Dramatik in der letzten Runde

29.11.2003 – Für dramatische Szenen bei der Computer-WM in Graz sorgten in der 11.Runde weniger die Partien, wieder kamen letztlich alle vier Spitzenprogramme zu Siegen, sondern Johannes Zwanzger, Programmierer von Jonny. In seiner Partie gegen Jonny ließ Shredder aufgrund eines Bugs in gewonnener Stellung eine dreifache Stellungswiederholung zu. Das Programm Jonny reklamierte die Stellungswiederholung, doch sein Autor Johannes Zwanzger wollte nicht, dass Shredder wegen eines solchen Programmfehlers um den Titel gebracht würde und spielte weiter. Zwanzger  informierte Schiedsrichter van der Herik, der zur Kenntnis nahm, dass die Partie fortgeführt wurde. Nach der Partie gab es in Graz einige Diskussion um diesen Vorfall, denn bei Remis wäre Fritz Weltmeister gewesen und Junior wäre auf den zweiten Platz vorgerückt, doch die Turnierleitung bestätigte die Entscheidung. In seiner Erklärung, die live auf schach.de ausgestrahlt wurde, erklärte Jaap van der Herik, dass dieser Fall in den Regeln für die Computer-WM nicht speziell geregelt sei und somit automatisch die normalen Turnierregeln zur Anwendung kämen. Am Sonntag früh um 9 Uhr kommt es nun zum Stichkampf zwischen Shredder und Fritz um den Weltmeistertitel. Terminplan bei chess003.... Offizielle Turnierseite der Computerschach-WM... Graz 2003...Partien, Fotos, Bericht...

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Graz, 22. bis 30.November 2003

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Runden einzeln:

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Schlusstabelle:

List wurde nach der achten Runde disqualifiziert.

 

 

Graz 11. Runde
Eric van Reem und Peter Schreiner


Eric van Reem...


... und Peter Schreiner

Shredder und Fritz spielen Play-Off

Die letzte Runde in Graz! Alle Augen waren auf Shredder und Fritz gerichtet , die brüderlich bereits seit einigen Runden zusammen die Rangliste anführten. Vergeblich warteten Junior und Brutus in der letzten Runde auf einen Ausrutscher der Favoriten. Fritz musste noch gegen ChessParsos spielen und es sah lange Zeit remislich aus. Trotzdem fand Fritz einen Plan, die Partie noch zu gewinnen: das niederländisch-deutsch Programm opferte einen Bauern und mit feinen Manövern konnte Fritz seine Stellung verbessern und letztendlich die Partie gewinnen.


Fritz gegen ParSOS

In der Partie Jonny-Shredder kam es zu einem diskussionswürdigen Situation. Shredder hatte schon sich schnell eine Gewinnstellung  erspielt und zeigte ein Matt in neun Zügen an. Problem: Jonny war am Zug und die Fritz-Gui zeigte - zurecht - eine dreimalige Stellungswiederholung an. Anstatt das Remis bei der Turnierleitung zu reklamieren, entschied sich der Autor von Jonny, Johannes Zwanzger, dafür weiter zu spielen.


Shredder gegen Johnny

Der junge Deutsche wollte nicht in verlorener Stellung Remis reklamieren und damit das Turnier entscheidend beeinflussen. Allerdings beeinflusste diese unglückliche Entscheidung des jungen Duetschen trotzdem das Turnier, da bei einem Remis Fritz Weltmeister gewesen wäre. Zum Glück für Stefan Meyer-Kahlen kann der Operator laut dem Regelwerk der ICGA (Artikel 5) in einem solchen Fall sein Programm überstimmen.



Natürlich wurde die Entscheidung nach der letzten Runden kontrovers mit den Teilnehmern diskutiert, wobei die Frage lautet:
Darf der Operator einen solchen Einfluss auf seinem Programm ausüben? Amir Ban, der Programmierer von Junior formulierte es sogar noch deutlicher: Darf ein Operator absichtlich eine Partie verlieren? Da der Zug bereits auf dem Brett ausgeführt wurde und die Uhr betätigt wurde, musste Turnierdirektor Jaap van den Herik die Partie wieder frei geben.  Das letzte Wort über diese Kontroverse ist bestimmt noch nicht gesprochen!


Pressekonferenz zum Shredder-Jonny-Fall


Bello war's sicher wurscht

Sonntag spielen Shredder und Fritz 2 Partien: beide Programme bekommen eine Stunde für die gesamte Partie. Wenn die WM danach immer noch nicht entschieden wurde, wird noch eine Sudden Death Partie gespielt. Bereits um 9.15 geht´s los, also früh aufstehen!

 


David Levy kommentierte

 


Wilde Schachmänner in Graz

Anlässlich der Computer-Schach-WM chess003 schlägt eine auf Welttournee befindliche Gruppe freischaffender Schachfiguren ihr Quartier für die Dauer einer Woche in Graz auf. Diese Figuren, welche sich selbst „Wilde Schachmänner“ nennen, streifen nach Lust und Laune durch die Stadt, besuchen die verschiedenen Veranstaltungsorte von chess003 und nehmen hie und da auch an Partien teil, die gerade im Gang sind. Um dem Vorwurf der Diskriminierung gleich zu entgegnen: In der Tat handelt es sich hier um eine Männergruppe ursprünglicher Schachfiguren, deren König noch ein Wesir zur Seite steht, dessen Stelle erst seit dem 13. Jahrhundert eine Dame einnimmt. Berüchtigt und gefürchtet sind die Wilden Schachmänner vor allem für ihr gnadenloses Stellungsspiel und das Vermögen, ihr Äußeres jederzeit den sie umgebenden Figuren eines Spiels anpassen zu können, wofür ihre Drahtgitterkörper beste Voraussetzungen bilden. Die gezielte Suche nach den Wilden Schachmännern wird so zum aussichtslosen Unterfangen, ähnlich den Versuchen, einen Schachcomputer zu entwickeln, der in der Lage ist, alle theoretisch möglichen Züge oder Varianten gegen einen menschlichen oder maschinellen Gegner ins Spiel zu bringen.

Die Organisatoren von chess003 fühlen sich durch die Anwesenheit der Wilden Schachmänner hoch geehrt. Doch ist es schlechthin unmöglich, dieser für die Schachwelt verdienstvollen Gruppe freischaffender, durch Zeit und Welt reisenden Figuren (erinnert sei an den historischen Aufruf: „Manderln, s ischt Zeit!“) wie immer geartete Vorschriften zu machen. Sie tauchen einfach auf, wann und wo sie wollen. Willkommen sind ihre freiwilligen Auftritte im Werbe- und Informationsmaterial der Computer-Schach-WM.

Unter diesen Voraussetzungen konnte insbesondere ein Augenblick festgehalten werden, in dem die Wilden Schachmänner gerade im Begriff sind, im Hintergrund des ??? 3-Logos auf den Spielstättentafeln zu chess003 vorüber zu ziehen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt spielen sie ihr Spiel und verweisen auf das multimediale Ereignis. Formale Prinzipien wurden von den Wilden stets hintergangen, so auch im Fall der ?-Rahmen - aber:

Vielfältige Interpretationsmöglichkeiten dieses im Bild festgehaltenen glücklichen Augenblicks werden offensichtlich: Die ?-Rahmen des Logos, welche die im Dom verwendete Computerbildschirme symbolisieren, sind den Wilden Schachmänner ein vorbildlich abstrahierter Weg über jene Bildschirme. Ebenso stehen die dreifachen ?-Rahmen für Filmkader als Hinweis auf den im Rahmen von chess003 präsentierten Filmessay zum Thema „Schach und Denkmaschinen“.

Werden die genannten Freischaffenden auch dort auftauchen?

Werden die Wilden Schachmänner zu den Spielstätten finden?

Werden die Spielstättentafeln zum Symbol für ihren so mutigen wie selbstlosen Einsatz, der zum Gelingen der Computerschach-WM chess003 führen soll?

 

Für die Wilden Schachmänner:
Walter Kastner & Wenzel Mracek

 

 

 

 

 


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