Dit jibt et nuur in Berlin...

von Roger Lorenz
06.01.2026 – Der einstige Berliner Flughafen Tempelhof erlangte legendäre Berühmheit, als hier 1948/49 im 90-Sekundentakt "Rosinenbomber" landeten, um die Bevölkerung zu versorgen. Heute wird das Tempelhofer Feld ganz anders genutzt, zum Beispiel zum Schach. Bei starkem Wind kann jedoch nicht gespielt werden. Roger Lorenz erzählt, warum. | Foto: USAF photo 070119-F-0000R-101, Public Domain

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Dit jibt et nuur in Berlin – Schachspielen auf der Landebahn der Rosinenbomber

In den Jahren 2007 und 2008 war ich aus beruflichen Gründen häufig in Berlin. Eine typische Woche sah damals so aus: Montagmorgens mit dem Flieger von Köln-Bonn nach Berlin, dann vier Tage vor Ort beim Kunden arbeiten und donnerstagabends mit dem Flieger zurück. Die meisten Flüge gingen damals nach Tegel. Aber wenn man Glück hatte, dann erwischte man einen Flug nach Tempelhof. Für mich war das ideal, da mein Kunde nur einen Katzensprung entfernt ansässig war.

Der Flughafen hat eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Ursprünglich als Exerzierplatz angelegt, führten die Brüder Wright hier 1909 ihr Fluggerät vor. Die ersten Linienflüge starteten 1923 mit dem Ziel Moskau. Nach dem Krieg nutzten die Amerikaner den Flughafen für Transportflüge. Während der Berliner Luftbrücke landeten hier Rosinenbomber im 90-Sekunden-Rhythmus.

Ab 1951 wurde der Flughafen wieder für zivile Flüge genutzt. Aber dies ist inzwischen längst Geschichte. Im Oktober 2008 gingen hier endgültig die Lichter aus, und der "Zentralflughafen" wurde in den Ruhestand geschickt. Seitdem ist das Tempelhofer Feld für die Öffentlichkeit freigegeben.

Natürlich musste ich mir das bei meinem jüngsten Berlin-Besuch genauer ansehen. Es hat schon etwas Bizarres, ganz entspannt über die Landebahnen zu schlendern, auf denen ich damals aus dem Flieger stieg und wo vor knapp 70 Jahren die Rosinenbomber landeten. Heute herrscht hier eine völlig andere Atmosphäre: Weite, Wind und entspannte Freizeitkultur. Und dann entdeckte ich auf der alten Landebahn Süd diesen roten Kiosk, der mich neugierig machte.

Schachklubhaus auf der ehemaligen Landebahn Süd des Flughafens Tempelhof

Ein Schachklub direkt auf der Landebahn? Das musste ich sofort erkunden. Zufälligerweise war der Betreiber des Klubhauses gerade anwesend und wir kamen ins Gespräch. Natürlich mussten wir auch etwas Schach spielen. Da die Zeit für eine ganze Partie nicht ausreichte, haben wir uns mit der Analyse eines Turmendspiels begnügt. Der Endspielexperte erkennt mit einem Blick, dass in dem nächsten Bild die Vancura-Stellung auf dem Brett ist, wo Schwarz (hier rot) einfach das Remis hält.

Analyse eines Turmendspielsauf auf der ehemaligen Landebahn Süd des Flughafens Tempelhof mit Topsy

Der Manager des Klubs ist Topsy Qur'et. Ausgesprochen wird der Name Topsy Cret oder auch Top Secret (aber nicht weitersagen, das ist sein Geheimnis). Er ist Künstler und hat die Schachfiguren selbst aus Joghurtbechern hergestellt.

Schachfiguren aus recycelten Joghurtbechern

Topsy kann über seine Facebook-Seite https://www.facebook.com/schachklubhaus kontaktiert werden. In der Regel ist das Klubhaus im Winter geschlossen. Auch bei starkem Wind ist das Schachspiel nicht möglich, da die Figuren leicht sind und dem Wind eine große Angriffsfläche bieten. Daher sollte man sich auf jeden Fall vorher erkundigen. Ansonsten stehen bei gutem Wetter vier Spielfelder für Schach und eins für Mühle zur Verfügung.

Der Schachkiosk ist einfach zu finden. Mit der U-Bahn bis zur Haltestelle Leinestraße fahren. Wenn man den U-Bahnhof verlässt, in den Anita-Berber-Park einbiegen. Anschließend kann man den alten Landefeuern des Flughafens bis zum Rollfeld folgen. Und dann kann man das Klubhaus nicht mehr verfehlen.

Die alten Landefeuer weisen den Weg zum Schachklub

Wenn jemand es schafft, den Schachklub auf dem Tempelhofer Feld zu besuchen, dann grüßt Topsy von mir. Aber bitte verratet nicht, dass ich sein Namensgeheimnis gelüftet habe. Denn das ist natürlich Top Secret!

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Roger Lorenz studierte Informatik in Bonn in den 1980ern und arbeitete später viele Jahre als Projektmanager und Berater. Im Ruhestand hat er nun mehr Zeit für seine Hobbies wie Schachspielen, Schachgeschichte und Schachengines. Er ist Mitglied des Schachklubs Bonn-Beuel und der Chess History and Literature Society. Kontaktieren kann man ihn über seine Homepage.
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