Eröffnungen lernen mit Bologan

01.11.2012 – Victor Bologan gehört seit langem zum Kreis der erweiterten Weltspitze und hat vor Kurzem noch einmal einen einen Satz in die Riege der Spieler über 2700 gemacht. Gleichzeitig ist der moldawische Großmeister als Organisator von Schulschachprojekten, als Schachtrainer und als kompetenter Autor für diverse Eröffnungsmonografien aktiv. Bei ChessBase hat Bologan in den letzten Jahren 15 Titel verlegt. Frank Große hat sich die drei neusten DVDs angeschaut, die jeweils Empfehlungen für das Schwarzrepertoire präsentieren. In 1.c4 c5 für Schwarz zeigt Bologan ein sicheres System gegen die Englische Eröffnung. Das flexible Tschebanenko System der Slawischen Verteidigung (Slawisch mit 5...a6) wurde u.a. von Bologan selber populär gemacht. Auf dieser DVD erfährt man also aus erster Hand, wie man das System behandelt. Seine Liebe zur Nimzoindischen Verteidigung entdeckte Bologan hingegen relativ spät und weiß nun: Für Nimzindisch ist es nie zu spät! Victor Bologan bei ChessBase... Zu den Rezensionen...

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Der dreifache Bologan

Für Nimzoindisch einen Bologan ist es wohl nie zu spät! Das hat sich wohl auch ChessBase gedacht, als man den erfahrenen Trainer für drei Eröffnungs-DVDs zu verschiedenen Systemen engagieren konnte. In diesem Review werden die Inhalte der drei Datenträger des moldawischen Spitzen-Großmeisters und ehemaligen Gewinners der Dortmunder Schachtage (2003) untersucht, der seit diesem Jahr den Titel eines FIDE Senior Trainers trägt.

Englisch 1. c4 c5 für Schwarz

Wenn ein Großmeister eine Publikation zu einer Eröffnung herausgibt, ist es sowohl für den Käufer, wie auch für den Rezensenten interessant zu wissen, welchen Bezug der Autor zur Eröffnung hat. Im Falle des vorgestellten Schwarz-Systems gegen Englisch kann Bologan eine sehr lange Erfahrung bescheinigt werden, die er vor allem auf Großmeister-Niveau erfolgreich einsetzt.

Warum entschied sich Bologan für 1. c5 als Antwort, anstatt der zweiten ebenfalls populären Erwiderung 1. e5, die sich ebenfalls um das Zentrum bemüht, den Vorzug zu geben? Zum einen ist 1. c5 ebenfalls eine vollwertige Alternative, sich in den Kampf um das Zentrum einzuschalten, zum anderen kann der schwarze Spieler ein klares Konzept gegen die weißen Aufbauten verfolgen, ohne dabei die Option zu verlieren um den vollen Punkt zu kämpfen.

Zunächst widmet sich Bologan dem direkten Kampf um das Zentrum, indem er Schritt für Schritt die Variante 2. Sf3 Sc6 3. d4 cxd4 4. Sxd4 e6 analysiert. Dabei werden die vollwertigen weißen Fortsetzungen 5. g3 (2 Partien) und 5. Sc3 ebenso betrachtet, wie der Überraschungs-Ausflug 5. Sb5.

An den restlichen Untersuchungen und Beispielpartien hätten Nimzowitsch, Reti & Co. sicherlich ihre Freude gehabt, denn von nun an wird ausschließlich der Versuch unternommen, das Zentrum indirekt durch Fianchettos unter Kontrolle zu bringen. Zunächst bedient sich Schwarz diese Methoden, indem er auf 2. Sf3 Sc6 3. Sc3 direkt 3… g6 antwortet und die Marschrichtung vorgibt. Die logische Fortsetzung 4. e3, gefolgt von 4… Sf6 5. d4 cxd4 6. exd4 d5 ist dann Kern der Betrachtung und Bologan analysiert den siebenten Zug Lg5, cxd5 beziehungsweise Le2. Als Alternative zu 4. e3 sollten die Schwarz-Spieler das direkte 4. d4 kennen, auf das am besten nach 4… cxd4 5. Sxd4 Lg7 6. Sc2 mit 6… Lxc3 bzw. 6… d6 fortgesetzt wird.

Was Schwarz kann, soll mir keiner verbieten, mag sich der Weißspieler denken, indem er ebenso fianchettiert: 2. Sc3 Sc6 3. g3. Schwarz hat praktisch keine ernstzunehmende Alternative, als die Züge zu kopieren: 3… g6 4. Lg2 Lg7. Ab dem fünften Zug wird es Ernst und erfreulicherweise scheut sich Bologan nicht alle sinnvollen weißen Optionen und die darauffolgende Schwarz-Strategie zu demonstrieren: 5. e3, 5. a3, 5. e4 und 5. Sc3. Den Abschluss bilden zwei Videos, bei denen Weiß nach 2. Sf3 Sc6 bereits im dritten Zug das Fianchetto 3. g3 bevorzugt. Die kleinen, aber feinen Unterschiede und die entsprechend empfohlene Reaktion werden dem aufmerksamen Beobachter dargelegt.

Gesamt-Videolaufzeit: 03 Stunden 41 Minuten

Fazit: In 17 Video-Analysen bringt Bologan dem Zuschauer – sofern er eines stabilen Schul-Englisch mächtig ist – seine Lieblingswaffe gegen Englisch näher, die nach genauem Studium der DVD durchaus ihren Reiz entwickelt. Trotz des weißen Anzugs kann der Schwarzspieler gewisse Stellungstypen fast automatisch erreichen und somit relativ leicht Sicherheit in der Eröffnung erlangen, um sich auf die vielfältigen, strategisch und taktisch interessanten Mittelspielpositionen zu konzentrieren.



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Tschebanenko-Slawisch weiter verbessert

Selbst ein erfahrener Schachspieler muss zunächst kurz überlegen, wer eigentlich dieser Tschebanenko war und welche Slawisch-Variante er popularisierte. Die Antwort: Wjatscheslaw Andrejewitsch Tschebanenko (1942-1997) war ein russischer Schachmeister, der in erster Linie als Eröffnungstheoretiker und Trainer in Erscheinung trat. Und wo trainierte er?

Natürlich in Moldawien! Und da schließt sich der Kreis zu Viktor Bologan, der nicht nur ein Buch zum Tschebanenko-Slawisch publizierte (vor vier Jahren), sondern der auch dafür sorgte, dass das System in der vergangenen Jahren massiv an Popularität gewann, da der „Erfinder“ selbst nur wenig publizierte. Bleibt noch die Frage zu beantworten, welche Grundstellung diese Variante auszeichnet. Bitteschön: 1. d4 d5 2. c4 c6 3. Sf3 Sf6 4. Sc3 und mit 4… a6 wird das Chamäleon-artige System eingeläutet. Der Datenträger untersucht dieses in 20 Videos unterteilt, bei denen das Hauptaugenmerk auf den frühen Möglichkeiten des Weißspielers liegt:

  • 5. cxd5 cxd5 6. Lf4 Sc6 (2 Videos)

  • 5. h3, 5. Dc2, 5. Db3, 5. Lf4, 5. Lg5, 5. Se5, 5. g3 (jeweils 1 Video)

  • 5. a4 e6 6 e3, 5. a4 e6 6. g6, 5. a4 e6 6. Lg5 (jeweils 1 Video)

  • 5. c5 (2 Videos)

Ganz klar: Wenn Weiß über eine solche Fülle an Möglichkeiten verfügt, dann kann auch der schwarze Gegenspieler optionenreich agieren. Aus diesem Grund finden sich auch Videos wieder, bei dem Weiß zwar dem Slawischen Aufbau die Treue hält, aber im vierten Zug abweicht:

  • 4. e3 (4 Videos)

  • 4. Dc2 dxc4 5. Dxc4 Lf5 (2 Videos)

Folgt man den Ausführungen stellt man fest, dass Bologan quasi die neuesten Erkenntnisse seit seiner Buchpublikation in diese Veröffentlichung hat einfließen lassen. Diese zeigen aber auch, dass gerade auf höchstem Niveau ein nachhaltiger Vorteil für Weiß immer schwerer zu finden sein wird.

Gesamt-Videolaufzeit: 04 Stunden 40 Minuten

Fazit: Für Schachfreunde, die Freude am Erarbeiten der feinen Nuancen einer Eröffnung haben, sind die Inhalte dieser DVD ein prima Schmaus, da das Tschebanenko-Slawisch auf viele Feinheiten verweisen kann, die erst in den letzten Jahren erarbeitet worden sind. Manch Spieler dürfte sich für diese Verteidigung interessieren, da das Bollwerk, das der Schwarze errichtet kaum „eingerannt“ werden kann. Insgesamt eine feine Theoriearbeit, die den gegenwärtigen Stand dieses Slawischen Systems von Grund auf beleuchtet.



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Für Nimzoindisch ist es nie zu spät

Was die Spanische Verteidigung für die Offene Spiele ist, dass mag die Nimzowitsch-Indische Verteidigung für die Systeme die nach 1. d4 entstehen sein. Vor knapp hundert Jahren wurde diese Eröffnung, welche durch die Züge 1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sc3 Lb4 charakterisiert wird, zum ersten Mal in der Turnierpraxis angewandt. Heute ist das breit analysierte Eröffnungssystem charakteristisch für asymmetrisches, aktives Gegenspiel, bei dem das Thema Springer versus Läufer im Vordergrund steht.

Bologan entdeckte die Eröffnung erst in diesem Jahrtausend, indem er sie ernsthaft analysierte und später erfolgreich in seinen Schwarz-Variantenkoffer aufnahm. Auf dieser Basis sind die Inhalte dieses Silberlings entstanden, der als Repertoire-DVD für den Nachziehenden interpretiert werden kann. Genauso nähert sich Bologan dem „alten“ Letten: Durch die Analysen zu 4. f3, 4. a3, 4. Lg5, 4. g3 und 4. Sf3, denen er je ein Video widmet, erfährt der Lernende, warum 4. e3 und 4. Dc2 die Hauptsysteme des Anziehenden sind. Diese sind folgerichtig der „Rest“-Inhalt der DVD, wobei 6 Videos auf 4. e3 und 7 Videos auf 4. Dc2 entfallen.

Über diese nähert er sich den derzeitigen Hauptvarianten beider Systeme. Nach 4. e3 0-0 5. Ld3 d5 6. Sf3 c5 7. 0-0 cxd4 8. exd4 cxd4 9. Lxc4 b6 entsteht eine Stellung in der Weiß zwischen 10. De2 und 10. Lg5 wählen kann. In beiden Fällen antwortet Schwarz 10… Lb7 und Bologan arbeitet die nachfolgenden Tendenzen in jeweils einem Video heraus. Hier hätte ein jeweils zweites, vertiefendes Video durchaus nicht geschadet. In der heutigen „Hauptvariante“ 4. Dc2 wird insbesondere die Stellung, die nach 4. Dc2 0-0 5. a3 Lxc3 6. Dxc3 b6 7. Lg5 Lb7 entsteht, aufs Korn genommen. Nach den weißen Fortsetzungen 4. e3 (3 Videos), 4. Lg5 und 4. f3 (jeweils 1 Video) zeigt Bologan, wie der schwarze trotz freiwilliger Aufgabe des Läuferpaars aktives Gegenspiel erreichen kann und worin die eigenen Stärken der dynamischen Stellungen zu suchen sind.

Gesamt-Videolaufzeit: 04 Stunden 14 Minuten

Fazit: Nimzowitsch-Indisch ist sicherlich nichts für Jedermann, aber den zu Grunde liegenden strategischen Konzepten dieser Eröffnung, die Bedeutung für Mittel- und Endspiel haben, kann sich kein ambitionierter Spieler entziehen. Erfreulich, dass sich Bologan bei der Betrachtung aus der primär schwarzen Sicht keine bevorteilende Brille aufgesetzt hat, die das System als „Wundermittel“ gegen 1. d4 präsentiert. Die sachlichen Analysen zeigen Stärken und Schwächen auf Grundlage der aktuellen Erkenntnisse auf.

Zielgruppenempfehlung: Die von Bologan gewählten Systeme sind auf allen drei Datenträgern sauber recherchiert und vorgetragen. Dabei handelt es sich keineswegs um „Einsteiger“-Eröffnungssysteme, da diese von fortgeschrittenen Motiven geleitet werden. Zudem kommt hinzu, dass das Material auf hohem Quellniveau basiert, weswegen eine Empfehlung für Spieler ausgesprochen wird, die in dem Verständnis der „klassischen“ Eröffnungssysteme sattelfest agieren und den Horizont erweitern wollen.

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