Die Internationalen Paderborner Computerschachmeisterschaften

17.02.2004 – Die 13. IPCCC sind zu Ende und haben mit dem FPGA-Projekt Hydra von Erdogan Günes, Ulf Lorenz und Chrilly Donninger einen überlegenen Sieger gefunden. Titelverteidiger Fritz musste sich mit Rang Zwei begnügen, obwohl er mit 5,5/7 genau die gleiche Punktzahl wie im letzten Jahr erzielt hat. Doch diesmal reichte das nicht. Dritter wurde Shredder. Mathias Feist spielte nicht nur ein für alle Programmierer anstrengendes Turnier mit zwei Doppelrunden (Erste Runde 9 -14 Uhr, Zweite Runde 15 -20 Uhr), sondern fand auch noch die Zeit für Fotos und Filmaufnahmen. Hier ist sein Bericht. Video von der Siegerehrung (High 5,5 MB)... Video von der Siegerehrung (Low 1,5 MB)...Mehr...

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Fritz und Shredder powered by transec



Blick in die Flure der Uni Paderborn

Paderborn im Winter 2004
Von Mathias Feist


Thomas Mayers Quark-Mobil

Einmal im Jahr zieht es eine Gruppe Schachprogrammierer nach Paderborn. Das IPCCC fand dieses Jahr zum 13. Mal statt. Entstanden aus einem Turnier für Programme von Amateuren, hat es sich im Laufe der Zeit zu einer inoffiziellen deutschen Meisterschaft gewandelt, an der auch professionelle Schachprogrammierer teilnehmen. Dieses Jahr waren 3 Profis am Start, Shredder, Fritz, sowie Hydra, vormals Brutus. Die komplette Startliste finden Sie hier....

Fritz und Shredder spielten wie immer auf einem Rechner von transtec, diesmal ein Dual P4 mit 3.06 GHz. Hydra spielte auf einem Cluster mit 8 Prozessoren und jeweils einer FPGA pro Prozessor.

Durch die hervorragende Internetanbindung der Uni Paderborn konnten die meisten Partien live auf dem Fritz-Server und im Internet übertragen werden. Hierfür müssen die Teilnehmer noch kooperieren und die gespielten Züge an den Server übertragen.


Turnierleitertisch


Ulf Lorenz: Gute Infrastruktur an der Uni Paderborn.

Das Turnier stand ganz im Zeichen von Hydra. Dieser schachliche Raufbold gab gerne Material für Initiative und überfuhr die Gegner dann mit seiner überlegenen Rechenkraft. Die acht Köpfe zeigten ihre Wirkung, sie hatten ihre Augen überall. In Kürze sollen alle acht Köpfe abgeschlagen werden. Wie man ja weiß, wachsen für jeden abgeschlagenen Kopf zwei neue...


Das offizielle Hydra-Poster

Ein solches Turnier ist sehr anstrengend, auch wenn man nicht selber spielt. Einige Teilnehmer aus Süddeutschland haben die Nacht zum Mittwoch nicht geschlafen, da sie sehr früh losfahren mussten um rechtzeitig in Paderborn einzutreffen. Der Schneefall in der Nacht hat dabei nicht geholfen. Es ist auch nicht jedem möglich, einen Tag vorher anzureisen. Aber man trifft sich zum Austausch von Ideen und zum Erhalt alter Bekanntschaften, daher wäre eine Austragung des Turniers auf einem Schachserver keine wirkliche Alternative.

Das Turnier begann mit der ersten Runde am frühen Mittwoch Nachmittag. Wegen der Doppelrunden und der damit verbundenen extrem langen Spielzeit wurde abgestimmt und die Zeitkontrolle auf 90 Minuten für 40 Züge und 60 Minuten für den Rest der Partie verkürzt. Damit waren die Runden eine Stunde kürzer als bei den letzten Turnieren, am Donnerstag und Freitag wurden dadurch 2 Stunden „eingespart“. Das war gut so, denn mittags konnte man noch etwas an der Uni essen, abends kam man auch noch zu einer vernünftigen Zeit in ein Restaurant. Während des Turniers sah man einen entspannten Turnierleiter Ulf Lorenz, der abends eine Stunde eher nach Hause konnte und durch sein großes Team wenig Zeit am Brett verbringen musste. Erdogan Günes lässt niemand anderen das Programm bedienen.

Für Fritz begann das Turnier etwas holprig. Wir wollten hier gewinnen, in der ersten Partie gegen Comet sah es zuerst auch ganz gut aus. Fritz bekam eine vernünftige Stellung aus dem Buch und konnte spielen. Doch nachdem Fritz 19.Lxf6 20.Lxg7 21.Df6 zugelassen hatte, war die Stellung Remis. Das Ganze sah noch schlimmer aus, aber Fritz war niemals in Verlustgefahr. Comet verdarb dieses Remis später durch 26.Dh7, während 26.Dh5+ zu einem Dauerschach geführt hätte.

Die zweite Runde loste Fritz Anaconda zu. Auf das Brett kam eine sehr scharfe spanische Stellung. Fritz fand den Angriffszug 20.Sg4 und konnte in der Folge einen unwiderstehlichen Königsangriff aufbauen.


Frank Schneider...


... als Monitor-Man...


und Kai Skibbe (mit 3D-Brett, Funktion: "Brett drehen") sind "Anaconda".
 

