Die Genauigkeitsanzeige bei Playchess

von Frederic Friedel
20.07.2017 – Die ChessBase Live-Übertragung bietet viele Möglichkeiten und liefert viele Informationen. Zum Beispiel läuft während der Übertragung ein starker Computer im Hintergrund und analysiert die Partien. Der Computer verrät auch, wie genau die Spieler gespielt haben. Und das sind interessante Zahlen.

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Die Live-Übertragung liefert die Züge aktueller Partien, die gerade irgendwo in der Welt bei einem wichtigen Turnier gespielt werden. Rechts auf der Seite werden die Turniere angezeigt. Ein Klick auf das entsprechende Turnier führt zu den Partien des jeweiligen Turniers — das Funkturm-Symbol zeigt eine gerade laufende Live-Übertragung an.

Ein Klick auf "Live Tournaments" führt zu einer Übersicht:

Mit Hilfe der Maus kann man das gewünschte Turnier auswählen und sich anzeigen lassen.

Hier kann man die Partie auswählen, die man auf dem großen Brett sehen möchte. Noch während sie gespielt werden — und ganz gewiss danach — werden die wichtigsten Partien von einem sehr starken Computer analysiert und kommentiert.

Unter der Partie zeigt eine Graphik die Bewertung des Partieverlaufs an. Ein Klick mit der Maus führt einen zu der ausgewählten Stelle in der Partie, zum Beispiel zu der Phase, in der sich die Bewertung stark ändert. Mit Hilfe der Buttons kann man Züge und Varianten löschen, aufwerten, entkommentieren, rückgängig machen oder wiederherstellen, die Stellung speichern und gegen Fritz ausspielen oder die Stellung twittern. Fährt man mit der Maus über einen Button, wird angezeigt, welche Funktion er hat. Das Live-Book zeigt die Züge, die in der aktuellen Stellung bereits gespielt wurden, wie stark die Spieler waren, die diese Stellung bereits gespielt haben, und wie erfolgreich Weiß und Schwarz die Stellung gespielt haben. Das Live-Book liefert den umfassendsten und aktuellsten Eröffnungsschlüssel, den es gibt.

In der Leiste unter dem Brett kann man den Replayer maximieren, auf "Autoplay" setzen, das Brett drehen und die Partien abspeichern.

Genauigkeitsanzeige

Am Ende der Partie zeigt der Computer unter "Precision", wie genau die beiden Spieler gespielt haben. Dieser Wert verrät, wie häufig die in der Partie gespielten Züge mit denen übereinstimmen, die der Computer vorschlägt. Allerdings berücksichtigt das Programm nur die Züge, die nach Abschluss der Eröffnungsphase gemacht wurden und, wichtiger noch:  keine offensichtlichen Züge. Einfaches, forciertes Zurückschlagen geht nicht in die Genauigkeitswertung ein. Berücksichtigt werden nur Züge, bei denen eine Seite tatsächlich eine Wahl hatte.

Werfen wir einen Blick auf ein paar Beispiele aus kürzlich gespielten Turnieren:

Runde 1 des FIDE Grand Prix in Genf: beide Spieler zeigen einen hohen Grad an Präzision.

Hier sieht man, wer genau gespielt hat - und wer nicht.

Das gefällt dem Computer: genauer als Weiß in dieser Partie hat niemand in Genf gespielt.

In Runde 3 des Blitzturniers in Paris zeigte der Weltmeister ein hohes Maß an Präzision.

Runde vier des Blitzturniers: Carlsen gewann in 24 Zügen, allerdings nach sehr ungenauem Spiel von Mamedyarov

In Runde fünf des Blitzturniers verlor Carlsen auf Zeit.

In der gleichen Runde verlor Wesley So nach einigen groben Ungenauigkeiten.

Schauen wir uns an, wie genau die Spieler in aktuellen Turnieren gespielt haben. Die Prozentzahlen in der Tabelle unten zeigen, wie oft die (nicht erzwungenen) Züge in der Partie mit den Vorschlägen der stärksten Engines übereinstimmen. Manchmal, bei kurzen, uninteressanten Remispartien, hat die Maschine auf die Analyse verzichtet, und dann gibt es keine Daten zur Genauigkeit der Partie. Angezeigt werden die Ergebnisse der Spieler, die beim FIDE Grand Prix in Genf gut abgeschnitten haben, die Ergebnisse zweier sehr starker Spieler (Aronian, Gelfand), die nicht so erfolgreich gespielt haben, sowie die Ergebnisse der Spieler, die in Genf am Tabellenende gelandet sind.

FIDE Grand Prix Genf 2017

Player/rd
R1
R2
R3
R4
R5
R6
R7
R8
R9
Aver.
Radjabov
73%
86%
59%
85%
-
74%
97%
-
73%
80.0%
Grischuk
79%
81%
-
83%
-
48%
76%
64%
71%
71.7%
Nepomniachtchi
45%
-
47%
57%
77%
68%
54%
79%
74%
62.6%
Mamedyarov
70%
71%
38%
-
-
53%
67%
65%
-
60.7%
Giri
28%
60%
70%
70%
61%
-
-
75%
69%
72.2%
Svidler
71%
71%
-
78%
93%
69%
55%
59%
85%
72.6%
Gelfand
78%
-
-
76%
-
68%
60%
49%
72%
67.1%
Aronian
55%
62%
68%
72%
80%
31%
-
25%
84%
59.6%
Rapport
70%
51%
63%
32%
61%
34%
71%
32%
-
51.75%
Hou Yifan
31%
58%
77%
32%
40%
69%
79%
48%
58%
54.7%
Salem
52%
43%
59%
81%
54%
42%
42%
56%
31%
51.1%

