Elisabeth Pähtz erklärt Rücktritt aus Nationalmannschaft

von ChessBase
29.05.2019 – Elisabeth Pähtz hat ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. In einer Presseerklärung beklagt sie die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen im deutschen Schach und im Schachbund. Neben anderen Medaillen gewann sie zuletzt Bronze bei der Europameisterschaft der Frauen. | Foto: Lars OA Hedlund

ChessBase 15 - Megapaket ChessBase 15 - Megapaket

Kombinieren Sie richtig! ChessBase 15 Programm + neue Mega Database 2019 mit 7,4 Mio. Partien und über 70.000 Meisteranalysen. Dazu ChessBase Magazin (DVD + Heft) und CB Premium Mitgliedschaft für ein Jahr!

Mehr...

Pressemitteilung von Elisabeth Pähtz:

Hiermit trete ich mit sofortiger Wirkung aus der Nationalmannschaft zurück. Mehr als 20 Jahre habe ich den Deutschen Schachbund (DSB) erfolgreich bei internationalen Wettkämpfen und Einzelturnieren vertreten.  Seit 2012 gewann ich sieben Einzel- und zwei Teamgoldmedaillen für mein Land - leider ohne den Eindruck, dass sich damit im Verband etwas an der Grundeinstellung gegenüber dem Frauenschach ändern würde. Erstklassige Turniere wie für die Männer in Baden-Baden oder Dortmund hat es für Frauen nie gegeben und wird es wohl auch künftig nicht geben.

Mein letzter Versuch im vergangenen Jahr, meinen Standpunkt und meine Unzufriedenheit über die Ungleichbehandlung der Frauen dem Präsidium des DSB zu erläutern, scheiterte. 

In Deutschland geht es im Schach allein um Elo-Zahlen. Medaillen spielen dabei offenbar keine Rolle. Durch Jana Schneider, Fiona Sieber, Annmarie Mütsch und mich wurden in den letzten Jahren für Deutschland die meisten Medaillen im Schach geholt. Wenn der DSB jedoch immer wieder allein die absolute Weltrangliste als Maßstab anlegt, bleiben solche Erfolge nicht nur ungewürdigt, sondern vor allem auch ohne Ausstrahlung auf die Entwicklung von Talenten und das Ansehen des Schachs im Konzert der anderen Sportarten.

Ich möchte mich für die Zusammenarbeit bedanken und wünsche dem Deutschen Schachbund viel Erfolg für die Zukunft.

 

Meldung in der Thüringer Allgemeinen...




Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren

Thomas Pähtz Thomas Pähtz 30.05.2019 07:09
Hallo Falk: hier die Webseite:
https://frauenschachfestival.steffans-schachseiten.de/
Spike_and_Butch Spike_and_Butch 30.05.2019 07:04
Frauen wollen Gleichberechtigung, sie wollen im Beruf gleich behandelt werden, sie wollen das gleiche Geld wie Männer verdienen.
Da stelle ich mir die Frage, wozu es Frauenschach überhaupt gibt?
Ich kapier es einfach nicht.
FramiS FramiS 30.05.2019 11:30
Die ganze Argumentation von Frau Pähtz und mancher Kommentare ist sehr fragwürdig.

Im Schach gibt es keine Männermannschaften oder Männerturniere, sondern nur offene Mannschaften bzw. Turniere, die auch allen Frauen offenstehen, wenn sie die entsprechende Leistung zeigen. Hou Yfan z.B. hat sowohl in Dortmund als auch Baden-Baden- die beiden Turniere, die Frau Pähtz unrichtig Männerturniere nennt-gespielt. Übrigens, sind beide Turniere nicht vom deutschen Schachbund organisiert. Weshalb sie dann überhaupt diese mit Bezug auf den deutschen Schachbund erwähnt, ist völlig unklar.

Wenn es daneben besondre Frauenmannschaften und- turniere gibt,die Männern verschlossen sind, ist das eine exklusive Förderung und Bevorzugung der Frauen. Für diese mag es gute Gründe geben, aber dann von Benachteiligung zu sprechen, ist der reine Hohn.

