Elisabeth Pähtz gewinnt Pia Cramling-Einladungsturnier

von Macauley Peterson
03.09.2018 – Pia Cramling ist eine Schachlegende. Seit Jahrzehnten gehört sie zu den besten Spielerinnen der Welt und dieses Jahr feierte sie ihren 55-jährigen Geburtstag. Am Wochenende ehrte sie ihr Schachklub mit zwei Schachturnieren, die im Scandic Foresta Hotel in Lidingö, Schweden, ausgetragen wurden: ein doppelrundigen Rundenturnier mit vier Teilnehmerinnen und ein offenes Turnier für Frauen. Elisabeth Pähtz gewann das Einladungsturnier, Inna Agrest das Open. | Fotos: Lars OA Hedlund

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Ein Schachwochenende für die Damen

Organisator der beiden Turniere war Wasa SK, Pia Cramlings Schachverein. Im Einladungsturnier spielten Elisabeth Pähtz, Pia Cramling, Ketevan Arakhmia-Kent (Schottland) und Almira Skripchenko doppelrundig Jede-gegen-Jede Schnellschach, und nach sechs Runden hatte sich Elisabeth Pähtz mit 4½/6 Platz eins gesichert - trotz einer Schlussrundenniederlage gegen Cramling.

Elisabeth Paehtz

Elisabeth Pähtz | Foto: Lars OA Hedlund

Pähtz mit gutem Start

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Elisabeth Pähtz war an Nummer eins gesetzt und sie startete gut ins Turnier. Nach den drei Partien am Samstag hatte sie mit zwei Siegen und einem Remis zur Halbzeit die Führung übernommen. In ihren beiden Gewinnpartien - gegen Ketevan Arakhamia-Grant und gegen Almira Skripchenko - hatte sie Schwarz und in beiden Partien stand ein Sizilianer auf dem Brett. In beiden Fällen konnte Pähtz die allzu optimistischen Angriffe ihrer Gegnerinnen mit solidem Positionsspiel kontern.

Zur Halbzeit lag Pähtz einen halben Punkt vor Pia Cramling, die in Runde zwei mit Weiß gegen Arakhamia-Grant gewann. In einem Königsinder hatte Cramling lang rochiert und den schwarzen König ins Zentrum gezerrt, wo er auch im Endspiel nicht gut stand:

 

Am Sonntag setzte Pähtz ihre Erfolgsserie mit Siegen gegen Arakhamia-Grant and Skripchenko fort und stand damit nach fünf Runden als Turniersiegerin fest. Skripchenko hätte sich verteidigen können, aber übersah eine wichtige Ressource.

 

In dieser Stellung muss Schwarz 25...La6 spielen, was nach 26.Dc6 Lb7 Zugwiederholung erzwingt, da Weiß nicht 26.Dxa7 spielen kann, denn dann behält Weiß nach 26...Dxd6 einfach eine Figur mehr.

Stattdessen entschied sich Skripchenko jedoch für 25...Ta6, wonach 26.Tgd1 Weiß vernichtenden Angriff bescherte, der schließlich zu einem Turmendspiel mit Mehrbauern führte, das Pähtz ohne große Probleme gewinnen konnte.

Almira Skripchenko

Almira Skripchenko wurde Dritte | Foto: Lars OA Hedlund

In der letzten Runde spielte Pähtz mit Schwarz gegen die Namensgeberin des Turniers. Im frühen Mittelspiel brachte Cramling ein interessantes Bauernopfer, das an dieser Stelle neu war.

 

Objektiv steht Schwarz nach 13...Se4 gut, aber nach 13...Dc8 hatte Cramling Kompensation für den Bauern und kam am Königsflügel zu gefährlichem Angriff, der am Ende erfolgreich war.

Die anschließende Analyse führte zu einer lebhaften Diskussion über die Partie und das Turnier im Allgemeinen:

Pähtz meinte, es sei eine Ehre, zu diesem Turnier eingeladen zu werden.

