Dracula und Frankensteins Monster spielen Schach

von André Schulz
22.09.2020 – Die beiden populärsten Horrorfilm-Darsteller der 1930er Jahre standen 1934 im Film "The Black Cat" gemeinsam vor der Kamera und spielten dort eine Partie Schach - um die Freiheit einer jungen Frau. Der folgende Beitrag ist für Jugendliche und Personen mit empfindsamen Gemüt nicht geeignet.

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Die Schachszene mit Bela Lugosi, der mit der Rolle des Dracula berühmt wurde, und Boris Karloff, dem Monster aus der Verfilmung des Frankenstein-Romans, entstammt dem Film "The Black Cat" aus dem Jahr 1934.

Beide Schauspieler befanden sich zu diesem Zeitpunkt auf einem Höhepunkt ihrer Karrieren. Kurz zuvor, im Jahr 1931 war zunächst der berühmte Dracula-Film entstanden, bald danach der Frankenstein Film. In The Black Cat von 1934 treten die beiden bekanntesten Horrorfilm-Stars ihrer Zeit als erbitterte Gegenspieler gemeinsam auf und spielen eine Partie Schach um die Freiheit einer jungen Frau.

Schach mit hohem Einsatz

Bela Lugosi

Bela Lugosi (eigentlich: Béla Ferenc Dezső Blaskó) stammte aus Ungarn, 1882 in Lugos, von dem er später seinen Künstlernamen ableitete, geboren. Damals gehörte der Ort zu Österreich-Ungarn, heute zu Rumänien. Als Elfjähriger riss er von Zuhause aus, um gegen den Willen seiner Eltern Schauspieler zu werden. Er spielte auf verschiedenen Bühnen und später auch in Stummfilmen mit, darunter in frühen Karl May Verfilmungen. Mit dem Film Der Januskopf von Friedrich Wilhelm Murnau kam er erstmals mit dem Horror-Genre in Berührung. 1921 ging Lugosi in die USA. 1927 übernahm er in einer Broadway Adaption des gleichnamigen Bram Stoker Romans erstmals die Rolle des Dracula und verlieh der Figur in seiner Darstellung eine sexuelle Komponente. 

Bela Lugosi in The Black Cat

Auch in Tod Brownings Verfilmung des Stoffes von 1931 übernahm Bela Lugosi die Titelrolle und wurde mit seiner Darstellung zum gefeierten Hollywood-Star. Das Angebot, auch die Rolle des Frankenstein in der Verfilmung von James Whales, ebenfalls 1931, zu übernehmen, lehnte Bela Lugosi ab. Die Rolle übernahm dann Boris Karloff. Nach einigen Jahren des Erfolges ließ die Popularität von Bela Lugosi nach und er war gezwungen in B-Movies mitzuspielen, bis er kaum noch Angebote erhielt. Bela Lugosi wurde alkoholabhängig und drogensüchtig. Durch seine Rollen in Filmen von Ed Wood am Ende seiner Karriere erhielt Bela Lugosi posthum Kultstatus. Er starb 1956.

Dracula

Boris Karloff

Boris Karloff, mit richtigem Namen William Henry Pratt, wurde 1887 in London geboren und gehörte einer weit verzweigten alten englischen Familie an. Er wurde früh Waise und wuchs bei seinen älteren Geschwistern auf. Während seiner Studienzeit kam Boris Karloff mit dem Theater in Berührung. Er nahm Schauspielunterricht und brach sein Studium zugunsten der Schauspielerei ab. Mit 21 Jahren verließ er England und ging nach Kanada und zog mit Wanderbühnen über das Land. Dann lebte er eine Zeitlang als Schauspieler in Australien. In den 1910er Jahren kam er erstmals nach Hollywood, wo er in Stummfilmen zunächst als Statist agierte. Nebenher verdiente er Geld als LKW-Fahrer. Beim Übergang zum Tonfilm wurde Karloff mehr und mehr auch mit Charakterrollen besetzt.

Er ist böse - Boris Karloff als Hjalmar Poelzig in The Black Cat

1931 wurde Karloff dann die Rolle des Monsters in der Verfilmung von Mary Shelleys Roman Frankenstein angeboten, die ihn auf einen Schlag berühmt machte. 1935 erschien als Sequel Frankensteins Braut, ebenfalls in der Regie von James Whales. 1939 wurde Frankensteins Sohn gedreht. Bela Lugosi spielte hier Frankensteins Gehilfe Ygor. 

Nach 1941 war Boris Karloff schauspielerisch und finanziell mit der Broadway-Komödie "Arsen und Spitzenhäubchen" sehr erfolgreich, in der er den gesuchten Massenmörder Jonathan Brewster verkörperte. In den folgenden Dekaden spielte Boris Karloff bis ins hohe Alter in unzähligen Filmen mit, mit Haupt-und Nebenrollen und Produktionen in vielen verschiedenen Ländern, und verkörperte dabei alle möglichen Typen. Mit fortgeschrittenem Alter litt er unter einem Rückenleiden, Arthritis und als starker Raucher unter Lungenbeschwerden. Er starb 1969 in England an einer Lungenentzündung.

