Die Sieger von Mainz: Anand, Svidler, Almasi, Grischuk, Schmitt und Mainz

09.08.2004 – Mit 5:3 gewann Vishy Anand in Mainz sein "Duell" gegen Alexei Shirov. Damit siegte er zum fünften Mal in Folge bei den Chess Classic. In der "Weltmeisterschaft im Chess960" verteidigte Peter Svidler durch einen Sieg in der letzten Partien seinen Titel gegen Levon Aronian zum Endstand von 4,5:3,5. Im nächsten Jahr wird Zoltan Almasi sein Herausforderer sein, der diesmal das Chess960-Open gewann. Alexander Grischuk gewann zum zweiten Mal hintereinander das Ordix-Open. Turnierorganisator freute sich über die große Resonanz bei den Spielern und bei der Internationalen Presse. Besonders die estnische Verbandspräsidentin Carmen Kass, im Hauptberuf Model, zog die Pressevertreter an. Zudem sind die Chess Classic Mainz das einzige Turnier in Deutschland, an dem mit Oberbürgermeister Jens Beutel auch die politische Leitung der Stadt teilnimmt. Im Gerling-Open traf der frühere Oberligaspieler die 50%-Marke, im Ordix-Open verfehlte er sie nur knapp. Hartmut Metz zog ein Resümee. Anand gegen Shirov zum Nachspielen... Ordix-Open: Toppartien zum Nachspielen... Turnierseite...Bericht aus Mainz...

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„Der 100.000-Dollar-Zug“
Carmen Kass auch vom 10. Bis 14. August 2005 in Mainz
Von Hartmut Metz (Pressechef CCM)

Von Pakistan bis Uruguay – die Schachspieler rund um den Globus starrten fünf Tage auf ihre nationalen Schach-Webseiten, um die Partien bei den Chess Classic Mainz (CCM) live zu verfolgen oder zum Nachspielen herunterzuladen. Die insgesamt rund 2.500 Zuschauer vor Ort sind dabei eher Nebensache. „Das Turnier ist weltweit eine Werbung für unsere Stadt, vor allem über das Internet“, freut sich Oberbürgermeister Jens Beutel. Geradezu ins Schwärmen gerät Hans-Walter Schmitt: „Unglaublich, alle Rekorde gebrochen!“, jubilierte der CCM-Organisator.

Die Rheingoldhalle platzte am Wochenende aus allen Nähten. 542 Spieler nahmen am Ordix Open teil, darunter 156 Spieler mit einem Meister-Titel des Schach-Weltverbandes FIDE. Von den Top 100 weilten 31 Großmeister in Mainz. „Dass die Rheingoldhalle erweitert wird, entspricht auch der Notwendigkeit des Schachturniers“, erklärte Beutel verschmitzt mit Blick auf die anstehenden baulichen Veränderungen.


OB Jens Beutel

Der OB durfte auch selbst mit seinem Abschneiden in beiden Open zufrieden sein. Im Chess960-Wettbewerb, bei dem die Grundstellung der Figuren ausgelost wird, landete er mit 5,5:5,5 Punkten ebenso im Mittelfeld wie mit 5:6 Punkten im Ordix Open. Das Turnier gewann erneut Alexander Grischuk. Der Weltranglistensechste war überglücklich: „Das gibt es selten, dass man solch ein starkes Turnier – dazu mit 500 Teilnehmern - zweimal in Folge gewinnt!“ Der Gedanke, dass man seinen Open-Hattrick 2005 nur verhindern könne, wenn er im nächsten Jahr gegen Viswanathan Anand einen Zweikampf spielt, gefiel dem Russen: „Das wäre eine besondere Herausforderung, die mir gefiele!“ In beiden Jahren blieb Grischuk ungeschlagen und gab insgesamt lediglich sechs Remis ab! Gleich neun Großmeister folgten mit einem halben Zähler Rückstand, nur getrennt durch die Buchholz-Wertung: Rafael Waganjan, Sergej Rublewski, Rustem Dautov, Wadim Swagintsew, Yasser Seirawan, Alexander Morosewitsch und Alon Greenfeld. Die Kombinationswertung gewann Chess960-Sieger Zoltan Almasi (18 Punkte) vor Grischuk, Rublewski und Morosewitsch (alle 17,5). Bei den  Senioren gewann Vlastimil Hort (7,5 im Ordix Open wie im Chess 960) alle Wertungen. Bei den Damen setzte sich Alexej Schirows Ehefrau Viktorija Cmilyte (8,5 Punkte im Ordix Open und gesamt 15) vor Weltmeisterin Antoaneta Stefanowa (7,5/14,5) und Inna Gaponenko (7,5/14) durch. Die Jugendwertung ging an Sergej Karjakin (8/15,5) vor dem Deutschen David Baramidse (7/13,5).

Für die laut Schmitt „gigantische Resonanz der Medien“ – sogar ein TV-Team aus Indien berichtete über die Heldentaten des weltbesten Schachspielers Viswanathan Anand – sorgte eine Dame. Allerdings keine auf dem Brett, sondern die estnische Verbandspräsidentin Carmen Kass. Mit stoischer Ruhe absolvierte das Super-Model kostenlos einen PR-Termin nach dem anderen für das königliche Spiel. Mainz und die Bootsfahrten über den Rhein haben der 25-Jährigen so gut gefallen, dass sie vom 10. bis 14. August 2005 wieder mit von der Partie sein will.


