18.11.2025 – Der 16-jährige Bennet Hagner ist Deutscher Meister im Chess960. Der IM sicherte sich den Titel in den Spielräumen des Berliner Olympiastadions und zeigte sich beeindruckt von diesem Spielort: „Ich finde diesen Spielort einfach nur sehr beeindruckend, gigantisch!“ Die Titel in der U25-Blitzmeisterschaft und im U25-Schnellschach sicherten sich Mahdi Gholami Orimi und M. Amin Tabatabaei, der sich auch den ersten Platz in der Chess960-Meisterschaft sicherte, aber als Iraner nicht den Titel des Deutschen Meisters erhielt. | Fotos: DSB/Finn Engesser, Matthias Wolf, Paul Meyer-Dunker
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Im beeindruckenden Kontrast zur üblichen Stadionlautstärke entstand im Olympiastadion eine ruhige, fast ehrfürchtige Turnieratmosphäre: Gespielt wurde in der hellen, großzügigen Olympia-Lounge mit direktem Zugang zur VIP-Tribüne und zu einer Terrasse, auf der während der Pausen ungezwungene Gespräche stattfanden. Die ungewöhnliche Location verlieh den Wettkämpfen eine ganz eigene Würde — Spieler und Zuschauer empfanden das Setting als würdiger und deutlich angenehmer als die früheren Schul- und Mensaumgebungen.
Was für ein Fotomotiv für ein Schachturnier! | Foto: Matthias Wolf
Pausen wurden genutzt, um aufs Spielfeld oder in kleine Gesprächsrunden zu gehen, und die Nähe zur großen Sportstätte verlieh dem Event zusätzlichen Glanz. Organisatorisch bot die Anlage beste Bedingungen: großzügige Räume, direkte Außenbereiche und ein offenes Ambiente, das den Austausch zwischen Teilnehmenden, Nachwuchsspielern und Funktionären erleichterte. Der passende Rahmen für ein Turnier, das in Sachen Preisgeld (32.000 Euro) und der Besetzungsdichte mit jungen Großmeistern seinesgleichen suche in Europa. „Das ist so stark besetzt, es gibt so viel Geld wie sonst nie im Jugendbereich“, sagte Daniel Dardha dem DSB-Team Öffentlichkeitsarbeit, „ich habe auch noch nie in einem so großen Fußballstadion gespielt – das ist wirklich eine spannende Erfahrung für mich.“
Sportlich fanden mehrere Turniere statt, die unterschiedliche Spielarten und Altersgruppen abdeckten: Ausgetragen wurden die Deutsche Meisterschaft im Schach960, das U25 Berlin-Open in verschiedenen Formaten sowie begleitende Rapid- und Blitzwettkämpfe. Das U25-Festival war hochdotiert und stark besetzt — ein Turnier mit bedeutendem Preisfonds und einer Besetzung, die viele junge Großmeister und internationale Talente anzog. Rapid- und Blitzturniere ergänzten das Programm und sorgten für dynamische, publikumsnahe Partien. Insgesamt zeigten sich Spieler und Organisatoren gleichermaßen begeistert: Die Kombination aus hochwertiger, ruhiger Spielatmosphäre und der besonderen Kulisse des Olympiastadions machte das Wochenende zu einem außergewöhnlichen Ereignis im Terminkalender.
Auch für die Nationalspielerin Lara Schulze kein normaler Spielort. | Foto: Matthias Wolf
Der Möglichmacher Rainer Radtke
Rainer Radtke war ein langjähriges, engagiertes Mitglied des ausrichtenden Vereins SV Königsjäger Süd-West e.V. und ein unermüdlicher Förderer des Nachwuchsschachs. Sein Herz hing an der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen: Er leitete jahrelang Trainingsgruppen, bot manchen Vereinsmitgliedern kostenloses Privattraining an und gab vor allem seine hervorragenden Endspielkenntnisse weiter. Trotz persönlicher Herausforderungen blieb er dem Schachsport verbunden. Nach seinem Tod im Jahr 2019 setzte ein großzügiges Vermächtnis seine Unterstützung fort. Aus diesem Erbe wird seit 2023 der Preispool des Berlin U25 Open finanziert, sodass das Turnier seither mit einem attraktiven Preisfonds ausgestattet ist und dauerhaft jungen Talenten eine hochwertige Bühne bietet.
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„Bennet Hagner war der beste Deutsche im Teilnehmerfeld und gewann komplett verdient“, lobte Turnierorganisator Paul Meyer-Dunker. Der Präsident des Berliner Schachverbandes hatte die Meisterschaft unter der Flagge des DSB ausgerichtet – und war auch mit den Kosten ins Risiko gegangen, um den Teilnehmern, die schon vor dem Jahr 2000 (das war die Altersgrenze fürs U25 Open) das Erlebnis zu ermöglichen. „Wir hätten uns mehr Teilnehmer als 40 gewünscht“, sagte er, „aber es war ein top besetztes Feld, starke Großmeister – und somit haben wir einer deutschen Meisterschaft würdige Sieger und Meister.“ GM Daniel Fridman musste leider krankheitsbedingt kurzfristig absagen.
Die Deutsche Meisterin und der Deutsche Meister bei der 2. Deutschen Schach960-Einzelmeisterschaft: Sibylle Heyme und Bennet Hagner. | Foto: Paul Meyer-Dunker
Die beiden Iraner GM Amin Tabatabaei und GM Mahdi Orimi Gholami gewannen vor dem Belgier GM Daniel Dardha – der aber gegen Hagner eine Niederlage einstecken musste. „Diese Partie der neunten Runde von Bennet war ein Highlight“, so Meyer-Dunker: „Ansonsten haben die Top drei gezeigt, warum sie die Favoriten waren.“ Hagner lächelte vielsagend, während sein Blick aufs Fußballfeld des Olympiastadions schweifte, wo gerade neuer Rasen verlegt wurde: „Ich mag den Modus und das Turnier.“
Platz 1 bis 3 bei der 2. Deutschen Schach960-Einzelmeisterschaft: Mahdi Gholami Orimi, Seyed Tabatabaei und Daniel Dardha. | Foto: Paul Meyer-Dunker
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Auch im Rapid Open siegte Tabatabaei und zwar vor dem Titelverteidiger GM Paulius Pultinevicius, Daniel Dardha und dem Dresdner GM Roven Vogel auf Rang vier, der die Vorrunde gewonnen hatte. Die DSB-Nationalspielerinnen FM Lara Schulze und WGM Fiona Sieber landeten auf Rang 34 und 35.
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Stefan LiebigStefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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