Frankenstein

The Black Cat

Der Filmtitel erinnert an die gleichnamige Erzählung von Edgar Allen Poe, hat damit aber inhaltlich nichts zu tun. Boris Karloff und Bela Lugosi treten hier erstmals gemeinsam in einem Film auf. Insgesamt kamen sie auf acht gemeinsame Filme.

Das Ehepaar Joan und Peter Allison ist mit einem Bus auf dem Weg durch Ungarn. Der Bus hat auf der Fahrt jedoch einen Unfall, der Fahrer stirbt. Im Bus sitzt auch Dr. Vitus Werdegast (Bela Lugosi), der auf dem Weg zum Architekten Hjalmar Poelzig (Boris Karloff) ist. Dieser hat sich auf den Trümmern einer Festung aus dem Ersten Weltkrieg, deren Kommandant er war, ein ganz besonderes Haus im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaut. Werdegast bringt das junge Paar dorthin, damit es vom Unfall erholen kann.

Werdegast und Poelzig kennen sich als Kameraden aus dem Krieg. Während Werdegast in russische Gefangenschaft geriet, "kümmerte" sich Poelzig um Werdegasts Frau und Tochter. Nach 15 Jahren will Werdegast seine Familie nun wieder zu sich nehmen. Wie sich aber herausstellt, ist Werdegasts Frau inzwischen verstorben. Poelzig hat sie einbalsamiert und bewahrt die Leiche in den Kellergewölben seines Hauses auf. Werdegasts Tochter hält Poelzig versteckt in seinem Haus als Geliebte gefangen.

Dr. Werdegasts Tochter Karen, links

Nach der Ankunft des jungen Ehepaares in seinem Haus, plant Poelzig außerdem, sich Joan Allison gefügig zu machen.

Joan soll das nächste Opfer werden

Nach und nach kommt Dr. Werdegast der Wahrheit auf die Spur und bietet Poelzig eine Schachpartie um die Freiheit seiner Tochter an.

Selbstgefällig: Hjalmar Poelzig

Im Finale rettet Dr. Werdegast Joan Allison aus den Fängen von Hjalmar Poelzig.

Joan in Gefahr

Er kettet seinen Widersacher an eine Säule und zieht ihm als Strafe für seine Misstetaten die Haut ab. Peter Allison, der die Sachlage verkennt, erschießt Dr. Werdegast. Das junge Paar flieht aus dem Haus. Dr. Werdgeast steckt es kurz vor seinem Tode noch in Brand.

Die Figuren von Joan und Peter Allison dienten später als Vorlage für das Paar "Janet" und "Brad" in der "Rocky Horror Picture Show" (1975). Der Name von Hjalmar Poelzig bezieht sich auf den deutschen Architekten und Bühnenbauer Hans Poelzig, der unter anderem die Kulisse für Paul Wegeners Film "Der Golem, wie er in die Welt kam" (1920) geschaffen hatte. Auch die Kulisse in "The Black Cat" hat expressionistische Züge.

Der folgende Filmschnipsel mit Boris Karloff and Bela Lugosi wurde von den Universal Studios Mitte der 1930er Jahren aufgenommen, um seine beiden Stars ins rechte Licht zu rücken und spielt mit dem Schachspiel zwischen ihnen auf den gemeinsamen Film "The Black Cat" an.




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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schachkwak schachkwak 24.09.2020 03:28
Upps - ich habe gestern erst spät wieder auf die Seite geschaut.

Ja genau, ich habe die Frankenstein-Dracula-Variante gemeint und habe ansonsten keine Ahnung, ob es eine gute Idee ist, Witze zu erläutern. ;-)

Es wäre übrigens ein Wunder, wenn diese Variante in einem der alten Filme zu sehen wäre. Denn laut Wikipedia wurde der Begriff erst 1973 von Tim Harding geprägt. Bekannt war die Variante allerdings schon Anfang des 20. Jahrhunderts.
Archaeopath Archaeopath 23.09.2020 11:35
Er spielt auf die sogenannte Frankenstein-Dracula-Variante der Wiener Partie an: https://de.wikipedia.org/wiki/Frankenstein-Dracula-Variante
Friedrich Volkmann Friedrich Volkmann 23.09.2020 07:37
Interessanter Beitrag. Aber wie die Partie ausgegangen ist, geht daraus nicht hervor?! Logisch wär ein Remis, sonst würde das Finale ja bedeuten, dass der Verlierer die Abmachung nicht eingehalten hat. Andererseits ist ein Remis untypisch für einen Film. In Filmen hat jede Schachpartie einen Sieger.

@schachkwak: Wie kommst du darauf? Ich sehe hier nur die Grundstellung.
schachkwak schachkwak 22.09.2020 08:26
Meine Vermutung ist ja, dass die beiden Wiener Partie gespielt haben - und zwar mit 2. ... Sg8–f6 3. Lf1–c4 Sf6xe4
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