"Ich habe mich sehr über die Einladung gefreut, nicht zuletzt, weil ich noch nie in Stockholm war... Es war ein sehr schönes Turnier, supergut organisiert, und es ist besonders schön zu sehen, dass Frauen hier in Schweden geehrt werden, denn ich habe Eindruck, dass Frauenschach in vielen Ländern diskriminiert wird. Das Beispiel dieses Turniers gibt mir Hoffnung, dass andere Verbände die gleiche Richtung einschlagen und Frauenschach generell weiter fördern werden."

Cramling, die mit einem halben Punkt Rückstand auf Pähtz Zweite wurde, zeigte sich mit dem Verlauf des Wochenendes ebenfalls zufrieden.

"Es war phantastisch und ich freue mich sehr, dass es möglich war, diese Turniere zu organisieren... in Schweden hat man die Frauen lange Zeit vergessen, und jetzt haben wir ein großes Problem, weil es immer weniger Frauen gibt, die spielen — viele Mädchen spielen, bis sie zehn sind, weil sie Schulschach spielen, aber sie spielen nur ein Jahr lang und hören dann auf — aber es gibt nur wenig Schachspielerinnen und es scheint fast, als wären wir vom Verband vergessen worden. Und so war diese Veranstaltung sehr schön und hoffentlich ein Neubeginn."


Schlussstand

 

Partien und Kommentare

 
Tag 1 - Live-Kommentar

Dag 2 - Live-Kommentar

IM Anna Rudolf sorgte für den Live-Kommentar und empfing prominente Gäste wie GM Juan Bellon und GM Ferdinand Hellers


Das Open

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Die Teilnehmerinnen im Open hatten am Samstag einen strafferen Zeitplan zu bewältigen, denn am ersten Turniertag mussten sie vier Runden bewältigen. IM Inna Agrest aus Schweden gewann alle vier und setzte sich damit an die Spitze des Feldes. Einen halben Punkt dahinter folgten IM Harriet Hunt (England) und WIM Viktoria Johansson aus Schweden.

IM Inna Agrest | Foto: Lars OA Hedlund

In der Spitzenpaarung gegen die an eins gesetzte Hunt in Runde fünf am Sonntagmorgen gelang Agrest mit Schwarz ein wichtiger Sieg. 

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Hunt versuchte die Stellung mit 29.c4? Lxc4 30.Sxd6 zu vereinfachen, aber das erwies sich nach 30...Lc7 mit Qualitätsgewinn als Bumerang. Besser war 29.d5! Ld7 und jetzt kann Weiß mit 30.c4 das Gleichgewicht wahren. Und spielt Schwarz 29...Lxd5, dann ist 30.Sxd6 möglich, denn dann folgt nach 30...Lc7 31.Td4!

Nach diesem Sieg reichten Agrest zwei Remispartien in den Runden sechs und sieben, um das Turnier als alleinige Erste mit 6 aus 7 zu gewinnen. Hunt, die nur noch selten spielt, holte am Ende 4½ Punkte aus 7 Partien.

Harriet Hunt

IM Harriet Hunt ist mit 40 Jahren immer noch Englands Nummer eins | Foto: Lars OA Hedlund

Endstand

 

Alle Partien - Open

 

Übersetzung aus dem Englischen: Johannes Fischer

Interview mit Pia Cramling




    Macauley ist Editor in Chief der ChessBase News in Hamburg, Germany, und Producer des The Full English Breakfast chess podcast. Er war Co-Producer eines Dokumentarfilms über Magnus Carlsen.
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    siegrun1945 siegrun1945 03.09.2018 08:49
    Harriet Hunt may have a slightly bigger grade than Jo Houska, but she's without doubt a weaker player! Jo is always winning the women's prize in the English championship & she would easily have won this event! That shows you that you shouldn't always go by gradings.

    Thanks for talking about these competitions - very interesting.
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