„Elo-Attacke“ mit ChessBase im Rücken

von Stefan Liebig
24.03.2026 – Oliver Kurmann will Großmeister werden – und das mit 41 Jahren! Im Interview mit dem Schweizerischen Schachbund spricht der Internationale Meister und Schweizer Nationalspieler, der am vergangenen Wochenende in der Bundesliga für Bayern München im Einsatz war, über Karriere, Training und Ziele – ChessBase spielt dabei eine wesentliche Rolle. | Auf dem Foto: Oliver Kurmann spielte am vergangenen Wochende in der Schachbundesliga für Bayern München (l.) Remis gegen Georg Meier vom SC Viernheim (Foto: Angelika Valkova)

DIE SCHACH-HORIZONT-ERWEITERUNG
In ChessBase gibt es immer wieder Ansätze, die typischen Pläne einer Eröffnungsvariante zu zeigen. Zwar ist Schach im Zeitalter der Engines viel konkreter als früher gedacht. Doch gerade Amateure lieben Eröffnungen mit klaren Plänen, siehe Londoner System. In ChessBase ’26 beschäftigen sich gleich drei Funktionen mit der Darstellung von Plänen. Im neuen Eröffnungsreport wird für jede wichtige Variante untersucht, welche Figurenzüge oder Bauernvorstöße darin wichtig sind. In der Referenzsuche sieht man jetzt auf dem Brett, wo die Figuren üblicherweise hingehen. Und startet man die neue Monte-Carlo-Analyse, zeigt auch hier das Brett die häufigsten Figurenpfade.

Attacke!

„Der Zeitpunkt für eine ‚ELO-Attacke‘ ist objektiv gesehen der schlechteste, den ich wählen konnte“ – im Gespräch mit dem Schweizerischen Schachbund spricht IM Oliver Kurmann über seine Pläne, seinen Werdegang, Trainingsmethoden mit Tools wie ChessBase sowie seine Einsätze als Nationalspieler und Bundesligaspieler für Bayern München.

IM Oliver Kurmann ist sich der größe seiner selbstgewählten Mission im aktuellen „Interview des Monats“ des Schweizerischen Schachbundes bewusst: „Es scheint unmöglich, aber …“ ist das ausführliche und interessante Gespräch überschrieben. Schnell wird klar, worum es geht: Er möchte Großmeister werden. Wenn man weiß, dass er bereits die drei nötigen Normen verbuchen konnte (Politiken-Cup in Kopenhagen 2008, Schweizerische Mannschaftsmeisterschaften 2012 und 2021) erzielen konnte, blickt man sofort auf sein Rating. Aktuell fehlen ihm 118 Punkte für die magische 2500er-Grenze. Kurmann möchte das große Ziel angehen. Da er die Herausforderungen auf dem Weg zum Titel kennt, fokussiert er sich komplett. Beruflich nimmt der Jurist, dessen Lieblingsspieler Garry Kasparov ist, ein Sabbatical: „Aufgrund der ELO-Deflation ist es aktuell so schwierig wie noch nie, auf diesem Niveau grosse ELO-Sprünge zu erzielen. Zudem befinde ich mich in einem Alter, in dem die Leistungsfähigkeit bei den meisten abnimmt. Ich bin aber optimistisch und schaue am Ende des Sabbaticals, wo ich stehe.“

Auf dieser DVD geht ein Expertenteam Kasparovs Spiel auf den Grund. In über 8 Stunden Videospielzeit beleuchten die Autoren Rogozenko, Marin, Reeh und Müller vier wesentliche Aspekte von Kasparovs Spielkunst: Eröffnung, Strategie, Taktik und Endspiel.

ChessBase als wichtigstes Hilfsmittel

Der Schweizer Nationalspieler, der mit Luzern 2018, 2021 und 2022 die Schweizer Mannschaftsmeisterschaft gewann und für den FC Bayern München in der Bundesliga spielt, gibt im Interview ausführliche Einblicke in seinen Zugang zum Spitzenschach, seine Entwicklung und die Herausforderungen eines zunehmend professionellen Umfelds.

Kurmann schildert, wie wichtig es ist, konstant an sich zu arbeiten und aus praktischen Erfahrungen zu lernen: „Man muss dranbleiben und die richtigen Schlüsse aus den eigenen Partien ziehen.“ Gerade im heutigen Schach, das stark von Vorbereitung geprägt ist, spielen dabei auch digitale Hilfsmittel eine Rolle. Zugleich bleibt er realistisch: „Hilfsmittel wie ChessBase sind aus dem heutigen Training nicht mehr wegzudenken, aber es entscheidet sich am Brett.“

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Stefan Liebig, geboren 1974, ist Journalist und Mitinhaber einer Marketingagentur. Er lebt heute in Barterode bei Göttingen. Im Alter von fünf Jahren machten ihn seltsame Figuren im Regal der Nachbarn neugierig. Seitdem hat ihn das Schachspiel fest in seinen Bann gezogen. Höhenflüge in die NRW-Jugendliga mit seinem Heimatverein SV Bad Laasphe und einige Einsätze in der Zweitligamannschaft von Tempo Göttingen waren Highlights für den ehemaligen Jugendsüdwestfalenmeister.
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