Trotz all der guten Stimmung in festlicher Atmosphäre ist der Spendenerlös mit einem neuen Rekordergebnis deutlich über 40.000 Euro natürlich weit mehr als nur eine Randnotiz. Schließlich findet der Charity Event mit dem erklärten Ziel statt, Unterstützung für die Schachprojekte der Münchener Schachstiftung an Münchner Brennpunktschulen einzuwerben. Und dazu ließen sich die Besucherinnen und Besucher nicht zweimal bitten.
Hoteldirektor Holger Schroth (l.) sorgte mit seinem Team für einen angemessen Rahmen der Charity-Gala, hier ist er mit Stefan Kindermann (M.) und Roman Krulich zu sehen. | Foto: Kai Schmidt
Bei der von einer bestens gelaunten Veronika Exler (Foto rechts) pointiert moderierten Auktion gingen die Preise durch die Decke. Wer zu kurz kam, nahm es sportlich – und stieg beim nächsten Objekt wieder ein: Dann ging es eben nicht nach Budapest, sondern mit einem Hotel-Gutschein nach Berlin, Dresden oder St. Moritz. Wenn der Bieterwettbewerb einmal ins Stocken zu geraten drohte, drehte Stiftungsvorständin Dijana Dengler gekonnt an den Stellschrauben. Und das Jazz-Trio um Pianist Michael Emanuel Bauer (Foto unten) steigerte das Tempo sukzessive, bis schließlich der Hammer fiel.
Volle Konzentration beim Konzentrationsspiel. | Fotos: Kai Schmidt
Der „Kunst der Konzentration“, dem Leitmotiv des Abends, begegneten die Gäste immer wieder im abwechslungsreichen Programm – zwischen Cremesüppchen, Trüffel-Sellerie-Risotto, Filetspitzen und Tarte vom grünen Tee. Dabei wurde ihnen durchaus einiges abverlangt.
Zauberkünstlerin Orelie in Aktion. | Foto: Kai Schmidt
Zauberkünstlerin Orélie nahm die eine und den anderen bereits eingangs in der Bar-Lounge in Empfang und jonglierte mit Worten wie mit Zahlen. Später auf der Bühne sprengte sie nicht nur das Fassungsvermögen eines Holzpuzzles, sondern auch die Auffassungsgabe ihrer Betrachter – und verband ihre Magie virtuos mit den Intentionen der Schachstiftung: denen zu helfen, die es am dringendsten nötig haben.
Was Konzentrationsfähigkeit in der faszinierenden Welt der 64 Quadrate bedeutet, demonstrierte Stiftungsvorstand und Großmeister Stefan Kindermann eindrucksvoll bei einer Partie Blindschach.
GM Stefan Kindermann beim Blindschach. | Foto: Kai Schmidt
Stark im Team gegen Stefan Kindermann: Jörg Hoffmann und Roman Krulich erreichten ein Remis gegen den blindspielenden Großmeister. | Fotos: Kai Schmidt
Herausforderer Prof. Jörg Hoffmann versicherte sich der Unterstützung des erfahrenen Schacholympioniken Roman Krulich – doch selbst mit verbundenen Augen parierte Kindermann die Angriffe des Duos souverän. Die Partie endete versöhnlich remis. Nicht zuletzt dank eines fachkundigen Publikums, das eingeladen war, den Großmeister mit Interventionen und Zugvorschlägen zu unterstützen.
Überhaupt setzte der Charity Event bewusst auf Interaktion und Zuschauerbeteiligung. Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit wurden immer wieder getestet – meist mit erstaunlich guten Ergebnissen. Man musste auf der Hut sein, nicht nur bei Orélies Tischzaubereien. Mal galt es, eine Figurenkonstellation auf dem Schachbrett zu memorieren, dann wiederum stellte das filmische „Gorilla-Experiment“ die Wahrnehmung der Gäste auf die Probe.
Starfotograf Stev Bonhage steuerte eine bemerkenswerte Ausstellung seiner wichtigsten Schachmotive bei. Wohl kaum jemand hat sich in den vergangenen Jahren so intensiv mit der Ästhetik des königlichen Spiels auseinandergesetzt wie der schwedische Bildkünstler. Und es waren nicht nur die Porträts von Magnus Carlsen und anderen Protagonisten des Spitzenschachs, die das Publikum beeindruckten.
Bonhage zeigt Schach, wie es bislang selten zu sehen war – nun auch in seinem Bildband zum 20-jährigen Bestehen der Münchener Schachakademie: Geschichte einer Vision. „Es ist unglaublich, was hier geleistet wurde, um benachteiligten Menschen den Zugang zum Schach zu ermöglichen“, lobte der Fotograf, der in den vergangenen Monaten mit seiner Kamera bei vielen Initiativen der Schachstiftung anzutreffen war: in Schulen, Seniorentreffs, beim Turnier der Pfennigparade ebenso wie bei den Deutschen Schachmeisterschaften. Zur Versteigerung steuerte er drei seiner Werke bei – darunter ein Porträt von Magnus Carlsen (siehe Titelfoto dieses Beitrags), signiert vom Weltmeister selbst. Ein überaus begehrtes Objekt.
In Vertretung des Oberbürgermeisters überbrachte CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl die besten Grüße der Stadtspitze. Er würdigte die unermüdliche Schaffenskraft und den Idealismus der Schachstiftung: „Sie setzen sich mit großem Erfolg für Ihr Ziel ein, jedem Kind in dieser Stadt die Möglichkeit zu geben, Schach zu lernen und zu spielen – ganz gleich, wo und in welchen Verhältnissen es lebt.“ Stadtrat Pretzl erinnerte daran, dass sich beim Schach ein Bauer in eine Dame verwandeln könne. Eine solche Erfahrung, so seine Botschaft, könne entscheidend für den Lebensweg eines Menschen sein.
OB Kandidat Prof Jörg Hoffmann (l.) und CSU Fraktionsvorsitzender Manuel Pretzl. | Fotos: Kai Schmidt
Die Charity-Veranstaltung brachte die Münchener Schach-Community mit ihren wichtigsten Förderern zusammen – und setzte ein kraftvolles Zeichen für Bildungsgerechtigkeit und gesellschaftliches Engagement. Das Ergebnis war einmal mehr beeindruckend. Wir freuen uns auf das nächste Mal und sagen: