Dortmund: kämpferischer Auftakt, aber alles remis

von Klaus Besenthal
14.07.2018 – Beim Sparkassen Chess-Meeting in Dortmund sind die vier Partien der 1. Runde des Großmeisterturniers heute alle remis geendet. Wer dabei an symmetrische Strukturen und eine Menge frühzeitiger Abtausche denkt, liegt aber völlig daneben, denn an sämtlichen Brettern wurde hart um den vollen Punkt gerungen. Die deutschen Spieler Georg Meier (gegen Wojtaszek) und Liviu-Dieter Nisipeanu (gegen Kramnik), beide mit Schwarz, kamen dabei nie in Verlustgefahr. Einziger Spieler mit Gewinnchancen war wohl das Geburtstagskind Ian Nepomniachtchi (gegen Giri), aber die Sache war ziemlich verzwickt. Ein Remis gab es auch zwischen Jan-Krzysztof Duda und Vladislav Kovalev, die sich erst gegen 22.30 Uhr von ihren Stühlen erhoben. Den ersten Zug führte die Dortmunder Bürgermeisterin Birgit Jörder aus. | Fotos: Hartmut Metz

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Sparkassen Chess-Meeting 2018 in Dortmund 

Ein Platz im Einladungsturnier steht seit 2003 dem Gewinner des Moskauer Aeroflot-Opens zu. Aktuell wurde dieses Privileg dem weißrussischen Großmeister Vladislav Kovalev zuteil, der im Februar in Moskau gewonnen hatte. Ein Muss ist die Teilnahme wohl auch für Vladimir Kramnik, denn der russische Exweltmeister konnte bereits zehnmal in Dortmund den ersten Preis in Empfang nehmen. Kramniks letzter Sieg liegt inzwischen allerdings schon sieben Jahre zurück; sein erster Turniergewinn datiert aus dem Jahr 1995. Natürlich geht es auch nicht ohne deutsche Teilnehmer: Georg Meier und Liviu-Dieter Nisipeanu sind in Dortmund mit von der Partie. Das Teilnehmerfeld wird komplettiert durch Ian Nepomniachtchi (Russland), Anish Giri (Niederlande) und die beiden starken Polen Radoslaw Wojtaszek und Jan-Krzysztof Duda.

Gespielt wird in Dortmund im "Orchesterzentrum|NRW", einer gemeinsamen Einrichtung der vier staatlichen Musikhochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen. 

Den Spielern steht relativ viel Bedenkzeit zur Verfügung, was zusätzlich auf eine hohe Qualität der Partien hoffen lässt: 40 Züge in 100 Minuten, 20 Züge in 50 Minuten, Rest 15 Minuten + 30 Sekunden für jeden Zug. 

Das Gruppenbild bei Twitter gab es bereits gestern:

Kramnik - Nisipeanu

Kramnik hatte einen Mehrbauern, doch der war Teil einer Struktur, die dem Exweltmeister keinerlei Möglichkeit mehr gab, irgendwelche Fortschritte zu machen. Nisipeanu wusste genau, was zu tun war, um das Gleichgewicht zu halten:

 

Große Bühne!

Nepomniachtchi - Giri

In einer langen Partie hatte Nepomniachtchi wohl zweimal zu verschiedenen Zeitpunkten eine aussichtsreiche Position erlangt. Doch einmal ging es um ein schwer zu sehendes Figurenopfer auf Position, das andere Mal um ein extrem schwierig zu beurteilendes Damenendspiel: 

 

Ian Nepomniachtchi wurde am heutigen Samstag 28 Jahre alt

Wojtaszek - Meier

Georg Meier überraschte seinen Gegner mit einer ungewöhnlichen Eröffnung, und die führte schließlich zu einer äußerst soliden Stellung für den Deutschen. Wojtaszek fand keinen Weg, wie er hätte vorankommen können:

 

Duda - Kovalev

Die beiden Spieler arbeiteten bis 22.30 Uhr. Nützen sollte es nichts: Auch in dieser Partie wurde der Punkt geteilt.

 

Runde 1, 14. Juli, 15 Uhr 
Wojtaszek - Meier
Kramnik - Nisipeanu
Duda - Kovalev
Nepomniachtchi - Giri

Runde 2, 15. Juli, 15 Uhr 
Meier - Giri
Kovalev - Nepomniachtchi
Nisipeanu - Duda
Wojtaszek - Kramnik

Runde 3, 17. Juli, 15 Uhr 
Kramnik - Meier
Duda - Wojtaszek 
Nepomniachtchi - Nisipeanu
Giri - Kovalev

Runde 4, 18. Juli, 15 Uhr 
Meier - Kovalev
Nisipeanu- Giri
Wojtaszek - Nepomniachtchi
Kramnik - Duda

Runde 5, 20. Juli, 15 Uhr 
Duda - Meier
Nepomniachtchi - Kramnik
Giri - Wojtaszek
Kovalev - Nisipeanu

Runde 6, 21. Juli, 15 Uhr 
Meier - Nisipeanu
Wojtaszek - Kovalev
Kramnik - Giri
Duda - Nepomniachtchi

Runde 7, 22. Juli, 13 Uhr 
Nepomniachtchi - Meier
Giri - Duda
Kovalev - Kramnik
Nisipeanu - Wojtaszek

Open

Im Rahmen des Sparkassen Chess-Meetings wird auch ein offenes Turnier ausgerichtet, dessen Teilnehmer in drei Spielstärkeklassen eingeteilt sind (A-Open, B-Open, C-Open) - es haben sich über 200 Spieler angemeldet. Für den 1. Platz im A-Open gibt es ein Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro; elobester Starter ist hier GM Daniel Hausrath. 

Helmut-Kohls-Turnier

Das nach einem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Dortmund benannte Einladungsturnier soll junge Talente aus der Region fördern. Die zehn Spieler bzw. Spielerinnen treten in einem Rundenturnier jeweils einmal gegeneinander an.

Turnierseite




Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.
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Grandsleeper Grandsleeper 15.07.2018 05:13
"Den Spielern steht relativ viel Bedenkzeit zur Verfügung, was zusätzlich auf eine hohe Qualität der Partien hoffen lässt: 40 Züge in 100 Minuten, 20 Züge in 50 Minuten, Rest 15 Minuten + 30 Sekunden für jeden Zug." - Ja, alles relativ. Vor gut 30 Jahren wurde die Bedenkzeit auf Weltklasse-Ebene von 2,5 auf 2 Stunden verkürzt, und wenn ich Partiekommentierungen von damals lese, wird deutlich, dass dies in der Tat zu einer verminderung der Spielqualität führte - oft fehlte genau diese halbe Stunde, um die Stellung nicht noch unter Zeitdruck zu verderben und eine Fehlerkomödie daraus zu machen. Heute sprechen wir von nochmal 20 Minuten weniger, und das gilt als "relativ viel".
Aber vielleicht ist das ja für die heutige computergenerierte Spielergeneration und Spielerei wirklich viel. Der computerlose Mensch - was für eine (relative) Zeitvergeudung er doch war! - Und da wir ja heute inzwischen nur noch die durchschnittlich Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfischs haben, muss es natürlich auch immer schneller gehen. Die "K.I./A.I." wird's schon richten...
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