Eröffnungsübersichten in ChessBase Magazin 130

22.06.2009 – Abtauschvarianten fast aller Eröffnungen sind bei den Nachziehenden wenig beliebt, weil Weiß oftmals ein zwar nur kleines, aber dafür risikolos erhältliches Spiel auf Vorteil erhält. Umso gefragter sind Mittel und Wege, um trotzdem als Schwarzer zu aktivem Spiel zu gelangen. Großmeister Dejan Bojkov zeigt, wie es gegen Königsindisch mit 6.h3 und 7.dxe5 möglich ist. Den praktischen Beweis trat er bei der Bulgarischen Meisterschaft an, als er sich mit dieser Variante den vollen Punkt holte und damit den Titel gewann. Sehen Sie hier den Artikel (einer von insgesamt 12 Eröffnungsbeiträgen) in voller Länge. Komplette Übersicht ChessBase Magazin 130 CBM-Online Bojkov: Königsindisch 9.Lg5 Sa6 10.Sd5 Td6

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Kämpfen und Siegen gegen ein Remisabspiel

Von Dejan Bojkov


Die Königsindische Verteidigung ist heutzutage außergewöhnlich aktuell. Immer mehr Spieler nehmen sie in ihr Repertoire auf, um mit den schwarzen Steinen um mehr als nur Remis zu kämpfen. Im kürzlich beendeten Superturnier in Linares gab es in 7 von 56 Partien Königsindisch, wobei es dem Nachziehenden gelang, ein posivites Ergebnis zu erzielen. Mehr noch, er verlor keine einzige davon. Um eine sichere Waffe gegen diese aggressive Eröffnung zu finden, ist Weiß bestrebt, so schnell wie möglich die Optionen des Gegners einzuschränken.


In dem positionellen Abspiel 1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 Lg7 4.e4 d6 5.Sf3 0-0 6.h3 e5

versuchte Weiß in letzter Zeit, auf einfache Weise um Eröffnungsvorteil zu kämpfen, und zwar mittels des Damentauschs

7.dxe5 dxe5 8.Dxd8 Txd8 9.Lg5

Dagegen empfehle ich Ihnen eine Reziprokmethode - Entwicklung:

9...Sa6 10.Sd5 Td6 11.Lxf6

(Bezüglich des seltenen 11.Sd2 mit der Idee, das Läuferpaar zu erobern, siehe die Partie Urzica,A - Munteanu,A 1-0)

11…Lxf6

Diese Stellung bekam ich bei der Bulgarischen Einzelmeisterschaft in Blagoevgrad, die bis Ende Februar ging, zweimal vorgesetzt, und ich kann mich über die Ergebnisse nicht beschweren. Der Generalplan von Weiß sieht vor, die Bauern auf der Damenflanke vorzurücken, um Raum zu gewinnen und zu versuchen, die gegnerische Bauernformation dort mit Lxa6 zu zersplittern. Dabei wird er auch liebendgern einen der feindlichen Läufer tauschen. Außerdem kann er auch versuchen, den Damenflügel abzuriegeln und die Figuren dort zu lähmen.

Weiß kann die Bauern auf dreierlei Weise vorstoßen:


A) Das direkte Vorgehen 12.b4 schwächt die lange Diagonale.

Schwarz sollte den zentralisierten Springer sofort mit 12…c6 befragen, wonach 13.c5 ein Fehler wäre wegen 13…Txd5, siehe die Partie Stanec,N - Freitag,M ½-½. Ebenfalls gut für den Nachziehenden ist 13.Sxf6+ , denn die Bauernstruktur spricht für ihn, siehe Skembris,S - Van Wely,L 0-1.


B) Die zweite Methode ist mit der langen Rochade verbunden - 12.0-0-0 -, um erst dann die Bauern vorzurücken.

Doch auch hier bleibt das positionelle Qualitätsopfer eine gefährliche Waffe, Anastasian,A - Akopian,V 0-1. Ebenfalls ausreichend ist die ruhige Herangehensweise wie in der Partie Damljanovic,B - Popovic,P ½-½


C) Damit kommen wir endlich zum Hauptabspiel 12.Tc1.

Der Turm zieht aus der Fesselung und unterstützt den Bauernvormarsch. Dagegen kann Schwarz 12…b6 versuchen, ein Zug, der von dem führenden Weiß-Spezialisten in diesem Abspiel, GM Grivas, in höchsten Tönen gelobt wurde - siehe die Partie Arnaudov,G - Bojkov,D ½-½.

Sogar noch stärker ist meines Erachtens das bescheidene 12…Ld8.

Der Läufer entzieht sich dem Abtausch und kann sich in der bevorstehenden Schlacht als äußerst wertvoll erweisen. Bezüglich der Gefahren, die auf Schwarz lauern können, wenn seine Damenflanke aufgebrochen wird, siehe Arnaudov,P - Urukalovic,R 1-0. Wenn es ihm aber gelingt, die Bauern intakt zu halten, steht er gut: Kapnisis,S - Kotronias,V ½-½, Kukov,V - Bojkov,D 0-1.


Fazit: Gegenwärtig steht Schwarz in der Königsindischen Abtauschvariante mit 6.h3 gut da. Der Damentausch verspricht nicht viel, und es empfiehlt sich für den Anziehenden, komplexeres Spiel anzustreben.


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