Die geplante Bundesliga e.V.

21.11.2001 – Die Vereine der Bundesliga wollen im Deutschen Schachbund mehr Einfluss auf die Entscheidungen sie selbst und die Bundesliga betreffend gewinnen. Zu diesem Zweck ist u.a. die Gründung eines Interessenverbandes Schach-Bundesliga e.V. im Gespräch. Am 10./11. November gab es eine Tagung in Castrop Rauxel. Der Sprecher der Bundesliga, Christian Zickelbein (Foto), berichtet vom Stand der Dinge. Bericht von der Bundesliga-Tagung...

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Bundesliga-Tagung in Castrop Rauxel

Ein Schritt voran ... und zwei zurück?


Am 10. und 11. November trafen sich die Vereine der 1. Bundesliga in Castrop Rauxel – ein anderer Termin war nicht zu finden, und so waren die Vereine der 2. Bundesligen aufgrund ihres Spielprogramms unfreiwillig ausgesperrt. Einer war dennoch da: Raimo Vollstädt hat mit seinem SK Turm Emsdetten als Deutscher Meister in der FBL und mit einem ambitio-nierten Team in der 2. Liga West natürlich ein produktives Interesse an der Entwicklung des „Systems Bundesliga“.

Mit elf von fünfzehn Vereinen war die 1. Bundesliga gut vertreten. Leider fehlten die Vereine aus dem Süden, die Stuttgarter Schachfreunde und der TV Tegernsee, und zwei aus dem Norden, der SC Königsspringer und der Deutsche Meister, der Lübecker SV. Eckart Stomprowski und Torben Denker waren aus familiären bzw. beruflichen Gründen verhindert, erklärten aber ihr Interesse, an allen Projekten der Liga weierhin mitzuarbeiten.

Für das geschäftsführende Präsidium des DSB nahm Jürgen Gieseke an der BL-Tagung teil, und natürlich war wie immer auch der Sportdirektor Reinhold Kasper dabei. Zum ersten Mal durften wir den DSJ-Vorsitzenden Michael Juhnke bei uns begrüßen. Die Teilnahme dieser drei Schachfreunde war ein großer Gewinn für die Tagung. Sie vertraten glaubwürdig das Interesse des DSB an der Bundesliga (Jürgen Gieseke: „Sie liegt uns am Herzen“) und beteiligten sich aufgrund ihrer großen Erfahrung in Satzungs- und Turnierordnungsfragen sehr hilfreich an der Diskussion schnell notwendiger Änderungen der geltenden Turnierordnung und der geplanten Gründung eines „Interessenverbandes Schach-Bundesliga e.V.“ (so der derzeitige „Arbeitstitel“).

Der DSB-Präsident Alfred Schlya hatte wegen einer ECU-Tagung in Spanien absagen müssen. Von dort brachte er die Nachricht mit, dass die Bundesliga-Vereine (wie er selbst) gegen den „e.V.“ seien. Vermutlich hat er hier die Meinung von Gerald Hertneck (TV Tegernsee) hochgerechnet, der nach seiner Berufung in die Nationalmannschaft die Tagung absagen musste und in der Tat in einer Email mitgeteilt hatte, dass er den BL-Verein für einen falschen Weg halte. Tatsächlich haben sich zehn der elf in Castrop Rauxel versammelten Vereine der 1. Bundesliga bei einer Enthaltung (Erfurter SK) am Sonnabend nach einer intensiven grundsätzlichen Diskussion eindeutig dafür ausgesprochen, die Gründung des Vereins „Interessenverband Schach-Bundesliga e.V.“ weiter zu verfolgen.

Das Ziel, die 1.Bundesliga zu einer Einheit und zugleich zu einer „Marke“ mit einem eigenen Logo zu machen und damit die Möglichkeit zu schaffen, selbst Verträge zur Vermarktung der gesamten Liga zu schließen, rechtfertigt diese Intention. Der DSB selbst müsste froh sein über ein solches Arbeitsgremium (als Organisationseinheit innerhalb des DSB), das die vielfältigen Aufgaben der 1. Bundesliga erfüllen kann, statt sie wie bisher im umfassenden DSB-Programm faktisch als Nebenthema (oder gar nicht) zu behandeln.

Die Tendenz der großen Mehrheit der Vereine der 1. Bundesliga ist klar: Sie wollen Selbstständigkeit innerhalb des DSB. Ob der eingetragene Verein letztlich die richtige Organisationsform ist, mag die weitere Diskussion entscheiden. Die Tagung hat jedenfalls nach der grundsätzlichen Einigung am Sonntag den von Dr. Willi Fahnenschmidt (Düsseldorf) und den Bundesliga-Sprechern vorgelegten Satzungsentwurf weiter erörtert. Ein an vielen Stellen verbesserter Entwurf wird noch in diesem Jahr von einem kleinen Kreis erarbeitet und bis zur nächsten ordentlichen Versammlung der Vereine der 1. Bundesliga am 1. und 2. Juni 2002 vorgelegt. Natürlich werden vorher viele Interessierte und vor allem der DSB zu diesem Entwurf Stellung nehmen und zur Klärung einiger noch offener Fragen beitragen können.

Ist der Interessenverband also ein eher mittelfristiges Projekt, so sollte die alte Forderung nach einer Selbstverwaltung der 1. Bundesliga (oder zumindest einer gleichberechtigten Mitverantwortung) unverzüglich, also schon zur nächsten Saison, erfüllt werden können. War dem letzten Kongress in Coburg das allgemeine Freiheitsbegehren der Liga zu weitgehend, so haben die BL-Vereine in Castrop-Rauxel aus der Sicht von Jürgen Gieseke und Reinhold Kasper „die vier oder fünf Missstände“ des bisherigen Systems konkret benannt, deren Beseitigung durch mehr Selbstverwaltung endlich fällig ist:

1. Wettbewerbsverzerrungen infolge starrer Terminfestlegung,
2. wenig medienwirksame Spielplangestaltung,
3. absurde Ansetzung von Heimkämpfen (HSK – Lübecker SV in Tegernsee),
4. starres Regelwerk im Fall von Rückzügen, das jedes auf Problemlösungen für Vereine und Spieler zielende Handeln verhindert,
5. die 1. Bundesliga kann sich bisher gegenüber Dritten nicht selbst vertreten, keine eigenen Verträge schließen, was für ihre Darstellung in der Öffentlichkeit und ihre mögliche Vermarktung Voraussetzung ist.

Der DSB-Präsident will, so hat er mehrfach erklärt, die Selbstverwaltung der 1. Bundesliga künftig nachhaltig unterstützen, so dass zu hoffen ist, dass der Schritt voran, den die BL-Tagung mit ihren Vorschlägen zu sofortigen Änderungen der Turnierordnung des DSB tun will, im Erweiterten Präsidium oder in der Bundesspielkommission von den „Praktikern“ nicht wieder zurückgenommen wird.

Das Instrument für die Selbstverwaltung oder Mitverantwortung der 1. Bundesliga soll ein Bundesliga-Ausschuss sein, wie wir ihn schon vor einem Jahr vorgeschlagen haben: Der Bundesliga-Ausschuss regelt den Spielbetrieb der 1. Bundesliga in eigener Verantwortung. Dem Bundesliga-Ausschuss sollen vier Vertreter der Vereine und vier Vertreter des DSB (u.a. der Sportdirektor und der Turnierleiter der Bundesliga) angehören, den Vorsitz soll der BL-Sprecher haben.

Dramaturgie des Spielplans
Dem Bundesliga-Ausschuss kommt damit erhöhte Bedeutung zu. Er hat u.a. die Aufgabe, eine organisierte Auslosung der 1. Bundesliga nach „dramaturgischen“ Gesichtspunkten vorzunehmen und damit den Spielplan möglichst medien- und publikumswirksam zu gestalten (für das Prinzip einer organisierten Auslosung stimmten zehn Vereine, nur Herbert Scheidt stimmte dagegen, akzeptierte aber den Mehrheitsbeschluss).

Flexibilität der Termine
Wie in § H-2.2.4 der TO geregelt, bleiben die von der Bundesspielkommission (nun zu ergänzen: und dem Bundesliga-Ausschuss) festgelegten Termine verbindlich. Jedoch kann der Bundesliga-Ausschuss bis zum 1.7. aufgrund von bei der Terminplanung noch nicht festgelegten FIDE- und ECU-Meisterschaften den Zeitplan der 1. Bundesliga verändern. Wenn sich eine Vierergruppe über ein Vorziehen einer Doppelrunde (mit Ausnahme der letzten Doppelrunde) einvernehmlich verständigt, kann der Bundesliga-Ausschuss dem zustimmen.
Der Einzelkampf zwischen den Reisepartnern wird spätestens bis zur vierten Doppelrunde an dem Bundesliga-Wochenende angesetzt, an dem die erstgenannte Mannschaft Ausrichter ist.

Diese neuen Regelungen sollen Absurditäten der laufenden Saison wie einen Hamburger Heimkampf gegen den Lübecker SV in Tegernsee oder Wettbewerbsverzerrungen wegen eines starren Terminplans vermeiden helfen. Der Lübecker SV muss im wichtigen Match gegen Werder Bremen wegen der FIDE-WM die drei Spitzenbretter und zwei weitere Großmeister ersetzen und gegen die Bestbesetzung antreten. Im anderen vorentscheidenden Wettkampf der SG Porz und Aljechin Solingen fehlen Khalifman, van Wely, Vaganian und Graf, doch die SG Aljechin Solingen trifft es mit dem Ausfall Morozevich, Lautier, Kasimdzhanov und Nikolic möglicherweise noch härter. Aber auch andere Teams müssen auf ihre Spitzenbretter verzichten. Selbst wenn sie sich über eine Verlegung einigten, könnte die Turnierleitung ihr aufgrund der geltenden Turnierordnung nicht zustimmen: Es ist Zeit, dass die Spielplangestaltung flexibler wird und dass die Mitverantwortung tragen, die der Spiel-plan am stärksten betrifft: die BL-Vereine.

Flexibilität „beim Zurückziehen von Mannschaften“
Wenige Tage vor Saisonbeginn warf der USC Magdeburg das Handtuch, die Bremer SG, Zweiter in der 2. Bundesliga Nord, stellte den Antrag, für die Magdeburger, die kurzfristig ihren Sponsor verloren hatten, einspringen zu dürfen, und der USC Magdeburg war bereit, den Platz der Bremer in der 2. Bundesliga Nord einzunehmen. Sehr kurzfristig erfolgte auch der Rücktritt des SC Bann in der 2. Bundesliga West. In der 2. Bundesliga Süd muss aufgrund der Auflösung des Teams der aus der 1. Bundesliga abgestiegenen Schachfreunde Baierthal-Schatthausen zum zweiten Mal hintereinander nur mit neun Mannschaften – wie nun auch im Westen – gespielt werden.

Natürlich musste der Antrag der Bremer SG abgelehnt werden, und nicht einmal die Schachfreunde Baierthal konnten nach den geltenden Regeln ersetzt werden: „Zurückgezogene Mannschaften gelten als Absteiger. Scheidet eine Mannschaft nach der Auslosung (1. Juni), jedoch vor der ersten Runde aus, bleibt ihr Platz unbesetzt; am Ende der Spielzeit vermindert sich die Zahl der Absteiger entsprechend.“ (H-2.1.7.2)

Die Bundesliga-Vereine sind der Ansicht, dass hier mehr Flexibilität geboten und möglich ist. Wenn Jürgen Kohlstädt nach einer dpa-Meldung das „unvernünftige Finanzgebaren“ der „am Hungertuch nagenden“ Vereine kritisiert, dann sind die Bundesliga-Vereine nicht mehr bereit, die Alleinschuld an den Defiziten des Liga-Systems auf sich zu nehmen. Die sportliche Entwertung der Turniere der 2. Bundesligen, selbst wenn jeweils nur eine Mannschaft zurückzieht, ist fast noch ärgerlicher als der Ausfall eines Teams in der 1. Bundesliga, bleiben doch hier bei 14 Wettkämpfen immer noch internationale Normen erreichbar, während den Spielern der 2. Bundesligen nach einem Rückzug diese Chance genommen wird. Jeder private Turnierveranstalter bemüht sich, sein Turnier bei einem plötzlichen Ausfall über Nacht noch zu ergänzen. Ganz so schnelles Handeln ist natürlich bei einem Mannschaftsturnier nicht möglich, aber die Frist vom 1. Juni bis um 1. Oktober als dem offiziellen Saisonbeginn scheint uns doch eher von der systematischen Neigung jeder Administration zu klaren Abläufen und zur Bequemlichkeit als von sachlicher Notwendigkeit diktiert. Deshalb wollen wir den § H-2.1.7.2 „Verfahren beim Zurückziehen von Mannschaften“ neu fassen; unsere Grundidee könnte natürlich auch für die fast noch stärker betroffenen 2. Bundesligen sinnvoll abgewandelt werden – das aber maßen wir uns nicht an, hier unser Vorschlag:
Zurückgezogene Mannschaften gelten als Absteiger. Scheidet eine Mannschaft zwar nach der Auslosung, jedoch noch vor dem 1. September aus, wird sie durch eine andere spielbereite Mannschaft ersetzt.

