Dortmund: Michael Adams schließt zur Spitze auf

03.08.2006 – Mit einem Sieg über Boris Gelfand in Runde Vier konnte der Engländer Michael Adams die Gruppe der Spieler, die beim Dortmunder Sparkassen Meeting eine Partie gewonnen haben zu einem Trio erweitern. Die drei übrigen Partien des GM-Turniers endeten ebenso unentschieden wie die vierte Wettkampfpartie zwischen Irina Krush und Elisabeth Pähtz. Die Deutsche, die sich am Rande einer Niederlage bewegt hatte, war über das für sie glückliche Remis so froh, dass sie sich als ein weiteres schachlich-musikalisches Doppeltalent offenbarte und die Zuschauer spontan mit einem türkischen Marsch am Klavier erfreute. Dagobert Kohlmeyer berichtet über die letzten beiden Runden und das Blitzturnier am spielfreien Tag, bei dem die Begegnungen zwischen Profis und Amateuren nicht immer zu den von den Erstgenannten gewünschten Ergebnissen führten, manchen von Ihnen aber auch einmal angenehmere Gegner bescherte. Anlässlich der Ereignisse bei der Tour de Farce ist auch das Thema Doping in aller Munde. Die beiden Schiedsrichter in Dortmund konnten aber bisher keinem der Schachsportler ein Eigenblutdoping nachweisen. Turnierseite...Mehr...

ChessBase 15 - Megapaket ChessBase 15 - Megapaket

Kombinieren Sie richtig! ChessBase 15 Programm + neue Mega Database 2019 mit 7,4 Mio. Partien und über 70.000 Meisteranalysen. Dazu ChessBase Magazin (DVD + Heft) und CB Premium Mitgliedschaft für ein Jahr!

Mehr...

Die Partien der Runde 1...

Die Partien der Runde 2...

Die Partien der Runde 3...

Die Partien der Runde 4...

 

 

Dortmund Match Runde 1 bis 4...




Stars zum Anfassen
Von Dagobert Kohlmeyer

Im Rathaus trafen sich am ersten Ruhetag Dortmunds Schachfans mit den Großmeistern des Sparkassen Chess Meetings zum traditionellen Blitzturnier. Es war ein schönes Bild, wie im hellen Lichthof jeder der Figurenkünstler zehn Partien gegen mutige Amateure oder Vereinsspieler austrug.

Um die Chancengleichheit zu wahren, erhielten Weltmeister Wladimir Kramnik und seine Kollegen nur zwei Minuten auf der Uhr, ihre nicht so versierten Gegner aber fünf. Dennoch reichte den meisten Großmeistern die knappe Bedenkzeit, um die begeisterten Freunde des königlichen Spiels aus dem Revier reihenweise vom Brett zu fegen.

Drei Schachfans jedoch hatten einen glücklichen Tag und konnten gewinnen: Der Mathematik-Doktorand Urs Hackstein (26) vom SK Turm Kleve gegen Arkadij Naiditsch, der aus Polen stammende Patryk Oliver gegen Boris Gelfand, und der Dortmunder Alexander Hobusch gegen Baadur Jobava. Peter Leko und Wladimir Kramnik hängten noch ein paar Partien dran, weil so viele mit ihnen spielen wollten. Die 16-jährige Natalie Karbeva (Schachfreunde Brackel) konnte den Champion aber auch nicht überlisten, so wie die anderen Schachfreunde vor ihr.



Boris Gelfand aus Israel spielt seit 1990 in regelmäßigen Abständen bei den Dortmunder Schachtagen. Der inzwischen 38-jährige Großmeister stammt aus Minsk, trat einst für die Sowjetunion und seine Heimat Weißrussland an. Seit sechs Jahren jedoch besetzt der mehrmalige WM-Kandidat das Spitzenbrett von Israels Schach-Nationalmannschaft.

