Eröffnungsübersichten in CBM 138

27.10.2010 – Gegen Caro-Kann mit 3.Sc3 gleicht Schwarz aus, nur 3.e5 gibt Weiß zur Zeit etwas Hoffnung auf Eröffnungsvorteil. So einfach ist das, jedenfalls gemäß Leonid Kritz. Allerdings leistet der deutsche Großmeister auch seinen Beitrag zum Beweis dieser Aussage, zumindest, was den zweiten Teil mit der Vorstoßvariante angeht. Im kritischen Abspiel nach 3...Lf5 4.Sf3 e6 5.Le2 c5 6.Le3 zeigt er, wie Weiß sowohl gegen 6...Db6 als auch 6...cxd4 zu einem kleinen Vorteil gelangt. Die Olympiade-Partie Karjakin-Eljanov bestätigte Kritz' Analysen. Weitere 11 Beiträge finden Sie nur auf der DVD von CBM 138. Taktik, Eröffnungen, Endspiele und mehr bei ChessBase Magazin Online...Kritz' kompletter Artikel

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Die Vorstoßvariante mit Sf3-Le2, Schwarz spielt 5...c5

Von Leonid Kritz

Die Caro-Kann-Verteidigung gehört heute zu der Gruppe der klassischen Eröffnungen, die jedem 1.e4-Spieler Probleme bereiten. Ich meine, nach der Russischen Partie ist es die zweit-sicherste Eröffnung gegen 1.e4. Lange Zeit galt 2.d4 d5 3.Sc3 dxe4 als Hauptvariante. Jedoch am Anfang des Jahrhunderts wurden viele Möglichkeiten für Schwarz entdeckt, die zum Ausgleich führen. Seitdem gewann die 3.e5-Variante immer mehr an Popularität. Eine der Subvarianten ist der Aufbau Sf3-Le2, wobei Weiß zuerst seinen Königsflügel entwickelt und erst danach entscheidet, wie er am Damenflügel spielt. Die beste Antwort für Schwarz ist es, sofort c6-c5 durchzuführen, um ein Gegenspiel gegen das weiße Zentrum zu beginnen.

1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 Lf5

Die Ausgangsstellung der 3.e5-Variante, in der Weiß verschiedene Möglichkeiten besitzt. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit dem Aufbau 4.Sf3-Le2.

4.Sf3 e6 5.Le2

Nun hat Schwarz mehrere Spielmöglichkeiten, unter anderen 5...Sd7, 5...Se7, 5...h6 usw. Die stärkste Fortsetzung für Schwarz ist jedoch der sofortige Angriff auf das weiße Zentrum:

5...c5!

6.Le3

Weiß sollte nicht zu den typischen Bauernstrukturen nach 6.c3 wechseln, weil er dann im Prinzip eine französische Stellung auf dem Brett hat, nur mit dem Unterschied, dass der schwarze Läufer auf f5 und nicht auf c8 steht. Dass Schwarz dabei zwei Züge gebraucht hat, um c5 zu spielen, wird durch den aktiven Läufer f5 mehr als ausreichend kompensiert.

In der entstandenen Stellung hat Schwarz zwei grundsätzliche Spielmöglichkeiten - 6...Db6 und 6...cxd4. Es gibt auch selten gespielte Alternativen, mit denen wir uns am Anfang auseinandersetzen werden.

A) Seltene Fortsetzungen

6...Sd7. Offensichtlich ist das Feld c6 für den Springer besser geeignet. Auf d7 steht er relativ passiv und dazu kann die schwarze Dame das Feld d5 nicht mehr kontrollieren, was im Falle von weißem c4 von Bedeutung sein kann. 7.0-0 Se7 8.c4! und Weiß hatte ausgezeichnete Stellung in Haslinger,S - Strating,S 1-0.

6...Sc6. Dieser Zug wäre gut gewesen, wenn der Bauer c5 nicht hängen würde. 7.dxc5! Schwarz wird es sehr schwer haben, den Bauern zurückzugewinnen: 7...Dc7 8.0-0 Sge7 9.c4! und Weiß hatte klaren Vorteil in Edouard,R - Reinhart,E 1-0.

B) 6...Db6!?

Aus weißer Sicht die gefährlichste Fortsetzung. Das Spiel verläuft hier so dynamisch, dass, wenn der Weißspieler nicht genau weiß, wie man spielen muss, er dann nicht nur keinen Vorteil bekommt, sondern ganz schnell untergehen kann.

7.Sc3!

Den Bauern muss man geben, Züge wie 7.b3 oder 7.Dc1 kommen gar nicht in Betracht - so passiv kann man kein Schach spielen.

7...Sc6

Eine Alternative ist 7...Dxb2.

a) In dieser Stellung kann Weiß auf die verrückten Varianten 8.Sb5 c4 9.Sc7+ ¢d7 10.Sxa8 Lxc2 usw. eingehen. Die Stellung, die am Ende entsteht, ist jedoch überhaupt nicht klar und dazu ist es sehr schwer, in solchen Kopf-zerbrechenden Varianten die Übersicht zu bewahren. Deswegen ist meiner Meinung nach der positionelle Zug 8.Db1 besser.

b) 8.Db1! Dxb1 9.Txb1 c4 (9...b6 10.dxc5 bxc5 11.Tb7 d4 12.Lxd4! cxd4 13.Sxd4 Sd7 14.Lb5 und Weiß hatte eine gewonnene Stellung in Baklan,V - Rasmussen,K 1-0) 10.Txb7 Sc6

11.Sb5! Tb8 12.Txb8+ Sxb8 13.Kd2! a6 14.Sa7!, Bologan,V - Palo,D 1-0. In allen Varianten hat Weiß einen klaren Vorteil, der auf gesunder Logik und nicht auf verrückten Computervarianten basiert.

