Dritter Rückzug aus der Bundesliga

von André Schulz
19.10.2021 – Laut Pressemeldungen wird sich die SG Speyer-Schwegenheim aus der 1. Bundesliga zurückziehen. Nach Lingen und Hockenheim ist dies der dritte Rückzug aus der 1. Bundesliga nach der Saison 2019-21. Am Sonntag endete die Saison nach langer Pause mit dem 14. Titelgewinn der OSG Baden-Baden.

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Als dritte Mannschaft nach dem SV Lingen und der SV Hockenheim hat die SG Speyer-Schwegenheim am Montag ihren Rückzug aus der Bundesliga bekannt gegeben.

Der 1. Vorsitzende des Vereins Wilhelm Kannegießer gibt zwei Gründe für den Rückzug an. Zum einen ist die Mannschaft als 13te sportlich eigentlich abgestiegen und verbleibt nur deshalb in der Bundesliga, weil aus der Zweiten Bundesliga Süd kein Verein von seinem Aufstiegsrecht Gebrauch macht.

Zum anderen bereitet die Bundesliga e.V. für die Vereine der Bundesliga einen Anforderungskatalog vor. Die Vereine sollen Leistungen zur Förderung des Schachs erbringen, der mit einem Punktekatalog bewertet werden soll. Leistungen in der Jugendarbeit, Initiativen im Schulschach, Jugendturniere, aber auch der Einsatz deutscher oder europäischer Spieler soll dabei positiv bewertet werden. Der Katalog wird derzeit noch bearbeitet und kommt frühestens in der Saison 2023/24 zum Einsatz.

Wilhelm Kannegießer und die Schachfreunde SG Speyer-Schwegenheim sehen den Verein mit dem geplanten Anforderungskatalog für Vereine mit Bundesligamannschaften überfordert.

Natürlich spielen laut Wilhelm Kannegießer auch finanzielle Gründe im Hintergrund eine Rolle. In der Zweiten Bundesliga gibt es bei zehn Mannschaften nur neun Wettkämpfe. In der Ersten Bundesliga müssen für die Profis Antrittshonorare für 15 Wettkämpfe bezahlt werden.

Finanzielle Gründe spielten bei den Rückzügen von Lingen und Hockenheim die entscheidende Rolle. Lingen startete als Aufsteiger sensationell gut, doch dann ging schon das Geld für die Profis aus. Auch beim SV Hockenheim blieb man auf der Suche nach einem Hauptsponsor ohne Erfolg, trotz des prominenten Aushängeschildes, den der Verein mit Anatoly Karpov hat. Hockenheim zieht seine Mannschaft sogar bis in die Oberliga zurück.

 

Endstand Bundesliga 2019-21

  Mannschaft 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Sp MP BP BW
1. OSG Baden-Baden  +  5 6 6 6   14 26 77 346½
2. Schachfreunde Deizisau  +  5 6 4 7 7   14 23 74½ 303
3. SV Hockenheim 3  +  5 6 6 6 14 22 71½ 300
4. SG Solingen  +  4 7 6 5 14 19 67 309
5. SC Viernheim 3  +  6 3 4 5 4   14 16 59 271
6. SK Doppelbauer Turm Kiel 2 2  +  4 5 5 4 4 5 7   14 15 57½ 258½
7. SF Berlin 2 4  +  4 4 5 5 3 5   14 15 57 245½
8. FC Bayern München 4 5 3 4  +  5 4 5   14 15 51½ 237½
9. SV Werder Bremen 4 3  +  4 5 4 4   14 14 57 251½
10. Hamburger SK 4 3 1 4 3 4  +  4 5   14 14 55 248½
11. SV Mülheim Nord 3 4 3 3 4  +  5 5 4 14 9 50 233
12. BCA Augsburg 2 2 4 3 4 3 3  +  6   14 8 50 217
13. SG Speyer-Schwegenheim ½ 1 ½ 2 3 5 4 3  +  6 14 7 43½ 214
14. USV TU Dresden 2 2 3 4 4  +  6   14 6 45 226
15. Aachener SV ½ 1 2 3 4 1 ½ 3 ½ 2 2 2  +    14 1 24½ 119
16. SV Lingen                        +         

 

Webseite der SG Speyer-Schwegenheim...

Meldung bei Rheinpfalz...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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schachkwak schachkwak 19.10.2021 08:30
Niemand ist gezwungen, sein Budget so aufzublasen. Ich sehe eher als Problem, dass zu wenig Gelder generiert werden und die Liga selbst auch nichts verteilen kann.

Im Fußball gibt es Financial Fairplay. Dort wird nicht gedeckelt, sondern es ist nur verboten, sich auf Pump zu finanzieren. Prinzipeill finde ich es auch nicht schlimm, wenn ein Verein sauber zurückzieht und der Meinung ist, dass es mit der ersten Liga nicht klappt. Das ist deutlich besser, als wenn jemand pleite geht.

Was man machen könnte: Dass man verlangt, dass zumindest bei den Topklubs (Budget deutlich größer als Median) das Mäzen-Sponsoring Auflagen bekommt. Und zwar muss ein Sponsoring-Konzept her. Es muss dann auch für etwas geworben werden.

Aber wie - das bleibt dem Verein überlassen. Zum Beispiel wurde der FC Carl Zeiss Jena mal von einer Heavy-Metal-Band gesponsert (Haupt-Trikotsponsor!). Die Band hieß Heaven Shall Burn. Aber was haben die gemacht? Die haben für Projekte geworben, die denen am Herzen lagen. Das war einerseits die Wacken Foundation - eine Organisation zur Förderung von Heavy-Metal-Nachwuchs-Bands und andererseits Sea Shepherd (https://de.wikipedia.org/wiki/Sea_Shepherd_Conservation_Society).

Das würde bedeuten, die Topvereine müssen sich ein Konzept überlegen, wie sie dem Sponsor eine Gegenleistung bieten können. Langfristig müsste das für Aufmerksamkeit sorgen und dem Schach allgemein guttun und eventuell auch zu mehr Sponsoring führen.
Walter Rädler Walter Rädler 19.10.2021 08:24
Zwei Zentrale Runden mit 8 und 7 Runden fände ich auch interessant, das müsste viele Kosten senken. Ich finde es gut, dass die Bundesligavereine sich aktiv für das Schach einsetzen sollen.
DoktorM DoktorM 19.10.2021 04:14
Offensichtlich sind 16 Mannschaften zu viele für die Bundesliga. Was spricht gegen eine Reduzierung auf 12 Mannschaften? Wobei das das grundsätzliche Problem der ungleich verteilten Sponsorengelder auch nicht löst.
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