 „Dass mein Land gerade im Kriegszustand lebt, ist sehr belastend, aber ich versuche hier, das möglichst zu vergessen und mich auf mein friedliches Spiel zu konzentrieren“, sagte der frischgebackene Familienvater, der im Turnier bislang viermal remis spielte. Gelfand ist mit einer Filmkritikerin verheiratet und seine Tochter Avital erst zehn Monate alt.

Irina Krush aus den USA ist die Gegnerin von Elisabeth Pähtz im interessanten Großmeisterinnen-Duell auf der Bühne des Schauspielhauses.

Sie wurde 1985 in Odessa (Ukraine) geboren. Im Jahre 1988 emigrierte ihre Familie in die Vereinigten Staaten. Irinas Vater, ein Buchhalter, brachte ihr Schach bei, als sie fünf Jahre alt war. Die Großmeisterin lebt in New York und beendete dort im Mai ihre Universitätsausbildung im Fach internationale Beziehungen. Eine Laufbahn als Diplomatin ist für die Schachsportlerin also ebenfalls möglich.


Runde 3

An diesem Spieltag des Sparkassen Chess Meetings waren die meisten Augen im Schauspielhaus auf das Brett von Wladimir Kramnik und Arkadij Naiditsch gerichtet. Hans-Georg Riepe, Inhaber des Hotels „Drees“, wo die Spieler in diesem Jahr wohnen, eröffnete das spannende Spiel.

Der Weltmeister aus Moskau führte zum ersten Mal im Turnier die weißen Steine. Von Beginn an versuchte er, den Vorjahressieger aus Dortmund unter Druck zu setzen. In der Eröffnung verblüffte Kramnik seinen Gegner mit mehr als einem halben Dutzend Damenzügen. Schon nach kurzer Zeit hatte er einen Bauern gewonnen.

Arkadij benötigte für die ersten 12 Züge eine Stunde Bedenkzeit, so schwierig war seine schwarze Stellung. Dann aber verlor der Champion etwas den Spielfaden (er hätte im 14. Zug den Turm auf h8 schlagen können und müssen!), so dass Naiditsch die Partie ausgleichen konnte. Er gewann den Bauern zurück und brachte seine Figuren in bessere Positionen. Der interessante Kampf endete im Zug mit einer Punktteilung.

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich Leko von Adams, Jobava von Aronian sowie die Herren Gelfand und Swidler schon längst remis getrennt.

Kritische Stimmen mehren sich, die von den Stars etwas mehr Kampfgeist fordern.

Kramnik spielt hier in seinem „Wohnzimmer“ nicht nur um den Turniersieg. Nach monatelanger Wettkampfabstinenz, die durch Krankheit bedingt war, nutzt er die diesjährigen Schachtage auch als willkommene Gelegenheit zur Vorbereitung auf sein WM-Match gegen Weselin Topalow. Das Duell über 12 Partien findet im September/Oktober in Elista, der Hauptstadt der südrussischen Teilrepublik Kalmückien, statt. Schon bei der Schacholympiade in Turin zeigte der 31-jährige Moskauer glänzende Form und erzielte das beste Ergebnis aller Großmeister.

Elisabeth Pähtz hatte am dritten Spieltag wieder Weiß und wollte den Vorteil des ersten Zuges besser nutzen, was ihr zum Auftakt der internationalen Schachtage noch nicht gelungen war.

Die ersten Begegnungen der beiden Schachamazonen hatten remis geendet. Beim Frühstück im Spielerhotel erzählte die Thüringerin uns, in ihren letzten 70 Wettkampfpartien mit klassischer Bedenkzeit als Weißspielerin nicht mehr verloren zu haben. Eine Bilanz, vor der man den Hut ziehen kann. Elli Pähtz zeigte sich denn auch optimistisch und wertete ihre Statistik als gutes Omen für den weiteren Verlauf des Duells der Ladies auf der Bühne des Schauspielhauses. In der Partie hatte sie aber dann mehr Probleme als ihr lieb waren und zeigte sich sehr erleichtert, mit einem Remis davongekommen zu sein. Vor Freude sprang Elli hinterher ans Klavier, das im Pressezentrum steht und spielte den türkischen Marsch (Foto!)




