Ein ganz besonderer Najdorf

von ChessBase
10.05.2022 – Wenn Weiß die Sizilianische Najdorf-Variante 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 sehr direkt angehen möchte, ist 6.Lg5 ein beliebtes Mittel. Nach 6...e6 7.f4 führt das seltene 7...b5 – die Polugaevsky-Variante – zu scharfen und schwierigen Abspielen. Petra Papp bringt die Theorie dieser Variante in ihrem Artikel für das ChessBase Magazin #207 auf den neuesten Stand und erläutert dabei typische Ziele und Motive für beide Seiten.

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Weltklassespieler erklären die Ideen hinter ihren Zügen. Eröffnungsspezialisten präsentieren aktuelle Trends und spannende Ideen für Ihr Repertoire. Meistertrainer in Sachen Taktik, Strategie und Endspiel zeigen Ihnen genau die Tricks und Techniken, die man als erfolgreicher Turnierspieler braucht!

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Die Polugaevsky-Variante

Petra Papp aktualisiert einen ganz besonderen Najdorf

Die Polugaevsky-Variante im Najdorf entsteht nach 1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lg5 e6 7.f4 b5, wogegen ich die Hauptvariante 8.e5! für Weiß empfehle.

7...b5 erlebte seine Premiere im Spitzenschach anno 1957. Zwei Jahre später begann Lev Polugaevsky, der bedeutende sowjetische Großmeister, der von den frühen 1960ern an bis in die späten 1980er einer der stärksten Spieler der Welt war, dieser Variante Leben einzuhauchen. Er wandte sie erfolgreich in der eigenen Praxis an und entdeckte viele interessante Ideen (siehe Novopashin,A - Polugaevsky,L ½-½). Nach seinen Partien wurde 7...b5 als Polugaevsky-Variante bekannt.

Heutzutage ist die Polugaevsky-Variante auf Topebene nicht mehr in Mode. Vassily Ivanchuk wandte sie vor einigen Jahren gelegentlich an, später auch Jeffery Xiong, allerdings vor allem in Blitzpartien, während Gergely Aczel, ein starker ungarischer GM, 7...b5 erst kürzlich aufgegriffen hat. Dank der superstarken Engines ist das Abspiel praktisch widerlegt, daher wird Weiß, sofern er sich in der Theorie auskennt, großen Vorteil erlangen. Aber das Ganze bleibt gefährlich, da Weiß die genauen Züge kennen muss.

Aus dem Diagramm heraus folgt 8...dxe5 9.fxe5 Dc7. Eine zentrale Idee dieser Variante. Die schwarze Dame zieht aus der Fesselung und stellt eine taktische Drohung auf, um nach dem Schlagen die Figur zurückzugewinnen: 10.exf6 De5+ 11.Le2! Dxg5 12.0-0.

Bis zu diesem Punkt war alles ziemlich forciert. Weiß hat eine besser entwickelte Stellung, diesen Vorteil zu verwerten ist allerdings nicht leicht. Ich untersuche für Schwarz A) 12...De5?! und B) 12...Ta7.

A) 12...De5?!

Der zweitbeliebteste Zug, aber er ist bereits ein Fehler. Schwarz versucht, mit der Drohung Lc5 den Springer auf d4 unter Druck zu setzen. Doch in manchen Abspielen können Dame und König von Schwarz in der e-Linie in die Schusslinie geraten. 13.Kh1! Es ist nützlich, den König aus der geschwächten Diagonale g1-a7 zu entfernen. 13...Lc5 14.fxg7! Dxg7 und jetzt hat Weiß einen schönen Angriffszug: 15.Sf5!

(beabsichtigend 15...exf5 16.Dd5) mit großartiger Stellung, siehe Crosa Coll,M - Coelho,L 1-0.