Das Turnier begann also gut mit 2 Punkten. Da die Partie recht kurz war, hatte ich bis zur dritten Runde am Nachmittag ein paar Stunden Zeit und konnte mir das Heinz Nixdorf Museumsforum nebenan anschauen. Besonders begeistert war ich, als ich dort in der Abteilung Künstliche Intelligenz einen installierten Fritz fand, gegen den man sogar spielen konnte. Auch ein paar alte Schachcomputer liegen dort in Vitrinen, z.B. der Phantom und das bekannte "Brikett" von Mephisto.

Die Partie gegen Hydra am Donnerstag Nachmittag sollte sich als entscheidend für das Turnier herausstellen. Beide Programm waren sehr früh aus dem Eröffnungsbuch und damit auch sich allein gestellt. Es entstand eine scharfe Stellung mit leichtem Vorteil für Weiß, den Hydra langsam in einen Sieg umwandeln konnte. Das war eine starke Vorstellung, dämpfte aber leider die Hoffnungen von Fritz.

Einen Höhepunkt aus Sicht von Fritz ergab die vierte Runde. Fritz gegen Shredder, wobei dieselbe Eröffnung wie in Graz diskutiert wurde. Shredder wich mit 10... cxd4 statt 10... b6 von der Vorgängerpartie ab, kam aber vom Regen in die Traufe. 11... f5 sieht schon zweifelhaft aus. Danach konnte Fritz einen Angriffssturm entfachen, dem Shredder nichts entgegenzusetzen hatte. Diese Variante wird von Shredder wohl nicht mehr gespielt werden.


Stefan Meyer-Kahlen (Shredder)

Nach dieser Glanzpartie gab es in der fünften Runde ein zähes Ringen. Fritz mit Schwarz musste gegen einen supersoliden weißen Aufbau von Yace anrennen. Bis Zug 40 war die Stellung im Gleichgewicht, wobei Fritz immer eine leichte Initiative hatte. Die Wende kam mit 40.gxh4 von Yace, wonach die Bewertung von Fritz regelrecht explodierte. Yace realisierte erst vier Züge später, dass es in einem heftigen Königsangriff unter die Räder kam.

Mit vier Punkten aus fünf Runden schien Fritz also gut auf Kurs Richtung Titelverteidigung. Die meisten der  vermeintlich stärksten Gegner waren schon gespielt, es gab damit eine realistische Chance auf sechs Punkte. Letztes Jahr hat Fritz mit 5,5 Punkten vor Yace gewonnen. Die Sache hatte nur einen Schönheitsfehler, Hydra lag mit fünf Punkten ohne Punktverlust vorne. Der Samstag Morgen sah dann das Duell Shredder-Hydra, in dem ich natürlich Shredder die Daumen drückte.

Fritz bekam als Weißer Diep zugeteilt, der auch immer in den oberen Tabellenregionen landet und jederzeit gefährlich ist. Nach der Eröffnung hatte Fritz die Initiative, die bis ins Endspiel festgehalten wurde. Die Gewinnchancen waren schon sehr gut, als Diep die Sache mit 37... Le8 vereinfachte. Fritz gewann in der Folge wegen der vielen Drohungen einen Bauern und kurze Zeit später die Partie. Doch auch Shredder konnte Hydra nicht ganz stoppen und musste sich mit Remis zufrieden geben. Der Abstand zum Führenden war zwar verkürzt, aber noch nicht aufgeholt.

Neben eventuellen Kurzpartien ist der Samstag Nachmittag die einzige Zeit, in der man etwas anderes machen kann, als im Turniersaal zu sein oder zu schlafen. Dementsprechend sah man viele der Teilnehmer in der Fußgängerzone beim Einkaufen. Seit die Geschäft länger geöffnet haben dürfen, ist diese am freien Nachmittag nicht mehr verödet, sondern voll Leben. Der Grund für diese Lücke im Spielplan ist das gemeinsame Essen am Abend, das mit 30 Teilnehmern scharfe Anforderungen an die Logistik des Restaurants stellte. Ich würde mir für die Zukunft allerdings wünschen, dass wir in ein Lokal mit Rauchverbot gehen. Es gab etwas viel des Qualms aus dieser großen Gesellschaft.

In der letzten Runde musste also unbedingt ein Sieg her, um die Chancen auf den Turniersieg zu wahren. Fritz spielte mit Schwarz gegen Ikarus einen Scheveninger Sizilianer, in dem Schwarz nie Vorteil hatte, aber auch nicht in Verlustgefahr war.


Ikarus-Rechner: gut belüftet

Ikarus erwies sich also als der gewohnt unbequeme Gegner, Remis war das logische Ergebnis. Damit hatte Fritz das gute Vorjahresergebnis wiederholt. Hydra gewann jedoch gegen Diep auch die letzte Partie und holte sich die Trophäe mit einem ganzen Punkt Vorsprung.

Außer der Ehre gibt es in Paderborn den traditionellen Preis: Sekt in drei unterschiedlichen Größen. Stefan Meyer-Kahlen als er seinen dritten Preis in Empfang nahm: die Flaschen werden auch immer kleiner.


Der Sieger-Sekt...


...in drei Größen

Am Ende sah man jedenfalls ein strahlendes Trio Chrilly Donninger, Ulf Lorenz und Erdogan Günes.


Die Sieger: Hydra (hinten), Ulf Lorenz, Erdogan Günes und Chrilly Donninger (vorne)

Und wenn die Programme einmal nicht spielen, dann ihre Programmierer. Hier Stefan Meyer-Kahlen im  1:5-Minutenblitz gegen Vincent Diepeveen.


Achtung...


...Handgelenke lockern...


...und los.


Kiebitz Rudolf Huber




Blickwinkel von Fritz übers Brett

Und zum Schluss: Weg mit den alten Galoschen.

 

 

 


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