Runde 4

Nach vier Runden der internationalen Schachtage in Dortmund liegen Peter Leko (Ungarn) und Peter Swidler (Russland) weiter gemeinsam vorn. Während die Spitzenreiter am Mittwoch gegen Baadur Jobava (Georgien) bzw. gegen Wladimir Kramnik (Russland) jeweils remis spielten, hatte Levon Aronian aus Armenien die Chance, mit einem Sieg gegen Arkadij Naiditsch zu ihnen aufzuschließen. Er schaffte es aber trotz großen Stellungsvorteils nicht.


Mit den weißen Figuren überraschte der Weltranglistendritte den Dortmunder in der Eröffnung mit einem interessanten Bauernmanöver und versuchte danach, seinen Stellungsvorteil in einen vollen Punkt umzumünzen. Interessante Vorgeschichte: So spielte Topalow mit Weiß gegen Aronian in Linares und gewann. Heute war es umgekehrt. Aronian wählte die Eröffnung als Weißer. Das Spiel war wenigstens ausgekämpft, die anderen Partien nicht unbedingt.

Im A-Open, das im Rathaus stattfindet, führen zur Halbzeit der Internationale Meister Olaf Heinzel aus München und Vjatscheslav Klyuner (Dortmund) mit je 4,5 Punkten aus fünf Spielen. Dort setzen etwa 200 Spieler in zwei Gruppen die Figuren. Während die Großmeister im Schauspielhaus am Donnerstag zum zweiten Mal pausieren, geht der Kampf der Schachamateure in ihrem Turnier weiter.

Beim Sparkassen Chess Meeting wachen die beiden Schiedsrichter Dr. Andrzej Filipowicz aus Polen und Alexander Bach aus Russland über die Einhaltung der Schachregeln während des Spiels.


Filippowicz und Bach

Zum Beispiel muss jeder Großmeister die ersten 40 Züge in zwei Stunden absolviert haben. Ist seine Bedenkzeit auf der Uhr vorher abgelaufen, hat er die Partie verloren. Ein Großteil der Spiele ist nach vier Stunden beendet. Die zweite Zeitkontrolle erfolgt nach sechs Stunden, eine Partie kann maximal sieben Stunden dauern. Seit Jahren amtieren Filipowicz, der selbst Internationaler Schachmeister ist, und Bach souverän auf der Bühne des Schauspielhauses. Weil alle Spieler sehr professionell und fair miteinander umgehen, hat es in Dortmund noch nie Streitfälle gegeben. Die Schiedsrichter sorgen auch dafür, dass Großmeister und Zuschauer während der Runde ihre Handys abstellen.

„Kann beim Schach gedopt werden?“, fragte mich ein Zuschauer im Dortmunder Schauspielhaus. Nicht wirklich, denn was nützen Testosteron und Blutdoping, wenn vor allem die Gehirnzellen arbeiten müssen? Die Schachtage sind ja nicht die Tour de France, die sich eher als Pharma-Leistungsschau denn als eine Sportveranstaltung präsentierte. Übermäßiger Kaffeegenuss während der Partie stand einige Jahre lang auf dem Index des Weltschachbundes FIDE, worauf die Großmeister Robert Hübner und Artur Jussupow abwinkten und ihre Dienste in der deutschen Nationalmannschaft quittierten. Inzwischen ist dieser absurde Beschluss wieder aufgehoben und Jussupow, der in Dortmund auch schon die Figuren setzte, kehrte bei der Schacholympiade in Turin in die DSB-Auswahl zurück. Auch beim Chess Meeting müssen die Großmeister nicht auf ihren Kaffee verzichten.






Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren