt, was viele Möglichkeiten für großartige Projekte bietet", erklärt Dana Reizniece-Ozola, die Geschäftsführerin der FIDE. Es ist anzumerken, dass 2021 mehr als 80% der Einnahmen durch Sponsoring, Spenden und Übertragungsrechte generiert werden, verglichen mit 48% im Jahr 2020 und 4,8% im Jahr 2016. Mit anderen Worten: Die Einnahmen aus Lizenzen und Gebühren, die von den Mitgliedsverbänden und Schachspielern gezahlt werden, sind von 95,2% im Jahr 2006 auf weniger als 20 % im Jahr 2021 gesunken.

Ein weiterer wichtiger Schritt nach vorn war die Verabschiedung eines neuen Ethik- und Disziplinarkodexes, eines Schlüsseldokuments, das der FIDE eine bessere Governance-Politik und mehr Transparenz verschafft. Der neue Kodex ist das Ergebnis intensiver Arbeit und Überprüfung im vergangenen Jahr.

"Es ist die Aufgabe der FIDE, die größtmöglichen ethischen Werte innerhalb des Schachsports zu fördern und sicherzustellen, dass der Geist des fairen Spiels und des guten Sportsgeistes vorherrscht. Der Kodex legt ethische Werte, Grundsätze, Pflichten und angemessene Sanktionen fest, die in der gesamten Schachgemeinschaft und im Sport gelten", erklärt Francois Strydom, Vorsitzender der FIDE-Ethik- und Disziplinarkommission.

In dieselbe Richtung geht die Verabschiedung einer neuen FIDE-Wahlordnung für das Wahlverfahren, das 2022 stattfinden wird. In diesem Dokument werden unter anderem der Anwendungsbereich und die allgemeinen Grundsätze, die Wählbarkeit und Nominierung der Kandidaten, die während der Kampagne zu beachtenden ethischen Erwägungen, die Benennung der Wahlkommission und die Auszählung der Stimmen festgelegt. Diese neuen Regeln bedeuten auch ein starkes Engagement für ein größeres Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern, was in einem Jahr, das von der FIDE zum "Jahr der Frauen im Schach" erklärt wurde, besonders wichtig ist.

Schließlich freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu können, dass die FIDE-Familie weiter wächst. Zunächst wurde der Antrag von vier neuen Föderationen auf Beitritt zur FIDE genehmigt. Dominica, St. Vincent und die Grenadinen, Niger und Belize sind nun Mitglieder der FIDE. Die FIDE ist gerne bereit, die neuen Mitgliedsverbände bei der Weltschacholympiade in Moskau im nächsten Jahr zu beherbergen und sie auch mit Entwicklungsgeldern und beim Aufbau von Kapazitäten zu unterstützen. Die ersten Schritte werden bereits unternommen, so hat beispielsweise der Schachverband von St. Vincent und den Grenadinen gerade seine erste nationale Meisterschaft überhaupt abgehalten. Am 17. Dezember wurde Chinedu Benjamin Enemchukwu zum ersten nationalen Meister in diesem karibischen Land gekürt. 

Die FIDE verlieh auch einen neuen Ehren-Titel. Die 92. FIDE-Generalversammlung stimmte einstimmig für die Verleihung des Titels "FIDE-Ehrenmitglied" an Andrey Filatov, Präsident des russischen Schachverbandes, für seinen besonderen Beitrag zur Entwicklung des Schachs. In der fast 100-jährigen Geschichte der FIDE wurde der Titel "Ehrenmitglied" etwa 80 Personen verliehen, darunter einem der Gründer des Verbandes, Lord Frederick Hamilton-Russell, den Weltmeistern Max Euwe und Boris Spassky, den Frauenweltmeisterinnen Nona Gaprindashvili und Maia Chiburdanidze, unddem ältesten Großmeister der Welt Juri Averbakh, dem Erfinder des Universalschachs.

Live-Video vom FIDE-Kongress

Originalmeldung auf der FIDE-Seite...

FIDE-Kongressseite...

 

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Woodpusher_XL Woodpusher_XL 09.01.2022 02:58
Auch wenn es etwas oberlehrerhaft klingen mag: Was spricht eigentlich dagegen Frau Zhu Chen als Schatzmeisterin, statt als Schatzmeister zu bezeichnen? Ein Fehler, der aber peinlicherweise bereits im Originaltext der FIDE enthalten ist: Mit "Chen" wird sie vermutlich sonst nur von ihrem Ehemann, Großmeister Muhammad al-Mudiyahki, angesprochen, ihr Familienname lautet "Zhu". Und selbst Freunde reden sie vermutlich mit "Zhu Chen" an, weil man im Chinesischen die Anrede mit nur einer Silbe vermeidet (Problem der Mehrdeutigkeit einzelner Silben in der chinesischen Sprache).
Fry2 Fry2 08.01.2022 08:39
Schade, dass der Mythos von der systemischen Benachteiligun der Frauen (in der heutigen westlichen Welt längst dem ausgerollten roten Teppich gewichen) auch in der Schachwelt Fuß gefasst hat (und gerade Schach ist nun wirklich komplett blind fürs Geschlecht der Spieler).
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