Die Hamburger Landesliga ist die höchste Spielklasse des Hamburger Schachverbandes. Wer hier gewinnt, steigt in die Oberliga auf, in diesem Fall in die Oberliga Nord Nord. Daneben gibt es im Norden auch noch eine Oberliga Nord-West. In der Oberliga Nord-Nord tummeln sich auch viele Hamburger Mannschaften und einige Teams aus Städten noch weiter nördlich. Der Name ist also vollkommen zutreffend. Von der Oberliga sind es dann übrigens noch nur noch zwei Schritte bis in die Bundesliga.
Die Hamburger Landesliga wird mit einer Staffel zu zehn Mannschaften gespielt. Der größte und älteste Hamburger Schachverein, der Hamburger SK, war hier vor den Schlussrunden noch mit drei Teams vertreten. Der zweitgrößte Hamburger Schachverein, die Schachabteilung des FC St. Pauli, ist mit ihrer dritten Mannschaft in der Landesliga am Start. Hinzu kommen ein paar weitere Traditionsvereine. Die Schachabteilung des SV Großhansdorf von 1942 und der Schachklub Johanneum Gymnasiums (SKJE), aus der 1958 gegründeten Schulschachgruppe der Gelehrtenschule Johanneum Eppendorf hervorgegangen. Der SC Diogenes, eine Abspaltung von Concordia Hamburg, 1977 gegründet, ist mit seinen beiden ersten Mannschaften in der Landesliga vertreten. Die Schachabteilung des TV Fischbek von 1921 spielt mit ihrer ersten Mannschaft mit. Und dann gibt es noch das Team von Weiße Dame Hamburg. Der Verein wurde erst 2002 von René Mandelbaum gegründet und hat sich besonders die Jugendförderung auf die Fahnen geschrieben.
Die Hamburger Landesliga ist die vierthöchste Spielklasse im Schach und auch hier spielen schon einige hochkarätige Titelträger mit, auch Großmeister. Seit einigen Jahren ist der frühere Deutsche Jugendmeister und ehemalige Bundesliga- und Nationalspieler Matthias Wahls für die Schachabteilung des SV Großhansdorf aktiv. In seinem Team spielt am zweiten Brett außerdem die ungarische Nationalspielerin Anita Gara. Sie trägt den Titel Internationaler Meister, ebenso wie Enno Heyken, der schon viele Jahre für Großhansdorf antritt.
Dieses starke Aufgebot wird aber noch vom SKJE übertroffen. Das Team hat sogar drei Großmeister nominiert, Dorian Rogozenko, Elisabeth Pähtz und Tom Wedberg, außerdem zwei IM und einige FM. Der schwedische GM Tom Wedberg kam diese Saison aber bisher nicht zum Einsatz, ebensowenig wie sein Landsmann IM Richard Wessmann. Die übrigen Mannschaften bringen immerhin noch einige FM an die Bretter.
Am Wochenende des 11./12. April spielte die Hamburger Landesliga ihre letzten beiden Runden, aus Gründen waren dies die Runden sieben und neun. Seit einigen Jahren führt der Hamburger Schachbund die Schlussrunden gemeinsam und zentral durch. Austragungsort war am vergangenen Wochenende die Stadtteilschule Alter Teichweg.



Technical Meeting
Die Schule ist ein Hamburger Sportstützpunkt und besonders such für das Schach ein wichtiges Zentrum, seit der bekannte Autor und Schachpromotor Björn Lengwenus hier Direktor wurde. Der Hamburger SK trägt in der Aula der Schule seine Bundesliga-Heimwettkämpfe aus. Auch Wettkämpfe der Zweiten Bundesliga werden hier gespielt, meist in der Mensa. Der Hamburger Schachverband nutzt die Räume der Schule zudem für Veranstaltungen und als Depot für sein umfangreiches Material.
Die gemeinsamen Endrunden der Landesliga wurden am Samstag zunächst in Klassenräumen gespielt. Manch ein Spieler fühlte sich an seine Schulzeit erinnert. Das Gefühl, wenn man seine Hausaufgaben nicht gemacht...

Am Sonntag stand dann wieder die geräumige Mensa zur Verfügung. Organisiert wird die Veranstaltung vom Hamburger Schachverband, was sich "groß" anhört. Aber letztlich sind es immer und überall nur einige wenige aktive Ehrenamtliche, die dafür sorgen, dass der Laden läuft. Wenn die Spieler kurz vor Rundenbeginn eintreffen, ist alles wie von Zauberhand schon vorbereitet. Die benötigte Anzahl von Tischen und Stühlen stehen bereit. Es gibt einen Getränkestand. Die Figuren stehen alle schon auf den richtigen Feldern und die Digitaluhren sind korrekt eingestellt. Bei zehn Mannschaften in dieser Klasse gibt es fünf Wettkämpfe mit je acht Brettern - 40 Bretter mussten also aus den Depots geholt und dann aufgebaut werden. Wenn man schnell und geübt ist, braucht man für ein Brett sicher nur ein oder zwei Minuten. Das sind bei 40 Brettern dann...

Die beiden Schiedsrichter, links: Stefan Wolff
In der Landesliga spielen einige Teams, die schon die Luft der höheren Spielklassen geschnuppert hatten und dorthin zurück möchten, beispielsweise Diogenes und Fischbek. Schwere Rückschläge hatte jüngst auch der SKJE zu verkraften. In der Saison 2022/23 gewann die Mannschaft noch die Oberliga Nord Nord und spielte einen Stichkampf um den Aufstieg in die neu gestaltete zweigleisige Zweite Bundesliga, gegen Kirchweyhe II. Das Match ging verloren und in der folgenden Saison stieg die Mannschaft trotz guter Besetzung als Siebter, bzw. Viertletzter, in die Landesliga ab.
Das Team ist recht prominent besetzt: Für den geplanten Wiederaufstieg wurde der Großmeister und frühere Bundestrainer Dorian Rogozenko geholt. Elisabeth Pähtz spielt an Brett zwei und sammelte fleißig Punkte. Kürzlich wurde sie Mutter und war nach einer kleinen Pause zum Saison-Endspurt wieder dabei. In der Teammitte spielt Alexander von Gleich, eine Zeitlang der Vizepräsident Finanzen des Deutschen Schachbundes. Aus Unzufriedenheit über die Arbeitsweise im Präsidium hatte er allerdings vor einigen Wochen seinen Rücktritt angekündigt.

Vorne Elisabeth Pähtz, hinten Alexander von Gleich
In Runde vier der laufenden Saison leistete sich SKJE jedoch eine Niederlage gegen den TV Fischbek und hatte danach drei Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Diogenes. Doch der ebenfalls ambitionierte Spitzenreiter gab danach auch noch einen Mannschaftspunkt ab und SKJE kam auf Schlagdistanz wieder heran.
Am ersten Tag der zentralen Doppelendrunde kam es zum Duell zwischen Diogenes und SKJE. Da Hannu Wegner seine Partie verlor und die beiden Großmeister an den Spitzenbrettern diesmal nicht beißen konnten, verlor SKJE das Treffen an der oberen Mannschaftshälfte. Dafür gewann aber die unter Hälfte ihren Vergleich klar mit 3:1 und sorgte für einen Sieg.
Hannu Wegner hatte seine gute Partie einzügig verpatzt:
Alexander von Gleich spielte eine lange ausgeglichene Variante im Superbeschleunigten Drachen und bot Remis an. Sein Gegner lehnte ab und wurde überrascht:
Für einen vollen Punkt sorgte auch Rüdiger Zart in einer wilden Reti-Partie:
Der Kampf um den begehrten Aufstiegskampf war allerdings kein Zwei-, sondern ein Dreikampf. Als drittes Team mischte noch Weiße Dame Hamburg mit. Die Weißen hatten im Verlauf der Saison als einzige kein einzige Match verloren, aber dreimal remis gespielt. Am Samstag besiegten sie HSK VI klar mit 6:2.
So standen vor dem letzten Matchtag drei Teams punktgleich an der Spitze: 1. SKJE 2. Diogenes und 3. Weiße Dame, alle mit 13 Punkten. SKJE hatte zwei Brettpunkte Vorsprung in der Zweitwertung.
In der Schlussrunde trafen nun die Mitspitzenreiter Diogenes und Weiße Dame Hamburg aufeinander und SKJE hatte es mit Großhansdorf zu tun, das etwas unter Wert "nur" Platz fünf in der Tabelle einnahm.
Die Wettkämpfe waren lange spannend und umkämpft. Diogenes gewann gegen Weiß Dame mit 4,5:3,5. Also musste SKJE ebenfalls gegen Großhansdorf gewinnen. So sah es aber nicht aus. Beim Stand von 3:3 liefen noch zwei Partien, eine stand schlechter, eine war ausgeglichen. SKJE benötigte aber daraus 1,5 Punkte für den Staffelsieg.
Mit diesem Sieg sicherte sich SKJE dank der besseren Brettpunktanzahl den Staffelsieg und den Aufstieg.
Endstand
| Mannschaft | Sp | MP | BP | BW | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1. | SK Johanneum Eppendorf | 9 | 15 | 44½ | 195½ |
| 2. | SC Diogenes | 9 | 15 | 40½ | 182 |
| 3. | SK Weisse Dame | 9 | 13 | 41½ | 189½ |
| 4. | FC St. Pauli III | 9 | 11 | 37½ | 157½ |
| 5. | SV Großhansdorf | 9 | 9 | 37 | 174 |
| 6. | Hamburger SK V | 9 | 7 | 34 | 135 |
| 7. | SC Diogenes II | 9 | 6 | 32½ | 149½ |
| 8. | TV Fischbek | 9 | 6 | 32 | 150½ |
| 9. | Hamburger SK VI | 9 | 6 | 31½ | 148½ |
| 10. | Hamburger SK IV | 9 | 2 | 29 | 138 |
Zum Schluss noch ein Beitrag für die Regelkunde. Matthias Wahls stand in seiner Partie am Samstag auf Gewinn und musste dafür nur seinen Bauern in eine zweite Dame umwandeln. Eine zweite Dame stand aber nicht zur Verfügung. Aber kein Problem, oder...
Einen ähnlichen Vorfall gab es auch einmal bei einem WM-Kampf Karpov-Kasparov, wurde dort aber ebenfalls pragmatisch gelöst.
Oberliga Nord Nord und Nord West
Aber nicht nur in der Landesliga Hamburg stand das Saisonfinale an. In der Oberliga Nord Nord kämpfte Spitzenreiter Lübecker SV beim Hamburger SK um den Staffelsieg und gewann gegen den Gastgeber klar mit 6:2.
Endstand Oberliga Nord Nord
| Mannschaft | Sp | MP | BP | BW | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Lübecker SV | 9 | 17 | 50½ | 217½ |
| 2. | FC St. Pauli II | 9 | 15 | 44 | 194½ |
| 3. | Schachfreunde HH | 9 | 13 | 38 | 173½ |
| 4. | SK Norderstedt | 9 | 11 | 39½ | 184 |
| 5. | Hamburger SK III | 9 | 9 | 36½ | 166½ |
| 6. | SK Doppelbauer Turm Kiel II | 9 | 8 | 34½ | 148½ |
| 7. | SC Königsspringer HH | 9 | 7 | 35½ | 159 |
| 8. | SF Schwerin | 9 | 7 | 35 | 164 |
| 9. | SV Bad Schwartau | 9 | 3 | 21½ | 90½ |
| 10. | SK Marmstorf | 9 | 0 | 25 | 122 |
In der Oberliga Nord West lieferten sich der Delmenhorster SK und Lister Turm HSK ein Fernduell um den Staffelsieg. Beide Teams war punktgleich, aber Delmenhorst lag Dank der höheren Anzahl der Brettpunkte vorne. In der letzten Runde gewann Lister Turm HSK II jedoch hoch mit 6,5:1,5 gegen den SK Lehrte. Delmenhorst siegte jedoch in gleicher Höhe gegen den SK Nordhorn Blanke.
Endstand Oberliga Nord West
| Mannschaft | Sp | MP | BP | BW | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Delmenhorster SK | 9 | 14 | 49 | 210 |
| 2. | HSK Lister Turm II | 9 | 14 | 47½ | 213 |
| 3. | SK Nordhorn Blanke | 9 | 13 | 45 | 205 |
| 4. | SK Union Oldenburg | 9 | 12 | 35½ | 153 |
| 5. | SK Lehrte 1919 | 9 | 10 | 34½ | 163½ |
| 6. | SV Hellern | 9 | 8 | 31 | 151½ |
| 7. | SV Werder Bremen III | 9 | 7 | 34½ | 158 |
| 8. | Post SV Uelzen | 9 | 7 | 32 | 148½ |
| 9. | SV Osnabrück von 1919 | 9 | 4 | 25½ | 115 |
| 10. | SC Braunschweig Gliesmarode | 9 | 1 | 25½ | 102½ |
Über den Aufstieg in die 2. Bundesliga entscheiden nun Stichkämpfe.
Mit bestem Dank an Stefan Wolff für Partien und Informationen.
Ergebnisse beim Deutschen Schachbund...