B) 12...Ta7

Dieser wunderbare Zug ist die Schlüsselidee in der Polugaevsky-Variante. Schwarz bringt seinen Turm über die 7. Reihe ins Spiel, was für Verteidigung und schnelles Gegenspiel sorgt. Natürlich wurde dieser Zug von keinem Geringeren entdeckt als Lev Polugaevsky selbst. 13.Dd3! Die stärkste Erwiderung. Weiß muss die Felder e4 und e3 kontrollieren. Als Nächstes plant er Se4, um die schwarze Dame anzugehen. 13...Td7 14.Se4!.

14...De5. Dies ist der Hauptzug, Schwarz setzt beide Springer im Zentrum unter Druck. (Das seltene 14...Dg6?! entfernt die Dame weit vom Damenflügel. 15.Lf3! Weiß deckt den Springer auf e4, was seine Dame beweglich macht. 15...Lb7 und nun gewann Weiß nach dem Figurenopfer 16.Dc3!! Lxe4 17.Tae1!!

eine kreative Angriffspartie in Szczepankiewicz,D - Gesicki,J 1-0).

15.Sf3!.

Der Rückzug des Springers nach f3 gewinnt ein Tempo. Dies ist die kritische Stellung der gesamten Variante. Untersuchen werde ich die Damenzüge B1) 15...Dc7 und B2) 15...Dxb2.

B1) 15...Dc7 ist ziemlich solide, aber Weiß fällt es dennoch leicht, einen stabilen Vorteil nachzuweisen: 16.De3! Da7 17.Dxa7 Txa7 18.Sfg5!.

Auch nach dem Damentausch bleibt das Spiel von Weiß sehr aktiv. 18...g6 19.c4! Den Haken b5 zu nutzen, um den Damenflügel zu öffnen, ist eine häufige Idee, siehe Pasti,A - Aczel,G 1/2.

B2) 15...Dxb2. Schlägt einen Bauern, der oft als vergiftet gilt. Das sollte ebenfalls zu klarem Vorteil für Weiß führen, wobei dieser die energischen Angriffszüge bereits sehr gut kennen muss. 16.De3! Lb7 17.Tab1!.

Die Dame auf b2 steht ziemlich stark, daher ist es wichtig, sie abzulenken. Dies ist ein weiteres kritisches Abspiel der Polugaevsky-Variante, mit einer letzten Verzweigung:

B21) 17...Dxc2 18.Sfg5!!.

Ein sehr kraftvoller Mehrzweckzug. Der Springer deckt seinen Kollegen auf e4 und attackiert gleichzeitig den anfälligen schwarzen Königsflügel. Nun ist 18...Dc7 am natürlichsten, aber nach 19.Tbc1 De5 20.Lg4!!

 

hat Weiß jede Menge Spiel.

Und wenn Schwarz mit 18...g6? den Königsflügel blockiert, kann Weiß die Stellung aufstemmen, und zwar mit 19.Tbc1! Da4 und jetzt 20.Sxe6!!,

was gewinnt - all diese Abspiele werden geprüft innerhalb der Partie Negi,P - Hermansson,E 1-0.

B22) 17...Dxa2

Nach diesem Schlagen hat Weiß meines Erachtens zwei gleich gute Züge, die mehr als genug Kompensation für die geopferten Bauern bieten: 18.Sfg5 und 18.Kh1. Gründlich untersucht werden diese beiden Fortsetzungen in der Partie Abdumalik,Z - Kamalidenova,M 1-0.

Zusammenfassung: 6.Lg5 ist einer der schärfsten Züge gegen Najdorf. Die Polugaevsky-Variante 7...b5 ist objektiv für Schwarz nicht empfehlenswert, führt aber zu scharfen und schwierigen Abspielen, die zu einer Überraschung führen können. Der solideste Weg für Schwarz ist meines Erachtens 15...Dc7 nebst 16...Da7, um die Damen zu tauschen, wenngleich dies Weiß erlaubt, mit den Standardbauernhebeln c2-c4 oder a2-a4 den Damenflügel zu öffnen. Ein typischer Angriffszug für den Anziehenden ist Sfg5!. Wie Sie aus meinen Analysen in diesem Artikel herauslesen können, wird Weiß, wenn all diese genauen Züge und Ideen kennt, aus der Eröffnung heraus die viel bessere Stellung haben!