Carmen Kass
Foto: Kiseleva

Mit einem „100.000-Dollar-Zug“ sicherte sich Organisator Schmitt auch im nächsten Jahr die kostenlose Werbung durch Carmen Kass. In einer Freundschaftspartie im Chess960 hatte der Bad Sodener bereits eine Figur mehr. Als sie entdeckte, dass Schmitt sich mit einem Patzerzug matt setzen lassen konnte, drohte ihm das Super-Model „Ich komme nur nächstes Jahr wieder, wenn du jetzt den Springer nach g5 ziehst!“ Schmitt zögerte keine Sekunde und haute den „100.000-Dollar-Zug“, wie er auf Grund des Werbewerts von Kass erklärte, aufs Brett. Die Schöne aus Los Angeles setzte anschließend unter großem Gelächter mit der Dame auf g2 matt. „Das war der stärkste Zug der Chess Classic!“, frohlockte Schmitt angesichts seines erneuten Coups.

 

Spektakulärer Abschluss
Anand verteidigt mit 5:3 Titel gegen Schirow



Viswanathan Anand hat gestern zum fünften Mal in Folge die Chess Classic gewonnen. In der Mainzer Rheingoldhalle stand der Sieg des weltbesten Schachspielers über Alexej Schirow bereits nach der siebten von acht Partien fest. Dank eines Remis lag der Inder uneinholbar mit 4,5:2,5 in Front und gewann nach einem spektakulären Schlussrunden-Unentschieden letztlich souverän mit 5:3. Mit Weiß riskierte Anand zunächst nichts. „Ich konnte in der ersten Partie nur den Fingerfehler korrigieren“, meinte Schirow, „ich stand aber auch diesmal schlechter und profitierte davon, dass Vishy mit dem Remis den Gesamtsieg abzusichern gedachte.“
In der letzten Begegnung ging der Wahl-Spanier aber nochmals aufs Ganze. Unbedingt wollte er seinen Mannschaftskameraden beim SC Baden-Oos bezwingen.

Dabei machte der 32-Jährige erstmals richtig seinem Kampfnamen „Hexer von Riga“ alle Ehre. „Da Alexander Morosewitsch im Publikum saß, wollte ich ihn nicht langweilen und spielte wie er“, scherzte Schirow mit Blick auf die wild verwickelte Partie. „Ich besaß Initiative, aber ich sah leider keinen Gewinn.“ Mit erneut lediglich ein paar Sekunden auf der Uhr musste sich Schirow mit einem Dauerschach bescheiden, nachdem er zuvor den schwarzen König vom Damen- zum Königsflügel gejagt hatte. Schirow hatte zuvor bei der Siegerehrung auf der Bühne zu Organisator Hans-Walter Schmitt geraunt: „Vishy ist einfach der Beste!“

Der derartig Gepriesene gab sich gewohnt bescheiden, nachdem er zum siebten Mal das schwarze Jackett des Siegers übergestreift hatte. „Das Match war knapper, als es schien. Die zwei Fingerfehler von Alexej entschieden den Zweikampf. Fast alle anderen Partien waren irgendwie verrückt. Vom Niveau her möchte ich das Duell mit dem des Vorjahres mit Judit Polgar vergleichen, in dem es auch in den Partien hin und her ging. Auf jeden Fall stand es auf einem deutlich höheren Niveau als das gegen Wladimir Kramnik, als wir ständig patzten.“ Bei der abschließenden Treibjagd, in der sein König im Mittelpunkt stand, glaubte sich Anand verloren. Die von dem Inder angegebene Variante hielt Schirow indes nicht für ausreichend. Trotz des Remis strahlte der Herausforderer erstmals nach einer Partie. Der „Hexer“ war doch noch ein bisschen glücklich geworden in Mainz.


Swidler bleibt Chess960-Weltmeister
Aronjan begriff zu langsam beim 3,5:4,5

Bei der Gerling Chess960-Weltmeisterschaft, bei der die Grundstellung der Schachfiguren vor der Partie ausgelost wird, hat Peter Swidler seinen Titel gegen Levon Aronjan verteidigt. In einem knappen Match behielt der Russe dank des Sieges in der letzten Partie mit 4,5:3,5 die Oberhand über den Armenier. Herausforderer Swidlers wird nächstes Jahr der Ungar Zoltan Almasi sein, der das Chess960 Open gewann.

Aronjan brachte seine Niederlage kurz und bündig auf den Punkt: „Peter sah alles viel schneller als ich – deshalb kam ich ständig in Zeitnot.“ Swidler pflichtete bei: „Levon spielte besser, ich aber schneller.“ Nur in zwei der acht Begegnungen sei er gut gestanden. „Und diese beiden in der ersten und achten Runde habe ich auch gewonnen. Das gab den Ausschlag für den Gesamtsieg“, urteilte der 28-Jährige. Wieder war Aronjans Uhr bis auf zehn Sekunden im 34. Zug heruntergetickt. Auch wenn immer wieder zehn Sekunden für einen Zug dazukamen (zu den anfänglichen 25 Minuten), reichte das nicht, um irgendwann länger in die Stellung zu schauen. Swidler pflückte (dank seiner fünf, sechs Minuten auf der Uhr) immer mehr Bauern, weshalb der künftige Kreuzberger Bundesligaspieler entnervt die Waffen streckte.

Das siebte Duell hatte zuvor das erste friedliche Ende gebracht! Eine positive Tendenz, für die Chess960 sorgt. „Ich stand auch da miserabel. In einem Moment hatte keiner meiner 14 Steine die Möglichkeit, mehr als ein, zwei Felder zu kontrollieren! Erstaunlicherweise entkam ich noch in ein ausgeglichenes Turmendspiel“, wunderte sich der Chess960-Weltmeister und schloss, „ich hatte Glück in diesem Wettkampf.“


 

 


 

 

 

 



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