Die ganze Diskussion ist doppelzüngig. Auf der einen Seite werden hier auf chessbase Artikel, wie die von Alisa Melekhina veröffentlicht, in denen diese den Begriff Frauenschach angreift. Es gebe kein Frauenschach, sondern nur Schach. Der Begriff Frauenschach sei ein sexistischer,da er das Schach von Frauen in Gegensatz zu dem Schach der Männern setze. Auf der andren Seite wird der Begriff Frauenschach verwendet, wenn es um die Forderung nach besonderer Zuwendungen geht.

Entweder es gibt keinen prinzipiellen Unterschied, dann ist jede getrennte Förderung eine zusätzliche Förderungsmöglichkeit, die Männern nicht offensteht, oder das Schach der Frauen ist eine andere Sportart. Falls es zwei getrennte Bereiche sind, sollte man konsequenterweise alle Turniere trennen. Wenn dann die Frauen besonders hohe Sponsorengelder generieren, da das 'Frauenschach' wegen der spannenden Spiele so große öffentliche Aufmerksamkeit hervorruft, mögen sie gerne höhere Preisgelder verdienen als die Männer, selbst wenn die eigentliche ELO- Leistung niedriger sein mag.
Falk Falk 30.05.2019 12:52
Geht es Elisabeth wirklich um finanzielle Aspekte oder um ein professionelles Umfeld? Natürlich ist sie in der Jugend gefördert worden - vor allem von ihrem Vater. GM Thomas Pähtz ist ein ehemaliger deutscher und DDR-Meister.

Chessbase sollte ein Interview mit Elisabeth führen, in dem sie nochmal genauer darlegt, um was es ihr geht. Sie ist derzeit die beste deutsche Schachspielerin - mit Abstand. Vermutlich fordert sie mehr Förderung ihres Trainings. Vermutlich sieht sie einfach, was in anderen Ländern möglich ist und gegen welche Apparate sie sich International behaupten muss. Arkadij Naiditsch lässt grüßen - den hat ja wohl auch vor allem auch das Training aus Deutschland vertrieben.

Nebenbei: Es gab in Erfurt - ihrer Heimatstadt während des Erfurter Schachfestivals mal gleichzeitig das Erfurter Frauenschachturnier.