Den kompletten Artikel mit allen Partien und Analysen finden Sie im neuen ChessBase Magazin #207!

ChessBase Magazin #207

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Highlights von ChessBase Magazin #207

Die Startseite von ChessBase Magazin #207 begrüßt Sie mit den Highlights der Ausgabe!  Einfach anklicken, nachspielen oder Video anschauen und genießen!
FIDE Grand Prix 2022: Partieanalysen von Andrey Esipenko, Anish Giri, Vidit Gujrathi, Grigoriy Oparin, Alexandr Predke, Sam Shankland, Wesley So und Nikita Vitiugov. Dorian Rogozenco präsentiert zwei ausgewählte Partien der Sieger, Hikaru Nakamura und Richard Rapport, im Video. Oder steigen Sie direkt ins Training ein und spielen Sie die Partie Nakamura-Grischuk vom Grand Prix „Zug für Zug“ mit Martin Breutigam durch! Ein komplettes Repertoire gegen die Sizilianische Alapin-Variante? Markus Ragger stellt Ihnen in seinem halbstündigen Eröffnungsvideo seine Empfehlungen vor. Auf keinen Fall verpassen: Das „Special“ zu Bent Larsen mit 19 kommentierten Partien sowie Analysen + Video zum strategischen Können des großen Dänen!

Special: Meine Lieblingspartie von Bent Larsen

CBM Autoren analysieren ihre Lieblingspartie von Bent Larsen. Eine exklusive Sammlung von 19 kommentierten Partien aus dem Zeitraum von 1956 bis 1998 erwartet Sie!

Spitzenschach und Meisteranalysen

FIDE Grand Prix 2022: Der Grand Prix wurde als Serie von drei Turnieren vom 3. Februar bis zum 4. April ausgetragen, von denen das erste und dritte in Berlin, das zweite in Belgrad stattfand. Die Sieger der Einzelturniere: Hikaru Nakamura, Richard Rapport und Wesley So. Als Sieger der Gesamtwertung qualifizierten sich Nakamura und Rapport für das Kandidatenturnier 2022. In dieser Ausgabe kommentieren Andrey Esipenko, Anish Giri, Vidit Gujrathi, Grigoriy Oparin, Alexandr Predke, Sam Shankland und Nikita Vitiugov ihre besten Partien. Und Dorian Rogozenco zeigt zwei Partien von Nakamura und Rapport im Video.

Airthings Masters 2022: Anish Giri kommentiert seine Kurzsiege gegen Hans Niemann und Ding Liren

All in one

Alles, was Sie zu einem konkreten Abspiel wissen müssen, in einer ausführlich kommentierten Partie – das ist das Konzept von „All in one“. Igor Stohl untersucht den frühen Vorstoß des h-Bauern gegen das Indische Königsfianchetto: 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.h4!? Lg7 4.Sc3. Tanmay Srinath prüft das Londoner System gegen Königsindisch: 1.d4 Sf6 2.Lf4 g6 3.e3 Lg7 4.Sf3 0-0 5.Le2 d6 6.h3.

Eröffnungsvideos

Im Englischen Vierspringerspiel ist der Zug 4.e4 sehr populär. Rustam Kasimdzhanov untersucht die teilweise sehr scharfen Komplikationen nach 4...Lc5 und zeigt in seiner Analyse neue Ideen vor allem für Schwarz. Markus Ragger präsentiert mit der Nebenvariante 3...Sf6 ein komplettes Repertoire gegen die Alapin-Variante. Und Mihail Marin zeigt eine Eröffnungsidee von Bent Larsen in der Sizilianischen Drachenvariante, die auch heute noch gut spielbar ist!

