Dubov gewinnt Lindores Abbey Rapid Challenge

von André Schulz
04.06.2020 – Das Finale der Lindores Abbey Rapid Chess Challenge ging in den dritten Satz und hier musste nach einem 2:2 die Armageddonpartie entscheiden. Mit den schwarzen Steinen und einer Minute weniger auf der Uhr geriet Nakamura schon in der Eröffnung auf die Verliererstraße. Dubov gewann das Turnier und 45.000 Euro.

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Hikaru Nakamura und Daniil Dubov bestritten das Finale der Lindores Abbey Rapid Challenge. Gespielt wurde das Turnier in einem interessanten, für das Schach neuen Modus. Ein Match bestand aus mehreren Sätzen von je vier Rapidpartien. Bei Gleichstand folgte eine Armageddonpartie. Wer zwei Sätze gewann, zog in die nächste Runde ein. Maximal wurden also höchstens drei Sätze pro Runde ausgetragen. Der Modus erinnert an das Tennis, wo nach einem ähnlichen System gespielt wird.

Hikaru Nakamura gewann den ersten Satz, doch Dubov gleich mit dem Gewinn des zweiten Satzes aus. Die Entscheidung musste also im dritten Satz fallen.

Nach einer eher mageren ersten Partie, in der Dubov die weißen Steine führte und die bald im Remis versandete, ging Dubov in der zweiten Partie in Führung. In der Beschleunigten Drachenvariante verzichtet Nakamura auf den Maroczy-Aufbau (mit c4), wich mit 9.Sxc6 von den üblichen Wegen ab und kam schließlich zu einer langen Rochade. Entschieden wurde die Partie aber im Endspiel - zugunsten von Schwarz.
 

 

27... f3 [Schwarz zersplittert die weißen Bauern am Königsflügel. Später entscheidet der freie h-Bauer die Partie.] 28.gxf3 Lxh3 29.Txa5 Td8 30.a4 bxa3 31.bxa3 e6 32.Ka2 h5 33.Ta4 Lxe5 34.Te4 Lf6 [Das Läuferpaar ist sehr stark.] 35.Te1 [35.a4 Td1] 35...h4 36.Tg1+ Kf8 37.Sc4 Lf5 38.Th1 [38.Se3 Lg6 39.a4 Ld4] 38...Td4 39.Se3 Lg6 40.a4 Lh5 41.a5

 

41... Lxf3 42.Tf1 Tf4 43.a6 Ld4 44.Te1 Te4 0–1

Dubov legte also vor. Nakamura musste sich eine Antwort überlegen und die kam auch. 

In der dritten Partie beantwortete Nakamura Dubovs Englische Eröffnung mit einem ehrgeizigen System mit frühem f5 und es entwickelte sich ein interessantes Mittelspiel.

36.Sf4 [Deckt den d5, aber nun läuft der a-Bauer. 36.Sc1!?, um den freien a-Bauern besser zu bewachen, war zäher] 36...a4 37.bxa4 bxa4 38.Sd3 a3 39.Sb4 Sxd5 40.Sa2 Kf8 41.La4 Se4 42.Lb3 Sdc3 43.Sb4

 

43... Sd2 [Auf engem Raum sind die Springer besser als ein Läufer.] 44.Le6 d5 45.Sc2 Sc4 46.e4 a2 47.exd5 Ld6 48.Kf3 Ke7 49.Lf5 Sb5

 

50.Ld3 [Oder 50.Sa1 Sd4+ 51.Ke4 Sxf5 52.Kxf5 Lb4 und gewinnt.] 50...Sd4+ 51.Sxd4 a1D 52.Sf5+ Kf6 53.Lxc4 Lxg3 0–1

Ausgleich. Die vierte Partie sah die gleiche Drachenvariante wie die zweite Partie. Nakamura holt dort nichts heraus, hielt aber remis. So musste eine Armageddonpartie darüber entscheiden, wer von den beiden Finalisten den ersten Preis in Höhe von 45.000 Euro erhalten würde. War dies die teuerste Armageddonpartie in der Geschichte des Schachs? Könnte sein. Dubov hatte Weiß und musste mit einer Minute mehr auf der Uhr gewinnen.

Die Armaggedon-Partie wurde dann schon in der Eröffnung entschieden, nachdem Nakamura zu leichtsinnig agiert hatte.

1.e4 e5 2.Sc3 Sc6 3.g3 Lc5 4.Lg2 Sf6 5.Sge2 d6 6.d3 a6 7.0–0 Le6 8.h3 h6 9.Kh2! [Zur Vorbereitung von f4.] 9...d5? [9...0–0 war OK] 10.exd5 Sxd5

 

11.f4 exf4 12.Lxd5

[Im Nu hat Schwarz einen Sack voller unlösbarer Probleme.]

 

12... Lxd5 [12...fxg3+ 13.Sxg3 Lxd5 14.Dh5 Se7 15.Sxd5 Dxd5 16.Dxd5 Sxd5 17.Tf5 0–0–0 18.c4 mit Figurengewinn.] 13.Sxf4 Se7 [13...Le6 14.Sxe6 fxe6 15.Dh5+]

 

14.Dh5 [Mit Figurengewinn.]14...c6 15.Scxd5 cxd5 16.Se6 [Den Trick gibt es auch noch.] 16...Dd6 17.Sxg7+ Kd7 18.Txf7 Taf8 19.Lf4 Txf7 20.Lxd6 Tf2+ 21.Kh1 Lxd6

 

22.Te1 [Nach 22.Dg4+ Kc7 (22...Kc6 23.Da4+ Kb6 24.Dd7 Sc8 25.Sf5 Lc7 26.Dg7 Td8 27.Dd4+) 23.Se6+ Kb8 24.Dd4 war sofort Game over.] 22...Thf8 [Schwarz hat Turm und Leichfigur für die Dame, steht aber auf verlorenem Posten. Nakamura kämpften noch weiter, war aber ohne Chance.] 23.Dg4+ Kc6 24.Se6 T8f6 25.Sd4+ Kb6 26.Te2 Tf1+ 27.Kg2 Sc6 28.Sxc6 bxc6 29.c3 T1f5 30.b4 Kb7 31.Dg7+ Tf7 32.Dxh6 Lc7 33.De3 Lb6 34.d4 Lc7 35.h4 a5 36.a3 a4 37.Dd3 Tf1 38.b5 T1f6 39.bxc6+ Kxc6 40.Da6+ Lb6 41.Dxa4+ Kb7 42.De8 Tf8 43.Te7+ Lc7 44.Db5+ Tb6 45.Txc7+

Magnus Carslen triumphierte diesmal nicht, aber sein früherer Trainingspartner Daniil Dubov. Der qualifizierte sich zum Einen für das Finale und wird, wie die anderen Halbfinalisten zum nächsten Turnier der Carlsen-Tour eingeladen. Das beginnt am 20. Juni.

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.