Und das war das Endergebnis nach neun Runden:

Rk
SNo
 
Name
FED
Rtg
Pts
1 12 GM Radjabov Teimour AZE 2724 6,0
2 4 GM Grischuk Alexander RUS 2761 5,5
  6 GM Nepomniachtchi Ian RUS 2742 5,5
4 2 GM Mamedyarov Shakhriyar AZE 2800 5,0
  3 GM Giri Anish NED 2775 5,0
  5 GM Svidler Peter RUS 2749 5,0
  8 GM Harikrishna Pentala IND 2737 5,0
  9 GM Adams Michael ENG 2736 5,0
  10 GM Li Chao B CHN 2735 5,0
  17 GM Riazantsev Alexander RUS 2654 5,0
11 1 GM Aronian Levon ARM 2809 4,5
  7 GM Eljanov Pavel UKR 2739 4,5
  11 GM Gelfand Boris ISR 2728 4,5
  14 GM Jakovenko Dmitry RUS 2703 4,5
15 13 GM Inarkiev Ernesto RUS 2707 4,0
16 15 GM Rapport Richard HUN 2694 2,5
  16 GM Hou Yifan CHN 2666 2,5
18 18 GM Salem A.R. Saleh UAE 2638 2,0

Schauen wir uns jetzt an, wie präzise die besten Spieler der Welt beim Blitzen sind:

Next Move GCT 2017-Blitz, Leuven (1. Hälfte)

Player/% R1 R2 R3 R4 R5 R6 R7 R8 R9 Aver. Pts
Carlsen 56 57 75 63 - 63 35 57 74 60.0% 7.5
Giri 25 72 39 44 38 82 66 38 58 51.3% 5.5
Vachier-l. 44 88 50 46 30 39 79 62 37 52.8% 4.5
Kramnik 38 59 48 37 62 64 44 58 54 51.6% 6.0
Aronian 41 62 42 65 79 27 39 23 46 47.1% 4.5

Die Tabelle zeigt die Genauigkeitswerte der besten Spieler in der ersten Hälfte des Grand Chess Tour Blitzturniers in Leuven. In der ersten Runde gewann Carlsen (56%) gegen Anand (41%). In Runde zwei gewann Aronian (62%) gegen Ivanchuk (23%), in Runde drei hatte Carlsen (75%) Schwarz gegen Vachier-Lagrave (50%) und gewann in 60 Zügen. In der gleichen Runde hatte Ivanchuk (62%) großen Vorteil gegen Giri (39%), aber verlor am Ende auf Zeit. In Runde vier gewann Carlsen (63%) gegen Ivanchuk (28%) in nur 22 Zügen, und in Runde sechs gewann Carlsen (63%) gegen Aronian (27%) in 60 Zügen. In Runde sieben verlor Carlsen (35%) gegen Giri (66%) und in Runde acht verlor Aronian (23%) gegen Anand (84%).

Die Tabelle unten zeigt die Genauigkeitswerte einzelner Partien.

Next Move GCT 2017-Blitz, Leuven (2. Hälftef)

White Black Rnd wP bP
Res
Carsen Anand R10 74% 69%
draw
Aronian Vachier R10 38% 47%
0-1
Nepomniachtchi Ivanchuk R10 28% 62%
0-1
Giri Kramnik R10 68% 62%
draw
Jobava Wesley So R10 18% 54%
0-1
Kramnik Carlsen R11 19% 68%
0-1
Vachier-L. Giri R11 69% 76%
draw
Anand Wesley So R11 81% 39%
1-0
Ivanchuk Carlsen R12 19% 68%
0-1
Carlsen Vachier R13 70% 24%
1-0
Wesley So Kramnik R13 70% 89%
draw
Aronian Nepomniachtchi R13 29% 30%
1-0
Giri Ivanchuk R13 50% 67%
draw
Jobava Anand R13 63% 42%
draw

Schlussfolgerung: Präzise, aber menschlich

Man kann Stunden damit verbringen, die Genauigkeitsanzeige nach Trends und Mustern zu durchsuchen. Das System erlaubt es auch, verdächtige Leistungen zu überprüfen — in den Partien von Spielern, denen Betrug nachgewiesen werden konnte, lagen die Genauigkeitswerte kontinuierlich über 90%. Die obigen Werte deuten allerdings nicht auf irgendeine Form von Betrug hin. Die Zahlen wirken alle sehr plausibel: die Spieler schwanken zwischen sehr hohen Genauigkeitswerten in einer Partie und sehr niedrigen Genauigkeitswerten in anderen Partien.

Wir wünschen viel Spaß mit den Möglichkeiten, die diese Funktion bietet und freuen uns über Feedback, Kommentare und eventuelle Verbesserungsvorschläge.



Chefredakteur der englischen ChessBase-Seite. Hat in Hamburg und in Oxford Philosophie und Linguistik studiert und sein Studium mit einer Arbeit über Sprechakttheorie und Moralsprache abgeschlossen. Eine Karriere an der Universität gab er auf, um Wissenschaftsjournalist zu werden und Dokumentationen für das deutsche Fernsehen zu produzieren. Er ist einer der Mitbegründer von ChessBase.
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