Nun kehren wir zurück zu der Stellung nach 7.Sc3 Sc6:

8.0-0 Dxb2 9.De1!

Wieder finde ich, dass der Versuch, den Turm a8 mittels 9.Sb5 zu gewinnen, keinen klaren Vorteil geben kann. Der Zug 9.De1 führt dagegen zu einer übersichtlichen Stellung mit kleinem positionellen Übergewicht.

9...cxd4

Nicht gut ist 9...0-0-0, weil Weiß nach 10.Tb1 Dxc2 11.Lb5! zu einer sehr guten Kompensation kommt, Kamsky,G - Morozevich,A ½-½.

10.Lxd4 Sxd4 11.Sxd4

11...Lb4!

Schwarz kann keine Zeit mehr verlieren, um den Läufer f5 zurückzuziehen, er muss seine Entwicklung vollenden.

12.Tb1! Dxc3

Nicht viel ändert 12...Lxc3 13.Txb2 Lxe1 14.Txe1, Motylev,A - Belov,V ½-½. Der weiße Turm steht nicht auf b4, sondern auf b2, was aber keinen großen Unterschied macht.

13.Txb4 Lxe1 14.Txe1

Schwarz kann sich nicht gleichzeitig gegen die Drohungen 15.Txb7 und 15.Sxf5 verteidigen, den b-Bauern muss er aber auf jeden Fall behalten.

14...b6 15.Lb5+ Kf8 16.Sxf5 exf5 17.Td1 Se7 18.c4!

und Weiß besitzt großartige Kompensation für den Bauern, Mekhitarian,K - Turov,M ½-½. Hier geht es nur um 2 Ergebnisse - Schwarz hat wegen seines Entwicklungsrückstandes keine Gewinnchancen. Das Ergebnis der Partie hängt davon ab, ob Weiß seine Initiative kreativ umsetzen kann - man braucht originelle Ideen, um die schwarze Stellung zu durchbrechen.

C) 6...cxd4

Schwarz löst den Druck im Zentrum auf, und versucht, seine Entwicklung schnell zu beenden.

7.Sxd4 Se7

Es ist kein Problem für Schwarz, falls Weiß den Läufer f5 nimmt. Die Stellung ist geschlossen und das Läuferpaar hat dadurch nicht so viel Power. Dazu ist der Bauer e5 ein wichtiger Faktor - Weiß muss sich Gedanken machen, wie er ihn verteidigen will.

8.c4!

Das ist der einzige Weg, um Vorteil zu kämpfen! Die alte Hauptvariante lautet 8.Lg5 Dd7 9.Lxe7 Lxe7 10.Sxf5 exf5 11.Sd2 Sc6 12.Sf3 0-0 und Schwarz hat in der Partie Nijboer,F - Erenburg,S 1-0 bewiesen, dass seine Stellung problemlos ist. Ein wichtiger Stellungsfaktor besteht darin, dass der Bauer d5 nicht schwächer als der Bauer e5 ist.

8...Sbc6 9.Da4

9...a6

Schwarz kontrolliert das Feld b5 und will auf c4 nehmen, evtl. soll danach gleich b7-b5 gespielt werden. Das alternative sofortige Schlagen auf c4 hat den Nachteil, dass Weiß den Springer b1 über a3 entwickelt und den Bauern c4 mit dem Springer nimmt, wonach Schwarz Probleme hat: 10.Sa3 Da5 11.Dxa5 Sxa5 12.Sxc4 Sxc4 13.Lxc4, Svidler,P - Anand,V ½-½.

10.Sc3 dxc4 11.0-0-0!

Weiß gewinnt immer mehr Zeit, während Schwarz mit seiner Entwicklung schon deutlich zurückliegt.

11...Da5!

Die Damen müssen getauscht werden, um den Druck aus der Stellung herauszunehmen. Falls 11...Dc8, so erhält Weiß Vorteil nach 12.Sxf5 Sxf5 13.Lb6!, Caruana,F - Cossin,S 1-0.

12.Dxa5 Sxa5 13.Sxf5 Sxf5 14.Lb6 Sc6 15.f4 Tc8

16.g4!

Bei ruhigem Spiel hat Weiß auf lange Sicht nicht so viel - Schwarz will Le7-g5 spielen und das weiße Läuferpaar hat auch nicht viel zu tun. Das Öffnen des Spiels ist eindeutig zu weißen Gunsten.

16...Sh4 17.Lxc4 g5 18.f5 Sxe5 19.Lb3 Lc5

20.La4+!

Eine Neuerung, die vor kurzem von Caruana gespielt wurde. Nach 20...Ke7 21.f6+! Kxf6 22.Se4+ Kg7 23.Sxc5 Sc4 24.La7! hat Weiß die Partie im komplizierten Kampf letztlich für sich entscheiden können - Caruana,F - Arutinian,D 1-0.

Als Schlusswort kann man sagen, dass Weiß bei richtigem Spiel überall am Drücker ist, doch er muss sehr genau spielen, um seinen kleinen Vorteil zu verwerten. Ein Fehlgriff ist genug, um den Vorteil auszulassen, oder wie in den Db6-Varianten sogar in eine schlechtere Stellung zu geraten.



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