Die Schattenseiten der Online-Welt: Hanna Sayce und ihre Geschichte

von André Schulz
28.09.2026 – Die australische Schach-Streamerin Hanna Sayce erzielte in den letzten vier Jahren mit ihren Schach-Streams auf Twitch sehr viel Aufmerksamkeit, jedoch nicht nur solche, die erwünscht war. Ein Stalker verfolgte ihre Aktivitäten, belästigte sie online und brachte sie wegen angeblichen Drogenschmuggels zweimal ins Gefängnis.

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Hanna Sayce aus Melbourne blickt auf eine bemerkenswerte Karriere im Schach. Am Anfang der Pandemie begann die damals 19-Jährige sich mit dem Schachspiel zu beschäftigten und spielte zum Zeitvertreib auf den einschlägigen Online-Plattformen. Sie startete mit einer Wertungszahl von 1000 und erreichte bei Turnieren auf chess.com in recht kurzer Zeit im Blitzen eine beeindruckende Online-Elozahl von 2300.

Da ihr Schach viel Spaß machte, spielte sie schließlich auch bei  klassischen Turnieren am Brett mit. Die Umstellung war anfangs schwierig, denn Hanna Sayce musste erst noch lernen, dass man bei klassischer Bedenkzeit seine Entscheidungen länge überdenken muss und außerdem erhielt das Endspiel eine größere Bedeutung. 

Hanna Sayce reiste zu offenen Turnieren nach Europa und Asien und begann zudem, ihre Schacherlebnisse in Schachstreams auf Twitch zu teilen. Bald hatte Hanna Sacye einige zigtausend Schachfreunde, die ihr dort folgten. Einige Firmen unterstützen ihre Schachaktivitäten.

Hanna Syce | Foto: Privat auf Facebook

Doch nicht bei allen ihren Fans zeigte sich die erwünschte Resonanz. Im April 2024 begann einer der Fans die junge Schachstreamerin zu belästigen. Shumsheer Singh Ghumman, ein 47 Jahre alter Betreiber eines Cafés sammelte Informationen über Hanna Syce und ihre Familie, die Kontaktdaten ihrer Freunde und bedrohte sie. Er würde mit Hilfe von KI weitere Informationen in Erfahrung bringen und gegen sie einsetzten, drohte er. Zudem brachte er Hanna Sayce Urlaubs- und Reisepläne in Erfahrung. Im März 2025 erwirkte Hanna Sayce eine einstweilige Verfügung gegen den Stalker, die Shumsheer Singh Ghumman aber nicht davon abhielt, sie weiter zu belästigen.

Nachdem Shumsheer Singh Ghumman in Erfahrung gebracht hatte, dass Hanna Sayce nach Quatar reisen wollte, informierte er die dortigen Behörden und behauptete, sie würde in ihren Schachfiguren versteckt Drogen ins Land schmuggeln. Hanna Sayce wurde bei der Einreise am Flughafen festgenommen und zeitweise in ein Gefängnis gesteckt, bis sich die Angelegenheit aufklären ließ.

Das gleiche passierte ihr, als sie zum Reykjavik Open nach Island einreisen wollte. Wieder hatte der Stalker die dortigen Behörden informiert und sein Opfer fälschlicherweise des Drogenschmuggels beschuldigt. Wieder wurde Hanny Sayce verhaftet.

Schließlich gingen die australischen Behörden entschlossen gegen den Stalker vor.  Am 1. Mai 2026 wurde Shumsheer Singh Ghumman in seinem Café in Burnley im Osten Melbournes festgenommen. Am 23. Mai kam die Angelegenheit mit insgesamt 35 Anklagepunkten vor Gericht. Es stellte sich heraus, dass Shumshee Sing Ghumman schon einmal wegen eines ähnlichen, aber noch drastischeren Falls verurteilt worden war. Er hatte das Haus einer Frau, die er ebenfalls verfolgt hatte, in Brand gesteckt und war damals wegen versuchten Mordes und Brandstiftung zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Im Berufungsverfahren wurde die Strafe dann auf vier Jahre reduziert.

Die Richterin lehnte bei der Eröffnung des Verfahrens einen Antrag auf Haftentlassung gegen Kaution ab, da Ghumman aus ihrer Sicht eine Gefahr für die Sicherheit von Hanna Sayce darstelle. Die Verhandlung wird im Oktober fortgesetzt. Bis dahin bleibt der Stalker in Haft.

Hann Sayce zeigte sich in ihren Kanälen verwundert, dass die Geschichte in den australischen Medien veröffentlicht wurde. Sie selber habe nicht mit den Medien gesprochen, die offenbar die Informationen von der Gerichtverhandlung erhalten hätten. "Obwohl ich nicht damit gerechnet hatte, öffentlich darüber zu sprechen, bin ich ehrlich gesagt erleichtert, mir das von der Seele reden zu können. Die letzten paar Jahre waren sehr schwer, und die ungerechtfertigte Inhaftierung in Katar war, gelinde gesagt, eine sehr beängstigende Erfahrung," kommentierte Hanna Sayce den Vorgang.

Am vergangenen Sonntag die Streamerin Gast bei Judit Polgars "Global Chess Festival" und nahm an einem Uhrensimultan der ungarischen Schachikone teil. Die Partie hat sie live auf ihrem Twitch-Kanal gestreamt.


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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