Eröffnungsübersichten in CBM 135

15.04.2010 – Najdorf mit 6.Lg5 ist wieder populär. Vor Jahren noch erfolglose Spielweisen werden erneut auf den Prüfstand gebracht und siehe da, sie sind plötzlich gut spielbar. Da passt es auch, dass sogar 6...Sbd7 wieder probiert wird. Die Neuheit kommt bereits nach dem als Bestes geltenden 7.Lc4: Schwarz antwortet nun 7...Db6! und nach 8.Lb3 e6 bekommt man häufig ein Szenario, in welchem sich der Sd7 gegen den Lb3 tauscht - mit komfortablem Spiel für den Nachziehenden. Alexey Kuzmin untersucht diesen Aufbau gründlich, geht aber auch auf die Alternative 7.f4 ausführlich ein. Wie es aussieht, muss sich Weiß etwas Besseres einfallen lassen. Weitere 12 Eröffnungsbeiträge finden Sie nur auf der DVD von CBM 135. Taktik, Eröffnungen, Endspiele und mehr bei ChessBase Magazin Online... Kuzmins kompletter Artikel

ChessBase 14 Download ChessBase 14 Download

ChessBase 14 ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

Mehr...

 

Prächtige Gegenspielressourcen mit einem seltenen Zug

Von Alexey Kuzmin

1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Lg5 Sbd7!?

Dies ist ein extrem seltener Zug auf Großmeisterniveau und er genießt einen recht zweifelhaften Ruf, was unverdient ist. Meines Erachtens verfügt Schwarz über einige höchst originelle Ressourcen, die gutes Gegenspiel bieten. Weiß hat zwei logische Möglichkeiten: 7.f4 und 7.Lc4.

A) Die Variante 7.f4

Weiß lädt seinen Gegner dazu ein, mittels 7...e6 wieder zu normalen Abspielen überzuleiten. Doch Schwarz hat andere Ressourcen.

7…Dc7

Weiß besitzt zwei vernünftige Fortsetzungen: 8.De2 sowie das deutlich populärere 8.Df3.

A1) 8.De2 e5!?

Schwarz nutzt den Umstand aus, dass nach 9.Sf5 h6 Weiß gezwungen wäre, sich von seinem schwarzfeldrigen Läufer zu trennen.

9.Sf5 h6 10.Lxf6 Sxf6. Wie die Partie Radjabov,T - Ivanchuk,V ½-½/Bazna 2009, zeigt, hat Schwarz nicht das geringste Problem. 

A2) 8.Df3 h6!

Nicht die beliebteste Fortsetzung. Doch in genau diesem Moment hat Schwarz die Chance, eine taktische Ressource auszunutzen.

9.Lh4 g5!

10.fxg5 hxg5 11.Lxg5 Dc5 und Schwarz hat ausreichende Kompensation, Narmontas,M - Bogner,S ½-½/Antalya 2009.

B) Die Variante 7.Lc4

Mehr als 50 Jahre lang galt dies als Haupterwiderung auf 6...Sbd7, damals in den 50er Jahren erfolgreich angewandt von Bronstein, Tal, Spassky, Nezhmetdinov... 

Zweifellos betont die Entwicklung des Läufers nach c4 die Schattenseite des letzten Zuges von Schwarz; nun wird er nach e7-e6 ständig mit der Möglichkeit eines Opfers auf e6 rechnen müssen. Statt des am häufigsten gespielten 7...Da5 setzen wir fort mit...

7...Db6!

8.Lb3

Die natürlichste Erwiderung. Die Gambitfortsetzung 8.Dd2 Dxb2, in der Praxis kaum jemals gesehen, verdient einige Beachtung. Doch im Vergleich zu dem sattsam bekannten 6…e6 7.f4 Db6 8.Dd2 Dxb2 sehen wir, dass im vorliegenden Fall Schwarz eine bessere Version hat. Weiß kann die gegnerische Bauernstruktur nicht mit Lxf6 schädigen, während Schwarz in Verbindung mit der Entwicklung seines weißfeldrigen Läufers über zusätzliche Ressourcen verfügt.

8...e6

In der MegaBase fand ich nur sieben Partien mit dieser Stellung, allerdings gibt es im Najdorf zwei ähnliche Varianten: 6.Lg5 e6 7.f4 Sbd7 8.Lc4 Db6 und 6.Lc4 e6 7.Lb3 Sbd7 8.Lg5 Sc5. Ich sollte darauf hinweisen, dass viele der von mir unten zitierten Partien diese Position durch Zugumstellung erreichten. Schwarz beabsichtigt ...Le7 und ...Sc5 (in dieser Reihenfolge, um die unerwünschte Zersplitterung seiner Bauernformation nach Lxf6 gxf6 zu vermeiden), um das Feld e6 solide zu verteidigen und anschließend seine Entwicklung mit Dc7, b5 usw. abzuschließen.

Man kann vier Pläne für Weiß bestimmen:

B1) Der Plan mit langer Rochade -

9.Dd2 Le7 10.0-0-0 Sc5

So geschah es in Shirov,A - Dominguez Perez,L ½-½/Corus A Wijk aan Zee 2010.

B2) Der Plan mit dem sofortigen Vorstoß des f-Bauern -

9.f4 Le7 10.f5 Sc5

Kurnosov,I - Areshchenko,A ½-½.

B3) Der Plan mit dem Tausch auf f6, gefolgt von dem Vorstoß des f-Bauern -

9.Lxf6 Sxf6 10.f4

Dieser Tausch bedarf einiger Erklärung. Weiß beabsichtigt, das Feld e6 durch Vorrücken seines f-Bauern anzugreifen, und Schwarz plant, dieser Attacke mit dem Zug ...Sc5 zu begegnen. Daher verhindert Weiß Letzteres, indem er auf f6 nimmt, bevor Schwarz ...Le7 gespielt hat.

Die entstehende Stellung wird analysiert in der Partie Naiditsch,A - Sjugirov,S 1-0/Moskau 2009, wo Schwarz die Fortsetzung 10...e5 wählte. Beachtenswert ist hier die interessante Alternative 10...Le7, und diese Möglichkeit wird in den Kommentaren ebenfalls erörtert.

B4) Der Plan mit kurzer Rochade -

9.0-0 Le7

Das geplante Vorrücken des f-Bauern lässt sich nun vorbereiten mit 10.Le3 Sc5 11.f4, Bok,B - Burg,T ½-½/Venlo 2009, oder mit 10.Kh1 Sc5 11.f4 - Conquest,S - Bischoff,K ½-½/Pulvermühle 2004.

Zu diesem Zeitpunkt fällt es schwer, irgendwelche klaren Schlussfolgerungen bezüglich der neuen Ideen in den Varianten 7.f4 Dc7 und 7.Lc4 Db6 nach 6…Sbd7 zu ziehen, aber die Analyse und die bislang begrenzten praktischen Erfahrungen deuten darauf hin, dass Schwarz prächtige Gegenspielressourcen hat.


Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren