„Der Zeitpunkt für eine ‚ELO-Attacke‘ ist objektiv gesehen der schlechteste, den ich wählen konnte“ – im Gespräch mit dem Schweizerischen Schachbund spricht IM Oliver Kurmann über seine Pläne, seinen Werdegang, Trainingsmethoden mit Tools wie ChessBase sowie seine Einsätze als Nationalspieler und Bundesligaspieler für Bayern München.
IM Oliver Kurmann ist sich der größe seiner selbstgewählten Mission im aktuellen „Interview des Monats“ des Schweizerischen Schachbundes bewusst: „Es scheint unmöglich, aber …“ ist das ausführliche und interessante Gespräch überschrieben. Schnell wird klar, worum es geht: Er möchte Großmeister werden. Wenn man weiß, dass er bereits die drei nötigen Normen verbuchen konnte (Politiken-Cup in Kopenhagen 2008, Schweizerische Mannschaftsmeisterschaften 2012 und 2021) erzielen konnte, blickt man sofort auf sein Rating. Aktuell fehlen ihm 118 Punkte für die magische 2500er-Grenze. Kurmann möchte das große Ziel angehen. Da er die Herausforderungen auf dem Weg zum Titel kennt, fokussiert er sich komplett. Beruflich nimmt der Jurist, dessen Lieblingsspieler Garry Kasparov ist, ein Sabbatical: „Aufgrund der ELO-Deflation ist es aktuell so schwierig wie noch nie, auf diesem Niveau grosse ELO-Sprünge zu erzielen. Zudem befinde ich mich in einem Alter, in dem die Leistungsfähigkeit bei den meisten abnimmt. Ich bin aber optimistisch und schaue am Ende des Sabbaticals, wo ich stehe.“
Der Schweizer Nationalspieler, der mit Luzern 2018, 2021 und 2022 die Schweizer Mannschaftsmeisterschaft gewann und für den FC Bayern München in der Bundesliga spielt, gibt im Interview ausführliche Einblicke in seinen Zugang zum Spitzenschach, seine Entwicklung und die Herausforderungen eines zunehmend professionellen Umfelds.
Kurmann schildert, wie wichtig es ist, konstant an sich zu arbeiten und aus praktischen Erfahrungen zu lernen: „Man muss dranbleiben und die richtigen Schlüsse aus den eigenen Partien ziehen.“ Gerade im heutigen Schach, das stark von Vorbereitung geprägt ist, spielen dabei auch digitale Hilfsmittel eine Rolle. Zugleich bleibt er realistisch: „Hilfsmittel wie ChessBase sind aus dem heutigen Training nicht mehr wegzudenken, aber es entscheidet sich am Brett.“