Eine Seuche: Computercheating sogar beim Charity-Simultan

von André Schulz
16.06.2021 – Das Computer-Cheating im Online-Schach ist eine echte Seuche. Jetzt hat ein indischer Milliardär sogar beim Online-Charity-Simultan "Checkmate Covid" zugunsten der COVID-19-Hilfe des indischen Roten Kreuzes mit Vishy Anand gecheatet, ebenso wie zwei Bollywood-Prominente.

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Schach kann man am Brett oder auch sehr gut online spielen - könnte man auch sehr gut auch online spielen, muss es wohl fast richtig heißen. Wenn es nicht das Computer-Cheating gäbe...

Die Einschränkungen, die die Corona-Pandemie mit sich brachte, hat das Online-Schach ordentlich popularisiert. Die FIDE, der deutsche Schachbund, viele andere Verbände und die verschiedenen Online-Plattformen haben nach Beginn der Lockdowns zahlreiche Events organisiert. Aber immer, wenn es um irgendeinen Einsatz ging, einen Titel oder ein kleines Preisgeld, gab es Spieler, die meinten, sie müssten betrügen und ihre Partien mit der Hilfe von Computern spielen, um ihre sonst nicht ausreichenden Schachfähigkeiten aufzuhübschen. Selbst, wenn es um nichts geht oder nur um ein paar Elopunkte, passiert das.

Bei einigen Turnieren wird von den Plattformen inzwischen Videoüberwachung eingesetzt, aber selbst das reicht nicht aus, um dem Problem vollständig Herr zu werden.

Das Computer-Cheating ist das Doping im Schach. Und ebenso schwer nachzuweisen. Bei den athletischen Sportarten spritzen sich die schwarzen Schafe Drogen und Medikamente, die ihre Leistungen kurzfristig verbessern. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis in diesen Sportarten ein Bewusstsein dafür entstand, dass Doping unethisch und für den Sportler zudem medizinisch bedenklich ist. Inzwischen gibt es weltweit operierende Organisationen, die mit Hilfe von Medizinern und Wissenschaftlern die Sportler überwachen, ihnen regelmäßig Blut oder Urin abnehmen, um dies auf unerlaubte Mittel zu untersuchen. Gedopt wird trotzdem.

Auch im Schach ist der Nachweis des Computer-Cheatings nicht trivial, denn er kann meist nur indirekt geführt werden. Der Spieler, der zuhause an seinem Rechner sitzt, kann ja nicht oder nicht vollständig beobachtet werden. Es gibt eine Reihe von Indikatoren, die Cheater enttarnen. Doch wer seinen Betrug geschickt genug verdeckt, kommt vielleicht auch unentdeckt durch.

Gecheatet wurde und wird aber nicht nur beim Online-Schach. Es gab zahlreiche Fälle von Spielern, die dabei erwischt wurden, wie sie auch bei realen Turnieren versteckt unerlaubte Hilfsmittel benutzten. Man muss aber leider vermuten, dass auch hier mancher Cheater unentdeckt blieb.

Beim Online-Schach ist das Cheating inzwischen fast schon eine Seuche. Man muss ständig damit rechnen, dass man gegen einen Computer spielt. Sicher nicht damit gerechnet hat Vishy Anand, der sich auf der Plattform chess.com mit einigen anderen prominenten indischen Spielern für ein Charity-Simultan zur Verfügung stellte. Unter dem Titel "Checkmate Covid" sollte Geld für die COVID-Hilfe für das indische Rote Kreuz gesammelt werden. Zuschauer konnten Geld spenden und Chess.com wollte den erzielten Betrag verdoppeln.

Am 13. Juni spielte Anand gegen fünf indische Prominente simultan - online. Der Event wurde live gestreamt und sogar kommentiert.

