07.10.2020 – Die Schachleidenschaft der Familie Penrose fand schon bei Lionel Penrose ihren Ursprung. Er hinterließ einige Studien und Probleme. Von seinen vier Kindern hatte Jonathan Penrose die größte Begabung im Schach und wurde Großmeister. Sein Bruder Roger Penrose erhielt gestern den Nobelpreis für Physik. | Foto: Pioneer Works (Screenshot)
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Die Mitglieder der britischen Familie Penrose haben herausragende Ergebnisse auf verschiedenen Gebieten der Wissenschaft erbracht. Der Mathematiker, Physiker und Wissenschaftsphilosoph Roger Penrose wurde nun für seine Forschungen mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet.
Der Preis, dotiert mit zehn Millionen Kronen (ca. 950.000 Euro), wurde in diesem Jahr geteilt. Eine Hälfte des Preises ging an Roger Penrose, die andere Hälfte an den deutschen Physiker Reinhard Genzel sowie die US-Wissenschaftlerin Andrea Ghez. Alle drei Wissenschaftler werden für ihre Arbeiten über Schwarze Löcher geehrt.
Roger Penrose ist einer von vier Kindern von Lionel Penrose (1898-1972). Dieser war ein bedeutender Psychiater, Genetiker und Mathematiker und hat besonders auf dem Gebiet der Erbkrankheiten wichtige Pionierarbeit geleistet. Lionel Penrose lehrte als Professor für Eugenik im Galton Laboratory am University College London.
Lionel Penrose liebte zudem das Schachspiel und hinterließ einige Studien und Probleme, wie die folgende:
Seine Schachleidenschaft hat Lionel Penrose auch auf seine Kinder weitergegeben. Sie fiel bei seinem dritten Sohn Jonathan Penrose auf den fruchtbarsten Boden.
Jonathan Penrose
Jonathan Penrose, OBE (*1933) lernte Schach mit vier Jahren und gewann mit 13 Jahren die Britischen Jugendmeisterschaften.
Jonathan Penrose bei einem Jugendturnier | Foto: BCF
Zwischen 1958 und 1969 wurde er zehn Mal britischer Einzelmeister und vertrat zwischen 1952 und 1974 sein Land neun Mal bei Schacholympiaden. Bei den Schacholympiaden in Warna 1962 und Lugano 1968 war Penrose jeweils zweitbester Spieler an Brett eins und damit Silbermedaillengewinner in der Einzelwertung.
Seine berühmteste Partie spielte Jonathan Penrose bei der Schacholympiade 1960 in Leipzig gegen Michael Tal. Penrose besiegte den damaligen amtierenden Schachweltmeister mit dem dann nach ihm benannten Penrose-Opfer mit Weiß gegen die Benoni-Verteidigung.
Tal und Penrose, Leipzig 1960
Damit war Jonathan Penrose nach Blackburnes Sieg gegen Lasker 1899 der zweite Brite, dem es gelang einen amtierenden Schachweltmeister zu schlagen.
1961 verlieh die FIDE Jonathan Penrose den Titel Internationaler Meister. 1993 erhielt er ehrenhalber den Titel eines Großmeisters.
Mitte der 1970er Jahren zog sich Jonathan Penrose aus gesundheitlichen Gründen vom Nahschach zurück und verlegte sich auf das Fernschach. Mit der englischen Nationalmannschaft gewann er Gold bei der 9. Fernschacholympiade. Seit 1983 trägt er den Großmeistertitel des ICCF.
Jonathan Penrose promovierte in Psychologie und war von Beruf Dozent am Enfield College of Technology. Er ist auch mit einer Schachspielerin verheiratet, mit Margret Wood, Tochter von Frank Wood, dem früheren Generalsekretär der Oxfordshire Chess Association.
Oliver Penrose
Sein ältester Bruder Oliver Penrose (*1929) war Professor für Mathematik an der Open University in Milton Keynes und von 1986 bis zu seinem Ruhestand 1994 Professor an der Heriot-Watt University in Edinburgh. Er beschäftigte sich unter anderem mit der mathematischen Behandlung von Modellen der statistischen Mechanik und der Theorie der Phasenübergänge, darunter die Kinetik von Phasenübergängen in Metallen. Auch Oliver Penrose liebte neben seinem Hobby Musik das Schachspiel und hatte eine ansehnliche Spielstärke. 1948 nahm er zusammen mit seinem jüngeren Bruder Jonathan an der Britischen Meisterschaften teil und wurde mit 6 Punkten 13ter nach Zweitwertung. Der 15-jährige Jonthan Penrose kam mit 5 Punkten auf Rang 21 ins Ziel.
Sir Roger Penrose und Shirley Penrose-Hodgson
Sir Roger Penrose (*1931), war ebenso wie sein Bruder Oliver Penrose wissenschaftlich im Bereich der Mathematik und Physik aktiv. Darüber hinaus beschäftigte er sich mit der Philosophie der Wissenschaften. Er ist emeritierter Professor für Mathematik an der Universität Oxford und emeritierter Fellow des Wadham College, Oxford. Besondere Anerkennung erlangte Roger Penrose für seine Beiträge zur allgemeinen Relativitätstheorie und Kosmologie und wurde dafür bereits mehrfach ausgezeichnet. Nun hat er auch den Nobelpreis für Physik erhalten.
Sir Roger Penrose pflegte ebenso wie seine Brüder das Schachspiel und veröffentlichte 2017 in seinem Penrose Institut ein Schachproblem, das von keiner aktuelle Schachengine zu knacken sein sollte, aber vielleicht für Menschen lösbar.
Last, but not least: Auch Lionel Penroses Tochter Shirley Victoria Hodgson (* 1945, geb. Penrose) ist eine erfolgreiche Wissenschaftlerin, arbeitete als Allgemeinmedizinerin und Genetikerin. Sie wurde 2003 Professorin für Krebsgenetik an der St. George's University of London.
Verkündung der Vergabe durch das Nobelpreis-Kommitee
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