Endspielrätsel: Aljechin gegen Capablanca

von Karsten Müller
17.10.2022 – Der Weltmeisterschaftskampf 1927 in Buenos Aires zwischen Herausforderer Alexander Aljechin und Weltmeister José Raúl Capablanca endete mit einer Überraschung: Capablanca war als klarer Favorit in den Wettkampf gegangen, aber nach 34 Partien hatte er mit 3-6 (Remispartien wurden nicht gezählt) verloren und war seinen WM-Titel los. In der entscheidenden 34. Partie kam es nach interessantem Verlauf zu einem theoretisch und praktisch wichtigen Endspiel. Karsten Müller hat sich das Endspiel und die Partie genauer angeschaut und lädt Leser und Leserinnen ein, sich ebenfalls auf Spurensuche zu begeben. | Foto: Capablanca (rechts) und Aljechin bei der WM 1927, in der Mitte Schiedsrichter Carlos Augusto Querencio | Quelle: Wikipedia

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Der WM-Kampf 1927 zwischen Aljechin und Capablanca fand vom 16.9.1927 bis zum 29.11.1927 in Buenos Aires statt. Wer zuerst sechs Partien gewonnen hatte, wurde zum Sieger des Wettkampfs erklärt, Remispartien zählten nicht.

Laut Mega Database hatten Aljechin und Capablanca vor dem Wettkampf zwölf Mal gegeneinander gespielt, sieben dieser zwölf Partien endeten Remis, fünf Mal gewann Capablanca, aber Aljechin war kein einziger Sieg vergönnt gewesen.

Angesichts dieser Bilanz und der Tatsache, dass Capablanca überhaupt nur sehr selten verlor, galt der Kubaner vor dem Wettkampf als klarer Favorit. Schachfans der damaligen Zeit konnten sich einfach nicht vorstellen, dass Aljechin sechs Partien gegen Capablanca gewinnen konnte. Capablanca vielleicht auch nicht.

Doch allen Zweiflern zum Trotz gewann Aljechin die erste Partie des Wettkampfs. Aber mit Siegen in den Partien 3 und 7 übernahm Capablanca dann die Führung im Wettkampf. Dann jedoch konterte Aljechin in den Partien 11 und 12 mit zwei Siegen in Folge und ging 3-2 in Führung. Danach folgte eine lange Serie von Remispartien, bis Aljechin die 21. Partie gewann und seinen Vorsprung auf 4-2 ausbaute. Partie 29 ging dann wieder an Capablanca, doch nach einem Sieg in Partie 32 trennte Aljechin beim Stande von 5-3 nur noch ein Sieg vom Titel. Dieser Sieg gelang ihm schließlich in Partie 34.

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Ein Kuriosum des Wettkampfs ist die Eröffnungswahl beider Seiten: Mit Ausnahme der 1. Partie, in der Capablanca zu 1.e4 griff, was Aljechin mit 1...e6 beantwortete, und der 3. Partie, in der Capablanca mit Weiß in einem Dameninder ohne c4 gewann, diskutierten die beiden Kontrahenten in den restlichen 32 Partien des Wettkampfs die Vor- und Nachteile des Abgelehnten Damengambits. Das stand auch in der 34. und letzten Partie des Wettkampfs auf dem Brett.

 

Eine hochinteressante Partie und mit Hilfe einer Reihe von Fragen lädt Karsten Müller Leser und Leserinnen dazu ein, sich diese Partie genauer anzuschauen.

Schwarz hat die Partie verloren. Aber wann hat seinen ersten ernsthaften Fehler gemacht?

Wie ist die Stellung nach dem 23. Zug von Weiß einzuschätzen?

 

Im 30. Zug spielte Aljechin 30.Sxe5. Was ist von diesem Zug zu halten?

 

Im 38. Zug spielte Aljechin Dc7. Wie ist dieser Zug einzuschätzen?