Die Webseite
www.frauenschachfestival-erfurt.de
gibt es nicht mehr und auf https://www.erfurter-schachfestival.de/ wird das Turnier überhaupt nicht erwähnt.
Krennwurzn Krennwurzn 30.05.2019 12:46
@DoktorM
Nun ihr Argument kann man auch auf die Männer umlegen:
da gewinnt oftmals der Glücklichere oder weniger Schlechte, wenn man die harte Benchmark des Computers (der immer gewinnt lt. A. Grischuk) anlegt.
DoktorM DoktorM 29.05.2019 08:19
Gerade beim Schach kann man die Fähigkeiten von Männern und Frauen sehr gut vergleichen: Was zählt, sind die Züge auf dem Brett. Und da muss man festhalten, dass die Frauen nicht so tolle Züge spielen. Woran das liegt, ist nicht ganz klar. Wenn man annimmt, dass Frauen und Männer im Schach die gleichen Leistungen vollbringen können, werden heutzutage Frauen gefördert, mit Titeln geschmückt und mit Preisgeldern bedacht, die weit weg sind von dem Potential, das möglich wäre. Wollen die Frauen auf diese Ungleichbehandlung verzichten? Wohl kaum.
Die ELO-Zahl hat sicher wesentlich mehr Aussagekraft als die Anzahl der gewonnenen Medaillen und Titel bei Mädchen- oder Frauenwettbewerben. Dort gewinnt oftmals die Glücklichere oder weniger Schlechte, wenn man es hart formulieren möchte. Solche Erfolge hindern einige daran, ihre Leistung objektiv einzuschätzen. Manche entwickeln Flausen, z.B. den Traum von einer Profi-Karriere oder von gut dotierten Turnieren.
Frauen werden in der Gesellschaft in einigen Bereichen benachteiligt, in anderen bevorzugt. Beim Schach kann ich selbst mit der Lupe keine Benachteiligung finden.
Sturmaske Sturmaske 29.05.2019 06:14
Ich weiß nicht welche Vorstellungen eine Frau Pähtz mit nicht einmal gerade 2500 Elo hat. Wäre sie besser könnte sie auch an größeren Turnieren erfolgreich teilnehmen. Im Frauenschach wird der Abstand zu den Männern ohnehin immer sehr groß sein. Wenn sie das große Geld machen möchte wäre ein attraktiver Beruf empfehlenswerter.
BeatingGonzo BeatingGonzo 29.05.2019 05:47
Ein sehr bedauerlicher Schritt von Elisabeth Pähtz. Sie hat jedoch vollkommen Recht, mehr (finanzielles) Engagement für Frauen einzufordern. Langfristig würde sich dieser Schritt positiv auf das Frauenschach und letztlich auf den Schachsport in Deutschland insgesamt auswirken. Ich habe auch wenig Verständnis dafür, von Schachspielerinnen zunächst Spitzenleistungen im Konkurrenzkampf mit männlichen Schachspielern einzufordern, bevor eine Förderung in Frage kommen soll. Nein, hier muss zunächst investiert werden, bevor die Früchte des Investments geerntet werden können. Ich hoffe, die Schachspielerinnen lassen in ihren Bemühungen nicht nach, den - zumeist männlichen - Funktions- und Entscheidungsträgern diesbezüglich auf die Füße zu treten.
SutterCane SutterCane 29.05.2019 11:16
So wenig ich den Wunsch nach einer Frauenquote in den Führungsetagen deutscher Konzerne begreifen kann - es sollen doch die besten ans Ruder -. so wenig verstehe ich die Forderung nach Gleichbehandlung hier. Frau Paethz hatte von klein auf beste Förderung, hat das Level eines IM. Sie sollte ihre Situation mal mit der IM- Vergleichsgruppe abgleichen ... ja, ich bin für Talentförderung, da muss mehr getan werden ... da zahl ich auch gerne mehr Mitgliedsbeitrag für!
cs001 cs001 29.05.2019 10:47
Es ist natürlich schade, dass eine verdiente Spielerin zurücktritt. Aber das obliegt natürlich allein ihr. Nicht nachvollziehen kann ich einen Teil der Begründung. Die Turniere in Baden-Baden und Dortmund sind keine Turniere, die nur Männern vorbehalten sind. Sie hätte jederzeit Weltklasseleistungen erbringen und dort spielen lönnen. Wenn sie z.B. das Aeroflot-Open gewonnen hätte, hätte sie in Dortmund spielen können. Die Chancen standen (und stehen) ihr offen. Was sie möchte, ist eine spezielle Förderung aufgrund ihres Geschlechtes. Ob und in wieweit man so etwas tut, ist auch immer eine Frage des Geldes. Jeder sollte sich fragen, wieviel er im Jahr bereit ist, mehr Vereinsbeitrag zu zahlen, um z.B. Frau Paethz zu fördern. Grundsätzlich finde ich eine Frauenförderung ja in Ordnung, aber dass man das Ergebnis dann an der absoluten Weltrangliste misst, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Und wenn sie hochklassige Frauenturniere möchte, sie hätte ja das Master in Magdeburg mitspielen können. Hätte dem Turnier gut getan.
SESSE-lfurzer SESSE-lfurzer 29.05.2019 10:37
bitter, aber wenn die Einkünfte aus den Einsätzen mit der Nationalmannschaft nicht angemessen waren, ist das halt die logische Konsequenz...würde mich nicht wundern, wenn Sie trotzdem als Trainerin an Olympischen Spielen anwesend sein wird, das wird bei anderen Team ggf. fürstlich entlohnt.
Ocrana Ocrana 29.05.2019 10:33
Sehr, sehr schade, denn Elisabeth Pähtz ist das Aushängeschild des Frauenschachs in Deutschland. Ihre Begründung kann ich allerdings nachvollziehen. Als Schachfreund bedaure ich diese Entscheidung trotzdem. Ich bin mir sicher, dass auch viele andere Schachfreunde die Turniere von Elisabeth Pähtz genau verfolgt haben. Für mich als "Patzer" ist es dabei unerheblich, ob jemand ~2500 ELO hat oder zur (Männer-)Weltklasse mit >2.700 ELO gehört. Die letzte Frauen-EM beispielsweise fand ich sehr spannend mit einem tollen Ergebnis für Elisabeth Pähtz.
Rheingauer Rheingauer 29.05.2019 10:14
Die Entscheidung finde ich mutig und gut! Ich hoffe aber, dass Elisabeth Pähtz dem Turnierschach weiterhin treu bleibt!
1