Eine absurde Schachpartie: Beckett zum 100. Geburtstag

14.04.2006 – Gestern, am 13. April, feierte nicht nur Garry Kasparov, sondern auch der irische Dramatiker und Nobelpreisträger Samuel Beckett Geburtstag. Für Beckett wäre es der 100. Geburtstag gewesen, und zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften erinnerten anlässlich dieses Jubiläums an den Autor von "Warten auf Godot". In der Zeit dieser Woche berichtet der Schauspieler Klaus Herm, mit dem Beckett 1975 am Berliner Schiller-Theater "Warten auf Godot" inszeniert hatte, dass sie in den Pausen gerne Schach spielten. Tatsächlich war Beckett leidenschaftlicher Schachspieler und auch in seinen Werken taucht Schach gelegentlich auf. "Fin de partie", "Endspiel", lautet der Titel eines seiner bekanntesten Stücke und für den Roman "Murphy" von 1938 komponierte Beckett sogar eine Schachpartie. Diese nach normalen schachlichen Massstäben absurde Partie, in der Schwarz gewinnt, obwohl er keine einzige Figur schlägt, keine seiner Figuren je über die sechste Reihe hinaus kommt und am Ende fast alle schwarzen Figuren wieder auf ihren Ausgangsfeldern stehen, illustriert das Beckettsche Motiv der Sinnlosigkeit menschlichen Strebens, die von Beckett verfassten Kommentare verraten seine Lust an der Parodie.Die Zeit...Mehr über Beckett...Zur Partie...

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Murphy - Mr. Endon
1.e4 Die Ursache aller folgenden Schwierigkeiten von Weiß. 1...Sh6 2.Sh3 Tg8 3.Tg1 Sc6 4.Sc3 Se5 5.Sd5 Offenbar nichts Besseres, so schlecht dies ist. 5...Th8 6.Th1 Sc6 7.Sc3 Sg8 8.Sb1 Sb8


Eine geistreiche und schöne Eröffnung, die gelegentlich der "Rohröffner" genannt wird. 9.Sg1 e6 10.g3 Fehleinschätzung. 10...Se7 11.Se2 Sg6 12.g4 Le7 13.Sg3 d6 14.Le2 Dd7 15.d3


15... Kd8 Nie gesehen im Café de la Régence, selten in Simpson's Divan. 16.Dd2 De8 17.Kd1 Sd7 18.Sc3 Das Notsignal. 18...Tb8 19.Tb1 Sb6 20.Sa4 Ld7 21.b3 Tg8 22.Tg1 Kc8 Vorzüglich gespielt. 23.Lb2 Df8 24.Kc1 Le8 25.Lc3 Es fällt schwer, sich eine bedauernswertere Lage vorzustellen als die, in die der arme Weiße jetzt geraten ist. 25...Sh8 26.b4 Ld8 27.Dh6 Der Scharfsinn der Verzweiflung. 27...Sa8 Schwarz hat nun unwiderstehliches Spiel. 28.Df6 Sg6 29.Le5 Le7 30.Sc5 Hohes Lob gebührt Weiß für die Beharrlichkeit, mit der er sich bemüht, eine Figur zu verlieren. 30...Kd8 In diesem Moment drehte Mr. Endon ohne auch nur "j'adoube" zu sagen, König und Damenturm um, und in dieser Stellung verharrten sie während der ganzen restlichen Partie. 31.Sh1 Ein längst fälliger "coup de repos". 31...Ld7


32.Kb2!! Th8 33.Kb3 Lc8 34.Ka4 De8+ Da Mr. Endon weder "Schach!" rief noch das geringste Lebenszeichen gab, dass er den König seines Gegners - oder besser - Gegenübers angegriffen hatte, brauchte Murphy sich laut Regel Nr. 18 nicht darum zu kümmern. Aber das das hätte bedeutet, zuzugeben, dass der Tusch nebensächlich war. 35.Ka5 Sb6 36.Lf4 Sd7 37.Dc3 Ta8


38.Sa6 Keine Worte können die Seelenqualen ausdrücken, die Weiß zu diesem erbärmlichen Angriff trieben. 38...Lf8 39.Kb5 Ke7 Das Ende dieses Solitärs wird von Mr. Endon sehr schön gespielt. 40.Ka5


Dd8 Weitere Versuche wären ärgerlich und frivol, Murphy, mit Narrenmatt in seiner Seele, zieht sich zurück. 0-1


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