 

Nach 41 Zügen wurde die Partie abgebrochen. 41.Td7 war Aljechins Abgabezug, den Capablanca nach Wiederaufnahme der Partie mit 41...Db1+ beantwortete. Was ist von diesem Zug zu halten?

 

Nach 50 Zügen stand ein Turmendspiel auf dem Brett, in dem Weiß einen Bauern mehr hat. In der Partie konnte Weiß dieses Endspiel gewinnen, aber ist dieses Endspiel auch tatsächlich gewonnen oder hat Capablanca im weiteren Verlauf der Partie Rettungsmöglichkeiten ausgelassen?

 

Viel Spaß bei der Analysen! Teilen Sie Ihre Einfälle, Beobachtungen, Varianten, Ideen und Gedanken in den Kommentaren!


Karsten Müller gilt als einer der größten Endspielexperten weltweit. Dazu hat sein zusammen mit Frank Lamprecht verfasstes Buch „Grundlagen der Schachendspiele“ ebenso beigetragen wie seine Kolumnen auf der Webseite ChessCafe sowie im ChessBase Magazin. M.s ChessBase-DVDs im Fritztrainer-Format über Endspiele sind Bestseller. Der promovierte Mathematiker lebt in Hamburg, wo er auch für den HSK viele Jahre in der Bundesliga auf Punktejagd ging.
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Karsten Müller Karsten Müller 18.10.2022 07:02
PhishMaster: Many thanks! Your points are right, but there is more to be found...
Karsten Müller Karsten Müller 18.10.2022 06:56
PhishMaster 4 hours ago
I am not going to get into a long, computer-aided debate with a billion lines, but rather my human thoughts about the position. This one seems pretty clear cut really.

After 23.Qa5, it is still equal, but it still looks easier for white to play.

30. Nxe5 is given an exclam in the Mega Database, but Stockfish shows that this virtually forced line, 30. Nxe4 Qxe4 31. a5! (Rc1 was given as the main line in the database) Qd5 32. a6 e4 33. Qc3+ Kh7 34. Nd4 Ra7 35. Ra4 Nb6 36. Ra5 Qd8 37. Nb5 Nd5 38. Qe1 Ra8 39. Qd2, and white is winning. There are other paths, but lead to much worse evals more quickly.


38. Qc7, while not the best move per the computer, this is a position that white does not need to play perfectly, but black does, but no human will. That said, 38. Qa1 lead to a lost rook ending just like in the game.

41…Qb1+ was a mistake, whereas 41…Rf5 and counterattacking on f2 makes it hard for white to be active. White is still better there, and while black still needs to play well there, maybe not quite as perfectly since it is harder for white to push the pawn, and defend f2. After 41…Rf5, it almost looks like a quasi-positional draw…sure white can try to come up with something, but how do you defend f2 and enforce a5 at some point. It is very difficult. If 42. Rd2 then Rc5, and there is no great place for the queen. This was the last great chance to save the game.

The ending after 51. a5 is just won, and Alekhine was never given a chance to save the game from there.
Arelius Arelius 18.10.2022 12:28
@Sangesgott, in der Analyse machen wir das auch. Denn nur so ist in den heutigen Tagen eine genaue Perfektion möglich. Das ist modernes Computerschach und erst da lernt man perfekt wirklich eine Menge. Die Zeit der händischen Analyse in Bezug auf Perfektion ist längst vorbei.
Sangesgott Sangesgott 17.10.2022 11:26
Lieber Arelius, dann setzen Sie sich doch vor den Computer, freuen sich, dass die Engine Ihnen das Denken abnimmt und lassen alle anderen ganz altmodisch analysieren und dabei vielleicht noch ein-zwei Dinge über Endspiele lernen. Danke!
Arelius Arelius 17.10.2022 09:12
Einer der größten Endspielexperten weltweit mit gerade einmal 2532 ELO bezieht sich wohl eher auf Analysen. Doch dafür haben wir in der heutigen Zeit doch starke Computer und Engine wie z.B. Stockfish 15 welche das viel besser können.
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