Anand spielte unter anderem gegen den indischen Entertainer Sudeep, den Filmproduzenten Nadiadwala und Nikhil Kamath, Chief Information Officer und Mitbegründer des Finanzdientleisters Zerodha und bekannt als "jüngster Milliardär Indiens". Die Qualität der Partien dieser drei Spieler waren erstaunlich gut und sie leisteten gegen den mehrfachen Weltmeister großen Widerstand. Während Nadiadwala und Sudeep schließlich in ihren "Fähigkeiten" nachließen und im Endspiel verloren, überspielte Nikhil Kamath den früheren Weltmeister sogar. Anand hätte die Partie zum Schluss mit mehr Zeit auf der Uhr noch durch Zeitüberschreitung des Gegners gewinnen können, gab aber auf.

My Career Vol. 1

Vishy Anand gilt als eines der größten Schachtalente aller Zeiten. Er ist der 15. Weltmeister der Schachgeschichte und war auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn auch im Schnell- und Blitzschach kaum zu besiegen. Auf dieser DVD spricht er über seine Laufbahn und präsentiert und analysiert die besten Partien seiner Schachkarriere bis zum Gewinn des Weltmeistertitels 2007 (in englischer Sprache).

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My Career Vol. 2

Vishy Anand gilt als eines der größten Schachtalente aller Zeiten. Er ist der 15. Weltmeister der Schachgeschichte und war auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn auch im Schnell- und Blitzschach kaum zu besiegen. Auf dieser DVD spricht er über seine Laufbahn und präsentiert und analysiert die besten Partien seiner Schachkarriere nach dem Gewinn der Schachweltmeisterschaft 2007.

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Der Live-Stream des Events

Natürlich war Anand klar, dass die zwei Bollywood-Epigonen und der Milliardär aus der Finanzbranche die Partien nicht ohne Hilfe gespielt hatten. Der Schachweltmeister machte gute Miene zum bösen Spiel, konnte aber seine Missbilligung nicht ganz verhehlen.

 


Nikhil Kamath entschuldigte sich schließlich für sein respektloses Verhalten.

 


Die Partie

 

 

Artikel bei ChessBase India...

Artikel beim Spiegel...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Galamiel Galamiel 18.06.2021 12:49
Sehr geehrter Herr Ewers,
falls das Ihre "ehrliche "Meinung ist möchte ich, als ehrlicher"Klötzchenschieber" Ihnen meine Verachtung ausdrücken.
Ein Betrüger ist ein Betrüger, sonst nichts!
knight100 knight100 17.06.2021 01:16
Herr Evers, falls das Ihr Klarname ist, Sie bewundern also diese Aktion(en) von Nikhil Kamath und Konsorten. Damit können wir Sie ausreichend einordnen.
kumagoro kumagoro 17.06.2021 12:48
Der Kommentar von Vishy lässt keine Frage offen.
In einem bestimmten asiatischen Land müsste Nikhil-Kamath nun rituellen Selbstmord begehen.
Juergen Evers Juergen Evers 17.06.2021 11:06
Was soll diese Aufregung?

Ich denke, dass sich Nikhil-Kamath als Schwarzer mit 1.Sf3 e5? lediglich einen Spaß erlaubt hat.

Und die anschließende Zertrümmerung eines ex-WM hat doch einen gewissen Charme und ist m.E. gut dazu geeignet, den „Klötzchenschiebern“ zu demonstrieren, was ihre Profession heutzutage noch wert ist.

In deren Weltspitze dürften sich (wenn überhaupt) nur Millionäre und Multimillionäre befinden, aber im Vergleich zu den wirklich bedeutenden Männern, den Milliadären und Multimilliadären, sind das doch nur unbedeutende „arme Schlucker“.
knight100 knight100 16.06.2021 09:04
"Nikhil Kamath, Chief Information Officer und Mitbegründer des Finanzdientleisters Zerodha und bekannt als 'jüngster Milliardär Indiens'", "Gründer einer Internet-Maklerfirma"- So ein unmoralischer Typ betrügt tagtäglich - es sollte keinen wundern. Leider gibt es viel zu viele davon.
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