Alle Vereine der 2. Bundesligen (Anm. ChZ: das schließt die für die 2. Ligen gemeldeten Absteiger der Vorsaison ein) haben das Recht, innerhalb von sieben Tagen nach der Veröffentlichung eines Rückzuges durch den Bundesliga-Ausschuss ihre Bereitschaft zur Teilnahme an der 1. Bundesliga schriftlich und verbindlich zu bestätigen – (Anm. ChZ: unter der Voraussetzung, dass sie schon mit der Meldung ihrer Ranglisten bis zum 31.7. grundsätzlich ihr Interesse für den Fall eines Rückzuges erklärt haben.) Danach entscheidet der Bundesliga-Ausschuss mit einfacher Mehrheit innerhalb einer weiteren Woche, spätestens bis zum 15. September über die Besetzung des freigewordenen Platzes (der freigewordenen Plätze) nach folgenden gleichrangigen Kriterien: 1. Platzierung der Vorsaison 2. Regionale Verbindungen.

Besonders verhängnisvoll sind Rückzüge von Vereinen auch für die betroffenen Spieler. Der folgende Gedanke ist zunächst vielleicht nur ein Denkansatz, kein sofort umzusetzender Vor-schlag, da er in Fragen der Spielgenehmigung eingreift, deren Regelung auch nach Vor-stellung der BL-Vereine dem DSB allein vorbehalten bleiben sollte:
Spieler, die wegen des Rückzugs ihrer Vereine aus der 1. (und 2.) Bundesliga ihre Spielmög-lichkeit in einer der Ligen einbüßen, sollten auch nach dem offiziellen Wechseltermin noch zu einem anderen Verein wechseln können. Vereine, die ihren Kader bisher nicht ausgeschöpft haben, können diese Spieler bis zum 15. September nachmelden. (vgl. A-4.6-10)

Förderung von Jugendlichen in der 1. Bundesliga
Zur Förderung des leistungsbezogenen Jugendschachs greifen die Bundesliga-Vereine mit großer Mehrheit die von Jörg Schulz vorgetragenen Vorschläge des Technischen Ausschusses des DSB auf, basierend auf dem Positionspapier des Bereiches Leistungssport zur Bundesliga. Hier der Vorschlag zur Änderung der Turnierordnung für 1. Bundesliga, verbunden mit der Empfehlung, enstprechende Veränderungen auch für die 2. Bundesligen vorzunehmen.

Die Kader der Mannschaften können durch zwei Jugendliche (bis 20 Jahre) um die Rang-listennummern 15 und 16 erweitert werden. Die Jugendlichen müssen die Bestimmungen für die Kaderangehörigkeit des DSB [nach dem Präsidiumsbeschluss vom 10.02.2001] erfüllen. Jugendliche, die an den Brettern 15 und 16 gemeldet werden, können auch Gastspieler mit einer schriftlichen Freigabe ihres Stammvereins sein. Jugendliche, die an den Brettern 15 und 16 gemeldet sind, spielen sich durch ihre Einsätze in der Bundesliga-Mannschaft nicht fest, sondern dürfen weiterhin in ihren Stamm-Mannschaften eingesetzt werden.

Weniger bedeutsam dürfte die von den Bundesliga-Vereinen beschlossene Erhöhung der Kaution von bisher 5000.- DM auf 3.000.- Euro sein, aber sie drückt doch aus, was auch den DSB freuen müsste: dass die Vereine die Bundesliga ernstnehmen. Schon jetzt gilt, dass „Beträge, die aus verfallenen Kautionen (nach Abzug von Verpflichtungen) übrig bleiben, auf Vorschlag des Ligaausschusses an die geschädigten Vereine gezahlt“ werden, doch haben wir mit dem Ziel einer klareren Regelung „nach Ablauf der Saison“ hinzugefügt und – für den Fall, dass die Kaution(en) die Summe der Schäden übersteigen, – die Alternative ergänzt, dass sie „anteilig umgelegt“ werden.

Fast nur eine sprachliche Korrektur ist der Vorschlag, den zweideutigen Begriff „Bundes-liga“, der bisher je nach Kontext mal ausschließlich die 1. Bundesliga, mal das System aller Bundesligen (d.h. die erste Liga und die zweiten Ligen – die Frauen bleiben bisher draußen) bezeichnen kann. Zur „Bundesliga“, wie wir den Sammelbegriff gebrauchen wollen, gehören künftig weiterhin die 1. Bundesliga und die 2. Bundesligen, aber es soll eine klare sprachlihe Unterscheidung zwischen der 1. Bundesliga und den 2. Bundesligen geben, die ja auch in der Realität besteht und oft genug auch von Vereinen der 2. Ligen beklagt wird. Nur hat es keinen Sinn die Unterschiede sprachlich zu verwischen. Vielmehr muss es uns allen darum gehen, sie genau zu erfassen und langfristig Möglichkeiten der Annäherung zu arbeiten, die jedoch nicht mit der Senkung des Niveaus der 1. Bundesliga verbunden sein sollten.

Die wichtige Vorentscheidung bei der Erörterung der Satzung in Castrop Rauxel, dass der geplante Interessenverband zunächst nur die 1. Bundesliga vertreten soll, bedeutet dennoch keine elitäre Abgrenzung: Die 1. Bundesliga bleibt Bestandteil des hierarchischen DSB-Spiel-system bis hinunter in die Kreisklasse. Von Anfang an sollen sich Vereine der 2. Bundesligen (und warum nicht auch der Frauen-Bundesliga?) als außerordentliche Mitglieder (mit beratender Stimme) an der Entwicklung des „Systems Bundesliga“ beteiligen können. Die Begrenzung auf die 1. Bundesliga ist also keine Aussperrung, sie versteht sich vielmehr aus unserem Demokratieverständnis: Die Probleme der 2. Bundesligen können nur die in ihnen vertretenen Vereine (oder allenfalls der DSB stellvertretend für sie) lösen, uns steht eine solche Lösung nicht zu, obwohl wir bestimmt langfristig zu ihr beitragen können, wenn die Kommunikation mit Vereinen der 2. Ligen intensiver wird, worum wir uns auch dadurch bemühen, dass wir alle unsere Vorhaben und Gedanken öffentlich zur Diskussion stellen.

In der Tat hoffen wir, dass wir mit der Tagung in Castrop Rauxel einen Schritt voran zu einer besseren 1. Bundesliga gemacht haben. Wir haben jedoch kaum Einfluss darauf, was in der Diskussion auf der DSB-Ebene aus unseren Vorschlägen wird. Viel wird von den Landesverbänden abhängen, sehr viel auch vom Turnierleiter der Bundesliga Jürgen Kohlstädt. Sein Urteil hat Gewicht, und es wird kritisch ausfallen. Er wird vermutlich die Praktikabilität unserer Vorschläge als gering einschätzen oder ganz bestreiten. Zwar hat sein Sportdirektor Reinhold Kasper (ebenso wie Jürgen Gieseke) in Castrop Rauxel die erörterten Änderungen der Turnierordnung begrüßt und sich bereit erklärt, sie gemeinsam mit dem stellvertretenden Sprecher der Bundesliga-Vereine Gunter Sandner (Plauen) zunächst im Erweiterten Präsidium zu vertreten, aber Jürgen Kohlstädt hat faktisch aufgrund seiner enormen Arbeitsleistung eine große Macht im Turniersystem des DSB. Schließlich ist er es, der die Hauptarbeit der Turnierleitung von der Prüfung der Spielberechtigungen bis hin zum Ergebnisdienst nicht nur für die Bundesligen, sondern auch für alle Oberligen auf sich genommen hat. Dieses Arbeitspensum wird seine Begeisterung über die besondere „Pflege“ der 1. Bundesliga, wie sie dem neuen durch die DSB-Vertreter erweiterten Bundesliga-Ausschuss aufgegeben ist, natürlich in Grenzen halten. Vielleicht wird er sagen: „Das kann ich nicht machen!“ Wir hoffen sehr, dass er sich – statt alles abzulehnen – für den Schwerpunkt Bundesliga als die wichtigste Aufgabe entscheidet und unsere Reformansätze mit trägt, denn wir sehen keinen besseren Turnierleiter als ihn – und möchten ihn gern in unser Konzept einbinden. Gelingt das, machen wir miteinander nicht nur einen, sondern zwei Schritte voran.

Christian Zickelbein

 


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