Rustam Kasimdzhanov: Englisch
1.c4 Sf6 2.Sc3 e5 3.Sf3 Sc6 4.e4 Lc5
Markus Ragger: Sizilianisch Alapin-Variante
1.e4 c5 2.c3 d5 3.exd5 Sf6!?
Mihail Marin: Sizilianisch Drachenvariante
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 g6 6.Le3 Lg7 7.f3 Sc6 8.Dd2 0-0 9.Lc4 Da5 10.0-0-0 Sxd4 11.Lxd4 Le6

Neue Ideen für Ihr Repertoire

CBM #207 bietet mit 11 Eröffnungsartikeln viele neue Ideen und Konzepte für Ihre nächsten Partien:

Yago Santiago: Wolga-Gambit 3.d5 b5 4.cxb5 a6 5.e3
Spyridon Kapnisis: Modernes Benoni Fianchettovariante
Andrey Sumets: Caro-Kann Vorstoßvariante 3...Lf5 4.h4 Dc7
Martin Lorenzini: Sizilianisch Alapin-Variante 6.Sa3/8.Sb5
Petra Papp: Najdorf Polugaevsky-Variante 7.f4 b5 8.e5
Tanmay Srinath: Französisch Tarrasch-Variante 3...Le7 (II)
Krisztian Szabo: Philidor im Anzug 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.g3
Robert Ris: Spanisch mit 3...Lc5 (Teil II) 4.c3
Lars Schandorff: Slawisch 4...dxc4 5.e4 b5 6.Le2 e6 7.a4!?
Alexey Kuzmin: Anti-Grünfeld 1.d4 Sf6 2.Sf3 g6 3.Sbd2
Sergei Grigoriants: Grünfeld mit 4.g3 und 7.Sa3 c5!

Aktuelle Eröffnungsfallen

"Vermeintliche Sicherheit und neue Erkenntnisse" - Rainer Knaak nimmt 10 Fallen aus der aktuellen Turnierpraxis unter die Lupe drei davon stellt er zudem im Videoformat vor.

Zug für Zug

Martin Breutigam war vom präzisen Spiel Hikaru Nakamuras beim ersten Grand Prix in Berlin überrascht. Gegen Alexander Grischuk reichten dem US-Amerikaner ein paar kleine Ungenauigkeiten seines Gegners, um die Partie für sich zu entscheiden. „Bestens geeignet für ein interaktives Training!“

Move by Move

Testen Sie Ihr Schach Zug für Zug mit Robert Ris! Levon Aronians strategische Glanzpartie gegen Vincent Keymer vom FIDE Grand Prix steht auf dem Programm. Finden Sie die Züge des Supergroßmeisters?

„Bent Larsen – ein universeller Spieler“

Mihail Marin beleuchtet das strategische Können des bedeutendsten dänischen Großmeisters aller Zeiten. Inkl. ausführlicher Videoeinleitung (Spielzeit: 34 Minuten)

Der Klassiker

Als „eine seiner schönsten Blockadepartien“ bezeichnete Aaron Nimzowitsch seine Schwarzpartie gegen Paul Johner beim Jubiläumsturnier des Dresdener Schachvereins im Jahr 1926. Genießen Sie die Präsentation von Dorian Rogozenco!

Taktik: „Magnetfeld h7!“

Im Taktikbeitrag von Oliver Reeh mit 34 Partien dreht sich alles um die Anziehungskraft des Feldes h7 auf die angreifenden weißen Figuren. Inkl. interaktivem Videotraining!

Endspielfeinschliff – „Endspielhighlights von Bent Larsen“ u.v.m.

Karsten Müller liefert umfassendes Trainingsmaterial für höchste Ansprüche: die schönsten Endspiele von Bent Larsen sowie Highlights vom ersten Berliner Grand Prix 2022. Beiden Beiträgen stellt der Hamburger Endspielexperte eine ausführliche Videoeinleitung voran. Zudem liefert er in den „Leserbriefen“ weitere Analysen.